Ein Erzbischof in Sorge

Jerusalem ist so etwas wie die Welthauptstadt der großen Religionen. Demzufolge sitzt dort auch ein Erzbischof. Und dieser Erzbischof, Michel Sabbah heißt er, macht sich Sorgen ums palästinensische Volk. Radio Vatikan verbreitet diese Sorgen in die Welt.

Der lateinische Patriarch in Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, hat den Stopp der internationalen Palästina-Hilfe kritisiert. … Man dürfe “nicht ein Volk fertigmachen um ein Regime fertigzumachen”.
Quelle: (1)

So weit so gut. Er fordert also unser Geld für die Unterstützung der Palästinenser, die sich gerade eine totalitäre, dem Terror zugeneigte Regierung gewählt haben. Seine Begründung ist eine formalistische:

Die Hamas-Regierung habe die international geforderten Wahlen gewonnen habe. Zudem habe die internationale Gemeinschaft auch die Regeln für diese Wahlen festgelegt.
Quelle: (1)

Das könnte man vielleicht noch als Grund gelten lassen, die Hamas als legitime Regierung der Palästinenser zu akzeptieren (ob das für Letztere eine schmeichelhafte und zum Zwecke der Eintreibung von Spendengeld werbewirksame Feststellung ist?).
Aber warum sollte das ein Grund sein, über die sowieso geleistete UN-Nothilfe hinaus Geld in dieses Gebiet zu pumpen?
Dem Erzbischof fällt auch darauf eine Antwort ein:

Die Hilfen seien eine “Verpflichtung”, weil die Palästinenser seit mehr als 50 Jahren unterdrückt würden. Die internationale Gemeinschaft habe dieser Unterdrückung aktiv oder stillschweigend zugestimmt.
Quelle: (1)

Lieber guter Patriarch, bitte schauen Sie doch einfach mal in ein beliebiges (vielleicht nicht gerade von der Hamas redigiertes) Geschichtsbuch. Was finden wir dort?
Die Unwilligkeit der arabischen Nachbarn Israels zur friedlichen Koexistenz. Seit 50 Jahren Versuche der Vernichtung der jüdischen Staatlichkeit. Geht man ein wenig weiter zurück, findet man sogar die enge, auf Judenvernichtung ausgerichtete Zusammenarbeit der (heutigen) Palästinenser mit Hitler.

Wenn Sie also die Palästinenser als unterdrückt ansehen, dann können Sie eigentlich nur die Unterdrückung durch die arabischen “Brüder” und die eigenen, korrupten und kriegstreiberischen Führer meinen.
Jetzt wurden genau diese Führer demokratisch bestätigt. Das soll tatsächlich ein Grund sein, diese genauso mörderische wie auch selbstmörderische Quasi-Staatlichkeit mit Finanzmitteln zu unterstützen? Oder geht es Ihnen letztlich vielleicht doch nur um das Ende der “Besatzung” im Hamas-Sinne?

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Quelle: (1) Radio Vatican

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6 Kommentare zu “Ein Erzbischof in Sorge”

  1. R.A.
    16.05.2006 | 16:33

    Der “lateinische” Patriarch von Jerusalem dürfte vielleicht für einige hundert Gläubige zuständig sein (meist frisch zugewanderte Europäer / Amerikaner).

    Die einheimischen Christen sind nämlich fast komplett griechisch/orthodox.

    Mit anderen Worten: Die politischen Ansichten dieses einzelnen Herrn sind trotz des hochtrabenden Titels recht belanglos.

  2. Boche
    16.05.2006 | 17:21

    Na, zumindest war es dem Vatikan-Radio wichtig genug.
    Aber wahrscheinlich gilt die Regel: Je größer der Bedarf an Werbung um Kunden, desto ruppiger die Werbesprüche.

  3. 16.05.2006 | 22:44

    Zur Story gehört übrigens, dass Israel, wenn ich mich nicht verhört habe, sowohl Europa als auch die Amerikaner um die Wiederaufnahme der Hilfe gebeten haben, und zwar unter der zugesicherten Maßgabe, dass diese Hilfe an der Hamas-Regierung vorbei gewährt werden.

    Ist das, was ich hier schreibe, eigentlich “antisemitisch”?

    Hmm, da muss ich glatt noch Ingo Way fragen und Davids Medienkritik. Die haben da zuverlässige und überaus freizügige, sozusagen “liberale” Antworten…

  4. Boche
    17.05.2006 | 9:05

    @Dr.Dean

    Zur Story gehört übrigens, dass Israel … um die Wiederaufnahme der Hilfe gebeten haben…

    Für meine Geschichte hier gehört das nur am Rande.

    Ist das, was ich hier schreibe, eigentlich “antisemitisch”?

    Der Meister des Schubladendenkens machte eine neue auf…

    Frag lieber Andere, ob dies oder jenes rechts-, links-, ordo-, hetero-, anti- oder sonst was -istisch oder -liberal ist. Hier triffst du nur auf mein (längst leicht genervtes) Gähnen.

  5. 18.05.2006 | 20:59

    Genervt? Gehört denn die pluralistisch offene und faire Diskussion mit unverstellten Gegensätzen nicht zur Offenen Gesellschaft?

  6. 18.05.2006 | 22:32

    Klar. Daraus folgt aber nicht im Umkehrschluss, dass man jedem zu jedem beliebigen Thema mit beliebigen Argumenten eine aufzwingen können muss.

    Wir nehmen uns die Freiheit, nur dann zu diskutieren, wenn wir darin einen Sinn erkennen.

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