Trauer

Der Tod von Paul Spiegel dominiert in Deutschland die Nachrichten, aber für mich persönlich ist der Tod eines anderen Menschen die Nachricht des Tages: John Kenneth Galbraith ist im hohen Alter von 97 Jahren gestorben.

Sein Buch “Wirtschaft für Staat und Gesellschaft” war das erste Buch eines Ökonomen, das ich gelesen habe, und es hat gereicht, mich für mein weiteres Leben neugierig zu machen auf Wirtschaftsfragen. Wenn auch die damals geäußerten und zuletzt wiederholten Thesen mittlerweile z.T. an Relevanz verloren haben und seine Kritikfähigkeit ausgerechnet beim Glauben an die wohlstandsmehrende Wirkung staatlichen Handelns halt macht (z.T. durch seine höchst interessante Biographie erklärbar), kann man in seinen Büchern noch so manchen interessanten Gedanken finden. Dass Galbraith ausgerechnet wegen seines nicht so völlig auf Mathematik basierenden Ansatzes von seinen Kollegen z.T. nicht akzeptiert wurde, spricht m.E. mehr gegen diese Kollegen als gegen ihn. Jedenfalls kann man seine Werke lesen, ohne dabei bald unweigerlich von einer bleiernden Müdigkeit befallen zu werden.

Ein Verlust, dass diese originelle und unabhängige Stimme sich nicht mehr zu Wort melden kann.

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12 Kommentare zu “Trauer”

  1. Marian Wirth
    30.04.2006 | 20:42

    Ich finde Deinen Einstieg etwas unglücklich gewählt; da ich mir Deine Verteidigung schon denken kann, verzichte ich darauf, meinen Einwand zu präzisieren.

    Brad DeLong zitiert zum Tode von Galbraith übrigens zuerst sich selbst - und nimmt dann den Nachruf aus der NYT auseinander. Rauhe Sitten da drüben…

  2. 30.04.2006 | 20:49

    Nicht so kryptisch, immer Butter bei die Fische. Meinst du “Nachricht des Tages” als positiv besetzten Begriff? Und meine Verteidigung, dass aus dem Text ersichtlich wird, dass ich es nicht so verstehe?

  3. Marian Wirth
    30.04.2006 | 21:05

    Nee, ich meine das “dominieren” und die Erwähnung Paul Spiegels. Das liest sich auch beim dritten Mal für mich so, als ob Du die beiden gegeneinander ausspielst und den Medien einen Vorwurf daraus machst, dass sie sich mehr mit Spiegel als mit Galbraith beschäftigen.

    Die Alternative wäre gewesen, einfach nur einen Nachruf auf Galbraith zu schreiben und Spiegel nicht zu erwähnen. Das hätte Dir den Vorwurf eintragen können: “Ist ja mal wieder typisch für die Liberalen - den Tod des Ökonomen erwähnen sie, den Tod einer wichtigen Person des öffentlichen Lebens nehmen sie gar nicht zur Kenntnis.” Ein solcher Vorwurf wäre dann allerdings nicht von mir gekommen.

    Egal. Nach meinem Eindruck ist die dominierende Nachricht heute der Pokalsieg der Bayern und das Abwatschen von Ballack durch Beckenbauer. Das finde ich richtig gruselig.

    Dann schon lieber Galbraith. Und Spiegel.

  4. 30.04.2006 | 21:18

    Marian, nicht gleich immer klein bei geben, vielleicht würde sich Rayson in abstruse Erklärungen verwickeln, und würde so eine Art Jenninger-Schicksal erleiden ;-)

    Aber es wäre ja noch schöner, wenn man den Medien folgen müsste in der Einschätzungen, was für einen persönlich die Nachricht des Tages ist.

  5. Marian Wirth
    30.04.2006 | 21:31

    Klaus,

    Marian, nicht gleich immer klein bei geben

    Die eine Seele in meiner Brust (”Ach, lass’ es doch. So wichtig ist es nun auch wieder nicht”) hat klein beigegeben. Und jetzt geht alles seinen normalen Gang.

    vielleicht würde sich Rayson in abstruse Erklärungen verwickeln, und würde so eine Art Jenninger-Schicksal erleiden

    Die Hoffnung, dass sich Rayson jemals in abstruse Erklärungen verwickeln wird, habe ich aufgegeben. Deshalb war mein Kommentar ja so überflüssig.

    Aber es wäre ja noch schöner, wenn man den Medien folgen müsste in der Einschätzungen, was für einen persönlich die Nachricht des Tages ist.

    Diese Einschätzung will ich Rayson bestimmt nicht nehmen.

    Naja, wenigstens habe ich auch etwas zum eigentlichen Thema beigetragen. Das beruhigt mich etwas.

  6. 30.04.2006 | 23:09

    Interessante Interpretation, Marian. Auf die wäre ich wirklich nie gekommen. Ich “spiele” die beiden nicht “gegeneinander aus” (wie sollte das auch gehen), sondern ich stelle fest, dass es bei den beiden Todesfällen offensichtlich einen eklatanten Unterschied gibt zwischen der Bedeutung für die Öffentlichkeit unseres Landes und der für mich. Aus ganz individuellen Gründen.

  7. 30.04.2006 | 23:10

    Ach ja, und das Abwatschen Ballacks ist für mich eine Nachricht von gestern. Da habe ich das live gesehen :-)

  8. 30.04.2006 | 23:37

    BTW: Welche Thesen Galbraiths haben an Relevanz verloren?

  9. 1.05.2006 | 10:54

    Zum Beispiel die, dass das “Plansystem” von Managern beherrscht wäre, die nicht den maximalen Gewinn verfolgen, sondern eher auf Wachstum ausgerichtet sind. Ich bezweifle dabei nicht, dass diese Motivation bei Managern immer noch vorherrscht, aber durch die “Shareholder Value”-Bewegung haben sich die Spielregeln bei den Konzernen auch in Deutschland verändert.

  10. 1.05.2006 | 12:10

    … wie man exemplarisch bei DaimlerChrysler sieht. Bis der nächste Schrempp kommt …

  11. Addi
    1.05.2006 | 14:25

    Schade, jetzt kann er nicht mehr an der Landverschickung teilnehmen!

  12. 1.05.2006 | 15:03

    @Addi aus dem schönen Westfalen

    Wolltest du uns ein Ei ins Nest legen? Links zu brauner Propaganda werden hier gelöscht, und deinen Schwachsinnskommentar lasse ich nur zu Dokumentationszwecken drin.

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