Milton Friedman über staatliche Drogenkontrolle; Praxisbeispiel Afghanistan

Es sollte keinerlei Kontrolle geben - zumindest sollten wir harte Drogen genauso behandeln wie Alkohol oder Zigaretten. Der Einzelne sollte den Preis für seinen persönlichen Genuss bezahlen. Man sollte Handlungen bestrafen - und nicht das Verhalten, sonst kontrolliert man den Lebenswandel anderer Menschen. Keine andere aussenpolitische Massnahme schadet den amerikanischen Interessen in Lateinamerika oder Afghanistan mehr als die Zerstörung der Lebensgrundlage von Millionen Menschen.

Milton Friedman in: Stefan Heuer: Der Kapitalist, NZZ Folio 4/06

Die Eurokraten suchen ja noch nach einer Möglichkeit, wie sie uns eine EU-Steuer unterschieben können; da könnte man auf die Idee kommen, dafür Heroin und Kokain zu besteuern.

In Bezug auf die US-amerikanische Drogenaußenpolitik, bin ich geneigt, Friedman Recht zu geben. Es ist ja kein Zufall, dass in Bolivien ausgerechnet ein Coca-Bauer zum Präsidenten gewählt worden ist.

Und Afghanistan?

Gut klingende Absichten auch beim Thema Drogen-Bekämpfung. Die Regierung in Kabul soll den Anbau von Schlafmohn weiter reduzieren und mehr korrupte Beamte und Strippenzieher des Opium-Handels festsetzen. Gut gebrüllt. Es fehlt jedoch erkennbar der politische Wille, das Problem anzupacken. Der Westen gibt widersprüchliche Signale. Amerikaner und Engländer streiten über die Vernichtung von Opium-Felder mit Flugzeugen aus der Luft. Europäer und Amerikaner bekämpfen sich de facto mit ihren Antidrogenprogramme. Und erst jetzt ist man bereit einzugestehen, dass es noch Jahre braucht, ehe den Bauern wirkliche Alternativen zur Seite stehen. Dafür trägt auch der Westen die Schuld. Weder Karsai noch die internationale Staatengemeinschaft wagt sich an die Drogen-Bosse. So bleibt vieles Augenwischerei.

Mit Geld und gutem Willen - Wie erfolgreich sind die Hilfen für Afghanistan?, Deutschlandfunk, Themen der Woche vom 4. Februar 2006 (mp3, Gesamtlänge 04:28 Minuten)

Von dem 2005 weltweit hergestellten Opium seien in dem zentralasiatischen Land 87 Prozent produziert worden, fast das gesamte Heroin für Europa stamme aus Afghanistan. Zudem breite sich der Drogenkonsum im Land selbst aus.

Immer mehr Drogen werden per Post versandt, Die Welt, 1. März 2006 zum Jahresbericht der UN-Behörde für Drogenkontrolle

Die Ernte des vergangen Jahres belief sich auf 4100 Tonnen Opium. Das entspricht 87 Prozent der weltweiten Produktion und reicht für 410 Tonnen Heroin. “Es hat sich gezeigt, daß die Drogenproduktion zu Kriegszeiten nicht ab- sondern zunimmt”, sagt Berndt Georg Thamm, Autor der Bücher “Der Welt-Drogen-Report” und “Mehrzweckwaffe Rauschgift”. Mit dem Stoff ist viel Geld zu machen: Ein Kilo Heroin koste in Afghanistan 2700 US-Dollar, in Tadschikistan schon 6000, und in Deutschland schließlich stolze 46 200 Dollar, so steht es im diesjährigen UN-Weltdrogenbericht.

1344 nahezu unkontrollierbare Kilometer, Die Welt, 28. Dezember 2005 zum “mühsamen Kampf gegen die Drogenschmuggler an der tadschikisch-afghanischen Grenze”

Aus einer Reportage über die Provinz Farjab im Norden Afghanistans:

In den letzten vier Jahren sind in der Provinz, die, anders als der Süden und Osten des Landes, nie zu den Drogenanbaugebieten zählte, die Opiumplantagen aus dem Boden geschossen. Heute blüht der Mohn auf den Feldern, in der Steppe und sogar in den Innenhöfen von Privathäusern. “Not kennt kein Gebot”, erklärt Nurullah, ein verhärmter Bauer, der mit seinem verwitterten Gesicht und seiner gebeugten Haltung wie ein Siebzigjähriger wirkt, tatsächlich jedoch erst fünfzig ist. “Ich habe kein Saatgut, keine landwirtschaftlichen Geräte und keine Möglichkeit, den Boden künstlich zu bewässern”, klagt er. “Das Opium ist für mich die einzige Chance, meine 20köpfige Familie zu ernähren.” Zehn Kilogramm Opium kann Nurullah jährlich erzeugen und damit 3000 Dollar verdienen - ein Polizeioffizier einer Antidrogeneinheit bezieht 400 Dollar Jahresgehalt.

