Das Gutsherren-Modell

Was jetzt als Detail einer möglichen “Gesundheitsreform” durchsickert, bestätigt meine Befürchtungen: Wer nicht auf wettbewerbliche Lösungen setzt, kann nur an neuen sozialistischen Formen der Zwangsbewirtschaftung basteln.
Bezeichnenderweise führt der Kompromiss zwischen der miserablen Lösung “Bürgerversicherung” und der schlechten Lösung “Kopfpauschale” dazu, dass auch noch der letzte Anschein marktwirtschaftlicher Funktionsweise beseitigt wird. So sollen die Versicherer nicht mehr direkt bezahlt werden. Nein, es wird alles staatlich eingesammelt und dann pauschal nach Gutsherrenart verteilt.

Bei der SPD nach ökonomischer Vernunft zu suchen, scheint sowieso aussichtslos. Dort wird als politischer Erfolg verbucht, dass die Beiträgshöhe zur Krankenversicherung auch künftig vom Einkommen abhängig ist. Als sei dies das wichtigste zu lösende Problem.
Der Vorwurf, die CDU würde der Marktwirtschaft zugeneigt sein, war wohl - wie sich jetzt immer deutlicher herausstellt - auch nicht sachlich begründet sondern tatsächlich nur Wahlpropaganda des sozialdemokratischen Rivalen im roten Kleidchen.

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9 Kommentare zu “Das Gutsherren-Modell”

  1. 7.04.2006 | 15:50

    Ein “völlig freier und komplett ungeregelter” Markt für den Bereich der Gesundheitsversorgung wird von der Bevölkerung mehrheitlich nicht gewünscht.

    Ich persönlich könnte mir eine ganze Reihe von wettbewerblichen und den Wettbewerb steigernden Lösungen innnerhalb des solidarischen (das halte ich hier für das passendere Wort als “Sozialismus”), gegenwärtigen Gesundheitssystems vorstellen.

    Die ewige, angeblich “liberale” Frontstellung von totalem Markt als einzige Verbesserungsvision halte ich - gemessen an dem, was die Bevölkerung möchte - für undemokratisch und damit sogar auch ein Stück weit illiberal.

    Ich halte es auch nicht für sehr “freiheitlich”, wie der Rechtsblogger “Statler” kürzlich zum Besten gegeben hat, wenn man den Versuch verachtet, allen Menschen einen angemessenen Zugang zu Gesundheitsversorgung zu geben.

    Im Gegenteil, es ist besorniserregend (auch weil es den betroffenen Menschen Freiheit nimmt), wenn immer mehr Menschen überhaupt keinen Krankenversicherungsschutz haben, und dies mehrheitlich deshalb, weil sie ihn sich nicht leisten können.

    Was soll das für ein Fortschritt von Freiheit sein, wo Menschen nicht einmal existentielle Bedürfnisse auf Gesundheitsversorgung realisieren können?

    Aber gut, vermutlich bin ich mit dieser Frage bereits ein “Sozialist”. Ich gebe dann nur zu bedenken, dass dann auch all diejenigen Sozialisten sind, welche z.B. umfangreiche Staatsausgaben für den bescheuerten Transrapid fordern (offizielle F.D.P.-Position) oder vor lauter Sublimierung eines inneren Autoritarismus in Miltitärgeilheit verfallen und damit Hochrüstung unterstützen (zum Beispiel Prof. Dr. Lahmespucke vom Blog “Statler und Waldorf”).

    Alles Sozialisten!!!

    Man sollte am Besten gleich die ganze Demokratie, sowie jegliche Ausprägung von Staat vollständig abschaffen, dann sind die “Liberalen” ihn vermutlich los, diesen “Sozialismus”.

    *gacker*

  2. Boche
    7.04.2006 | 16:12

    Ein “völlig freier und komplett ungeregelter” Markt für den Bereich der Gesundheitsversorgung wird von der Bevölkerung mehrheitlich nicht gewünscht.

