Sprachschule für SPONtis

Heute das schwierige Wort: “relativieren

DWDS definiert das so:

relativi̱e̱ren, relativierte, hat relativiert [.. w ..] 〈lat.〉 __etw. in seiner Gültigkeit einschränken, vor allem dadurch, daß man es mit anderem in Beziehung setzt, in einem übergeordneten Zusammenhang betrachtet
Quelle: (1)

Und nun, liebe SPONtis, überlegen wir einmal, ob Frau Rice diese Aussage hier:

“Ich weiß, dass wir taktische Fehler (im Irak) gemacht haben, tausende, da bin ich sicher”
Quelle: (2)

hiermit:

Die US-Regierung habe Fehler gemacht, es sei aber sicher kein Fehler gewesen, den irakischen Machthaber Saddam Hussein zu stürzen. Ebensowenig sei es falsch gewesen, die “Kräfte der Demokratie” im Nahen Osten “auszulösen”.
Quelle: (2)

relativiert hat.

Kann das Benennen der strategischen Ziele und das Bejahen dieser die Gültigkeit der Kritik an den taktischen Fehlern einschränken?
Oder setzt mal wieder die Fähigkeit zur Differenzierung aus, weil im SPONschen Journalistenhirn groß und grell das Reizwort “USA” blinkt?

—————————————————————————————–
Quellen: (1), (2)

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7 Kommentare zu “Sprachschule für SPONtis”

  1. 6.04.2006 | 18:03

    Dasselbe habe beim Lesen der beiden Artikel auch gedacht. Taktische Fehler mögen zwar auch einen siegreichen Schachspieler wurmen, am Sieg ändert es jedoch nichts.

    Hätte Frau Rice gesagt “Ich bin überzeugt, wir haben im Irakkrieg keine Fehler gemacht”, dann hätte SPON getitelt: “Rice spricht erstmals von Fehlern im Irakkrieg”.

  2. Sgt. Hartman
    7.04.2006 | 1:18

    Kann das Benennen der strategischen Ziele und das Bejahen dieser die Gültigkeit der Kritik an den taktischen Fehlern einschränken?

    Nein, aber die des Eingeständnisses taktischer Fehler! ;-)

    Taktische Fehler mögen zwar auch einen siegreichen Schachspieler wurmen, am Sieg ändert es jedoch nichts.

    Eben, daher wird das Eingeständnis tausender (wenn auch taktischer) Fehler durch die Benennung des strategischen Ziels (=übergeordneter Zusammenhang), ok, vielleicht nicht in seiner Gültigkeit, aber doch in seiner Schärfe eingeschränkt. Muss man vielleicht nicht so sehen, kann man aber, meiner Meinung nach.

  3. 7.04.2006 | 1:31

    Das Eingeständnis taktischer Fehler ist jedenfalls keine Relativierung des Ziels und der eingesetzten Mittel der betrachteten Operation.

  4. Sgt. Hartman
    7.04.2006 | 1:58

    Genausowenig wie die Vermittlung eines fehlerhaften Eingeständnisses eine operative Betrachtung einer relativ gezielt eingesetzten Taktik ist.

  5. 7.04.2006 | 9:05

    Dass meine kleine Sprachkritik auf so fruchtbaren Boden fällt, freut mich ungemein. ;-)

  6. 8.04.2006 | 22:39

    Nur, dass der Umfang einer Formulierung sich hier nicht völlig glatt zwischen Strategie und Taktik trennen lässt. Die erste Rice-Äußerung meinte durchaus sehr ernste Fehler (und nicht nur allein taktischer Art). In der zweiten Äußerung hat sie diesen inhaltlichen Umfang ihrer Ausgangsbemerkung klugerweise (auch geschuldet innenpolitischen Verhältnissen in den Vereinigten Staaten) etwas abgeschwächt, u.a. durch Betonung der generellen strategischen Perspektive, und somit auch ein Stück weit relativiert.

    Dies allerdings auch nicht so stark, wie dies von Gegner der amerikanischen Außenpolitik gerne geglaubt wird.

    Aber null Relativierung? Ist das eurer Meinung nach wirklich eine angemessene Beurteilung der beiden Äußerungen??

    Oder klingt ihre zweite Äußerung nach “tausende Fehler”, oder doch ein Stück weit anders, und abgeschwächt?

    Fragt: Der erfreuliche Erhöher der Vielfalt von Meinnungen, Dr. Dean

  7. Boche
    10.04.2006 | 9:44

    Ich sehe durchaus den Unterschied zwischen den taktischen und den strategischen Fehlern bzw. Zielsetzungen. Also kann ich dir nicht folgen.

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