Die Abnehmer sind die lokalen Kriegsherren. Eine Mischung zwischen Drogenmafia und feudalen Zuständen: Die Bauern verkaufen dem Mächtigsten ihre Produkte zu Preisen, die von den Kommandanten diktiert werden. Dafür dürfen die Bauern bewaffneten Schutz durch die Milizen erwarten. “Wenn die Regierung versucht, die Opiumfelder zu zerstören, werden wir uns wehren”, versichert Nurullah.

In Afghanistan werden jährlich mehr als 4600 Tonnen Opium erzeugt, die Hälfte davon im Norden; die Uno rechnet auch für dieses Jahr mit einer Zunahme. Bestimmt sind die Drogen letztlich für den europäischen Markt: Über Herat findet das Opium aus Farjab, größtenteils zu Heroin veredelt, seinen Weg über Turkmenien und den Iran bis nach Europa.

Bundeswehr in Nordafghanistan zwischen allen Stühlen Die Welt vom 11. Februar 2006

Zum Schluss noch eine Bestandsaufnahme aus dem Economist, samt pragmatischem Lösungsansatz:

AN ATMOSPHERE of despair prevails in the village of Shinwari, close to Nangahar province’s border with Pakistan. This year’s internationally-funded $860m blitz on Afghanistan’s opium industry produced a 96% drop in the poppy hectarage in the province, the best result amid a 21% overall reduction nationwide. But farmers in Shinwari say that along with the poppy went 60-90% of Nangahar’s rural economy, a void not being filled by promised “alternative livelihood” schemes, which will take years and billions of dollars to take root. There is no real alternative to poppy yet, the farmers claim.

No alternative? What, then, to make of a study by the French-based Senlis Council, which bravely proposes to introduce licensed opium production in Afghanistan for pharmaceutical painkillers? Senlis thinks this could be a panacea for a country that has in recent years depended on opium for about half of its GNP.

Not what the doctor ordered - An alternative use for opium The Economist, 6. Oktober 2005

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11 Kommentare zu “Milton Friedman über staatliche Drogenkontrolle; Praxisbeispiel Afghanistan”

  1. 6.04.2006 | 7:58

    Da stimmt man dem Herrn Friedman sogar mal gerne zu - sehr viele der Debatten rund um Drogenpolitik erschöpfen sich ja darin, Kriminalisierung zu produzieren, um nicht-genehme Bevölkerungsgruppen diskreditieren zu können. Ich verstehe aber seine Unterscheidung zwischen Handlungen und Verhalten nicht.

  2. Marian Wirth
    6.04.2006 | 8:31

    MomoRules,

    die Unterscheidung habe ich auch nicht verstanden. Dann hat entweder Friedman ungenau formuliert - oder jemand hat bei der Übersetzung geschlampt.

  3. 6.04.2006 | 14:34

    Harte Drogen sind eine Last für die Gesellschaft und den Einzelnen. Da harte Drogen die menschliche Willensfreiheit massiv angreifen, sind sie prinzipiell - in sich - gegen ein sehr hohes und schützenswertes Gut gerichtet, das nicht weniger Schutz verdient als z.B. Eigentum.

    Es gibt effiziente Maßnahmen, welche den Missbrauchsumfang und die Schäden, die sich aus dem Missbrauch ergeben, einigermaßen erfolgreich absenken können. Darunter verstehe ich aber keine großflächigen Militäreinsätze in den Produzentenländern.

    Man wird harte Drogen niemals vollständig aus der Geselschaft verbannen können, aber ein “freier Markt” für Stoffe, welche den freien Willen herabsetzen, ist für eine freie Gesellschaft nicht akzeptabel.

    Eine hysterische Drogenpolitik, welche etwas Absolutes und in seiner Absolutheit Unerreichbares anstrebt, ist ebenfalls nicht wohlstands- und freiheitserhöhend. Im Gegenteil.

