Major Tom ruft Butler James

Merkel ist ihrem Vorbild Kohl schon weit näher, als mancher denkt. Während sie der Versuchung fast aller Kanzler seit Adenauer (vielleicht mit Erhard als Ausnahme) nachgibt, ihr Heil in der außenpolitischen Anerkennung zu finden, heißt es in der Heimat: “Same procedure as every year”.

Jetzt hat die SPD auch locker das sogenannte Anti-Diskriminierungsgesetz durchgesetzt, das, weil es über die EU-Vorgaben deutlich hinaus geht, die Vertragsfreiheit in diesem Land endgültig beerdigt. Um ganz sicher zu gehen, ist auch das Verbandsklagerecht weiter im Gesetz, als universelle Eingriffsmöglichkeit für staatlich beglaubigte Gutmenschen. Die daraus entstehende Zurückhaltung bei Geschäften und Investitionen werden die üblichen Verdächtigen aber natürlich wieder dem bösen Kapitalismus zuschreiben. “Same procedure as every year…”

Ehre, wem Ehre gebührt: Zu diesem Thema äußert sich auch klarsichtig wie (fast ;-)) immer: Oliver Luksic, und auch die FDP hat hier wieder einen ihrer allzu seltenen lichten Momente.

Mal ehrlich: Nur um einen Macho durch eine Frau zu ersetzen, hätten wir doch wirklich nicht wählen müssen, damals im September. Oder?

Ähnliche Beiträge


47 Kommentare zu “Major Tom ruft Butler James”

  1. Marian Wirth
    5.05.2006 | 9:57

    Rayson,

    Nur um einen Macho durch eine Frau zu ersetzen, hätten wir doch wirklich nicht wählen müssen, damals im September. Oder?

    Tut mir ja leid, aber ich habe damals keine andere Möglichkeit gesehen ;-). Das war egozentrisch, wie ich zugeben muss.

    Dass das ADG in dieser Form in Kraft tritt, glaube ich erst, wenn ich es schwarz auf weiß im Bundesgesetzblatt sehe.

    Und dass die CDU sich einstweilen die Zuständigkeit gesichert hat, gibt ihr immerhin die Möglichkeit, eine bewährte Strategie weiter zu verfolgen: Einem spinnerten Ansinnen der Sozen dem Grunde nach stattgeben, die Umsetzung behindern - und am Ende sagen: “Siehste! hamwa doch gleich gesagt, dass das nicht funktioniert!” Beim Zuwanderungsgesetz läuft das gerade exakt nach dem Muster.

    Ich möchte nicht verhehlen, dass ich die Position der FDP dieser Strategie noch am ehesten nachvollziehen kann: Etwas kategorisch ablehnen, was man für falsch hält - und dann mit der CDU in den “Siehste! Hamwa doch gleich gesagt.”-Ruf einstimmen, ist in Ordnung und legitim. Mir wäre zwar ein anderes Verhalten noch lieber, aber wenn die FDP sich so verhalten würde, wie ich mir das erträume, würde sie damit praktisch den Dalai Lama überflüssig machen ;-).

  2. 5.05.2006 | 10:48

    Ein Zusammenfassung eines Artikels von Michael J. Priore zum Thema “Antidskriminierungsgesetze und ihre Folgen”, bezogen auf Entwicklungen in den USA, kann man hier lesen … Rayson, das hattest Du sogar schon mal kommentiert ;-)

  3. 5.05.2006 | 11:25
  4. 5.05.2006 | 14:42

    @MomoRules

    Rayson, das hattest Du sogar schon mal kommentiert

    Aber nicht diesen Teilaspekt, sonst müssen meine Kommentare so lang werden wie deine Beiträge ;-)

    Mit einer entsprechenden Regelung auf dem Arbeitsmarkt hatte ich, auch wenn ich sie für Unsinn halte, ja schon abgefunden. Es macht übrigens tatsächlich einen Unterschied, ob ich in einem sehr flexiblen Arbeitsmarkt eine solche Regelung einführe oder einem unflexiblen damit noch eins draufsetze - so, als ob wir uns locker noch ein paar Arbeitslose mehr leisten könnten.

