Erziehungsdiktatoren bei Maischberger

Ich gestehe: Ich bin leicht verzweifelt.
Vielleicht kennen Sie das auch: Es gibt Momente, in denen die Wirklichkeit die Wände der Traumwelt durchbricht, die man mühsam um sich herum hochgezogen hat.

Solch einen Moment erlebte ich gestern Abend.
Als Einschlummerhilfe lief der Fernseher, mangels besserer Alternative Frau Maischbergers Gesprächsrunde. Diese Sendung bietet ja zumindest das optische Vergnügen, einer recht schönen Frau beim Sprechen mit anderen Menschen zuzusehen.

Gestern ging es ums Rauchen. Anwesend waren (die Namen lasse ich mal weg, weil ich mich an sie nicht mehr zweifelsfrei erinnere und sie auch nichts zur Sache tun):
Ein Ex-Raucher, den der Lungenkrebs zum Nichtraucher machte, ein Schauspieler, eine Sprecherin der Tabakindustrie, ein Vertreter des Krebsforschungszentrums, eine “Diseuse” und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Ich möchte hier keine erschöpfende Kritik und Analyse der Sendung bringen, nur kurz eine Zusammenfassung: Der Ex-Raucher erzählte von seiner Sucht und dem heilsamen Schock der Erkrankung, der Krebsforschungs-Mensch glänzte vor allem mit Statistiken, die Drogenbeauftragte erklärte, dass sie auch als Nichtraucherin die Nikotinsucht verstehen könne, der Schauspieler war als solcher ein begabter Selbstdarsteller…

Was mich aber schockierte war die Selbstverständlichkeit eines illiberalen Konsenses in der Runde.

Der Krebsforscher fragte, warum man denn dem Rauchen nicht mit Verboten beikommen könne. Es gäbe doch für dieses und jenes Verbote, warum denn beim Thema Nikotin nicht auch?!

Die Drogenbeauftragte meldete sich stolz und strahlend mit der Nachricht, dass “sie dazu [Anm.d.V.: zu irgendeiner Raucherproblematik] auch schon ein Gesetz” gemacht hätten. Gleichzeitig war ihr der gesetzgeberische Enthusiasmus und die Lust am Schaffen von Vorschriften förmlich anzusehen.

Der Ex-Raucher geriet in geharnischten Furor, als die Drogenbeauftragte von freiwilligen Selbstverpflichtungen des Hotel- und Gaststättenverbands sprach.
“Ob denn solche Freiwilligkeit beim Thema der Lehrstellen geholfen hätte?!” Welche Alternative zur Behandlung von Problemen ihm generell vorschwebte, brauchte er gar nicht mehr auszusprechen.

Und natürlich ging es versammelt gegen die Tabakindustrie. Die böse, gewinnsüchtige Vergifterin des armen deutschen Bürgers. Es wurde auch die Aussage von deren Vertreterin entrüstet zurückgewiesen, dass die Schädlichkeit des Passivrauchens möglicherweise wissenschaftlich noch gar nicht als erwiesen gelten könnte. Wozu braucht der Deutsche wissenschaftliche Expertise? Ist doch klar, dass die Tabakmultis lügen!

Bei all dem blieb eine Frage unbeantwortet (der Schauspieler stellte sie nur halbherzig, die “Diseuse” nur ungeschickt):

Was sollte denn bitteschön den Staat berechtigen, erwachsenen Menschen in ihren Nikotingebrauch hinein zu reglementieren?
Mit welcher Begründung sollte man berechtigt sein, Besitzer von Gaststätten und Bars zu zwingen, ihren Gästen das Rauchen zu untersagen? (Hier waren sich die Reglementierer wohl der Problematik des - noch - geltenden Eigentumsschutzes bewusst und führten als Argument den Schutz der Angestellten in der Gastronomie an. Man scheint der Ansicht zu sein, dass diese Angestellten zwangsweise im Gaststättengewerbe arbeiten und bei der Berufswahl nicht wussten, dass sie später einmal Tabakrauch ausgesetzt sind.)

