Tal der Wölfe (3) - Die Handlung

In vielen Artikeln über TdW wird die Auffassung vertreten, die Handlung des Films sei “schnell erzählt”. Ich bin da ganz anderer Auffassung:

Hintergrund

Wie in nahezu allen Rezensionen erwähnt, dient die so genannte “Sack-Affäre” (englisch “Hood Event“) als Aufhänger für die Haupthandlung von Tal der Wölfe - Irak:

Am 4. Juli 2003 wurde in Silemani (Nord-Irak) ein türkischer Vorposten von amerikanischen Truppen umstellt und die dort befindlichen türkischen Soldaten zum Verhör abgeführt, nachdem ihnen Kapuzen über den Kopf gezogen worden waren. Nach einem Protest der türkischen Regierung kamen sie 60 Stunden später wieder frei.Die folgende Wiedergabe der Filmhandlung ist nicht unbedingt chronologisch; so genau konnte ich mir den Ablauf nicht merken; schliesslich bin ich Freizeit-Blogger und kein Filmkritiker.

Haupthandlung

Ein Selbstmord 

Der Film beginnt mit dem Selbstmord eines türkischen Offiziers, der in die Sack-Affäre involviert war. In seinem Abschiedsbrief an den türkischen Geheimagenten Polat Alemdar fordert er diesen dazu auf, die erlittene Schande zu rächen.

Rückblende auf die Sack-Affäre

Die nächste Szene ist eine Rückblende auf die konkreten Ereignisse der Sack-Affäre. Der türkische Kommandant erbittet telefonisch von seinem Vorgesetzten die Erlaubnis, gegen die Amerikaner kämpfen und mit seiner Truppe den Heldentod sterben zu dürfen - um damit die Ehre der türkischen Armee zu wahren. Diese Erlaubnis wird ihm verweigert.

(Bis hierhin erfüllte der Film noch meine Erwartungen: Jede Menge Pathos und Zurschaustellung von Ehrgefühl.)

Es folgt nun der erste Auftritt des großen Gegenspielers von Polat Alemdar, des Amerikaners mit dem sprechenden Namen Sam Marshall. Dieser weist gleich nach Betreten des Büros des Vorgesetzten darauf hin, dass er zwar mal Angehöriger der US Army gewesen, nun aber Zivilist sei.

(Hier tauchte das erste Fragezeichen auf: Warum nimmt ein amerikanischer Zivilist im Nordirak türkische Soldaten fest? Naja, egal. Bei der Menge an schnell wechselnden Untertiteln ist volle Konzentration gefragt; Zeit zum Nachdenken bleibt da kaum.)

Einreise in den Irak

In der nächsten Einstellung sieht man schon den türkischen Geheimagenten Polat Alemdar mit seinen zwei Begleitern in einem BMW auf den mit drei kurdischen Soldaten besetzten Grenzposten zubrettern. Dass die drei Türken den Kurden ihre Pässe vorzeigen sollen, können sie gerade noch verstehen. Als die Kurden allerdings von ihnen fordern, sich, während der BMW gefilzt wird, flach in den Sand zu legen, ist Schluss mit lustig. Die Grenzposten werden von Polat umgenietet und die Fahrt wird ohne weitere Störungen fortgesetzt.

(bis hierhin also drei tote Kurden; man kann ungefähr ahnen, wohin die Reise geht)

Hochzeitsvorbereitungen

Schnitt. In einem Vorort von Erbil wird ausführlich der Beginn einer arabischen Hochzeit gezeigt. Ein Hauch von ARD-Weltspiegel durchweht den Kinosaal. Zum ersten Mal treten die schöne Leyla sowie ihr Ziehvater, Sufi-Scheich Abdurrahman Halis Kerkuki auf.

