Realitätsverweigerung, die ankommt

Nun werden die Dinge doch etwas klarer: Die SPD versteift sich auf Realitätsverweigerung und huldigt dem Wohlstand fressenden Staat.

Realitätsverweigerung:
Der Staat nimmt Jahr für Jahr mehr Geld ein weg, seine Leistungen werden immer magerer - das Problem liegt für die Genossen trotzdem auf der Einnahmeseite.

Solch Trug muss natürlich kaschiert werden. Und wie macht man das als Partei der “sozialen Gerechtigkeit”? Man behauptet, die Bürger würden ungleich abgeschöpft.
Die Schlussfolgerung ist dann interessanterweise nicht, dass diejenigen (”die Armen”), die angeblich mehr bezahlen als die anderen (”die Reichen”), auf deren niedrigeres Niveau entlassen werden - nein: Alle sollen maximal abgeschöpft werden.

Abgesehen davon lügen die Genossen wie gedruckt: Es sind gerade die als Neid-Objekt instrumentalisierten Besserverdiener (ein Wort, das schon sprachlich triefend vor Neid daherkommt), die bereits heute die Hauptlast der Steuern und Abgaben tragen. (Beim Thema Studiengebühren fällt den “Sozialgerechten” dieser Umstand komischerweise flugs wieder ein - als Begründung, warum Studiengebühren ungerecht seien.)

Lustig in ihrer Beschränktheit wieder mal die Nahles Andrea:

Klar sei, dass die SPD “keinen magersüchtigen, privatisierten Staat” wolle

Entweder kennt sie (was ich vermute) die Verhältnisse nicht, in dem der von ihrer Partei mitregierte Staat lebt. Oder sie redet absichtlich Blech:
Von einem “magersüchtigen, privatisierten” Zustand ist der immer fetter werdende deutsche Staat so weit entfernt wie Frau Nahles von wirtschaftlichem Grundverstand.

Unterm Strich bleibt das Fazit, dass die SPD in ihrer aktuellen Programmdiskussion das Patent auf Staatsgeilheit für sich beansprucht (die schwarzen Genossen werden sich da aber wohl nicht das Butter vom Brot nehmen lassen - Seehofer und der scheinliberalen Merkel sei Dank).
Unter dem Motto der “sozialen Gerechtigkeit” und mit Hilfe plumper Nebelkerzen (Thierse: “keine Steuererhöhungen sondern vernünftige und gerechte Steuern“, Annen: “auch die heranziehen, die viel und sehr sehr viel Geld verdienen”) wird der fette Vormundschaftsstaat gepredigt.
Bei vielen Bürgern dürfte diese Neid-Programmatik gut ankommen. Nicht wenige glauben die Mär vom Staat als Robin Hood, der das Geld den Reichen nimmt und den Armen gibt. Komischerweise wachen sie nicht einmal dann auf, wenn ihnen Robin Hood als fetter, mit Antragsformularen wedelnder und Vorschriften drohender Bürokrat entgegentritt.

PS: Sprach irgendwer letztens davon, dass die SPD für eine liberale Partei auch auf Bundesebene ernsthafter Koalitionspartner sein könne?

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UPDATE:

Rayson war zum selben Thema ein paar Sekunden schneller (und wie immer stilistisch exquisiter). Dafür habe ich mehr Wörter zusammen bekommen. ;-)

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Quellen: SPON und FTD

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9 Kommentare zu “Realitätsverweigerung, die ankommt”

  1. 24.04.2006 | 14:28

    Schön, dass du meine Kritik ausführlich darstellst ;-)

    Aber da ich auch auf die schwarzen Sozis eingedroschen habe, ist die Koexistenz der beiden Beiträge durchaus sinnvoll.

  2. Boche
    24.04.2006 | 14:35

    Die Koexistenz ist sowieso sinnvoll.
    Geht es doch nicht nur um den Inhalt sondern auch die Formvielfalt zur Beglückung möglichst vieler Leser. ;-)

  3. Parker8
    24.04.2006 | 15:54

    Der Staat nimmt Jahr für Jahr mehr Geld weg, seine Leistungen werden immer magerer - das Problem liegt für die Genossen trotzdem auf der Einnahmeseite.

    Das haben Sie falsch verstanden. Es geht um Steuern und Abgaben im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Laut Bundesfinanzministerium ist die Abgabenquote in den letzten 10 Jahren von 40,2 auf 36,7 Prozent gerutscht. (In der OECD-Klassifikation von 37,2 auf 34,6.) Ursächlich dafür ist auch der erhebliche Rückgang des Steuerbeitrags der Unternehmen, nämlich - in der OECD-Statistik- um ein Siebtel.

