Hat Oskar vielleicht doch Recht?

Mea culpa. Selbst als religiöser Mensch kann ich am auch hier vorgestellten Manifest von Salman Rushdie und anderen keinen richtigen Makel finden. Wem es genau so geht, der bewundere, wie sich deutsche Linke konsequent weigern, andere als ihre gewohnten Klassengegensätze zur Kenntnis zu nehmen.

Endlich sind die Jungs und Mädels um Rushdie entlarvt als Vertreter eines “militanten Liberalismus“. Dass die Verfasser des Manifests ihre aus den Menschenrechten abgeleiteten Werte als universal betrachten, muss für linke Relativisten wie Robert Misik eine besondere Sünde sein. Eine ungeheure Frechheit vom Liberalismus, die Freiheit des Einzelnen in den Vordergrund zu stellen - pfui, welch intolerante Ideologie. Haben wir doch gefälligst ein wenig interkulturelles Verständnis für das Bedürfnis islamistischer Fundamentalisten nach Hinrichtungen und Verstümmelungen.

Wer aber seinen Fokus nicht wie befohlen auf die Anti-Kapitalismus-Kritik richtet, der muss einfach irrationale Feindbilder verfolgen. So einfach kann Logik sein, wenn sie nur das richtige Bewusstsein auf ihrer Seite weiß.

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5 Kommentare zu “Hat Oskar vielleicht doch Recht?”

  1. 7.03.2006 | 21:51

    Die doppelte Verneinung im ersten Satz … ist das eine Hommage an die marxistische Dialektik, um die Linken einzulullen? ;-)

  2. Rayson
    7.03.2006 | 21:54

    Welche doppelte Verneinung? ;-)

    Nee, hatte ich schon selbst bemerkt, danke.

  3. Patentizität
    7.03.2006 | 22:12

    “Wir haben allen Grund, mit dem Wort ,totalitär’ sparsam und vorsichtig umzugehen”, schrieb schon Hannah Arendt in ihrer berühmten Studie “Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft”. Arendt unterscheidet zunächst totalitäre Herrschaft von totalitären Bewegungen. Der Begriff totalitärer Herrschaft ist für den Islamismus aus naheliegenden Gründen völlig unbrauchbar. In Iran haben islamistische Hardliner wichtige Machtpositionen, aber gewiss nicht die Gesellschaft unter jener Kontrolle, die totalitäre Herrschaft auszeichnet. Allenfalls wäre der Fall Saudi-Arabien diskutabel.

    Unter dem Aspekt der (Gebiets)Herrschaft, und nicht dem der Bewegung bzw. der politischen Organisation, trifft dies zu. In dieser Hinsicht ist allerdings Syrien und nicht Saudi-Arabien der effizientere Polizei- bzw. Geheimdienststaat. Konkret: Im Iran gibt es mehr Zivilgesellschaft (im Sinne von organisierter, nicht militanter Politik jenseits des Staates) als in Syrien.

    Ein atomar bewaffneter iranischer Staat jedoch wird/würde dadurch nicht ungefährlicher.

    Wobei nicht davon auszugehen ist, dass der undogmatische Linksliberale Robert Misik, Oskar Recht geben würde oder so verstanden werden will wie Oskar.

  4. Patentizität
    7.03.2006 | 22:41

    Nachtrag:

    Wobei nicht davon auszugehen ist, dass der undogmatische Linksliberale Robert Misik, Oskar Recht geben würde oder so verstanden werden will wie Oskar.

    Misik einen Linksliberalen zu nennen war leicht übertrieben, ich hatte ihn im Zuge des 11. September etwas anders in Erinnerung.

    Gewiss, wir können uns die islamistische Herausforderung mit der Axt so zuschlagen, dass sie in dieses Bild passt. Doch in diesen Rahmen passt nur die ganz kleine Minderheit der Dschihadisten und ihrer engsten Anhänger: vielleicht ein paar zehntausend, möglicherweise hunderttausend über den Erdball verstreut. Das ist keine totalitäre Massenbewegung, sondern eine Terrorsekte (die natürlich nicht ungefährlich ist).

    Allein im Irak gehen nüchterne Terrorexperten von ca. 20.000 Personen (Terror-Operateure + Unterstützer*) aus.

    Und der deutsche Verfassungsschutz spricht, wenn ich es richtig im Kopf habe, von 4000 Gefährdern in Deutschland.

    100.000 weltweit ist immer noch eine, gelinde gesagt, untertriebene Schätzung.

    Der Text ist dennoch diskussionswürdig.

    *Unterschieden von (passiven) Sympathisanten.

  5. 7.03.2006 | 22:56

    Siehe auch Richard Herzingers “Endzeitpropheten - oder die Offensive der Antiwestler”: Es gibt kein Rechts, kein Links, kein islamistisch, kein tolerant, es gibt nur Westler und Antiwestler. Wobei ein “Westler” jemand ist, der sich zum (westlichen) Universalismus bekennt.

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