Im Hotel

Schnitt. Die drei türkischen Geheimagenten lassen sich an einem Tisch im Speisesaal eines Luxushotels in Erbil nieder. Polat Alemdar bittet den Ober, den Hotelier an den Tisch zu holen. Nach einigem Hin und Her wird der Hotelier tatsächlich gerufen. Alemdar eröffnet ihm, dass er und seine beiden Kumpels alle sechs tragenden Säulen des Hotels mit Sprengladungen versehen hätten; der Hotelier möge doch bitte seinen Kumpel Sam Marshall anrufen und ihn bitten, herzukommen. Falls er sich weigere, werde eine Säule nach der anderen gesprengt.

Der Hotelier ruft Sam Marshall an und übergibt dann das Handy an Alemdar. Natürlich weigert sich Marshall zunächst, unter Hinweis auf einen Repräsentationstermin. Damit der Zuschauer sich von den Umständen des Termins überzeugen kann, wird eine Stadthalle gezeigt, wo - unter einem großen Foto von George W. Bush - schon alle auf den guten Onkel Sam warten, u.a. auch ein Kinderchor.

Letztendlich gibt Marshall nach, sagt seinen Termin ab und macht sich auf den Weg zum Hotel.

Als nächstes sieht man einen orthodoxen Juden (komplett mit Strejmel und Pejes) in gebückter Haltung aus dem Speisesaal verschwinden.

(Nee, is’ klar. War dem Orthodoxen natürlich zu langweilig in Williamsburg/N.Y., Antwerpen oder Mea Shearim; deshalb ab in den Nordirak, mal gucken, was da so abgeht. Aber als es brenzlig wird, sieht er zu, dass er Land gewinnt, logo.)

Polat Alemdar und Sam Marshall im Hotel

Die nun folgende Szene ist für mich die Schlüsselszene des ganzen Films. In einem unendlich langen Dialog besprechen Polat und Sam in aller Ausführlichkeit das türkisch-amerikanische Verhältnis im allgemeinen und die Sack-Affäre im besonderen. Zusammengefasst geht der Dialog so:

Polat: “Ihr habt uns gedemütigt. Dafür verlange ich Genugtuung!”

Sam:”Naja, ihr seid halt schwach und von uns abhängig. Seit 50 Jahren bekommt ihr Geld von uns, sogar der Gummi in Euren Unterhosen ist von uns; ihr könnt nichts gegen uns machen.”

Polat: “Aber heute sind wir mal die Stärkeren. Wir haben die Bombe.”

Daraufhin legt er eine Kapuze auf den Tisch und befiehlt Sam, sie überzuziehen. Was danach geschehen soll, war mir nicht so ganz klar. Aber das spielt auch keine Rolle, denn Marshall kann sich aus der Situation befreien, indem er durch einen Wink den Kinderchor in den Speisesaal bringen lässt. Da Alemdar natürlich keine Kinder in die Luft sprengen will, gibt er (vorerst) auf und zieht sich mit seinen Kumpels zurück. Der Kinderchor singt Beethovens “Ode an die Freude”, Sam Marshall begleitet sie dazu am Klavier. (Die “Ode an die Freude” hat er übrigens vorher schonmal gespielt; sie scheint also sein Lieblingsstück zu sein - oder das einzige Stück, das er fehlerfrei spielen kann)

Die Razzia auf der Hochzeit

Als nächstes sind wir wieder auf der Hochzeit. Vor dem Hof fährt amerikanisches Militär auf, von Ferne beobachtet von Sam Marshall in seinem Luxusschlitten. Die Soldaten gehen in Position und ein Soldaten will sofort losballern. Ein zweiter Soldat gebietet dem Einhalt und sagt: “Wir warten erst die Freudenschüsse ab.” Bald darauf ertönen die auf orientalischen Hochzeiten obligatorischen Freudenschüsse, worauf der Soldat sagt: “So, jetzt kannst du loslegen. Sie haben zuerst geschossen. Jetzt sind sie Terroristen!”

Die Soldaten nähern sich dem Hof, in dem die Hochzeit stattfindet. Der kommandierende Offizier nähert sich nun mit einigen Soldaten und verlangt Einlaß. Die arabischen Honoratioren versuchen, ihm klar zu machen, dass er sich auf einer Hochzeit befindet, aber das ist dem Offizier egal. Er verlangt, von allen männlichen Anwesenden die Pässe zu sehen.