Unterm Strich: Eine große Koalition der Unfreiheit.
Für unangenehme Folgen freier individueller Verfügung über den eigenen Körper werden fast reflexhaft staatliche Regeln in Anschlag gebracht. Und dazu natürlich der antikapitalistische Reflex, den Anbieter (”die Industrie”) unter Verächtlichmachung seines Gewinnstrebens für die Existenz von Nachfrage nach seinem Angebot verantwortlich zu machen.

Bei diesen Argumentationsmustern wird mir etwas mulmig zu Mute, wenn ich an die Zukunft unserer Republik denke. Die Freiheitsfeinde scheinen längst die Oberhand zu haben. Die Menschen sehen sich selbst als dumm, unselbstständig und unfähig zu selbstverantwortlichen Entscheidungen. Die Rettung wird im “Staat” erhofft, in der herdendemokratischen Erziehungsdiktatur über die Einzelnen.

Übrigens bin ich Nichtraucher.

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25 Kommentare zu “Erziehungsdiktatoren bei Maischberger”

  1. 8.03.2006 | 16:54

    Das erinnert mich daran, dass ich vor kurzem in der S-Bahn-Haltestelle stand und aus nicht ersichtlichen Gründen eine Durchsage kam, das “selbstverständlich der ÖPNV-Betreiber der Gesundheit seiner Kunden verpflichtet ist und deswegen ein Rauchverbot in allen Stationen besteht”.
    Mir kam da der Begriff “Gesundheitsdiktatur” in den Sinn.

  2. Rayson
    8.03.2006 | 17:49

    Ein bisschen mehr Differenzierungsfähigkeit, bitte. Tatsache ist, dass Passivrauchen mindestens eine Belästigung darstellt. Dass es gesund sein soll, blauen Dunst einzuatmen, kann ich mir auch nicht so recht vorstellen.

    So lange ich die Wahl habe, ist es ok. Gaststätten, die ihren Paffern freien Lauf lassen, werden von mir eben nicht mehr aufgesucht. Aber ÖPNV-Stationen sind lokale Monopole - da finde ich es angemessen, dass die Belästigung der anderen Mitreisenden unterbunden wird. Auch wenn die o.g. Begründung unglücklich formuliert ist.

  3. 8.03.2006 | 19:03

    Rayson, Rayson, *kopfschüttel*

    Bei deiner schriftlichen Ausdrucksart habe ich oft das Gefühl das da einer sitzt, der auf Teufel komm raus andere belehren will (und an seinem Wesen wird die Welt genesen) ;)
    Nein, ich werde meinen Schriftstil nicht ändern (ich nehme in Kauf, als Giftspritze zu gelten).

    Nichts für ungut
    Salve.

  4. 8.03.2006 | 19:12

    @VolkerD

    An deinen Gefühlen kann und will ich ebenso wenig ändern wie an deinem Schriftstil.

  5. Boche
    8.03.2006 | 19:47

    Ich bin keineswegs grundsätzlich gegen Rauchverbote. Dort, wo Nichtraucher faktisch keine Ausweichmöglichkeit haben (z.B. in den Haltestellen des ÖPNV) finde ich das vollkommen in Ordnung.
    Mir ging es mehr um den Grundtenor, der in der Sendung erkennbar wurde, und den man in unserem Land immer häufiger zu hören bekommt.

  6. Rayson
    8.03.2006 | 20:01

    Das habe ich auch so verstanden. Meine Gegenmeinung war auch nur an VolkerD gerichtet.

    Es ist tatsächlich bezeichnend, wie leicht bei uns Mehrheiten für Freiheitseinschränkungen zu bekommen sind.

  7. 8.03.2006 | 23:43

    Wenn es nicht so verdammt ekelig wäre und dem Staat soviel Kohle bringen würde, hätte ich auch schon längst mit dem Rauchen angefangen. Nur um zu demonstrieren, dass ich mich nicht der Diktatur der vermeintlichen Vernunft unterwerfe.

    Und natürlich wurde auch dieses Thema schon in der genialen Serie “South Park” aufgegriffen.
    (http://en.wikipedia.org/wiki/Butt_Out)

  8. 9.03.2006 | 1:39

    Ich sehe in weitgehenden Rauchverboten eher Schaffung von Freheit, statt Einschränkung.