    Wie gesagt, die EU-Richtlinie, wie üblich in solchen Fällen auf demokratisch zweifelhafte Weise entstanden, sah da keinen Spielraum vor. Aber den Unsinn auch noch auf das allgemeine Geschäftsleben auszudehnen und noch dazu ein Klagerecht für Gutmenschen-Kollektive einzuführen, das lässt in der Methode Wahnsinn erkennen.

  5. 5.05.2006 | 15:10

    Na, laut Priore ist es ja gerade das Klagerecht für “Gutmenschen-Kollektive”, das in den USA so produktiv wirkte … zudem ich mich immer frage, was denn hier am Arbeitsmarkt angeblich so unflexibel sein soll.

    Vielleicht bin ich auch in der falschen Branche, um da mitreden zu können, aber die Möglichkeit untertariflicher Bezahlung ist doch mittlerweile eher üblich, es gibt die dollsten Zeitvertragsmodelle, Kündigungsschutz gilt erst ab einer bestimmten Betriebsgröße, Betriebsräte können Kündigungen auch nicht verhindern, sonder lediglich ihren Senf dazugeben, was allenfalls eine bessere Ausgangsposition vor Arbeitsgerichten gibt, aber vor denen zu klagen, traut sich doch kaum noch jemand, weil er Angst hat, dann erst recht nirgends anders mehr eingestellt zu werden, also: so what?

    Das einzige, was in der Tat Wirkung zeigt, ist der staatliche “Kampf” gegen Scheinselbstständigkeit, mit äußerst paradoxen Folgen. Das ist allerdings eine Folge der Sozialversicherungssysteme, aber da bin ja selbst ich elender Sozialist schon in’s Lager der Grundeinkommens-Wernerianer umgeschwenkt … in diese Diskussion wird noch sehr viel Dynamik kommen, glaube ich.

  6. 5.05.2006 | 15:41

    Erstmal muss Freund Priore ja nicht die ganze Sicht der Dinge haben… Aber selbst wenn: In den USA spielen Klagen im Rechtssystem eine ganz andere Rolle als bei uns, wo viel mehr in Gesetzen und Verordnungen geregelt wird. Auf die Idee, beides zusammenzuführen, würde wohl in den USA keiner kommen…

    Kann sein, dass du in der falschen Branche bist. Die Mehrzahl zumindest der Unternehmen im Westen zahlt immer noch Tarif (oder darüber hinaus), Zeitverträge sind limitiert und sollen abgeschafft werden, Betriebsräte können den Ausgang von Kündigungsprozessen noch unkalkulierbarer machen, und dass vor Arbeitsgerichten aus Angst nicht geklagt wird, halte ich, jedenfalls soweit die große Mehrheit betroffen ist, für ein Gerücht. Im Allgemeinen gilt die Regel: Ohne zufriedenstellenden Aufhebungsvertrag wird so gut wie immer geklagt. Machen ja sogar Manager völlig ohne Skrupel.

    Kündigungen selbst sind eine Wissenschaft für sich, wenn Kündigungsschutz herrscht: formalisiert bis ins kleinste Detail, z.T. muss in einem monatelangen Zeitraum Mosaikstein auf Mosaikstein gefügt werden, und selbst dann ist der Ausgang vor Gericht nicht kalkulierbar.

    Jedenfalls alles kein Vergleich zu wirklich flexiblen Arbeitsmärkten, wo man noch rein aufs Vertragsverhältnis abstellt. Bei uns kommt da nur noch die Schwarzarbeit mit.

    Aber letztlich ist es nicht wichtig, wie du das empfindest, wie ich das empfinde oder die Wissenschaftler das sehen: Wichtig ist, wie es die Unternehmer sehen.

  7. 5.05.2006 | 15:52

    Dann ist die Welt ja doch noch in Ordnung ;-)

    Die Limitierung von Zeitverträgen ist meines Wissens doch aufgehoben worden? Und isses nicht so, daß der hier so vehement geforderte Niedriglohnsektor in den USA dazu führt, daß die Leute noch mit 3 Jobs parallel fast verhungern?

