Carpe diem

Die beiden auf Bundesebene koalierenden Parteien erweisen sich mehr und mehr als Sanierungsfälle, die so sehr ihren althergebrachten Ritualen verhaftet sind, dass jeder Gedanke, ihnen könnte etwas zur Sicherung der Zukunft dieses Landes und seiner Bewohner einfallen, wohl für lange Zeit absurd erscheinen muss.

Da basteln beide jeweils an angeblich neuen Grundsatzprogrammen, und was kommt heraus? Derselbe alte Müll wie schon vor 40 Jahren. Die CDU weiß nur, dass sie den Kanzler stellen will und sich dazu irgendwie von der SPD unterscheiden muss, aber bitte nicht zu sehr, weil das sonst die Wähler verschrecken könnte. Der SPD kommt die ebenso geniale wie misserfolgserprobte Idee, Unternehmen und “Besserverdienende” mit Steuern zu überziehen, um endlich Ochs und Esel aus dem Weg zu schaffen, die ein bekannter Saarländer (nicht der, sondern sein ehemaliger Quasi-Parteifreund) mal als potenzielle Hindernisse ausgemacht hatte.

Wenn angebliche Grundsatzprogramme sich derart als primitive Wahltaktik entpuppen, muss sich keiner wundern, dass aus solch deformierten Denkstrukturen keine Konzepte kommen können, die für länger als zwei Jahre taugen. Aber die wollen wir ja auch nicht.

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2 Kommentare zu “Carpe diem”

  1. Spruance
    24.04.2006 | 17:44

    Leider bewahrheitet sich jetzt der lang mühsam im Schach gehaltene Gedanke, daß unsere politische Klasse einfach am Ende ist. Es fehlt die Geradlinigkeit, sich um der Sache wegen eventuell nicht wiederwählen zu lassen! (Auch die Neuseeländer haben das damals nur mit dem Mehrheitswahlrecht geschafft, das sie dann möglichst schnell abeschafft haben, damit sie wieder vor denselben Problemen stehen, wie alle anderen auch.) Ich gestehe mir langsam ein, daß ich von der Politik eigentlich überhaupt nichts mehr erwarte - und das ist für einen Verfassungspatrioten, der das Lichtlein rhetorisch immer hochhielt, bitter! Ich möchte eigentlich nur noch wissen, was ‘danach’ kommt und fürchte ernsthaft das Schlimmste.
    Da andere Abstimmechanismen nichts mehr bewirken, bleibt nur noch die Abstimmung mit den Füßen!

  2. 25.04.2006 | 17:41

    [...] Die SPD kämpft ziemlich an ihrem neuen Parteiprogramm. Krut Becks Antrittsrede wurde auf jeden Fall herzlich aufgenommen. Gerade Klein-Bloggersdorf begrüßt den neuen alten Kurs der SPD. Von Vorwärts Immer. Rückwärts Nimmer über “Motor und Bremse zugleich” bis hin zu Honeckervergleichen reichen die Kommentare. [...]

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