Währenddessen haben sich einige Soldaten im Hof verteilt. Ein kleiner Junge geht auf einen der Soldaten zu und fängt an, mit einem Stock in dessen Gewehr herum zu stochern. Der Soldat zieht das Gewehr weg, doch der Junge stochert weiter. Daraufhin erschiesst der Soldat den Jungen, und das große Chaos bricht los. Die männlichen Hochzeitsgäste fangen jetzt an, auf die Soldaten zu schiessen, die schiessen zurück und treffen unter anderen den Bräutigam tödlich.

Nachdem die männlichen Hochzeitsgäste in LKW verladen und abtransportiert worden sind, kommt es zu einem Gespräch zwischen dem Scheich und seiner Ziehtochter, der Braut. Die Braut sinnt auf Rache und ist entschlossen, einen Selbstmordanschlag zu verüben. Der Scheich überzeugt sie jedoch, wiederum in einem längeren Dialog, dass Selbstmordanschläge nicht mit dem Islam zu vereinbaren sind und dass man die Rache Allah überlassen solle.

Auf dem Weg nach Abu Ghureib

Die nächste Szene spielt in der Wüste und zeigt den LKW-Konvoi mit den gefangenen Hochzeitsgästen. In einem der LKW kommt es zum Streit zwischen zwei Soldaten. Der eine Soldat meint, die Gefangenen bekämen nicht genug Luft. Daraufhin stoppt der Fahrer (der übrigens Dante heißt), springt aus dem LKW und schießt mehrere MG-Salven auf den Container auf der Ladefläche. Aus dem Innern des Containers sind Schmerzensschreie zu hören. Der andere Soldat stellt den Schützen entsetzt zur Rede. Dieser entgegnet: “Was willst du? Jetzt haben sie doch genug Sauerstoff, oder?” Der “gute” Soldat erwidert etwas wie: “Du bist ja völlig übergeschnappt.” Darauf Dante: “Das sind doch alles Terroristen!” - “Und wir sind Soldaten, Mann!” An dieser Stelle verlässt Dante jegliche Dialog-Bereitschaft und er erschießt seinen Kameraden einfach, um dann die Fahrt allein fortzusetzen.

(Falls das noch nicht klar geworden sein sollte: Nicht Sam Marshall, sondern Dante ist der eigentliche Bösewicht des Films. Bezeichnenderweise ist auch er kein reguläres Mitglied der US Army und trägt demzufolge auch keine Uniform, sondern rennt im Unterhemd durch die Gegend. Dadurch kommen seine Muskeln besser zur Geltung. Außerdem kaut er unablässig Kaugummi.)

In Abu Ghureib

Die Kolonne mit den Gefangenen kommt an ihr Ziel. Auf einem Schild steht groß und deutlich: ABU GHRAIB - MILITARY PRISON. Von dem Dante-Transport haben natürlich nicht alle überlebt, viele sind mehr oder weniger schwer verletzt.

Die nächste Szene ist die berüchtige Szene mit dem jüdischen Arzt. Man sieht zunächst nur eine Art Operationssaal; zwei Hände schneiden einem (offenbar unter Narkose stehenden - immerhin) Gefangenen eine Niere heraus und legen sie in eine Kühlbox mit der Aufschrift “London”. Die daneben stehenden Boxen tragen die Aufschriften “New York” und “Tel Aviv”.

Im folgenden macht der jüdische Arzt Dante Vorwürfe wegen der Verletzten und Toten, indem er u.a. sagt:

“Wann lernst du es endlich - das sind Menschen! Die kann man nicht einfach abknallen!” Ich fragte mich gerade, was da im Drehbuch wohl schief gelaufen sein müsse, dass einem jüdischen Arzt solch’ ein Text in den Mund gelegt wurde, als dann die Nachsätze alles wieder ins Lot brachten: “Erstens brauche ich die Gefangenen lebend. Und zweitens kann ich ihnen keine Organe entnehmen, wenn du sie vorher perforiert hast, kapiert?”