    ‘n Gerücht ist das übrigens nicht, das mit dem Klagen, in meinem beruflichen Umfeld ist das mittlerweile so. Allerdings nur auf der “normalen” Arbeitnehmerebene, bei den hehren Managern sieht’s in der Tat anders aus. Und das ist zumindest eine Branche, die seit Jahren vieles von dem vorwegnimmt, was ein paar Jahre später flächendeckend gilt …

    Im letzten Absatz hast Du übrigens belegt, wie Macht in ökonomischen Kontexten funktioniert.

  8. 5.05.2006 | 16:13

    Die Limitierung von Zeitverträgen ist meines Wissens doch aufgehoben worden?

    Wo und wann? Bis maximal zwei Jahre, soweit ich weiß. Was die Leute mit zwei und mehr Jobs in den USA betrifft: Das sind zwischen 3% und 4% der Erwerbstätigen, und sie machen das nicht nur aus Armut. Aber das ist ja sowieso kein Argument dagegen, dass der Arbeitsmarkt dort flexibler ist.

    Ich hab ja schon bei einigen Einstellungen mitgewirkt, aber ob derjenige, der sich da bewarb, mal einen Arbeitsgerichtsprozess geführt hat, war uns immer so egal wie unbekannt.

    Im letzten Absatz hast Du übrigens belegt, wie Macht in ökonomischen Kontexten funktioniert.

    Nein, sondern du hast mit diesem hier belegt, in welchen Kontexten du denkst ;-) “Die Unternehmer” sind doch nicht die lautsprechenden Funktionärstypen in Berlin, sondern die Summe der handelnden, eher schweigsamen Unternehmer.

  9. 5.05.2006 | 16:25

    “Nein, sondern du hast mit diesem hier belegt, in welchen Kontexten du denkst “Die Unternehmer” sind doch nicht die lautsprechenden Funktionärstypen in Berlin, sondern die Summe der handelnden, eher schweigsamen Unternehmer.”

    Nee, die wirken ja auch ganz schön machtvoll … ich führe hier auch alle Nase lang Einstellungsgespräche, und wer als “troublemaker” gilt, das spricht sich wahnsinnig schnell rum … für mich persönlich wäre das kein Grund, für andere isses das.

    Und das mit der Abschaffung der Limitierung müßte ich noch mal recherchieren, aber meines Wissens ist das mittlerweile so.

  10. 5.05.2006 | 16:54

    Naja, wenn es so einfach ist, Macht auszuüben, warum werden dann nicht einfach alle Unternehmer?

  11. 5.05.2006 | 19:55

    Wegen der Knappheit … ist nicht genug Platz für alle in den Chef-Etagen.

  12. 5.05.2006 | 21:08

    ist nicht genug Platz für alle in den Chef-Etagen - ein beeindruckendes Argument für den Anarchokapitalismus :-)

  13. Parker8
    5.05.2006 | 21:21

    @Rayson

    Die vielzitierte Prekarisierung ist also Ihrer Meinung nach Einbildung?

  14. 5.05.2006 | 21:28

    @ Parker8
    Falls ich darauf antworten darf: sie ist nicht Einbildung, sondern sie muss ausgebaut werden, denn die Arbeitslosen sind unqualifiziert und unproduktiv. (So sagen die Gebildeten für “faul und blöd”)

    Aber was ist schon prekär? Nur die Einbildung …

  15. 6.05.2006 | 0:02

    @Parker8

    Insbesondere ein hohler Begriff für Flexibilität.

    @Klaus

    Du verwechselst ökonomische Begriffe mit moralischen. Tatsache ist nun einmal, dass Arbeitslosigkeit mit abnehmendem Ausbildungsniveau prozentual steigt. Die Mehrzahl der Arbeitslosen ist ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Deswegen setzen ja auch fast alle auf Bildung - die kann aber nur langfristig greifen.

    Außerdem sagt niemand “un”, sondern “gering” - das “un” ist eine Folge der Organisation unseres Arbeitsmarkts und Sozialsystems. In flexiblen Märkten dürfen auch gering Qualifizierte mitarbeiten.

  16. 6.05.2006 | 0:25

    @ Rayson
    Und was machst du mit den - in meinem Falle - 41jährigen ohne Berufsausbildung. Immerhin war Rot-Grün so schlau, dass Fortbildungsmaßnahmen nicht viel bringen. Nur was sind die Alternativen? (die von den Betroffenen nicht als Strafe empfundenen wird).