    Was für ein liberales Argument.

    Ich persönlich könnte mir eine ganze Reihe von wettbewerblichen und den Wettbewerb steigernden Lösungen innnerhalb des solidarischen (das halte ich hier für das passendere Wort als “Sozialismus”), gegenwärtigen Gesundheitssystems vorstellen.

    Sicher, man kann sich einiges vorstellen.
    So kann ich mir vorstellen, dass der Begriff der Solidarität mit der Realität des staatlicherseits zwangsweisen Eintreibens von Geldern kollidiert. Aber das ist wohl der Unterschied zwischen liberal und “linksliberal”.

    Die ewige, angeblich “liberale” Frontstellung von totalem Markt als einzige Verbesserungsvision halte ich - gemessen an dem, was die Bevölkerung möchte - für undemokratisch und damit sogar auch ein Stück weit illiberal.

    Die richtige Lösung einer sachlich definierten Aufgabe ist also die, die von der Mehrheit gewünscht wird? Habt ihr das früher im Matheunterricht auch so gemacht?
    Das als liberal zu verkaufen, ist allerdings interessant. Aber da unterscheidet sich wohl liberal von “linksliberal”.

    Im Gegenteil, es ist besorniserregend (auch weil es den betroffenen Menschen Freiheit nimmt), wenn immer mehr Menschen überhaupt keinen Krankenversicherungsschutz haben, und dies mehrheitlich deshalb, weil sie ihn sich nicht leisten können.

    Sozialismus schafft Armut. So ist das nun einmal.

    Was soll das für ein Fortschritt von Freiheit sein, wo Menschen nicht einmal existentielle Bedürfnisse auf Gesundheitsversorgung realisieren können?

    “Fortschritt von Freiheit”? Wovon sprichst du?

    Aber gut, vermutlich bin ich mit dieser Frage bereits ein “Sozialist”.

    Nein, nein. Du bist ein Liberaler.

    Deine Animositäten gegenüber Statler oder FDP-Entscheidungen interessieren mich übrigens wenig.

    Falls es dir möglich ist, auch Konzepte zu durchdenken, die der von dir angenommenen Mehrheitsmeinung nicht gefallen:
    Was spricht gegen das hier skizzierte Versicherungsmodell?

  3. 7.04.2006 | 16:25

    @Dean

    Ist das nicht etwas lästig, immer Strohmänner mitzuschleppen und aufzubauen? Deine Argumentation gegen einen “völlig freien und komplett ungeregelten Markt” im Gesundheitswesen würde ich vielleicht ja noch da für sinnvoll halten, wo ein solches Modell vertreten wird.

  4. 7.04.2006 | 18:09

    Und man erinnere sich, dass die CDU ihre Kopfpauschale gegenüber der CSU nur durchgesetzt hat, indem sie Merz´s Steuerreform aufgab (Irgend so ein paar CSU-Schwermatrosen hatten den Stufentarif nicht verstanden und dachten wohl, die Steuerlast steige sprunghaft an). Woraufhin Merz zurücktrat. Ziemlich scheisse gelaufen, oder ?

  5. 7.04.2006 | 19:39

    @Rayson
    Strohmänner? Keine Ahnung, worüber schreibst du!? Oder meinst du eine Art Prügelpuppe, die ich - völlig vom Kontext entfernt - zum Einsatz bringe?

    Dann reden wir vielleicht aneinander vorbei oder ich habe mein Argument nicht so dargestellt, wie ich es verstanden wissen wollte.