Dieser Logik kann sich auch Dante nicht entziehen.

Um aber auf Nummer Sicher zu gehen, beschwert sich der jüdische Arzt später in einer Extra-Szene nochmal bei Sam Marshall über die Behandlung der Gefangenen. Nachdem er nochmal betont hat, dass er diese lebend und am Stück brauche, begegnet er dem zart angedeuteten Widerspruch Marshalls dadurch, dass er sagt: “Ich rette durch die Organentnahmen Menschenleben!” (Soll heißen: Er rettet damit Menschen im Westen, und ein Terrorist kann ja immerhin mit einer Niere auch noch weiter leben.)

Verhandlungen

Nun folgt ein tiefer Einblick in den harten Alltag eines Amerikaners, der im Irak was zu sagen hat: Alle wollen was von ihm und er muss dauernd mit irgendwem verhandeln. Endloses Palaver mit dem Turkmenen-Führer, dem Kurden-Chef und dem arabischen Clan-Chef. Insbesondere geht es darum, dass die Turkmenen umgesiedelt werden sollen. Damit ist der Turkmenen-Führer nicht einverstanden und äußert die Vermutung, dass die Amerikaner nur den Kurden die Erdölquellen sichern wollten. Sam Marshall hingegen versichert treuherzig, dass die Umsiedlung nur aus Sicherheitsgründen angeordnet worden sei.

Selbstmordanschlag auf dem Markt

Nachdem durch einen Schwenk über den Markt demonstriert worden ist, wie friedlich das Leben im Irak sein könnte, gäbe es die Amerikaner nicht, begegnen sich auf dem Markt die schöne Witwe und der Vater des auf der Hochzeit getöteten Jungen. Die Witwe erkennt, dass der Vater gerade im Begriff ist, sich in die Luft zu sprengen und Sam Marshall, der in einem Restaurant am Rande des Marktes mit dem Turkmenen-Führer konferiert, dadurch mit in den Tod zu nehmen; der Vater lässt sich nicht von seinem Plan abbringen und zündet den Sprengsatz, als Sam Marshall das Restaurant verläßt.

Was folgt, ist eine der wenigen wirklich brutalen Szenen des Films: die Kamera bleibt nämlich auf die Opfer gerichtet - und der Zuschauer sieht, was nach einem Sprengstoffanschlag eben zu sehen ist und was normalerweise nicht in den Nachrichten auftaucht…

Der verletzte Sam Marshall beim Arzt

Sam Marshall wurde bei dem Anschlag natürlich nur leicht verletzt. Die nächste Einstellung zeigt ihn im munteren Gespräch mit dem jüdischen Arzt, während dieser ihm Splitter aus der Schulter entfernt. In dem sich anschließenden längeren Dialog gibt Sam Marshall seiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass dieser Attentäter wohl geglaubt habe, durch diesen Selbstmordattentat ins Paradies zu kommen. Nachdem er noch ein bißchen über seine eigene christliche Grundhaltung räsoniert hat, erwidert der Arzt, dass er ja zum auserwählten Volk gehöre und somit ohnehin einen Platz im Paradies sicher habe. Damit ist dann die Religionszugehörigkeit des Arztes endgültig geklärt. Der Arzt bietet Marshall dann noch Morphium zur Linderung seiner Schmerzen an, was dieser nach einigem Zögern annimmt.

Marshall erschießt den Turkmenen-Führer

Obwohl der Turkmenen-Führer bei dem Attentat direkt neben Marshall gestanden hat, beschuldigt dieser ihn, hinter dem Anschlag zu stecken. Nach einem Wortwechsel wird der Turkmenen-Führer von Marshall erschossen.

Sam Marshall will den Scheich beseitigen lassen

Mittlerweile hat Sam Marshall mitbekommen, dass der Scheich bei allen Volksgruppen große Achtung genießt und möchte ihn deshalb beseitigen lassen. Als er dem Führer der Kurden - wiederum in einem relativ langen Dialog - den Auftrag dazu erteilt, weigert sich dieser.