    Gegeben sei irgendein Ausmaß an Liberalismus. Dann wird die Zahl der “Unqualifizierten” monoton anwachsen. Es sei denn man steckt sie in irgendeine Form von Arbeitslager oder Bestrafung.

  17. 6.05.2006 | 0:40

    @Klaus

    Es gibt zwei Möglichkeiten:

    1. Jeden Job annehmen, den man dir anbietet.
    2. Sich auf die Sicherung des Lebensunterhalts durch den Staat zu verlassen.

    In den USA müsstest du Option 1 wählen. Individuelles Problem: Ein Job könnte (nicht: müsste) nicht reichen. In Deutschland legt man dir Option 2 nahe. Individuelles Problem: Option 2 macht dich auf Dauer zum Almosenempfänger (mit Schwarzarbeitmöglichkeit). Volkswirtschaftliches Problem: Option 2 lebt von Ressourcen, die sie lahmlegt.

    Such dir aus, was dir gefällt. Vielleicht gibt es noch etwas dazwischen. Das nennt sich dann Kombilohn, aber das magst du ja auch nicht. Alles andere ist ökonomischer Unfug.

  18. 6.05.2006 | 0:55

    @ Rayson

    *prust* das dies ausgerechnet dir passiert: Jeden Job annehmen, den man dir anbietet. - darauf kann ich warten bis die Hölle gefriert. Seit Einführung von HartzIV habe ich kein Jobangebot, keine Beratung oder sonst eine Hilfestellung bekommen vom Jobcenter. Nun kombiniere “faul und blöd” mit dem notwendigen, erfolgreichen Grad an Initiative, um einen Job zu bekommen … vom Blitz erschlagen zu werden oder im Lotto zu gewinnen ist da wahrscheinlicher :-) (Ich hoffe gelegentlich auf Letzteres)

  19. 6.05.2006 | 1:34

    @Klaus

    Du würdest also in den USA verhungern.

  20. 6.05.2006 | 1:45

    Meinetwegen ist in den USA ein Sicherheitsnetz vorhanden, das ich als hirnlose Jobs bezeichnen würde, aber 1. lebe ich nicht in den USA und 2. gibt es diese Jobs hier nicht. Und dies kann nicht durch AlgII erklärt werden, schließlich gibt es in den USA einen Mindestlohn (der höher ist als das AlgII)

  21. 6.05.2006 | 1:56

    Doch, kann es. Der Anreiz für die Suchenden ist ein anderer. Ein Mindestlohn müsste erst erstritten werden - und selbst wenn der Kläger Recht bekäme, kann ihm keine dauerhafte Beschäftigung zu diesem Lohn garantiert werden. ALGII wird gezahlt, wenn die rechtlichen Voraussetzungen dazu erfüllt sind. Im Prinzip open end.

  22. 6.05.2006 | 2:02

    Muss erst erstritten werden? Danke dir, dass du mir Verhungern offensichtlich wünscht, im Falle dessen, dass Erstreiten nicht klappt. Gut, Rückgriff auf kriminelles Verhalten ist natürlich immer noch möglich. Oder als Survivalkünstler in deutschen Wäldern - aber auch das ist sicherlich gegen die Vorschriften.

  23. 6.05.2006 | 2:06

    Klaus, ich wünsche dir nur das Allerbeste, aber selbst wenn ich vom Klagemodell absehe, so bleibt als eklatanter Gegensatz zwischen Mindestlohn und ALGII immer, das letzteres immer gezahlt werden muss, während es keine Gewähr gibt, dass zu ersterem auch Jobs angeboten werden.

  24. 6.05.2006 | 2:13

    @Klaus: ich kann nicht einschätzen, wie es in dem zuständigen Jobcenter und in Eurer Gegend mit Jobs aussieht und ich kenne auch nicht Deine Ausgangsbedingungen. Die Grundversorgung wird doch aber überhaupt nicht in Frage gestellt.