    Ich plädiere also für einen pragmatischen Mittelweg. Also z.B. Substitutionsprogramme für Schwerstabhängige an Stelle von Beschaffungskriminalität, Siechtum und Elend der Betroffenen. Und ganz gewiss nicht: Freigabe des “Marktes” für harte Drogen.

    Vertragsformen, die nicht viel mit freiem Willen zu tun haben, fallen für mich nicht unter die Vertragsfreiheit.

  4. 6.04.2006 | 16:12

    Die wahren Profiteure der Prohibition sind die Drogenbarone, die ihre Waren zu Wucherpreisen anbieten können, minderwertige, gestreckte Waren gar.

    Legalisiert alle Drogen, lasst die Pharmakonzerne nach Rauschmitteln forschen, die möglichst unschädliche Nebenwirkungen haben - und dann besteuert die Drogen wie Zigaretten und Alkohol und lasst Verbraucherschützer und Anwälte sich um die kümmern, die gesundheitsschädliche Substanzen verkaufen.

  5. 6.04.2006 | 17:01

    Ich weiß nicht, das klingt mir etwas zu sehr nach “Grabt den Auftragskillern das Geschäft ab! Macht Mord straffrei!”

  6. 6.04.2006 | 20:21

    @Dr. Dean: Mit dem Argument, daß Willensfreiheit durch Drogen unterbunden würde, kannst Du auch für das Verbot des Frischverliebsteins und erst recht des Fernsehens plädieren … ich stimme eher diesem Lübecker Richter zu, der das “Recht auf Rausch” postulierte. Und ansonsten Olaf Petersen. Freiheit ist ja auch sowas wie ein Möglichkeitsspielraum “im Außen”, den Gesellschaften dann eben im guten Falle maximieren, immer im Rahmen der berühmten Begrenzung meiner Freiheit durch die Freiheit Anderer. Pflichten gegenüber sich selbst halte ich generell für schwer begründbar, Kant zum Trotz.

    @Rayson: Der Großteil der Probleme - Kriminalität, zum Teil meines Wissens auch die körperlichen Schäden, die eher durch “schlechten Stoff” verursacht werden, die soziale Situation der User - entstehen durch die Illegalisierung. Und das ist nur die rein “innenpolitische” Perspektive.

    Ist übrigens z.B. im Falle von Ecstasy auch von anerkannten Suchtexperten verfochten worden (in Falle von Ecstasy ist die globale Perspektive auch nicht relevant). Die haben damals eine Studie herausbringen wollen, die eher ein “User-Guide” war, weil sie wußten, daß sie davon eh niemanden abhalten werden, das Zeug zu schlucken. Die Veröffentlichung ist dann aus politischen Gründen unterbunden worden. Man braucht Themen wie Ausländer und Drogen,um von anderen Problemen abzulenken. Ich halte ja Sachsen z.B. in letzter Zeit für ungleich gefährlicher als die meisten Muslime, aber das bring mal in die politische Debatte ein …

  7. 7.04.2006 | 12:03

    @Momorules
    Harte Drogen als Thema
    Das “Frischverliebtsein” dürfte schwerlich mit der tatsächlichen Lage eines Schwerstabhängigen zu tun haben. Man könnte dein Eindruck gewinnen, dass Du Formen von Schwerstabhängigkeit im Drogenbereich entweder nicht kennst oder im Moment nicht vor deinem geistigen Auge hast (und z.B. nicht weißt, wie die Gesundheit dort ruiniert wird, und auch nicht weißt, wie schlimm das für die Betroffenen ist, dass sie ihren freinen Willen kaum noch ausüben können).

    Du kennst die Verzweiflung dieser Kranken nicht? Aber du vergleichst das mit Verliebtsein? Ich empfinde deinen locker-flockigen Vergleich mit dem Verliebtsein als unpassend.

    Im Übrigen könntest du m.E. noch etwas gründlicher deine Ansicht durchdenken, dass schwere Drogensucht lediglich “Pflichten gegen sich selbst” betrifft.

    Bist du dir da völlig sicher, dass das ein rein privates Problem darstellt, wenn beispielsweise (freier Markt!) Drogendealer vor den Schulen stehen, um bereits Kinder schwerst abhängig zu machen?

    Ich glaube nicht, dass das die Welt ist, in der du leben möchtest.

  8. 7.04.2006 | 20:59

    @Dr. Dean: Das mit dem Frischverliebtsein war eine Replik auf die Behauptung, alles, was Willensfreiheit einschränke, gehöre verboten.