    Mein Argument zielte darauf, dass der Begriff “Sozialismus” voreilig zum Einsatz gebracht wird. Wenn allein schon die Bemühung um eine allgemeine (!) Gesundheitsversorgung (wie es Herr Stalter in einem Beitrag monierte - soll ich ihn linken?) “Sozialismus” getauft wird, dann dürfte wirklich jede staatliche Maßnahme, die mit Geldausgaben verbunden ist, “Sozialismus” getauft werden. Also auch Hochrüstung bzw. die dazu erforderliche außenpolitische Doktrin oder eben auch Zigmilliardenausgaben für den Transrapid, wo es allerdings sehr interessant ist (oder nicht?), dass hier eine liberale Partei sich als Unterstützer zeigt, mehr sogar als SPDCDUGRUENELINKS.

    Über einen klärenden Hinweis über diese Inkonsistenz wäre ich froh, oder täusche ich mich so total, wenn ich hier in diesem Blog jede Menge Gelb-Wähler vermute?

    Im Übrigen - das wollte ich auch noch loswerden - teile ich einen bestimmten Eindruck von Boche sogar sehr:

    Die beiden Großkoalitionäre versagen, wenn sie lediglich mehr Geld ins System pumpen wollen, statt sich um Effizienzgewinne zu bemühen.

  6. Boche
    10.04.2006 | 9:42

    @Dr.Dean

    Ich wiederhole nochmal meine ernst gemeinte Frage:

    Was spricht gegen das hier skizzierte Versicherungsmodell?

  7. 16.04.2006 | 23:56

    Was dagegen spricht? Ganz einfach:
    1. “Gesundheitsnachfrager” verhalten sich aufgrund zahlreicher Marktbesonderheiten nicht so, wie es Nachfrager eigentlich tun müssen. Eine Deregulierung wird daher nicth zu mehr Effizienz führen, sondern

    2. Es gibt eine sozialstaatliche Verpflichtung unserer Staatsordnung. Jedenfalls nach unserer Verfassung. Und dieser muss man auch nachkommen, und war auf geeignete Weise, und eben nicht im Sinne eines Interessenkampfes, der sich einseitig den Interessen weniger Wohlhabender verschrieben hat.

    Das typische junge FDP-Mitglied der heutigen Zeit bekommt dicke Pickel an den Ohren, sobald von “sozialstaatlicher Verpflichtung” gesprochen wird, und ehrlich: Diese Pickel sollte man gründlich ausdrücken oder bei Überhandnehmen medizinisch behandeln (Tipp: die ordoliberale Salbe hilft hier am besten). Teil des hier angesprochenen sozialstaatlichen Konsenses war z.B. die faire Lastenverteilung und darunter verstand man eben nicht, dass die Arbeitgeber infolge so genannter “Reformen” einseitig entlastet werden oder überproportionale Lasten für sozial Schwächere entstehen, oder gar ein einseitiger Lastenstopp für diejenigen, welche von ihrer privilegierten (!) Lage und Situation in der Gesellschaft am meisten (und: weit überproportional) von der Veranstaltung namens Gesellschaft profitieren.

  8. 16.04.2006 | 23:58

    Der erste Satz müsste nach seinem abrupten Ende eigentlich in etwa so weitergehen: “(…) sondern mündet vor allem in zusätzliche Verdienstmöglichkeiten von Anbietern auf dem in vielfacher Hinsicht nur subfunktionalen Gesundheitsmarkt.”

  9. 17.04.2006 | 18:50

    @Dr.Dean

    Etwas genauer sollten die Gegenargumente schon sein. Denn dem FDP-Modell kann man eben durchaus noch die sozialstaatliche Verpflichtung des Staates ansehen - ist die Deregulierung doch arg begrenzt, gibt es doch (was dir liegen müsste) auch darin noch genügend Zwang und Pflicht.

    Und in deinen Auslassungen über deinen wohl liebsten Strohmann, den pickligen FDP-Jüngling, kann ich erst recht kein Argument erkennen. Allerdings eine, vielleicht typisch deutsche, Reaktionsweise: Das Zerrbild eines Menschen zu malen und darüber in “medizinische” Behandlungsfantasien zu verfallen. (Auch, wenn die “Medizin” hier nur die wahre Lehre ist.)

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