    Um im Lotto zu gewinnen, müsstest Du ja Lotto spielen, und das bedeutet in der Regel, freiwillig eine Hälfte des Einsatzes an die Staatskasse und die andere Hälfte an die Kasse der Lottogesellschaft abzugeben. Also ist das auch nicht wirklich eine Lösung …

  25. 6.05.2006 | 2:39

    @ stefanolix

    Rayson stellt die Grundversorgung in Frage, er will letztendlich an einen Punkt kommen, wo er den Armen anbietet entweder zu verhungern oder jedem Jobangebot “ja” sagen ohne jegliche Garantien sich damit über Wasser zu halten. Leute wie Rayson wollen “Anreize”, aber können nicht erklären warum bei den 1-Euro-Jobs die Nachfrage das Angebot übersteigt. Kleiner Hinweis: die meisten Arbeitslosen machen diese 1-Euro-Jobs nicht wegen der paar zusätzlichen Euros …

  26. 6.05.2006 | 2:47

    @Klaus

    Versuch lieber nicht zu erklären, was ich angeblich “will”. Ich habe langsam die Schnauze voll, die Erkenntnis der Begrenztheit von Ressourcen als charakterliches Defizit vorgehalten zu bekommen. Wenn es nach dem geht, was ich “will”, kriegen wir alle ein Ackermann-Gehalt ausgezahlt.

    Wenn du heiß auf Versprechen bist, geh zu anderen Blogs.

  27. 6.05.2006 | 2:55

    @ Rayson
    Natürlich willst du nichts, stattdessen soll eine Maschine, der Markt, das Gewünschte ausspucken. Und dafür will natürlich auch niemand die Verantwortung übernehmen. Der Markt, genauso wie die Evolution, ist für nichts haftbar zu machen. Über was sollte man sich auch beschweren und bei wem?

    geh zu anderen Blogs - ich glaub du träumst :-)

  28. 6.05.2006 | 3:03

    @Klaus

    Quatsch. Entweder du machst im Markt mit (ob du ihn magst oder nicht) oder du richtest deine Forderungen gegen den Staat. Ökonomen können dir sagen, wie lange letzteres gut geht.

    Tatsächlich - du kannst dich über deine mangelnde Ausbildung bei niemand anderem beschweren als bei dir selbst. Unattraktiv, ich weiß. Aber möchtest du wirklich angelogen werden?

  29. 6.05.2006 | 3:08

    Huch, nicht alle sind so apathisch wie ich. Naja, keine Option für mich.

  30. 6.05.2006 | 3:22

    @ Rayson
    Der letzte Kommentar sollte übrigend keine Antwort auf Kommentar 3:03 sein.

    Unattraktiv? Unerträglich! Aber leider ist der Ereignishorizont schon überschritten … die bloße Erkenntnis nützt nichts mehr.

  31. 6.05.2006 | 7:30

    @Klaus: Auch wenn es inzwischen Mode zu sein scheint, Hartz-IV und Verhungern in einem Atemzug zu nennen, ist es doch einfach nicht richtig. Die Summe aller Leistungen (und da beziehe ich z.B. eine vollwertige Krankenversicherung mit ein, die dem gesetzlich krankenversicherten Ingenieur die gleichen Leistungen gibt wie dem gesetzlich krankenversicheren Hartz-IV-Empfänger) sieht mir wirklich nicht nach Verhungernlassen aus.

    Aber Verhungern ist insofern ein gutes Stichwort, dass vor dem Essen meist das Ernten kommt. Und Dir ist sicher bekannt, welchen geringen Anteil aller Saisonarbeitskräfte in der Ernte Herr Müntefering gern mit deutschen Hartz-IV-Empfängern besetzen möchte? Solange wir nicht in der Lage sein wollen, unsere Ernte mit eigenen Kräften einzubringen, müssen wir das Wort Verhungern überhaupt nicht mehr erwähnen. Sprich mal darüber mit Menschen, die noch gute Erinnerungen an die Nachkriegszeit haben.

    Liberal bedeutet in meinen Augen, die Möglichkeiten für Eigeninitiative zu öffnen und diese zu fördern bzw. nicht zu behindern. Liberale Realpolitik hat zusätzlich immer irgendeine Möglichkeit der Grundsicherung im Auge, die die Leute eben nicht verhungern lässt.

