Marktversagen oder: Die Berner Panini-Krise (mit Wettbewerb!)

Wie ich gerade gelesen habe, gibt es in Bern seit zwei Wochen keine Panini-Bilder mehr zu kaufen:

Zum ersten Mal seit dem letzten Weltkrieg ist ein Artikel in dieser Stadt total ausverkauft - mehr als zwei Wochen nicht im Handel.
Das tut weh!
Wir sind es nicht gewohnt, mit unserem Geld etwas nicht kaufen zu können.

(…)

Es gebe Lieferschwierigkeiten, seitdem auch in Deutschland der Verkauf angelaufen sei. In Italien komme man mit der Produktion nicht mehr nach.

(…)

Hallo? Seit wann genau steht fest, dass dieses Jahr eine Fußball-Weltmeisterschaft geben wird? Was jedenfalls seit dem 6. Juli 2000 feststeht, ist, dass die WM in Deutschland stattfinden wird. (Boche und ich scheinen die einzigen zu sein, die nach wie vor entschlossen sind, diesem Ereignis keine Beachtung zu schenken.)

Eine erhöhte Nachfrage nach Panini-Bildern war also vorhersehbar. Damit steht fest: Der freie Markt hat mal wieder versagt!

Aus diesem Anlass möchte ich gerne einen kleinen Wettbewerb starten:

Wie würde die Panini-Krise in anderen Ländern gemeistert?

In Frage kommen alle Länder, auch solche, die keinen Bestand mehr haben (wie z.B. die DDR). Da ich in diesem Blog nach wie vor nur als Praktikant beschäftigt werde, gibt es keinen Preis, sondern höchstens eine lobende Erwähnung. Teilnahmemöglichkeit: bis zum Schlusspfiff des WM-Endspiels. Die Jury wird die ersten drei Preise willkürlich vergeben. Die Jury besteht aus allen Autoren dieses Blogs. Teilnahmeberechtigt sind alle außer dem Verfasser dieser Zeilen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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11 Kommentare zu “Marktversagen oder: Die Berner Panini-Krise (mit Wettbewerb!)”

  1. 8.05.2006 | 23:31

    China: Man läßt sich aus Deutschland als Wirtschaftshilfe Vorlagen der Panini-Bilder liefern sowie von Siemens EINE hochmoderne Sammelbilder-Kopieranlage als Prototyp. Nur zwei Wochen später wird der Weltmarkt mit Sammelbildern zu Niedrigpreisen überschüttet und der Nettetaler Panini-Verlag muss Insolvenz anmelden. 2010 gibt es keine neuen Sammelbilder mehr.

    USA: Statt „Football Worldcup“ druckt Panini sofort „Soccer Worldcup“ auf die Sammelbilder. Die Nachfrage sinkt augenblicklich gegen null. Es stehen wieder genügend Sammelbilder zur Verfügung.

    GB: Blair und Prinz Charles erklären, dass auch sie Panini-Bilder sammeln. Die Nachfrage sinkt auch hier sofort gegen null, denn niemand steht gerne auf einer Seite mit Verlierertypen.

    Frankreich: Studenten und Gewerkschaften sind empört und demonstrieren solange, bis die Regierung die Sammelbilder druckt und kostenlos zunächst unter den Landwirten und schließlich der gesamten Bevölkerung verteilt.

    EU: Die EU-Kommission sieht den Wettbewerb und den Binnenmarkt gefährdet durch das Panini-Monopol. Sie fordert die Trennung von Herstellung der Sammelbilder, Vertrieb der Sammelbilder und des Verkaufsnetzes in unterschiedliche Unternehmen. In einer 500 Seiten starken Richtlinie wird zudem Werbung für Sammelbilder verboten und die Auflage gegeben, die Sammelbilder in allen EU-Amtssprachen zu beschriften samt Warnhinweis, dass das Sammeln von Fußballbildern süchtig machen kann.

    Nordkorea: Alle noch vorhandenen Fußballbilder werden vom Militär abgefangen und bei Kim Jong-il abgeliefert. Im Volk werden stattdessen Sammelbilder mit Kim Jong-il’s Portrait verteilt.