    Insbesondere weil man als Nichtraucher so gut wie wirklich eine Wahl hat ob man sich Passivrauchen aussetzt oder nicht, außer man meidet kategorisch soziales Zusammensein, vom Treffen in Kneipen, der Rolltreppe zur U-Bahn (wo vor bzw. meist nach der Verbotszone hektisch und eifrig gepafft wird) bis hin zum verrauchten Pausenraum des Jobs (auf die dauer gibt es keine ernsthafte alternative).

    Übrigens hat sich weder jeder Beschäftigte im Gastgewerbe seinen job gründlich ausgewählt (mangels Alternativen) noch ist die Empfindlichkeit gegenüber Rauch etwas konstantes, irgendwann kriegt man unter Umständen ernsthafte gesundheitliche Probleme, egal wie begeistert und selbstbestimmt man kellnert - oder eben nicht.

  9. 9.03.2006 | 11:47

    @nite owl

    Und ich sehe in einem Verbot von langen Haaren eine Schaffung von Freiheit. Langhaarige stören mein ästhetisches Empfinden und mein hat nicht die Wahl sie zu meiden - es sei denn man meidet kategorisch soziales Zusammensein.

    Und was ist mit Autoabgasen und furzenden Fettsäcken?

  10. 9.03.2006 | 12:11

    Mich erstaunt immer wieder an welchen Themen sich Liberale abarbeiten. Wir haben einen Staat, der jede deiner Mails abfangen kann, ohne das du oder dein Provider davon Wind bekommen. Wir haben einen Staat, dessen Telefonüberwachung derart ausgeufert ist, das man annehmen kann, dass fast jeder Kiffer überwacht wird. Wir haben einen Staat, der wie viele andere Staaten auch, Antiterrorgesetze verabschiedet, die in allen möglichen Bereichen angewendet werden, nicht nur zur Terrorbekämpfung.

    Und hier wird über Rauchverbote diskutiert. Passivrauchen ist schädlich. Die Grauzone ist groß. Wenn ich jeden Ort meide, wo ich Rauch ausgesetzt bin, ist meine Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt. Deshalb sind Verbote auch gut zu rechtfertigen. Frage an die Liberalen: Wieviele Tote im Namen der Freiheit sind rechtfertigbar?

    Mein Lehrer sagte mal: “Die Freiheit um sich zu schlagen, hört da auf, wo die Nase des Anderen anfängt” - Da Passivrauchen definitiv schädigt, ist der Fall in Sachen Rauchen doch klar. Kann es in einer liberalen Gesellschaft erlaubt sein, andere zu schädigen, ohne deren ausdrückliche Erlaubnis? (und natürlich darf der Liberale die gewonnene Erkenntnis auf beliebige Umweltthemen ausweiten :-) )

  11. 9.03.2006 | 12:16

    Übrigens hat sich weder jeder Beschäftigte im Gastgewerbe seinen job gründlich ausgewählt (mangels Alternativen)

    Tun wir lieber etwas gegen solche Freiheitsbeschränkungen, als noch weitere einzuführen.

  12. 9.03.2006 | 12:27

    @Klaus

    Das alte Thema: Wir schreiben über das, was uns gerade aktuell interessiert. Andere mögen andere Themen wichtiger finden, die wir z.B. früher mal behandelt haben, aber es wird ja auch keiner gezwungen, bei uns zu lesen oder zu kommentieren. Wenn es nur nach Wichtigkeit geht, mach einen Afrika-Blog auf und schreib nur noch über AIDS, Malaria, Gelbfieber, Hunger und Bürgerkriege - vor diesen Problemen verblasst alles, womit wir alle uns den lieben langen Tag beschäftigen.

    Im Übrigen scheint dich dein Erstaunen über das Thema von der Lektüre der Kommentare abgehalten zu haben. Wir unterscheiden nämlich nach Situation. Dort, wo der Einzelne keine Möglichkeit des Ausweichens hat, sind Rauchverbote durchaus angebracht. Aber das ist kein Grund, den Rauchern, die sich doch so sehr um unsere Sozialkassen verdient machen, ihr Laster auch in privatem Umfeld zu verbieten. Dazu gehören u.a. auch Gaststätten.

    Und schenk dir das Wedeln mit dem Leichentuch. Es sterben jährlich Tausende “im Namen der Freiheit”. Willst du Autofahren auch verbieten?