Ein weiterer Anschlag auf Sam Marshall

Die Gruppe um Polat Alemdar präpariert einen Konzertflügel, der für die Villa von Marshall bestimmt ist, mit einer Bombe. Durch Zufall explodiert der Flügel, als Marshall sich gerade auf dem Balkon aufhält. Er wird nur leicht verletzt.

Verfolgungsjagden

Natürlich weiß Marshall sofort, wer hinter diesem Anschlag steckt und läßt Polat Alemdar und seine beiden Mitstreiter von der Armee jagen. Es folgt eine Durchkämmung der Altstadt von Erbil - von Haus zu Haus, mitten in der Nacht. Die Witwe versteckt die drei Türken im Keller ihres Hauses, so dass sie der Festnahme entgehen.

Unterdessen treffen die vertriebenen Turkmenen im arabischen Teil der Stadt ein; ihr Hab und Gut befindet sich auf Leiterwagen und LKW und es herrscht großes Wehklagen und große Verbitterung über die Kurden und die Amerikaner, die an der Vertreibung schuld sind.

Der Beschuss einer Moschee

Gegen Ende des Films befinden sich die drei Türken auf dem Gelände einer Moschee, wo sie von amerikanischen Truppen eingekreist werden. Die Amerikaner nehmen die Moschee ohne viel Federlesens unter Beschuss. Dabei kommen viele Betende ums Leben. Während des anschliessenden Kampfes macht einer der Begleiter von Polat Alemdar eine abfällige Bemerkung über Kurden, worauf der andere erwidert: “Ich bin auch Kurde!” - “Ja, aber du bist anders!” - “So fängt es immer an.” (Ich muss gestehen, dass das der einzige Satz im Film war, der für mich keinen Sinn ergab.)

Showdown

Zum Finale tötet Leyla den Oberschurken Dante, der zwischenzeitlich noch jede Menge Untaten begangen hat, bevor sie auf Sam Marshall trifft und von diesem erschossen wird. Zum krönenden Abschluss wird Sam Marshall von Polat Alemdar getötet: Er rammt ihm Leylas Dolch ins Herz und dreht ihn in der Wunde nochmal um, dass es quietscht.

ENDE

Nebenhandlungen

Abgesehen von dieser Haupthandlung gibt es noch diverse Nebenhandlungen, als da wären:

Mißhandlungen in Abu Ghraib

Eine der zur Bewachung der Gefangenen abkommandierte Soldatin der US Army stürmt in eine Zelle, wo gerade ein Gefangener sein Gebet verrichtet, und prügelt ihn auf den Gang hinaus. Dort muss er sich entkleiden und mit anderen nackten Gefangenen eine menschliche Pyramide bilden.

Sam Marshall betet

In einer Szene kann man Sam William Marshall vor einem eisernen Kruxifix knien sehen. In seinem langen Gebet schwört er u.a., dass er Babylon von den Ungläubigen befreien werde.

Entführung eines amerikanischen Journalisten

Der Sufi-Scheich stürmt in ein Verließ, wo gerade eine Gruppe von Entführern dabei ist, ein Enthauptungs-Video mit einem amerikanischen Journalisten zu drehen. Der Journalist sieht verständlicherweise ziemlich mitgenommen aus. Der Scheich entreißt einem der Entführer dessen Monster-Schwert und erklärt, dass es zwar sein möge, dass der Journalist ein Lügner sei und Unwahrheiten an die westlichen Medien weiter gebe; das sei aber noch lange kein Grund, ihn zu enthaupten. Allah werde schon für seine gerechte Bestrafung sorgen. Dann drückt der Scheich dem Journalisten das Schwert in die Hand und bedeutet ihm, dass er sich jetzt an seinen Entführern rächen dürfe. Der Journalist guckt daraufhin genauso entgeistert wie ich in dem Moment, wirft dem Scheich das Schwert vor die Füße und murmelt, dass er jetzt lieber nach Hause wolle. (Das kann man ja auch irgendwie verstehen.)

