Über den Sinn von Einleitungen

Marian wird ja nicht müde, mir die SPON-Abstinenz ans Herz zu legen, und so langsam überzeugt er mich.

Beiträge dort werden immer mit einem Text eingeleitet, der fett unter der Unterschrift erscheint und auch als eine Art Vorschau in der Übersicht auf der Startseite. Nun habe ich immer mehr den Eindruck, als würden diese Texte von anderen Leuten geschrieben als die Beiträge selbst, denn oft wird in ihnen etwas erwähnt, was im Text selbst gar nicht so steht, oder Textteile werden sinnentstellend wiedergegeben.

Zwei Beispiele von heute:

DAIMLERCHRYSLER: Städte rechnen mit Steuer-Ausfall

Die Steuerberater von DaimlerChrysler sind ihr Geld offenkundig wert: Einem Zeitungsbericht zufolge wird der Industrieriese in diesem Jahr trotz eines Milliarden-Ergebnisses keine Gewerbesteuer zahlen. Für die Region Stuttgart eine Belastung - zugleich baut Daimler Stellen ab.

Was suggeriert diese Einleitung? Klar, DaimlerChrysler scheffelt Milliarden und verdankt es nur steuerlichen Buchungstricks, dass darauf keine Steuern gezahlt werden müssen. Was steht im Text selbst? Etwas ganz anderes, nämlich dass die Milliarden nur der sogenannte “operative Gewinn” sind, danach aber noch zwingend Aufwendungen für die Umstrukturierung berücksichtigt werden müssen, die im abgelaufenen Jahr entstanden sind. Zitat aus dem Beitrag:

“Dass der Konzern angesichts dieser Lage keine Gewerbesteuer zahlt, überrascht uns nicht”, heißt es in einer der betroffenen Städte.

Also nix Steuertrick, sondern ganz einfach stinknormale Betriebswirtschaft. Ganz im Gegensatz zum Eindruck, der in der Einleitung erweckt werden soll.

KOMMENTAR: Bye-bye Schaumschläger!

Mit der Niederlage Tony Blairs bei den Kommunalwahlen ist auch das Politik-Konzept von New Labour geplatzt. Die Demontage von Blair und Georg Bush, den beiden großen Schaumschlägern auf der Weltbühne, könnte bedeuten, dass Politik global wieder seriöser betrieben wird.

Hier wird George Bush als “demontierter Schaumschläger” erwähnt. Im Kommentar selbst geht es aber fast ausschließlich um Tony Blair, der Name des US-Präsidenten taucht dort nur ein einziges Mal auf, nämlich als jemand, dessen Ablösung zusammen mit Blair sich die “Intelligenz innerhalb und außerhalb Großbritanniens” wünscht. Die “Schaumschlägerei” Bushs wird im Gegensatz zu der Blairs gar nicht thematisiert, und auch Hinweise auf seine Demontage fehlen in diesem Kommentar. Hingegen ist weit mehr von Tory-Chef Cameron die Rede.

Hier geht es mir jetzt gar nicht darum, ob das stimmt, was im Einleitungstext steht - es entspricht wohl tatsächlich der momentanen “Spiegel”-Linie. Aber ich erwarte eigentlich, dass ein solch prominent platzierter Text die wesentlichen Aussagen des folgenden Beitrags bringt, nicht mehr und nicht weniger. Bei SPON scheint das nicht mehr zu gelten.

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8 Kommentare zu “Über den Sinn von Einleitungen”

  1. 10.05.2006 | 17:28

    Nach ein paar Wochen gibt es nur noch den Anreißtext zu lesen und den restlichen Arteikel nur noch gegen Geld. Daher muss man da schon Interesse wecken. ;-)

    Egon Erwin Kisch ist halt schon seit 58 Jahren tot.

  2. Marian Wirth
    10.05.2006 | 21:07

    Marian wird ja nicht müde

    Doch. ;-)

    Im übrigen würde ich nie jemandem SpOn-Abstinenz ans Herz legen (außer David & Ray, dort aber eher aus gesundheitlichen Gründen; sie regen sich immer so auf).

    Was ich allerdings ans Herz lege, ist die Anwendung des Subsidiaritätsprinzips auf SpOn-Artikel: SpOn wird nur verlinkt, wenn sich partout keine permanent kostenfreie, seriösere Quelle finden lässt. Seit ich mir dieses Prinzip zu eigen gemacht habe, ist dieser Fall noch nicht eingetreten…

  3. 11.05.2006 | 14:04

    Warum konzentriert ihr nicht einfach auf Welt und FAZ? David und Ray gewinnen einige Lebensjahre, und vor allem, eure Weltsicht ist an keiner Stelle durch abweichlerische Presse in Gefahr.

    Rayson und Marion bekommen eine - eingeschränkte - Sondergenehmigung undf alles ist gut.

    Nun?

  4. 11.05.2006 | 14:58

    Dean, mit solchen Vorschlägen löst du nur die Probleme deiner Strohmänner. Dass du selbst nichts liest und zur Kenntnis nimmst, was dein Weltbild gefährden könnte, mag ja sein, der Schluss auf andere ist aber unzulässig.

    Es ist allerdings schon etwas seltsam, wie unseriöse Methoden dir plötzlich kein Wort der Erwähnung wert sind, nur weil dir die Richtung passt, in deren Sinn sie angewendet werden.

  5. Marian Wirth
    11.05.2006 | 16:22

    Marian, zu sich selbst:

    Ich fasse es nicht. Jetzt hat der Kerl auch noch meinen Namen falsch geschrieben. Einen simplen Vornamen. Einen Namen, der allein auf dieser Seite zweimal richtig geschrieben steht. Einen Namen, den eigentlich jeder, der sich auch nur einen Tag in der blau-gelben Hemisphäre des deutschen Blogdings bewegt, schonmal gelesen haben müsste. Wenn er denn lesen kann…*schnauf*

    …Wo ist mein Nitroglycerin-Spray???…*röchel*

  6. 11.05.2006 | 17:05

    @Marian: Hattest Du da gerade ein Problem mit der Scrolltaste? ;-)

  7. Marian Wirth
    11.05.2006 | 17:19

    stefanolix,

    die Betätigung der Scroll-Taste setzt einen Text in scrollfähiger Länge voraus. Außerdem springt mir das sofort ins Auge, wenn mein Name falsch geschrieben wird; ich kann gar nichts dagegen machen.

  8. 12.05.2006 | 0:22

    Marian, sorry wegen dem Namensfehler. Ich schätz mal, das ist Dir nicht das erste Mal geschehen.

    Was Lesefutter angeht, bin ich im Augenblick recht gut ausgelastet (Gesamtwerk von Tucholski, äh, y), aber für jeden lieben Vorschlag offen.

    Ich gelobe im Übrigen für alle Zukunft, feierlich und mit Liberalenehrenwort (okay, dann lieber nur feierlich):

    Ich werde Marian nicht mehr Marion nennen. Und für Stefanulix Antiscroll-Trick bin ich übrigens dankbar. Wenn ich eine Antwort von Boche besonders dringend erwarte, werde ich ihn Zukunft Buche schreiben…

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