  13. 9.03.2006 | 15:16

    Ich kann euch die Themen nicht vorschreiben? Schade … ;-)

    Nun das Problem, das ich mit dem Beitrag von Herrn Boche habe, ist seine Unverhältinismäßigkeit. Ich zitiere Herrn Boche:

    Die Freiheitsfeinde scheinen längst die Oberhand zu haben. Die Menschen sehen sich selbst als dumm, unselbstständig und unfähig zu selbstverantwortlichen Entscheidungen. Die Rettung wird im “Staat” erhofft, in der herdendemokratischen Erziehungsdiktatur über die Einzelnen.

    Das ist der Punkt, an dem ich glaube, wo man unterscheiden muss zwischen Wichtigem und Unwichtigem, zwischen Verhältnismäßigem und Unverhältnismäßigem. Boches Beitrag nimmt sich zu wichtig, Boche will uns wegen einer lommeligen Rauchverbotsdiskussion uns was von der großen Unfreiheit erzählen, die in unserem Staate regieren soll. Und da gibt es - natürlich IMHO - bessere Themen, viel bessere …

    Ich lese sehr wohl eure Kommentare, aber beim Thema “Ausweichen” fehlt mir die tiefere Erkenntnis warum in einer Gaststätte es kein Problem mit Rauchern gibt, aber an einer Haltestelle des ÖPNV schon. Wo ist da der tiefere Unterschied. Du bist staatlicherseits nicht gezwungen den ÖPNV zu nutzen. Ihr verkennt, dass genau diese Grauzone das Problem ist, verbunden mit der Tatsache, dass Passivrauchen langsam und unmerklich schädigt.

    Rayson, dein Argument mit den Autofahrern ist auch ziemlich schwach. Erinnert mich irgendwie an Leute die sagen: die paar Tote durch den Terroranschlag, was solls, jedes Jahr werden mehr Menschen getötet durch das Auto.

    Und, ja, ich würde Autofahren den Personen verbieten die *vorsätzlich* (wie die Raucher die Nichtraucher) schädigen wollen durch das Autofahren. Kein Raucher kann mehr behaupten, dass er nicht wüsste, dass Passivrauchen schädigt.

  14. 9.03.2006 | 15:53

    @Klaus

    Und da gibt es - natürlich IMHO - bessere Themen, viel bessere …

    Tja, das ist die Crux mit der Subjektivität und dem Begriff “gut”.
    Nun stell dir doch einfach mal für einen Moment vor, das Raucherthema wäre für mich nicht inhaltlich vorrangig vor wichtigeren sondern schlicht ein Symptom des Problems Unfreiheit.

    Übrigens wäre ich dir für Links zu wissenschaftlichen Untersuchungen dankbar, die das Passivrauchen als schädlich identifizieren. Nicht, dass ich das nicht auch vermuten würde. Ich würde es nur gern bewiesen sein statt nur behaupten.

  15. 9.03.2006 | 16:23

    Gut, das wir uns einig sind, dass ich in meinen Kommentaren meine Meinung vertrete, nicht mehr und nicht weniger. Ich teile auch deine Ansicht, dass bei uns Freiheit ein immer gefährdetes Gut ist, aber wie gesagt gibt es bessere Themen an deren symptomatischen Diskussionen über Verbote und Regulation man dies verdeutlichen kann. Dass diese Verbieten-und-regulieren-Fraktion auch bei diesem Thema anspringt ist ja nicht überraschend, aber beweist wenig.

    Für Einweisungen im Umgang mit dem Internet, Google und Wikipedia stehe ich gerne zur Verfügung. Da mache ich gerne etwas Platz in meinem Terminkalender. Zu meinen üblichen Stundensätzen (die zufälligerweise die gleichen sind wie hier siehe unter Consulting) :-) :-)

  16. 9.03.2006 | 16:51

    @Klaus

    Wenn du dich schon so generös gibst, will ich dem nicht nachstehen und dir erläutern, wo ich den Unterschiede sehe.

    Richtig, du bist nicht gezwungen, den ÖPNV zu nutzen. Aber diese Wahl zwischen Nutzung und Nichtnutzung (bzw. Nutzung eines alternativen Gutes wie z.B. dem Auto) ist die einzige, die dir dann noch bleibt.