    Abgesehen davon lügen die Genossen wie gedruckt: Es sind gerade die als Neid-Objekt instrumentalisierten Besserverdiener (ein Wort, das schon sprachlich triefend vor Neid daherkommt), die bereits heute die Hauptlast der Steuern und Abgaben tragen.

    In Bezug auf die Einkommensteuer bestreitet das sicher niemand. Möchten Sie, dass das umgekehrt wird?

    Von einem “magersüchtigen, privatisierten” Zustand ist der immer fetter werdende deutsche Staat so weit entfernt wie Frau Nahles von wirtschaftlichem Grundverstand.

    Die Staatsquote ist in den letzten 10 Jahren um zweieinhalb Prozent zurückgegangen. Die Wohlfahrtseffekte sind schwach. - Und es wäre ja auch sinnlos, wenn die SPD das Programm der FDP adaptierte.

  4. 24.04.2006 | 17:08

    Die Staatsquote ist in den letzten 10 Jahren um zweieinhalb Prozent zurückgegangen.

    Unter anderem durch reine Bucheffekte (Kindergeld). Und direkt an subventionierte Unternehmen ausgezahlte Abgaben (EEG) müssten im Prinzip ebenfalls mit einberechnet werden.

    Und es wäre ja auch sinnlos, wenn die SPD das Programm der FDP adaptierte.

    Marketingtechnisch stimmt das. Wir haben nur Probleme, das als Maßstab gelten zu lassen. Ich finde es jedenfalls beklagenswert, dass die SPD die Frage nach dem Wesen der Sozialdemokratie im Zeitalter von Globalisierung und demografischem Wandel dadurch “gelöst” hat, dass sie sich sie gar nicht erst stellt.

  5. Parker8
    24.04.2006 | 18:16

    Ich finde es jedenfalls beklagenswert, dass die SPD die Frage nach dem Wesen der Sozialdemokratie im Zeitalter von Globalisierung und demografischem Wandel dadurch “gelöst” hat, dass sie sich sie gar nicht erst stellt.

    Das stimmt nicht. Aber der Ton beim Thema Globalisierung ist natürlich nicht überschwenglich, da ja eine große Gruppe der SPD-Wähler aus Globalisierungsverlierern besteht.

    Insgesamt atmen diese Leitsätze aber eher den Geist von New Labour. Der Schwerpunkt liegt auf Chancen- und Teilhabe-Gerechtigkeit. Daher wird das sicher von Vielen tatsächlich als zu FDP-lastig empfunden werden.

  6. R. A.
    24.04.2006 | 18:48

    > Laut Bundesfinanzministerium
    > ist die Abgabenquote in den
    > letzten 10 Jahren von 40,2 auf
    > 36,7 Prozent gerutscht.
    Das ist eine politische Lüge des Bundesfinanzministers (alt wie neu).

    Real liegt die Staatsquote in Deutschland über 50%, von einem Sinken kann angesichts der vielen Steuererhöhungen der letzten Jahre sowieso keine Rede sein.

  7. 24.04.2006 | 22:31

    Ich kann diesen Versuch (noch ist es einer) der SPD-Führung eigentlich nur als abschließende Feststellung der eigenen Ideen- und Mutlosigkeit verstehen. Es fällt mir schwer aber ich muss Boche zustimmen. Nicht in seinen teils etwas unflätigen Beschimpfungen der Sozialdemokraten, wohl aber in der Sache an sich.

    Wie wir das enden?

  8. 24.04.2006 | 23:54

    Vor allem Ideenlosigkeit, würde ich sagen. Vielleicht aus Angst geboren.

    Wenn “Steuern für die Reichen” und “mehr Staat” die Antworten sind, brauchen wir keine SPD - das Gebiet beackert die Linkspartei/PDS/SED. Und auf der anderen Seite sehen wir ein vergleichsweise (für meinen Geschmack immer noch unzureichendes) konsequentes Programm der FDP, das über den Pragmatismus einer SPD hinausgehen muss.

    Die Antwort der Ratlosen in so einer Lage: Eklektizismus.

  9. 25.04.2006 | 0:22

    @Parker8

    Du hingst im Spamfilter (Akismet bewies wohl politischen Instinkt, was den Link im Kommentar betraf ;-)), und weil wir dann auch noch die Providerprobleme hatten, konnte ich den erst jetzt nachreichen.

    Daher wird das sicher von Vielen tatsächlich als zu FDP-lastig empfunden werden.

    Was der FDP sehr zu denken geben sollte und meine oben genannte Einschränkung ihr Programm betreffend nur bestätigt…

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