27. März 2006
Titel-Schwachsinn
Gerade eben lasse ich mich noch über die seltsamen Formulierungen der Titel von SPON-Beiträgen aus, da drängt sich mir die Vermutung auf, es handele sich um eine Konzernrichtlinie.
FTD: “Sinkende Staatsschulden belasten Eurohypo”
Bevor wir jetzt verwundert nachschauen, wo denn in Europa die Staatsschulden sinken oder ob Eurohypo ein besonders starkes Australien-Geschäft hatte, halten wir uns lieber an die mittlerweile goldene G+J-Regel, eine schwachsinnige Überschrift anzunehmen. Tatsächlich beklagt Eurohypo eine leicht zurückgehende Neuverschuldung. Aber, lieber titelnder “Wirtschaftsjournalist” bei FTD: Auch wenn etwas ein wenig langsamer wächst, wird es mehr und nicht weniger. Capisce?
Aber auch SPON glänzt wieder in der neuen Disziplin:
Unter dem Titel “Opposition rechnet mit schwarz-rotem Kahlschlag” finden wir auch den Einleitungstext “Die Opposition befürchtet deshalb einen Sozialabbau durch härtere schwarz-rote Reformprojekte.”
Zitiert werden nur Stellungnahmen der Grünen und der Linkspartei/PDS/SED. Wie man die beiden kleineren der drei Oppositionsfraktionen als “die Opposition” ausgeben kann, wird dabei das Geheimnis des kreativen Titelschöpfers bleiben. Aber dieser Beitrag zeichnet sich noch durch eine bisher überwiegend SPON-typische Besonderheit aus: Auch im Text wird Unsinn verzapft. Durch ein völlig unmotiviert gesetztes “auch” wird so getan, als sei die Stellungnahme von Bütikofer identisch mit der eines Linkspartei/PDS/SED-Landespolitikers. Während der Grüne aber die Bundesregierung nur aufgefordert hat, jetzt endlich in die Pötte zu kommen, behauptet allein der Neostalinist das Zukünftige so kennen und bewerten zu können, dass die Aussage zum Titel passt.
Was also ist die logische Schlussfolgerung? Für SPON besteht die Opposition offensichtlich nur aus der Linkspartei/PDS/SED.
Verfasst von Rayson um 13:08 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)