Tanz der Derwische

In einer völlig vom Filmgeschehen abgekoppelten Szene wird eine Sufi-Versammlung gezeigt, in deren Verlauf sich die Angehörigen des Sufi-Ordens in Trance tanzen.

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6 Kommentare zu “Tal der Wölfe (3) - Die Handlung”

  1. 11.03.2006 | 14:35

    Wie du sagst: Ein Propagandafilm. Ein offenbar schlechter dazu. Gewisse Übereinstimmungen mit Rambo sind dennoch erkennbar. So manches Klischee darf einfach nicht ausgelassen werden. Vielen Dank nochmal.

    Ich verstehe, ehrlich gesagt, die Aufregung nicht, die der Film verursacht hat.

  2. 11.03.2006 | 15:14

    apollon,

    Ein Propagandafilm. Ein offenbar schlechter dazu.

    Naja, kommt darauf an, wie man Propaganda definiert. Wenn es um Plausibilität und Konsistenz angeht, ist der Film schlecht. Aber im Hinblick auf Zielgruppenansprache leider sehr gut gelungen.

    Gewisse Übereinstimmungen mit Rambo sind dennoch erkennbar.

    Gewisse Übereinstimmungen mit westlichen Filmen aus dem Kalten Krieg gibt es sicherlich; wenn auch eher mit James Bond als mit Rambo. Aber diesem Thema werde ich mich in einem eigenen Eintrag widmen.

    Ich verstehe, ehrlich gesagt, die Aufregung nicht, die der Film verursacht hat.

    Sich bereits mitten im Kulturkampf wähnenden Politikern ist natürlich jedes Mittel recht, Wasser auf ihre Mühlen zu leiten. Was mit dem Journalismus los ist, weiß ich nicht. Bisher gehörte ich eher nicht zu denjenigen Bloggern, die unbedingt einen Gegensatz “Blogger vs. Journalisten” aufbauen wollten - aber in diesem Fall hätte ich nichts zu dem Thema gebloggt, wenn mir die allgemeine Berichterstattung ausreichend erschienen wäre. Dieses “Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen.” kenne ich von Unterbezirksparteitagen zu gut, dafür ist mir meine Zeit zu schade.

    Aber vor allem die ausführliche Inhaltsangabe habe ich für Leute wie Dich oder Rayson gebloggt, die sich schon entschieden haben, sich den Film nicht anzuschauen.

    Deshalb freut es mich, dass wenigstens ein paar Leute es lesen - auch wenn wir mittlerweile schon mindestens zwei durchs Dorf getriebene Säue weiter sind im Weltenlauf.

  3. Patentizität
    12.03.2006 | 22:30

    “Ich bin auch Kurde!” - “Ja, aber du bist anders!” - “So fängt es immer an.” (Ich muss gestehen, dass das der einzige Satz im Film war, der für mich keinen Sinn ergab.)

    Der türkische Nationalismus ist ein inklusiver Nationalismus.

    Wenn du, abstrakt gesagt, als Kurde* aus der Türkei gegenüber glühenden Kemalisten deine kurdische (ostanatolische) Herkunft nicht heraus kehrst bzw. zu verstehen gibst, dass du zuallererst Türke und nur ein bisschen Kurde bist, ist in der Regel alles im Lack.

    “Ich bin auch Kurde!” -> Soll heißen: Hey, keine Pauschalurteile.

    “Ja, aber du bist anders!” Der Typ will eigentlich sagen: Ja, aber du bist nur kurdischer Herkunft.

    “So fängt es immer an.”

    Bedeutet soviel wie: Früher waren manche Türken gegenüber Personen ostanatolischer Herkunft hin und wieder etwas zu misstrauisch, aber heute sind wir Türken voll tolerant und haben uns lieb.

    *Bis zur Zeit unter Özal sprach man offiziös noch von “Bergtürken”.

