Henkel und BEE (BEE? Was’n das nu’ schon wieder?)

Der Düsseldorfer Henkel-Konzern hat etwas getan, was vor ihm z.B. schon Merrill Lynch und Ernst & Young getan haben: er beteiligt sich am BEE (via):

Henkel hat mit Wirkung zum 1. Januar 2006 26 Prozent der Anteile des Südafrika-Geschäftes an die Investorengruppe Vuya Investments (Pty) Ltd verkauft. Seit 2004 wird unter dem Oberbegriff des Black Economic Empowerment (BEE) vor allem das Ziel verfolgt, die ehemals benachteiligte schwarze Bevölkerungsmehrheit aktiv und gleichberechtigt am Wirtschaftsleben teilhaben zu lassen.

“Das Black Economic Empowerment-Programm ist ein wichtiger Schritt zur innenpolitischen Stabilität und der Schaffung langfristiger Rahmenbedingungen für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Südafrika,” sagt Prof. Dr. Ulrich Lehner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Henkel KGaA. “Die richtige Partnersuche war eine wichtige Entscheidung. Durch die Beteiligung Vuyas haben wir einen geeigneten Partner gefunden, dessen Anteile vielfältig verteilt sind und mehrheitlich von ehemals benachteiligten Bevölkerungsgruppen gehalten werden.”

Henkel wird durch diese frühzeitige Beteiligung eines BEE-Partners zukünftig sowohl von staatlicher Seite als auch von Kunden als bevorzugter Partner eingestuft, da primär mit Unternehmen kooperiert werden soll, die die BEE-Richtlinien erfüllen.

(Quelle: Henkel nimmt BEE-Investorengruppe in sein Südafrika-Geschäft auf, 15. März 2006)

Ein langer Bericht der BBC aus dem Jahr 2003 hört sich da deutlich skeptischer an (Auszüge; Hervorhebungen von mir):

Is black economic empowerment working?

(…)

“Many farmers still see black economic empowerment as a threat to their own existence,” says Mohammad Karaan, a lecturer at Stellenbosch University.

“But their senses tell them that the future for white people in South Africa will be based on their ability to constructively engage with black people.

“So maybe it is a bit of a stick but the carrot is that the government can provide things to encourage them.”

One such carrot is EU funding of about $15m for BEE.

(…)

Most South Africans believe something must be done to increase opportunities for all but they still view BEE as problematic.

Some regard it as a form of discrimination, even “reverse racism”.

“I think it is immoral and obscene that people will qualify for top positions because they are black,” says Mark Lowe, trade and industry spokesman for the opposition Democratic Alliance.

(…)

“As long as the ANC focuses on transferring equity from one small group to another, its empowerment strategy will remain a myth for those who need it most,” he says.

Even the president’s brother, the businessman Moeletsi Mbeki, says the current brand of BEE is really a political rather than an economic strategy that is enriching an elite of black businessmen close to the government.

(…)

Duma Gqubule, an economist who has studied BEE, says that in the 10 years since BEE’s creation, GDP per capita has dropped to the levels of 30 years ago and unemployment has doubled to eight million.

Das Fazit des BBC-Journalisten lautete:

For a country that has endured staggering racial inequality in the past, it is not surprising that its majority-elected government wants to see a greater slice of the cake for that majority.

But the government need look only as far as Zimbabwe to see how an ostensible attempt to redress past inequalities can lead to economic chaos.

Auch in Südafrika: Zehn Jahre Demokratie und Freiheit der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. kommt das BEE nicht gut weg:

(…) das BEE entpuppte sich ebenfalls als große Enttäuschung. Es verhalf lediglich einer kleinen schwarzen Elite von Geschäftsleuten und Regierungsbeamten zum schnellen Aufstieg - die breite Masse blieb abermals außen vor. Natürlich fehlte es aufgrund jahrzehntelanger Benachteiligung im Ausbildungsbereich auch an qualifizierten schwarzen Kandidaten.

Da kann man ja nur hoffen, dass das Programm in den letzten Monaten noch optimiert worden ist.

Hintergründe und Dokumente

Mary Alexander, Black economic empowerment, SouthAfricaInfo 

Weitere Quellen

englischer Wikipedia-Artikel 

Archbishop Tutu Criticises Black Economic Empowerment in South Africa, African History Blog, 25. November 2004

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4 Kommentare zu “Henkel und BEE (BEE? Was’n das nu’ schon wieder?)”

  1. Rayson
    19.03.2006 | 2:52

    Da ich mit zwei Wochen Aufenthalt natürlich Südafrika-Experte bin…Also mal eine “gefühlte” Beurteilung dieser Problematik aus meiner Sicht. Die Reichtumsunterschiede zwischen Schwarz, “Farbig” und Weiß sind in Südafrika noch immer enorm. An der Küste stehen die tollen Villen, und ein paar Kilometer weiter im Land ist ein Township an den Hügel geklatscht.

    Es ist eigentlich unglaublich, dass die einen noch nicht gekommen sind, um sich das zu holen, was die anderen besitzen. Diese Geduld sollte man aber nicht auf die Folter spannen, deswegen muss diese Grenze auch in den Jobs überwunden werden, und zwar schnell. Die jungen Südafrikaner mit englischen Wurzeln verlassen das Land sowieso schon, was von einem gewissen Realismus zeugt. Die Kernfrage wird bleiben: Wie kann der notwendige Wandel so gestaltet werden, dass möglichst wenig Produktivität dabei verloren geht?

    Leider gibt es auf diesem Weg noch einen gewaltigen Gegner, und der heißt Korruption…

  2. Marian Wirth
    19.03.2006 | 22:23

    Leider gibt es auf diesem Weg noch einen gewaltigen Gegner, und der heißt Korruption…

    Ähem…überall, wo EU-Gelder im Spiel sind, taucht irgendwann dieser oder ein ähnlicher Satz auf. Gibt es da vielleicht irgendeinen Zusammenhang?

    [Nicht, dass die EU die Korruption hervor ruft oder gar (Gott bewahre!) daran beteiligt ist, aber die EU-Gelder in Nicht-EU-Gebiete werden immer u.a. mit dem Argument begründet, man müsse ja etwas für die armen Leute tun und ohne EU-Gelder sei alles ganz furchtbar. Nachdem die EU-Gelder dann fließen, bleibt alles ganz furchtbar. Nur halt mit EU-Geldern.]

  3. 19.03.2006 | 22:59

    Wenn ich Fareed Zakaria sinngemäß folge, sind sämtliche Zuflüsse schädlich, die der Staatsführung den Schluss nahelegen, sie könnte ohne eine eigene produktive Wirtschaft zu Wohlstand gelangen. Ob das undifferenziert vergebene Hilfen von außen oder sprudelnde Bodenschätze sind.

  4. Marian Wirth
    20.03.2006 | 0:01

    sind sämtliche Zuflüsse schädlich, die der Staatsführung den Schluss nahelegen, sie könnte ohne eine eigene produktive Wirtschaft zu Wohlstand gelangen.

    Okay. Zakaria überzeugt mich immer. (Endlich gefunden: Antwor auf die Frage: Wer ist Dein Guru?)

    [Aber für die EU-Staatsführung gilt das doch wohl nicht, oder?]

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