17. März 2006
Henkel und BEE (BEE? Was’n das nu’ schon wieder?)
Der Düsseldorfer Henkel-Konzern hat etwas getan, was vor ihm z.B. schon Merrill Lynch und Ernst & Young getan haben: er beteiligt sich am BEE (via):
Henkel hat mit Wirkung zum 1. Januar 2006 26 Prozent der Anteile des Südafrika-Geschäftes an die Investorengruppe Vuya Investments (Pty) Ltd verkauft. Seit 2004 wird unter dem Oberbegriff des Black Economic Empowerment (BEE) vor allem das Ziel verfolgt, die ehemals benachteiligte schwarze Bevölkerungsmehrheit aktiv und gleichberechtigt am Wirtschaftsleben teilhaben zu lassen.
“Das Black Economic Empowerment-Programm ist ein wichtiger Schritt zur innenpolitischen Stabilität und der Schaffung langfristiger Rahmenbedingungen für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Südafrika,” sagt Prof. Dr. Ulrich Lehner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Henkel KGaA. “Die richtige Partnersuche war eine wichtige Entscheidung. Durch die Beteiligung Vuyas haben wir einen geeigneten Partner gefunden, dessen Anteile vielfältig verteilt sind und mehrheitlich von ehemals benachteiligten Bevölkerungsgruppen gehalten werden.”
Henkel wird durch diese frühzeitige Beteiligung eines BEE-Partners zukünftig sowohl von staatlicher Seite als auch von Kunden als bevorzugter Partner eingestuft, da primär mit Unternehmen kooperiert werden soll, die die BEE-Richtlinien erfüllen.
(Quelle: Henkel nimmt BEE-Investorengruppe in sein Südafrika-Geschäft auf, 15. März 2006
)
Ein langer Bericht der BBC aus dem Jahr 2003 hört sich da deutlich skeptischer an (Auszüge; Hervorhebungen von mir):
Is black economic empowerment working?
(…)
“Many farmers still see black economic empowerment as a threat to their own existence,” says Mohammad Karaan, a lecturer at Stellenbosch University.
“But their senses tell them that the future for white people in South Africa will be based on their ability to constructively engage with black people.
“So maybe it is a bit of a stick but the carrot is that the government can provide things to encourage them.”
One such carrot is EU funding of about $15m for BEE.
(…)
Most South Africans believe something must be done to increase opportunities for all but they still view BEE as problematic.
Some regard it as a form of discrimination, even “reverse racism”.
“I think it is immoral and obscene that people will qualify for top positions because they are black,” says Mark Lowe, trade and industry spokesman for the opposition Democratic Alliance.
(…)
“As long as the ANC focuses on transferring equity from one small group to another, its empowerment strategy will remain a myth for those who need it most,” he says.
Even the president’s brother, the businessman Moeletsi Mbeki, says the current brand of BEE is really a political rather than an economic strategy that is enriching an elite of black businessmen close to the government.
(…)
Duma Gqubule, an economist who has studied BEE, says that in the 10 years since BEE’s creation, GDP per capita has dropped to the levels of 30 years ago and unemployment has doubled to eight million.
Das Fazit des BBC-Journalisten lautete:
For a country that has endured staggering racial inequality in the past, it is not surprising that its majority-elected government wants to see a greater slice of the cake for that majority.
But the government need look only as far as Zimbabwe to see how an ostensible attempt to redress past inequalities can lead to economic chaos.
Auch in Südafrika: Zehn Jahre Demokratie und Freiheit der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. kommt das BEE nicht gut weg:
(…) das BEE entpuppte sich ebenfalls als große Enttäuschung. Es verhalf lediglich einer kleinen schwarzen Elite von Geschäftsleuten und Regierungsbeamten zum schnellen Aufstieg - die breite Masse blieb abermals außen vor. Natürlich fehlte es aufgrund jahrzehntelanger Benachteiligung im Ausbildungsbereich auch an qualifizierten schwarzen Kandidaten.
Da kann man ja nur hoffen, dass das Programm in den letzten Monaten noch optimiert worden ist.
Hintergründe und Dokumente
Mary Alexander, Black economic empowerment, SouthAfricaInfo
Weitere Quellen
Archbishop Tutu Criticises Black Economic Empowerment in South Africa, African History Blog, 25. November 2004
Verfasst von Marian Wirth um 18:49 Uhr in der Kategorie International, Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)