Milton Friedman: ökonomische Lebensweisheit (?)

Ich verschwende nicht viel Zeit auf den Gedanken, was ich in meinem Leben hätte anders machen sollen. Das Leben packt einen und vergeht - und einer der wichtigsten Leitsätze der Wirtschaftswissenschaften lautet: Verlorene Kosten sind verlorene Kosten! Deswegen grüble ich nicht.

Milton Friedman in: Stefan Heuer: Der Kapitalist, NZZ Folio 4/06

Nee, is’ klar. Aber woran merke ich, ob die Kosten schon verloren sind? Kann mir mal jemand von der versammelten Ökonomen-Intelligenzija erklären, was verlorene Kosten sind? (Immer bei Wikipedia nachschauen ist doch fad auf die Dauer.)

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2 Kommentare zu “Milton Friedman: ökonomische Lebensweisheit (?)”

  1. 5.04.2006 | 20:26

    Was Milton Friedman wohl meinte, ist Folgendes: Alles, was man an Kosten bereits aufgewandt hat, ist verloren … and it’s no good crying over spilt milk. Was das bedeutet, kann man sich an einem Beispiel klarmachen: Ich kaufe bereits am Vortag zwei Kinokarten für meine Frau und mich, um bloß nicht den Film zu verpassen. Als ich am nächsten Tag im Kino ankomme, stelle ich fest, dass ich die Tickets verloren habe. Was sollte ich nun tun?
    a) Wieder nach Hause gehen, denn es ist ja nicht einzusehen, warum ich für den Film das doppelte Geld ausgeben soll.
    b) Neue Kinokarten kaufen.
    Für den Ökonomen ist die Sache eigentlich klar: Ich sollte mir neue Kinokarten kaufen. Dass ich dafuer bereits gestern Kosten gehabt habe, ist irrelevant. Es hilft ja nicht weiter.
    Lustigerweise widerlegen empirische Versuche, dass sich Menschen so verhalten, wie es ökonomisch rational wäre. Die meisten Menschen würden sich nämlich spontan eher für Variante a) entscheiden - wahrscheinlich aus einer Art Gerechtigkeitsinstinkt. Sie kennnen Friedman nicht: Bygones are bygones.
    Die Übersetzung “verlorene Kosten” ist allerdings schlecht. Im Original dürfte Friedman von “sunk costs” gesprochen haben. Siehe auch hier.

  2. Marian Wirth
    5.04.2006 | 20:53

    Oliver,

    ungefähr so stelle ich mir einen perfekten Blog-Kommentar vor ;-). Vielen Dank

    Lustigerweise widerlegen empirische Versuche, dass sich Menschen so verhalten, wie es ökonomisch rational wäre.

    Also, in Deinem Kinokarten-Beispiel würde ich dann aber noch die Fahrtkosten und die Fahrtzeit berücksichtigen und auf jeden Fall neue Karten kaufen - und zwar, bevor die Frau merkt, dass ich die Karten überhaupt verloren habe ;-).

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