Hochgeschwindigkeitshühnchen in der Kölnarena

Hach, mal wieder eine FAZ-Reportage (über die große Deutschstunde von SPIEGEL-Kolumnist Bastian Sick in der Kölnarena) mit fast allen FAZ-typischen Zutaten, die das Herz begehrt:

Solidarität mit dem Genitiv

von Hubert Spiegel

Zuerst eine sanfte Rüge für die Jugend von heute

vierzehnjährige Mädchen haken sich in Fünfergruppen unter und rauschen in fester Schlachtordnung mit einem Affenzahn an den Jungs vorbei, die ihnen johlend, pfeifend oder einfach nur schicksalsergeben hinterhersehen. Kaum einer nimmt die Verfolgung auf. Das ist verständlich, denn mit den überwiegend offenen Schnürsenkeln ihrer etwa schlauchbootgroßen Turnschuhe hätten sie keine Chance gegen die gleichaltrigen Hochgeschwindigkeitshühnchen.

dann zwei kleine Seitenhiebe gegen Lehrer und Lehrerinnen, bzw. solche, die es werden wollen

junge Damen, offensichtlich angehende Lehrerinnen im Referendariat, schimpfen energisch über Supervision und Unterrichtsbesuche: “Na ja, sag’ ich da zu der dummen Kuh, studiert haben wir ja schließlich alle.”

(…)

Wer hier männlich, über Vierzig und ohne Oberstudienratskinnbart ist, läßt sich schnell noch einen wachsen.

gefolgt von (durchaus berechtigter!) Verknüpfung der Themen Integration und Spracherwerb

Der Star des Abends, das soll aber vor allem die deutsche Sprache sein. Schon am Deutzer S-Bahnhof hatte die “Bürgerbewegung Pro Köln” verkündet, Deutsch sei “geil”, und neben dem Verbot von Tierferntransporten und Koranschulen auf Kölner Boden getrennte Schulklassen für “deutsche Muttersprachler” und “Zuwandererkinder” gefordert.

dann noch eine Spitze gegen die Rechtschreibreformbemühungen

Die Sehnsucht nach Nachhilfeunterricht scheint groß zu sein. Mit Blick auf den Wahnwitz der Rechtschreibregeln kann man da nur sagen: Interessiert euch für Regeln, solang’ es sie noch gibt.

und zum Schluss (bzw. Schluß nach der von der FAZ angewandten herkömmlichen Rechtschreibung) nochmal dieses für FAZ-Redakteure typische Beunruhigtsein über junge Leute:

Es ist, wie es immer war, kurz bevor der Gong das Ende des Unterrichts verkündet: Anarchie bricht sich Bahn. Auf den Fluren wird jetzt geschubst und gedrängelt, und die Hochgeschwindigkeitshühnchen sind schon fast wieder in der S-Bahn, als die Klassenstreber noch immer unter der leeren Anzeigetafel in der Halle grübeln, ob es nicht statt “größter Deutschstunde” doch besser “größte Deutschklasse” hätte heißen sollen.

Quelle: F.A.Z., 15.03.2006, Nr. 63 / Seite 37, auch online

Ich bin ja nach wie vor der Meinung, dass Bastian Sick seine Kolumnen allein mit den Verbrechen bestücken könnte, die bei SPIEGEL ONLINE täglich gegen die deutsche Sprache verübt werden.

Und weil Blogger ja so egozentrisch sind, hier noch ein SpOn-Beispiel aus einem Artikel vom 2. Juli 2004 über den Sieg der Griechen bei der letzten Fußball-EM, das ich selbst mal an den Herrn Sick geschickt habe und das von ihm auch in seine Zwiebelfischchen aufgenommen wurde:

“Seine Spieler lagen dort bereits alle auf einem Haufen, den sie aus überbordenden Glücksgefühlen planlos gebildet hatten.”

Was Ihr jetzt mit diesem Eintrag anfangen sollt? Keine Ahnung. Ihr könntet die Frage diskutieren, wie das denn mit der Integration von Migrantinnen und Migranten durch Spracherwerb laufen soll: durch Separierung? Oder durch gemischte Klassen? Mit mehr Steuergeldern oder weniger?

Ich hätte natürlich auch nichts dagegen, wenn Ihr lieber über eine Stallpflicht für Hochgeschwindigkeitshühnchen diskutieren wollt. Oder über Lehramtsreferendarinnen ;-).

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2 Kommentare zu “Hochgeschwindigkeitshühnchen in der Kölnarena”

  1. 15.03.2006 | 16:12

    Stallpflicht für Hochgeschwindigkeitshühnchen find ich gut…

    <Linksbloggermodus>
    Klasse Artikel!
    </Linksbloggermodus>

  2. Marian Wirth
    15.03.2006 | 16:30

    Rayson,

    du brauchst mich jetzt nicht mehr für jeden neuen Artikel zu loben; zudem bevorzuge ich neuerdings Lobeshymnen auf mich in englischer Sprache…

    Und ein großer Teil des Lobes gebührt ja ohnehin Hubert Spiegel.

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