    Du bist auch nicht gezwungen, in Gaststätten zu gehen. Du kannst abstinent leben oder dich auch zu Hause besaufen oder vollfuttern (sogar billiger). Aber, und das ist der Unterschied: Du kannst auch das Angebot eines anderen Anbieters wahrnehmen. Vielleicht nicht gerade auf jedem Dorf, aber gerade da sollte man auch ohne gesetzliche Regelungen zu freiwilligen Vereinbarungen kommen können, die allen ihre Freiräume lassen.

    Nochmal zum Autofahren: Ich finde den Vergleich weiterhin sehr passend. Du könntest z.B. die Zahl der Verkehrstoten drastisch senken, wenn du überall Tempo 30 einführen würdest. Wir nehmen also für die Freiheit, schnell Auto fahren zu dürfen, den Tod von Menschen bewusst in Kauf. Ich weiß, diese Erkenntnis beendet Diskussionen, in denen mit Leichentüchern gewedelt wird, immer sehr schnell, aber das völlig zu Recht. Natürlich, dass wir in einem Fall den Tod von Menschen akzeptieren, heißt nicht, dass wir es im anderen Fall auch müssen, aber deine Frage lautete auch moraltriefend anders.

    Übrigens scheinen wir unter dem Begriff “vorsätzlich” etwas anderes zu verstehen. Kein Raucher raucht, weil er damit einem Nichtraucher schaden will. Kein normaler Autofahrer fährt los, um andere in den Tod zu reißen. Aber beide bewirken mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit jeweils genau das.

  17. 9.03.2006 | 18:38

    Man muss auch mal generös sein, wenn man seine Gegner in die Defensive bringt ;-)

    Die Wahl zwischen Nutzung und Nichtnutzung bleibt mir bei einer Gaststätte auch nur. Ich sehe ein, wenn Liberale glauben dort Unterschiede zu sehen, ÖPNV hört sich nach Öko an und riecht nach staatlichem Monopol. Millionen Menschen machen täglich von ihrem Recht [gG]ebrauch Alternativen zu nutzen. Ich persönlich bevorzuge das Fahrrad. Sicher gibt es mehr Gaststätten als Personentransportunternehmen, die den ÖPNV organisieren, und insofern gebe ich dir Recht, manche Unternehmen der Gastronomie setzen auf ein Rauchverbot, wie z.B. oft (immer?) bei McDonalds. Im Übrigen haben Rauchverbote an Haltestellen des ÖPNV meist noch einen Sicherheitsaspekt, und bestimmt auch einen Kostenaspekt (Reinigung von Gleisen und Bahnsteigen).

    Ich finde den Vergleich mit dem Autofahren immer noch unpassend. Ich gehe bei Verkehrsteilnehmern einfach davon aus, dass sie weder vorsätzlich noch fahrlässig andere Menschen gefährden. Als Autofahrer habe ich es in der Hand, ob ich andere gefährde oder nicht (sofern die sich korrekt verhalten). Der Raucher hätte dies auch in der Hand, indem er nur dann raucht, wenn er alleine bzw. mit anderen Rauchern ist, oder alternativ anwesende Nichtraucher um Erlaubnis fragt. Aber das machen sie häufig nicht und nur das ist diskussionswürdig. Zwingen wir sie Rücksicht zu nehmen oder nicht.

    Mich würde schon eure Meinung interessieren in diesem Fall. Nehmen wir an, dass Paasivrauchen zweifelsfrei die Gesundheit schädigt und dass eine Mehrheit existiert, die ihre Gesundheit schützen will. Wäre ein demokratisch herbeigeführtes Rauchverbot in Gaststätten, öffentlichen Plätzen und Gebäuden, etc. wirklich himmelschreiende Unfreiheit? Könnte man eine solche Entscheidung tatsächlich als herdendemokratisch bezeichnen?

    Disclaimer: Ich rauche nicht, ich habe kein Auto und ich habe kein Fernseher (schon um irgendwelchen haarsträubenden Talkshows aus dem Wege zu gehen)

  18. 9.03.2006 | 20:56

    Donna Summer, live 1999…

    Eines vorweg: Ich persönlich finde die Arctic Monkeys einigermaßen langweilig. Ganz nett, aber auch nicht allzu spektakulär. Aber das ist ja egal, was ich da finde. Habe sie auch nicht live gesehen, und der allseits diskutierte taz-Artikel über Mu…

  19. 9.03.2006 | 22:18

    Wo siehst du denn deine Gegner, Klaus?