    Iran: Für die Knappheit an Sammelbildern der eigenen Mannschaft werden USA und Israel verantwortlich gemacht. Diese Erklärung hält man selbst in Nettetal/Deutschland bereitwillig für plausibel.

    Vatikan: Der Papst verweist in seiner Schrift „deus pedifollis est“ (Gott ist Fußball) auf das zweite Gebot „Du sollst Dir kein Bildnis machen“ und verbietet den Katholiken das Sammeln von Fußballbildern. Außer in Lateinamerika und Osteuropa steigt daraufhin aber die Nachfrage gerade noch mehr (besonders in Köln).

    Deutschland: Der Sammelbilder-Verlag wird von der SPD Verlagsgruppe aufgekauft. Als Beilage zur „Frankfurter Rundschau“ gibt es daraufhin statt der Fußballbilder ein Sammelalbum zu den SPD-Bundesvorsitzenden… tagesaktuell.

  2. 9.05.2006 | 0:05

    Wenn das überhaupt etwas ist, dann ist das Anbieterversagen, aber noch kein Marktversagen.

    Ich finde es absolut bezeichnend, dass (ökonomische) Rechtsliberale mit dem Begriff “Marktversagen” Probleme haben.

  3. 9.05.2006 | 0:20

    OK, ich nehme die DDR ;-)

    Kurz nachdem die Fußball-WM 2006 an das geteilte Deutschland vergeben wurde, beschloss der XIV. Parteitag der SED im Oktober 2000 eine Intensivierung der Bemühungen um die Ausstattung der DDR-Bürger mit Fanartikeln.

    Bereits 12 Monate später begann das Kombinat “Carl Zeiss” Jena mit der Produktion von Flachbettscannern und bei Planeta in Radebeul wurden moderne Offset-Druckmaschinen entwickelt. Auf einem 586er-PC des Kombinats Robotron wurde ein westliches Bildbearbeitungsprogramm zur Erstellung der Druckvorlagen an DDR-DOS angepasst.

    Nach dem Start des Verkaufs der Panini-Bilder wurden Kundschafter des MfS zum Undercover-Einkauf in das Fürstentum Liechtenstein geschickt. Die DDR wollte damit das Fanartikel-Embargo des Westens umgehen.

    Das ZK der SED beschloss im Herbst 2005, dass die Bilder von 31 Mannschaften gedruckt werden sollten. Genosse Dr. Dünn
    (SED-Politbüromitglied für Agitation und Propaganda) verhinderte persönlich, dass die Klassenfeinde aus der neoliberalkapitalistischen BRD auf den DDR-Sammelbildern vertreten waren.

    Im Frühjahr 2006 wurden die Papierkontingente für die Zeitschriften
    Eulenspiegel und Magazin gesperrt. Die abgekupferten Sammelbilder wurden gedruckt und gemeinsam mit Zetti-Schokolade in den “Delikat”-Läden verkauft.

    In der Vorrunde traf die DDR auf die BRD und gewann mit 1:0. Jürgen
    Klinsmann setzte sich in die USA ab und ab dem Viertelfinale übernahm Franz Beckenbauer die Mannschaft. Die WM endete mit dem vierten WM-Titel für die BRD.

    Wenige Monate später gingen die DDR-Bürger für Versammlungsfreiheit, Demokratie und echte Panini-Bilder auf die Straße. Der Rest ist Geschichte.

  4. 9.05.2006 | 2:37

    He, ihr seid klasse, Jungs! Ich kringel mich grad weg - hier ist ja jeder Kommentar ein Brüller.

  5. 1st
    9.05.2006 | 6:17

    Rayson hat “raison”: die Kommentare sind klasse! Lobende Erwähnung als Preis finde ich etwas mager. Ich denke über eine CH-Spende nach, welche vom Praktikanten an die GewinnerInnen weiter geleitet werden kann.

  6. 9.05.2006 | 9:39

    Die Panini-Krise…

    Herrlich - dieser Text zur Schweizer Panini-Krise, und erst Recht die Kommentare dazu! Einer sei zitiert: “EU: Die EU-Kommission sieht den Wettbewerb und den Binnenmarkt gefährdet durch das Panini-Monopol. Sie fordert die Trennung von Herstellung der…

  7. 9.05.2006 | 17:38

    [...] Im Blog der “bissigen Liberalen” hat gestern Marian von der Knappheit an Fußballsammelbildern in der Schweiz berichtet und empört festgestellt: “Eine erhöhte Nachfrage nach Panini-Bildern war also vorhersehbar. Damit steht fest: Der freie Markt hat mal wieder versagt! [...]

