Was nicht passt, wird passend gemacht

SPON berichtet von einer Studie über Risiken für die Finanzmärkte, die Goldman Sachs zusammen mit Wissenschaftlern erarbeitet hat. Für deutsche Ohren, zwischen denen sich der Glaube an staatlich garantierte Sicherheit festgesetzt hat, mag der Gedanke an die Existenz von Risiken etwas Erschreckendes haben. Nüchtern denkende Menschen wissen aber, dass es keine Chancen ohne Risiken gibt, und dass das größte Risiko die Ignoranz der Existenz von Risiken wäre. Interessant also, wie sich ein Medium, das sich im deutschen besserwisserischen Mainstream etabliert sehen möchte, mit solchen Fragen beschäftigt.

Die Studie hatte Risiken, die von Hedgefonds-Fehlspekulationen und von weltweiten Seuchen ausgehen, als vergleichsweise gering eingestuft. SPON dazu:

Diese Reihenfolge dürfte nach den jüngsten Vogelgrippefällen erneut durcheinander geraten. Beleg dafür, dass sich die Top-Risiken kaum kalkulieren, geschweige denn beherrschen lassen.

Es kann wohl nur einem völlig im eigenen Saft kochenden deutschen Journalisten einfallen, dass sich ein seit Jahren unverändert bestehendes Risiko schon deswegen erhöht hat, weil er und seine Kollegen mit der hierzulande üblichen hysterischen Berichterstattung eingesetzt haben. Dass aus dieser Illusion dann noch ein weiter hysterisierender Schluss gezogen wird, qualifiziert den Autor für den “Michel des Jahres”.

Der Beitrag über das weltweite Wohlstandsgefälle hingegen gibt uns wieder einmal Einblick in die deutsche Klischeekiste.

Die Weltwirtschaft wächst, doch das Wachstum ist ungleich verteilt. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich nehmen ebenso zu wie das weltweite Bruttosozialprodukt.

Das ist mehr falsch als richtig. Das Wachstum ist tatsächlich ungleich verteilt, aber die Grenze verläuft nicht zwischen Arm und Reich, wie der Satz suggeriert. Der Anteil der Armen an der Weltbevölkerung schrumpft. Dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich zunähmen, ist bestenfalls eine grobe Verkürzung, denn die Anzahl der Länder, die man zu den Armen rechnet, wird immer geringer - die Globalisierung ermöglicht es den Aufsteigerländern, den Abstand zu verkürzen. Nur ganz bestimmte finden eben aus verschiedenen Gründen den Anschluss nicht. Wir haben darüber an anderer Stelle schon einmal diskutiert.

Die Globalisierung sorgt nicht für das erhoffte Gleichgewicht, sondern schafft Profiteure und Verlierer - einige Staaten drohen vollends den Anschluss zu verlieren.

Wunderbares deutsches Denken im Dienste der materiellen Gleichheit. Ich fühle mich an Statlers Fahrstuhl-Beispiel erinnert. Die Globalisierung ist schlecht, weil sie einigen Ländern (in Asien) ein Wachstum ermöglicht, was andere (in Afrika) nicht schaffen. Besser also, niemand wächst.

Aber wo viel Schatten ist, ist mitunter auch etwas Licht: Der Beitrag zum Klimawandel ist für deutsche Begriffe geradezu defätistisch nüchtern geschrieben.

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1 Kommentar zu “Was nicht passt, wird passend gemacht”

  1. Parker8
    20.03.2006 | 13:32

    Die Artikelfolge ist übrigens übernommen vom Schwesterblatt Männedscher-Magazin.

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