  4. 13.03.2006 | 14:16

    Na, erstmal vielen Dank, für die Mühe, die du dir da gemacht hast, nur damit ich nicht in diesen Film muss. Aus meiner Sicht hat es sich gelohnt - ich bin froh, dafür kein Geld ausgegeben zu haben ;-)

    Zunächst einmal wundert es mich, dass dieser Film, wo langwierige Diskussionen wie selbstverständlich damit enden, dass der Andere einfach über den Haufen geknallt wird, nicht von vornherein FSK “keine Jugendfreigabe” hatte.

    Die Hotelszene löst bei mir weiteres Unverständnis aus. Ok, dieser türkische James Bond will die Ehre seines Landes wiederherstellen. Aber dazu Bomben in tragenden Säulen eines Hotels zu legen und damit zu drohen, unschuldige Menschen umzubringen, das habe ich bisher noch keinen der “Guten” in vergleichbaren westlichen Filmen machen sehen. Es macht die Sache nicht besser, wenn er plötzlich Skrupel bekommt, als die potenziellen Opfer sichtbar werden (Kinderchor). Ebenso muss es irritieren, wenn es als angemessen propagiert wird, “die Bombe zu haben”, nur um “der Stärkere” zu sein.

    Insgesamt halte ich das für ein unterträgliches Machwerk. Und ich fühle mich nicht wohl bei dem Gedanken, dass ein Land, das so einem Schund zujubelt (und das, wie der Erfolg der Romane des Schriftstellers Burak Turna zeigt, nicht gerade trotz der Propaganda-Szenen, sondern wegen ihnen), von bestimmten Politikern (und ironischerweise mit amerikanischem Druck) in die EU geredet werden soll.

  5. Mehmet
    2.06.2006 | 22:26

    Naja über den Film kann man sagen, was man will. Sicher sind einige Stellen sehr übertrieben. Aber in dem Film geht es nicht nur darum, wie schlecht die Amerikaner sind, es geht mitunter auch darum, welche Fehler die Muslime untereinander gemacht haben. Auch ist es bestens rübergebracht worden, dass solche Taten, wie Selbstmordanschläge etc. nicht mit dem Islam vereinbar ist. Allerdings zeigt der Film auch, wie man Menschen zu solchen Taten bringen kann (siehe Vater, der sein Kind verliert). Und Abu Ghraib, Bombardierung einer Hochzeitsgesellschaft, Koran ins Klo geschmisse, sind ja nun nicht vom Regisseur des Filmes erfunden. Zu dem “Ich bin auch Kurde” ” Ja, aber Du bust anders, fällt mir nur eins ein: Scheiss Türken, nehmen uns Arbeitsplätze weg usw. Aber ich bin auch Türke.Ja, aber Du bist nicht so wie die…..Hört sich doch gleich an, oder?

  6. Marian Wirth
    3.06.2006 | 23:47

    Mehmet,

    Allerdings zeigt der Film auch, wie man Menschen zu solchen Taten bringen kann (siehe Vater, der sein Kind verliert).

    So weit ich mich erinnern kann, gibt es in dem Film nur dieses eine Selbstmordattentat. Mal abgesehen davon, dass für mich eine solche Tat auch dann nicht verständlich werden würde, wenn der Täter zuvor seinen Sohn verloren hat und das Ziel des Attentats (hier Sam Marshall) dafür die Verantwortung trüge, trifft die Darstellung im Film ja nochnichtmal die Realität der im Irak verübten Selbstmordattentate. Dort bilden die Selbstmordattentate gegen US-Amerikaner die Ausnahme; die mit Abstand opferreichsten Attentate richten sich ja gegen Iraker, die sich um einen Job bei der Polizei, beim Militär oder bei der Zivilverwaltung bewerben. Und was haben diese irakischen Opfer mit den Amerikanern zu tun?

    Hört sich doch gleich an, oder?

    Gleich ablehnenswert. Ich würde mich genauso dagegen wenden, wenn mir ein deutscher Film diese “Argumentation” als vertretbar unterzujubeln versuchte.

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