    Aber egal, dann eben noch zwei Antworten. Erstens: Selbst wenn sich im Straßenverkehr alle immer korrekt verhalten würden (was sie nicht können, wir reden hier über Menschen! und was ist mit den toten Kindern?), kann es trotzdem zu tödlichen Unfällen kommen. Was der richtige Sicherheitsabstand gewesen wäre, erschließt sich auch dem besten Gutachter manchmal erst, wenn es zu spät ist. Es bleibt dabei: Die Entscheidung dafür, Menschen in Automobilen mit einer bestimmten Maximalgeschwindigkeit auf Straßen herumrasen zu lassen, kostet immer und überall Menschenleben. Hingegen kannst du mir zwar viel erzählen, aber dass ein auf der Konstablerwache an mir vorübergehender Raucher mich durch seine Abgase auch nur dem Hauch einer Gefahr aussetzte, wirklich nicht. Da ist zweimal tief durchatmen in Frankfurt sicher gefährlicher.

    Rauchverbote werden übrigens nicht dadurch geadelt, dass du sie mit dem Adjektiv “demokratisch herbeigeführt” versiehst. In unserem Hier und Heute ist das ein reines Füllwort: Wie denn sonst? Wie ich und andere hier dazustehen, haben wir doch wohl hinreichend deutlich gemacht - ich habe keine Lust, das nochmal runterzubeten.

    Ich selbst habe übrigens in meinem ganzen Leben noch nie geraucht. Höchstens ausgiebig passiv während meiner Zeit als Vereinsschachspieler.

  20. 9.03.2006 | 23:14

    Wo siehst du denn deine Gegner, Klaus?

    Ganz locker bleiben, ich bin ein ganz friedliebender Mensch, nur mit einer Tastatur gewaffnet :-)

    Ich glaube schon, dass man fast jeden schweren Unfall auf individuelles Fehlverhalten zurückführen könnte, nur sind häufig die Fakten im nachhinein schwer feststellbar und lückenhaft. Meines Wissens kann sich ein Autofahrer nicht darauf berufen nicht die Höchstgeschwindigkeit überschritten zu haben, er muss seine Geschwinidigkeit der Verkehrslage anpassen. Insofern ist es natürlich richtig, dass Gesetze und Verordnungen und deren formale Einhaltung nicht ausreichend sind, um einen Unfall zu vermeiden. Zudem hat der Individualverkehr natürliche handfeste Vorteile, selbst für Menschen ohne Auto. Der Vorteil passiv mitrauchen “zu dürfen” ist mir nicht klar, auch nicht des Rauchens selber - das erschließt sich nur für die Süchtigen.

    Ich will doch gar nichts adeln, ich frage mich nur ob Rauchverbote zu rechtfertigen sind, auch im Sinne einer freiheitlichen Gesellschaft. Wie weit erlaubt es Freiheit anderen Menschen zu schaden?

    Ich habe leider einige Jahre geraucht und das muss ich leider zugeben, hat es mich einen Scheiß gekümmert wer alles “mitrauchen” muss. Aber hin und wieder werde selbst ich klüger ;-)
    Letztlich bin ich gar nicht für ausufernde Rauchverbote oder ein für ein raucherfeindliches Klima. Aber die Gesellschaft hat schon das Recht hin und wieder alte Gewohnheiten zu überdenken und neue Prioritäten zu setzen. Falls das heißt, dass eines Tages die Raucher nur noch im stillen (privaten) Kämmerlein ihrer Lust frönen dürfen, so muss dies noch keine unfreie Gesellschaft sein. Es haben sich dann nur die Nichtraucher emanzipiert.

  21. 9.03.2006 | 23:25

    Höchstens ausgiebig passiv während meiner Zeit als Vereinsschachspieler.

    Ich stelle mir das gerade bildlich vor: der Gegner sagt SCHACH! und pustet dir Rauch ins Gesicht *SCNR*

  22. 9.03.2006 | 23:45

    er muss seine Geschwinidigkeit der Verkehrslage anpassen

    Eben das, was die Verkehrslage eigentlich verlangt hätte, weiß man oft leider erst hinterher. Aber das ist auch nicht unser eigentliches Thema.

