Quod licet iovi non licet bovi

Als Weltmacht hat man es nicht leicht. Hält man Dokumente unter Verschluss, wittert alle Welt finstere Machenschaften. Veröffentlicht man sie, ist das aber auch zu tadeln - jedenfalls, wenn es nach SPON geht. Denn - oh Schreck - böse “konservative Blogger” oder gar solche “aus der rechten Ecke” könnten diese Dokumente nutzen, um die eigene Meinung, nämlich dass Saddam Massenvernichtungswaffen besessen und mit Al Qaida im Bunde gestanden habe, bestätigt zu sehen. Wie fies.

Einige professionelle Geheimdienstanalysten sind darum entsetzt über eben jene Idee, die die Blogger so begeistert: Dass jeder die Dokumente einsehen und sich sein Vorkriegs-Szenario zurechtschustern kann. “Es gibt keine Qualitätskontrolle”, bemängelt der ehemalige CIA-Terrorspezialist Michael Scheuer. “Es wird da draußen Leute mit gefährlichem Halbwissen geben, die verrückte Schlüsse ziehen werden”, warnt er.

Ja sowas. Haben wir davon gewusst, dass es solche Kreaturen gibt, als wir das Informationsfreiheitsgesetz (Achtung: Der Link entbehrt aus aktuellem Anlass nicht der Ironie…) einführten? Noch dazu so ganz ohne ZensurQualitätskontrolle? Das haben wir ja noch nie so gemacht, wo kämen wir dahin, da könnte ja jeder kommen!

In seiner Verzweiflung ruft SPON schließlich sogar noch die Regierung Bush (der Autor scheint die auf derselben Plattform erscheinende “Zwiebelfisch”-Kolumne nie gelesen zu haben und faselt etwas von “Administration”) als Kronzeugen auf, obwohl es doch diese hinter der so sehr zu verurteilenden Veröffentlichung vermutet. Merke: Bürgerrechte sind immer Instrumente im politischen Kampf. Konservative Amerikaner dürfen daraus keinen Nutzen ziehen.

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3 Kommentare zu “Quod licet iovi non licet bovi”

  1. 28.03.2006 | 22:08

    Irgendwie kann ich die Journalisten verstehen: sie ersaufen in Informationen, sollen aber gute Storys schreiben und dann kommen die Blogger und schreiben fröhlich ins Blaue hinein - ganz zwanglos.

  2. 28.03.2006 | 22:31

    Das Grundrecht auf Information wird vom Spiegel wahrscheinlich als Grundrecht auf die “richtige” Information verstanden. Los, lasst uns ein Ministerium bauen, das uns informiert und aufpasst, dass die Information nicht von den falschen Leuten falsch interpretiert wird.

    Bei der Bildzeitung glaube ich, dass die Redakteure (bis auf Wagner) sich jeden abend kräftig über ihre Leser amüsieren. Bei Spon bin ich mir da nicht sicher. Entweder sind sie die Spiesser als die sie erscheinen, oder die haben echt was zu lachen.

  3. Reinhard
    29.03.2006 | 19:41

    Also wenn die Regierung Bush Dokumente veroeffentlicht, aus denen klar hervorgeht, dass man die Sachlage verschieden deuten kann (und das Nichtvorhandensein von WMDs wahrscheinlicher war), dann ist das laut SPON aus reinem Eigeninteresse. Weil Amerikaner sowieso nicht lesen koennen und wenn man ihnen sagt, dass man Dokumente veroeffentlicht hat, die das eigene Vorgehen beweisen, dann glauben die Amerikaner das und schreiben das so in ihren Blog. Schliesslich koennen Amerikaner gar nichts ausser Fressen und Fernsehen. Und die Universitaeten sind alle potemkinsche Doerfer, alle Unternehmen kriminell und die Regierung nur einen Schritt von der Machtergreifung entfernt. Gut, dass wir aufrechten Deutschen weiterhin fuer das Gute kaempfen und uns trauen, dem Weltpolizisten mal richtig die Meinung zu sagen!

    Mit traenenden Augen vor Lachen und vielen Gruessen aus Wisconsin, USA…

    Reinhard

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