    So, und wenn Du uns etwas genauer sagst, auf welchen Gebieten Du gern weiterkommen würdest, dann könnten vielleicht mehr Augen nach Antworten suchen. Wir haben da so einen Spruch “Given enough eyeballs, all bugs are shallow”. Sofern sich das Problem um EDV-Kenntnisse oder Wissenserweiterung dreht, gibt es im Netz unheimlich viele Ressourcen und persönliche Hilfsbereitschaft (ja, eine liberale Grundeinstellung schließt Hilfbereitschaft nicht aus).

    Aber um das mal persönlich zu sagen: es gibt mir schon einen kleinen Stich, wenn ein erwachsener Mann mitten in der Nacht darüber diskutiert, ob ihn Liberale im Zweifel verhungern lassen würden. Die einzige Antwort ist Nein und das weißt Du selbst ganz genau.

  32. 6.05.2006 | 8:54

    Sagt mal, Rayson und Klaus, wann schlaft ihr eigentlich? Man kann doch bei Stefanolix lesen: Der frühe Vogel … (usw.)

  33. Marian Wirth
    6.05.2006 | 9:00

    MomoRules,

    genau das habe ich mich auch gerade gefragt. Aber auch, wer nachts noch lange aufbleibt, kann zu den frühen Vögeln gehören. Und ab einer bestimmten Uhrzeit kann es sich auch um senile Bettflucht handeln.

  34. 6.05.2006 | 9:55

    @Marian: Ab einem bestimmten Alter ;-)

    Nein, ich wollte gestern unbedingt etwas fertig bekommen (Programmierbeispiele für einen Artikel) und dann ist es besser, man bleibt an der Aufgabe dran. Ich war gestern das erste Mal wieder schwimmen und das hat gemeinsam mit dem wunderbaren Wetter wahrscheinlich irgendwelche Motivationsstoffe in mir erzeugt …

    Die vier Stunden Schlaf in dieser Nacht (03.00 Uhr bis 07.00) waren eher die Ausnahme, meist sind es schon sechs oder sieben Stunden. Das zeitige Aufstehen kommt eher daher, dass wir morgens alle zur Arbeit, in den Kindergarten oder in die Schule müssen.

  35. 6.05.2006 | 9:59

    PS: Und weil ich einmal dabei war, habe ich mich noch bei der Liberalen Stimme freidiskutiert. Die dortige Einteilung in Rechts- und Linksliberale hat übrigens keinen Bestand gehabt. Die Überschriften wurden gewechselt und es wurde ein klein wenig umsortiert ;-)

  36. 6.05.2006 | 11:44

    @ stefanolix
    Ich hatte HartzIV und Verhungern nicht in einem Atemzug genannt, das war nicht mein Punkt. Ich gehöre auch sicher nicht zu denen, die mehr “Anreize” haben möchten und auf die USA verweisen.

    Danke schön für das freundliche Angebot.

  37. 6.05.2006 | 12:32

    Aber Klaus: Um mehr Anreize zu setzen, muss man doch nicht auf die USA verweisen, sondern man sollte sich viel eher am Beispiel derer orientieren, die hier erfolgreich waren/sind. Jedes Land hat da seine eigenen Gepflogenheiten, aber das Anreizprinzip ist letztlich das einzige, mit dem man Menschen motivieren kann.

    Und Du hattest immerhin geschrieben: Rayson stellt die Grundversorgung in Frage, er will letztendlich an einen Punkt kommen, wo er den Armen anbietet entweder zu verhungern …. Die Grundversorgung ist hierzulande nun mal Hartz-IV[*] und genau darauf hatte ich mich bezogen.

    Das Angebot bezog sich übrigens auf Hilfe zur Selbsthilfe, sofern es sich um ein Fachgebiet handelt, zu dem ich etwas sagen kann — das kommt häufiger vor, als man vermuten mag …

    [*] … wobei wir langsam mal von diesem Namen wegkommen sollten; warum gibt es für diese Verantwortlichen für das damalige VW-System eigentlich noch keine weitergehenden Konsequenzen?

  38. 6.05.2006 | 12:34

    Präzisierung zu meinem vorletzten Absatz: es ist die “Hilfe zur Selbsthilfe”, die häufiger vorkommt, als man vermuten mag.