    Wie weit erlaubt es Freiheit anderen Menschen zu schaden?

    Freiheit erlaubt nicht, die Freiheit anderer einzuschränken. Das kann sich auch auf die körperliche Unversehrtheit beziehen. Nur - so wie der Raucher R in der Kneipe vielleicht die Freiheit des Nichtrauchers N einschränkt, so würde ein von N bewirktes Rauchverbot auch die Freiheit von R einschränken, zu rauchen, und die von Gastwirt G, die Verhaltensregeln aller Gäste in seinem Haus festzulegen.

    Aber die Gesellschaft hat schon das Recht hin und wieder alte Gewohnheiten zu überdenken und neue Prioritäten zu setzen.

    Die Gesellschaft? Du meinst wahrscheinlich eine Mehrheit von Einzelnen. Ich wüsste nicht, was die für ein Recht haben sollten, meine persönlichen alten Gewohnheiten zu überdenken.

    Es haben sich dann nur die Nichtraucher emanzipiert.

    Wie gesagt, ich bin Nichtraucher. Und ich habe, obwohl mich ganz unabhängig von irgendwelchen Gesundheitsüberlegungen, die doch eher nur bei langer und unmittelbarer Einwirkung relevant werden, Zigarettenrauch einfach stört und belästigt, noch nie das Bedürfnis nach gesetzlichen Rauchverboten empfunden. Geschlossene Räume, in denen gequarzt wird, betrete ich meist gleich zweimal: zum ersten und zum letzten Mal.

    Ich stelle mir das gerade bildlich vor: der Gegner sagt SCHACH! und pustet dir Rauch ins Gesicht *SCNR*

    Ein durchaus beliebter, aber längst abgedroschener Trick, der übrigens in brenzligen Situationen ohne Schach-Gebot (wenn’s soweit ist, ist das Problem schon längst da) noch wirkungsvoller ist. Schachspieler sind in Sachen Psychotricks extrem erfinderisch - auf dem Brett (das war als eher durchschnittlicher Patzer immer meine Variante) und jenseits des Brettes.

  23. 10.03.2006 | 0:16

    Für dich ist also die Freiheit die Sucht zu befriedigen gleichwertig mit der Freiheit bzgl. körperliche Unversehrtheit. Interessant. Aber ich setze auch darauf, dass die Gastwirte zunehmend von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und das Rauchen einschränken oder ganz verbieten.

    Ich wüsste nicht, was die für ein Recht haben sollten, meine persönlichen alten Gewohnheiten zu überdenken. - sofern deine Gewohnheiten anderen schaden: JA (aber jetzt drehen wir uns im Kreis)

    Auffällig ist auch der Unterschied zwischen normalen, noch akzeptierten, Rauchern und den Kiffern, mit ihren verbotenen Rauchwaren. Aus liberaler Sicht ist das Verbot von “weichen” Drogen ebenso problematisch. Wobei Letztere sich hauptsächlich selbst schaden und das Passivrauchen bei Hasch nicht gefährlicher ist als bei normalem Tabak. Hoffe ich jedenfalls, denn auf meinem Stock wohnen Leute, die so intensiv kiffen, dass man kaum den gang langlaufen kann ohne High zu werden. Zum Teil kam der Geruch bis in meine Wohnung, da hat es mich schon gejuckt die Polizei herzulotsen :-)

  24. 10.03.2006 | 0:36

    Für dich ist also die Freiheit die Sucht zu befriedigen gleichwertig mit der Freiheit bzgl. körperliche Unversehrtheit.

    Zunächst ja, selbstverständlich. Freiheit ist unteilbar. Erst, wenn sich aus dem einen zwingend die Einschränkung des anderen ergäbe, würde eine Abwägung fällig, die dann natürlich zu Gunsten der körperlichen Unversehrtheit ausfiele.

    Aus liberaler Sicht ist das Verbot von “weichen” Drogen ebenso problematisch.

    Selbstverständlich. Es gibt viele Liberale, die sich für eine Freigabe einsetzen.

  25. 30.03.2006 | 11:48

    Irgendwie funktioniert das Trackback hier nicht… also einmal von Hand: http://www.studiur.net/?p=5&language=de ;-)

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