Deutschland, die Leergut-Insel

Die Dose kommt zurück, NRZ vom 19.04.2006:

[V]or drei Wochen hat Aldi aufgerüstet. Statt in großen Holzcontainern an der Kasse sammelt der Markt Leergut inzwischen in modernen, mannshohen Automaten. Zur Vorbereitung auf die neue Pfandregelung, die ab dem 1. Mai deutschlandweit gilt.

Dann sind Geschäfte verpflichtet, alle Getränkeverpackungen zurückzunehmen: Eistee, Energydrinks oder “Alkopops” in Plastikflaschen und Dosen. Heißt im Klartext: Düsseldorfer Märkte, die nur Red-Bull-Dosen im Angebot haben, müssen auch Coca-Cola- oder Fanta-Dosen zurücknehmen, die in Flensburg, Leipzig oder Rosenheim gekauft wurden. Für 25 Cent pro Stück.

Damit wird die von einigen Ketten praktizierte “Insel-Lösung” hinfällig, nach der nur aus dem eigenen Sortiment stammendes Leergut angenommen wurde. Dass Deutschland aber in Sachen Leergut ebenfalls eine Insel ist, wird durch folgendes Zitat der Leiterin eines “Kaiser’s” deutlich:

“Schon jetzt wird der Automat oft mit ausländischen Flaschen gefüttert, die er eigentlich gar nicht annehmen soll. Ich bin mal gespannt, was wir im Mai so alles finden. Wahrscheinlich müssen wir einen Mitarbeiter einstellen, der sich um das Leergut kümmert.”

Der Betreiber eines Comet-Marktes hat das schon getan*:

[Automaten] kosten mindestens 25 000 Euro, das muss sich erstmal rechnen.” Stattdessen sammelt ein Angestellter das Leergut ein, tippt den Betrag in eine Kasse und verteilt Bons. Computerpannen sind ausgeschlossen, die Logistik ist leichter zu regeln.

Den gleichen Weg wie Aldi schlägt Penny ein:

In Penny-Märkten wird in Zukunft voll auf Bits und Bytes gesetzt. Für 65 Millionen Euro hat die Rewe-Gruppe die Discounter deutschlandweit mit Pfandautomaten ausgerüstet. Getränke-Dosen gänzlich aus dem Sortiment zu verbannen, kam nicht in Frage. “Wir arbeiten kundenorientiert”, erklärt Rewe-Pressereferent Andreas Krämer, “viele bevorzugen Dosen nun mal.”

Damit scheint sich das Pfandgesetz, das der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin 2003 gegen großen Widerstand durchgesetzt hatte, als Treppenwitz zu erweisen. (…) Im Pfandautomaten von Aldi werden die allerdings nicht für Systemabstürze sorgen. Der Discounter hatte die Blechverpackung schon vor acht Jahren aus dem Sortiment verbannt.

Warum hat Aldi die Dosen 1998 aus dem Sortiment genommen? Ticken Aldi-Kunden anders als Rewe-Kunden? Und wann werden deutsche Politiker von der Globalisierungs-Grundschule auf eine weiterführende Schule versetzt? Und hat jemand Interesse, mit mir einen illegalen Dosen-Import aus den Niederlanden aufzuziehen?**
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*) alle Hervorhebungen im Text hinzugefügt
**) Kleiner Scherz. Doch, ehrlich! Ich würde nie, nie, nie etwas Illegales tun oder dazu aufrufen, etwas Illegales zu tun. Nie. Ich schwöre.

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3 Kommentare zu “Deutschland, die Leergut-Insel”

  1. R. A.
    20.04.2006 | 10:47

    Warum sollte denn ein Dosen-Import aus den Niederlanden illegal sein?
    Und welche Strafe wäre denn dafür vorgesehen?

  2. 20.04.2006 | 10:57

    Also, die Döner-Buden, die ich so kenne, halten sich sowieso nicht an die ganze Pfandgeschichte. Jedenfalls habe ich auf die Uludag-Dosen noch nie Pfand bezahlt. Bester Spruch:

    “Ach, so blöde deutsche Sachen mach ich nicht mit”. Wenn doch nur mancher von uns so denken würde… einfach nicht mitmachen…

  3. Marian Wirth
    20.04.2006 | 17:38

    R.A.,

    ich bitte um Entschuldigung. Das Importieren von Leergut aus den Niederlanden ist nicht illegal - meine dahinterstehende “Geschäftsidee”, für niederländisches Leergut bei deutschen Leergutrücknahmestellen 0,25 Euro pro Stück Pfand zu kassieren, würde dagegen m.E. den Tatbestand des Betruges erfüllen.

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