    Jetzt argumtentierst Du anders: Die Verhinderung von Leid (die Einschränkung der Willensfreiheit muß ja nicht notwendig mit Leid einhergehen, sonst würden ja nicht so viele Leute Drogen nehmen. Drogen können auch bestimmte Formen des Willens sogar freisetzen bzw. intensivieren)sei Kriterium.

    Meine Mutter hat auf einer Drogenstation mit Heroinabhängigen gearbeitet, ich kannte jemanden etwas näher, der eine umfangreiche Gestalttherapie durchlaufen hat, um vom Heroin loszukommen, dann aber wieder anfing, als seine Blutwerte sich verschlechterten - er ist nicht allzu bald darauf an AIDS gestorben. Ich kannte einen weiteren Fall flüchtig, der genug Kohle hatte und 15 Jahre damit ungefähr so gelebt hat wie ein medikamentenabhängiger Arzt. Das Thema ist mir so fremd nicht. Der Großteil der Probleme, die mir so geschildert wurden, ergaben sich aus der Illegalisierung und Kriminalisierung der Sucht - wenn ich alles richtig verstanden habe, bis hin zum Needle-Sharing, das Andreas das Leben kostete.

    Das Bild mit den Dealern auf dem Schulhof: Würde das freigegeben, dann lohnte sich das rein finanziell hoffentlich gar nicht mehr für die Dealer.

    Klar könnte ich alles, was ich wo auch immer von mir gebe, auch gründlicher durchdenken. Das gilt ja immer, und glaube mir, ich tu’s sogar.

    Mein Bild einer Gesellschaft, in der ich leben will, ist ein solches, daß frei nach Kant nur jene Erfahrungsoptionen einschränkt, die die Freiheit anderer gegen deren Willen einschränkt. Da finde ich Kriminalisierung von Drogen mit all ihren sozialen und ökonomischen Folgen von Beschaffungskriminalität bis hin zu Prostitution problematischer als eine Diskussion darüber, wie und ob man sinnvoll mit diesen umgehen kann. Lasse mich aber sowieso grundsätzlich immer auch weiterhin gerne vom Gegenteil überzeugen!

    Ich persönlich habe übrigens nie irgendwelche harten oder synthetischen Drogen genommen, das liest sich ja hier langsam seltsam …

  9. 8.04.2006 | 22:56

    Stimmt, die Beteiligung an einer Drogendiskussion hat immer einen etwas ulkigen Geschmack. Kenn ich, und auch, soweit man da überhaupt eine entsprechende Regel aufstellen kann, dass die Vertreter fanatischer Ansichten in der Drogenpolitik entweder gar keinen Kontakt mit realen Verhältnissen haben, oder zu viel davon.

    Verzeih mir bitte diese Anmerkung, sie richtet sich nicht gegen dich. Du schreibst:

    Mein Bild einer Gesellschaft, in der ich leben will, ist ein solches, daß frei nach Kant nur jene Erfahrungsoptionen einschränkt, die die Freiheit anderer gegen deren Willen einschränkt.

    Nun, wenn z.B. Crackdealer, welche die Unerfahrenheit von Kindern ausnutzen, diese vor den Schulhöfen belauern, dann schränken sie ihnen mit ihren Techniken der Vertragsanbahnung durchaus “Erfahrungsoptionen” ein. Denn, sobald jemand schwerst süchtig ist (als Dealer muss ich ihm ja im “freien Markt” nicht mal sagen, was es ist), dann hat er die freien Wahlmöglichkeiten nicht mehr. Ein Kunde ist gewonnen (z.B. die siebenjährige Sylvia), und sollte sie zu Dealer B gehen (freier Markt!), dann wird sie feststellen, dass dieser nicht den geheimnisvoll gemixten Stoff hat von Dealer A, der den Preis erhöht hat und ihr sagt: “Sieh zu, wie du klar kommst, Sylvia, bei mir kostet xyz ab jetzt 40 Euro!”.

    Nochmal: Ist das die freie Gesellschaft, die dir erstrebenswert erscheint, oder besteht die Möglichkeit, dass die zentrale Eigenschaft schwerer Suchtstoffe, nämlich die Knebelung von Willensfreiheit, eventuell doch ein Problem darstellt für ein faires Marktgeschehen?

    Ich denke aber auch, dass der Staat dann, wenn es zu spät ist, wenn es also zur schweren Drogensucht gekommen ist, den jeweils Kranken nicht kriminalisieren sollte.

