20. April 2006
Popetown - die unchristliche Sicht
Rayson und Marian habens getan, da kann ich nicht zurückstehen. Zumal ich die liberale Bissigkeit in Gefahr sehe, wenn hier nur christliche Eiferer zu Wort kommen. ![]()
Rayson sagt viele richtige Dinge: Z.B. über die Tendenz Liberaler, als Ziel ihres Spottes besonders gern die Religion heranzuziehen (über mögliche und dabei mehr oder auch weniger ehrenhafte Gründe dafür ließe sich sicher viel sagen), oder über die gewaltlose, in demokratischen Bahnen stattfindende Form des christlichen Protests gegen die Popetown-Verhöhnung ihrer Glaubensinhalte.
In einem Punkt allerdings kann ich ihm nicht zustimmen:
Die Verhöhnung (und sei sie noch so geschmack-, niveau- oder spaßlos) von Glaubensinhalten ist - zumindest nach meinem Verständnis - keine Beleidigung.
Nur Menschen können beleidigt werden, keine Gedanken oder Glaubensinhalte.
Ich beleidige meinen Nachbarn dann, wenn ich ihn einen dämlichen Kerl nenne.
Und nicht dann, wenn ich seinen Glauben an die Wiederkehr seiner mit einem Anderen durchgebrannten Frau dämlich nenne.
Ähnlich ist das auch dann, wenn ganze Gruppen von Menschen direkt beleidigt werden:
Ich kann die Bewohner meines Dorfes in tutto dämlich nennen - das wäre eine Beleidigung (deren strafrechtliche Ahndung aber wohl recht unwahrscheinlich ist).
Oder ich kann die Meinung meiner Dorfmitbewohner dämlich finden, es wäre chic, mit Fantasie-Uniformen bekleidet Saufgelage abzuhalten - das wäre keine Beleidigung.
Demzufolge gibt es meiner Meinung nach keine Berechtigung, die Absetzung von Popetown zu fordern (außer, der aktuelle Papst oder einer seiner Gefolgsleute erkennt sich in den “Darstellern” wieder und sieht sich dadurch beleidigt).
Was nun das “right to offend” oder die “duty to offend” angeht: Wenn wir das Recht anerkennen, und das müssen wir, wenn wir meiner Logik hier folgen, reden wir doch dann nur noch über Geschmacksfragen, oder?
Was unterm Strich bleibt, ist das für mich das Verständnis für das Gefühl der Kränkung, das Menschen christlichen Glaubens durch die Verhöhnung dessen, was ihnen heilig ist, empfinden.
Und die Erkenntnis, dass sie damit - um unser aller Freiheit willen - leben müssen.
Aber diesen letzten Schluss haben ja weder Rayson noch Marian angezweifelt, oder?
Verfasst von Boche um 11:31 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Politik (Trackback)