  8. 9.05.2006 | 19:15

    Dann von mir zwei Länder, die mir sehr am Herzen liegen und deren Einwohner ich sehr schätze und sympathisch finde.

    Ungarn: Da das Land zum wiederholten Mal die WM-Qualifikation verpasst hat, wird Volkstrauer angeordnet. Die Regierung verzögert zunächst den Verkauf der Bilder, um bei jedem abgebildeten Spieler nach ungarischen Wurzeln zu suchen. Lachende Gesichter werden im Gedenken an das Endspiel von Bern 1954 entfernt. Im festen Glauben daran, dass es ihnen heute schlechter als gestern, aber besser als morgen geht und sie sowieso keiner mag, verweigern sich die ungarischen Bürger kollektiv dem Spaß am Fußball und boykottieren die Sammelei.

    Polen: Findige Polen durchforsten ganz Europa nach herrenlosen Panini-Bildern. Als “herrenlos” gilt alles, was sich nicht ständig im Blickfeld des vorübergehenden Eigentümers befindet. Die in ganz Europa arbeitenden polnischen Erntehelfer und Stukkateure lassen sich in Panini-Bildern bezahlen, verkaufen diese zu Höchstpreisen an die Westeuropäer, um sie nach dem Anziehen der Produktion wieder günstiger zurückzuerwerben und die Differenz in Wodka anzulegen. Im eigenen Land bleibt die Nachfrage in Erinnerung an den deutschen Regen in Frankfurt Anno 1974 gering.

  9. 10.05.2006 | 11:01

    Israel: In Israel herrscht zwar kein Mangel an Panini-Bildern, aber in den Palästinensergebieten. Die internationale Gemeinschaft verurteilt daher Israel für seine Panini-Politik scharf. Das Fehlen von Fussballsammelbildern schüre unweigerlich Hass und Gewalt und sei kein geeignetes Mittel den Terror zu bekämpfen.

    Palästina: Die Palästinensische Regierung hat kein Interesse an der Lösung der Panini-Krise und hofft eine Verurteilung Israels durch die UN. Bereitgestellte Hilfslieferungen der EU werden nicht an die Bevölkerung ausgeteilt, sondern an Ehefrauen nach Paris geschickt.

    Skandinavien: Die schwedische und die norwegische Regierung verbieten die Bildchen, da das Abbilden von muslimischen Fussballstars mit Vornamen “Mohammed” religiöse Gefühle verletze. In Dänemark findet sich jedoch eine Zeitung, die bei der Produktion der Bildchen bereitwillig einspringt.

  10. 7.06.2006 | 23:58

    [...] Die Berner Panini-Krise (wir berichteten) hat eine kapitalistische Wende genommen: Meine Coiffeuse suchte für ihren Sohn wochenlang erfolglos die Nr. 24. Ich hatte diesen rastalockigen, nicht nominierten Patrick Owomoyela doppelt und schenkte ihn der armen Seele. Dafür bekam ich meinen asymmetrischen Haarschnitt für Fr. 50.-, statt für Fr. 68.-. Nun versuche ich, mit den doppelten Holländern beim Spengler ein Anschlussrohr für die Waschmaschine einzutauschen. Die Halterung für den Gartenschlauch kostet mich voraussichtlich 1 Hakan. [...]

  11. 23.08.2006 | 18:45

    [...] Wie sich vielleicht der eine oder andere noch erinnern wird, hat ja im Juni und Juli dieses Jahres in Deutschland die Weltmeisterschaft in diesem komischen Ballspiel stattgefunden. Im Vorfeld kam es in Bern zu einer ernsten Versorgungskrise in Bezug auf Panini-Sammelbilder. Dies veranlasste mich dazu, spontan und ohne weiteres Nachsinnen einen Wettbewerb unter der Frage “Wie würde die Panini-Krise in anderen Ländern gemeistert?” auszurufen. [...]

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