    Ich meine, dass eine Mixtur aus Prävention (zur Verhinderung von Drogensucht) und Substitution (zur Entkriminalisierung und Austrockung des Drogenmarktes) ein vernünftiger und sehr liberaler Ansatz wäre.

    Zur Prävention gehört dann allerdings auch die Unterbindung des Handels mit schweren Suchtstoffen.

    Oder ist meine Position doch zu extrem?

  10. 9.04.2006 | 9:06

    @Dr. Dean: Na, wahrscheinlich liegt ja die Wahrheit wie üblich in der pragamtischen Mitte … wahrscheinlich so ein “Legalize it” + Beschränkungen, wo z.B. und unter welchen Bedingungen vertickt werden darf und einer klaren Differenzierung zwischen den verschiedenen Drogen, und Crack und Heroin sind da wohl Sonderfälle, weil die so schnell süchtig machen.

    Außerdem plädiere ich tatsächlich für User-Guides, weil Drogenerfahrungen zumindest nich komplett verstellt sein dürfen, meiner Ansicht nach sind die ja eine typische, menschliche Kulturleistung. Halte es übrigens auch nicht für allzu wahrscheinlich, daß die 7-jährige Sylvie Crack rauchen würde. Und die 13-jährige Sylvie macht das ja auch so schon … genau so, wie auch 14-jährige Britta jetzt schon Alkoholikerin sein könnte.

    Insofern erreicht das Verbot ja in der Regel gar nicht sein vermeindliches Ziel, produziert aber neue Formen der Delinquenz. In der Hinsicht ist Michel Foucault ja außerordentlich überzeugend in seinen Beschreibungen, wie der ganze Gefängnis- und Justizapparat seinen Gegenstand erst erzeugt, obgleich er behauptet, Unrecht zu beseitigen … Foucault hat meines Wissens auch so ziemlich alles ausprobiert, was es so an Drogen gab, und ohne dessen Werk oder auch das von Sartre und all der anderen User wäre die Welt doch ungleich ärmer.

    Ganz interessant ist in dieser Hinsicht ja die ehemalige DDR (die ich in jeder Hinsicht scheußlich finde, daß hier keine Mißverständnisse aufkommen). Zumindest nach allem, was ich so weiß, haben da z.B. im Gegensatz zum Westen rund um 68 herum Drogen überhaupt keine Rolle gespielt. Gesoffen wurde allerdings wie doof, und irgendwann, glaube ich, auch heftig geschnüffelt, Klebstoff und so. Interessant ist das deshalb, weil man, wenn man sich das mal genauer anschauen könnte, den Zusammenhang “Drogen und Markt und menschliche Bedürfnisse” im System-Vergleich wahrscheinlich ganz gut beschreiben könnte … auch, wie unter unterschiedlichen Systembedingungen unterschiedliche Formen der Delinquenz in Relation zu unterschiedlichen Typen von Märkten produziert werden. Für sowas hätte ich gerne mal Zeit, das zu untersuchen …

  11. 17.04.2006 | 0:09

    “Halte es übrigens auch nicht für allzu wahrscheinlich, daß die 7-jährige Sylvie Crack rauchen würde.”

    Ja, deshalb, weil es bei uns unterbunden wird. Aber glaub mir, gerade die Schwachen und Labilen sind eine prima Klientel zur Neukundengewinnung, und Schulen (schau mal über den Teich), sind da garnicht mal so unspannend. Jedenfalls für Dealer. Und auch für Eltern.

    Wer Drogen Suchtstoffe v.a. im Sinne von “Freiheit und Genuss” auffasst, verfehlt m.E. das Thema. Für sich mag es noch hinkommen, für die Gesellschaft als Ganze wohl kaum. Sorry.

    Und du hast recht, es ist spannend, die Formen von Suchtstoff-Abusus in Relation zur jeweiligen Gesellschaft zu setzen. Amphetamin und die übrigen Putschmittel lassen sich - teils - auch als Ergebnis gesellschaftlicher Entwicklungen sehen.

    Am Ende aller lieblichen Betrachtung stehen aber eine Vielzahl von Süchtigen und Menschen, die ernstlich zu Schaden gekommen sind.

    Ich halte, auch wenn das womöglich illiberal genannt werden könnte, Beschränkungen beim Zugang zu Alkohol für Jugendliche für überaus sinnvoll. Ich glaube zum Beispiel, dass “die” Freiheit, und zwar in Form einer unbeschädigten Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einen weitaus höheren Wert hat als die von Friedman vergötzte Freiheit von Märkten.

    Oops! Am i liberal?

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