  39. Parker8
    6.05.2006 | 23:41

    Solange wir nicht in der Lage sein wollen, unsere Ernte mit eigenen Kräften einzubringen, müssen wir das Wort Verhungern überhaupt nicht mehr erwähnen. Sprich mal darüber mit Menschen, die noch gute Erinnerungen an die Nachkriegszeit haben.

    Die Ermahnung, sich so richtig reinzuhängen, ist eine beliebte Reaktion auf Arbeitslosigkeit bei Menschen, die sich weit von ihr weg fühlen, samt des Rekurses auf die Nachkriegszeit. Allerdings geht das am gesellschaftlichen Problem vorbei: Die Zunahme der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren kann schlechterdings nicht als Motivationsproblem erklärt werden.

  40. 7.05.2006 | 6:42

    @Parker8
    Das Ernteproblem hat vordergründig nichts mit Motivation zu tun. Wenn solche Reserven vorhanden sind, muss eine Gesellschaft sie in Krisenzeiten auch nutzen. Ich setze ja auch nicht auf Zwang, sondern auf Anreize. Ich weiß, dass es dabei insgesamt nicht um Riesensummen geht, aber es hätte einige positive Effekte. Aber kannst Du mir bitte die Gegenfrage beantworten: Warum soll es nicht in Ordnung sein, auf die Nachkriegszeit zu verweisen?

  41. Parker8
    7.05.2006 | 20:38

    Warum soll es nicht in Ordnung sein, auf die Nachkriegszeit zu verweisen?

    Darauf kann man durchaus verweisen. Nur nicht im Sinne von “Nun strengt euch mal schön an!” Die Wirtschaftsentwicklung um die Gründerjahre herum ist durch einen massiven Kaufkraft-Schub gekennzeichnet. Das hing wesentlich zusammen mit dem Anstieg der Bruttoverdienste (9 Prozent 1949, bei stabilen Preisen), sowie Senkung der direkten Steuern.

  42. 7.05.2006 | 21:23

    Ja, bei Parker8 macht alles die Kaufkraft. Und die fällt irgendwie vom Himmel (Staat) oder wird aus sich selbst heraus erzeugt (Münchhausen-Theorem).

    Ich empfehle als Einstieg in die unbekannte Welt der Investitionen, Gewinne und des Kapitals den Wikipedia-Artikel zum “Wirtschaftswunder“.

  43. Parker8
    7.05.2006 | 22:41

    @Rayson

    Dann fragen Sie sich mal, von welchem Himmel denn die Gewinne fallen. Derweil lassen Sie sich sagen, dass für die kollektive Erinnerung an diese Zeit sicher nicht in erster Linie die Bewunderung für die Unternehmensgewinne im Vordergrund steht. Die gab es, sonst wär’s ja nicht gegangen. Aber die Leute erinnern sich für die Zeit nach der Überlebensphase hauptsächlich daran, sich ständig mehr haben leisten zu können.

  44. 7.05.2006 | 23:24

    Dann fragen Sie sich mal, von welchem Himmel denn die Gewinne fallen.

    Das Stichwort heißt “Investitionen”. Die sind zwar nicht alles, aber ohne die ist alles nichts.

  45. 10.05.2006 | 11:57

    @ Rayson

    Das nennt sich dann Kombilohn, aber das magst du ja auch nicht.
    DAS magst du?

    Aber vielleicht sehe ich dies zu negativ, ist schließlich nur das Konzept der Union. Die SPD muss ja noch “drübergehen” *kringel*

  46. 10.05.2006 | 14:11

    @Klaus

    Die detaillierte Ausgestaltung, die in unserem Sozialrechts- und Anspruchsgestrüpp bestimmt keine einfache Sache ist, überlasse ich dann doch lieber den Experten mit dem umfangreichen empirischen Datenmaterial.

    Bei einem reinen Parteikonzept wäre ich auch sehr kritisch.

  47. 10.05.2006 | 14:59

    @ Rayson

    Jetzt veräppelst du mich :-) aber das klingt auch ein bisschen wie Glos ;-)

Bad Behavior has blocked 724 access attempts in the last 7 days.