19. Mai 2006
Nestbeschmutzung durch “Reisewarnung”?
Ich kann die Empörung über die Äußerungen von Uwe-Carsten Heye nicht nachvollziehen. Die Interview-Passage
Degenhardt: Dann machen wir es zum Schluss noch mal ganz praktisch. Herr Heye, was raten Sie einem Fußballtouristen zum Beispiel aus Togo oder der Elfenbeinküste, sollen die bestimmte Gegenden in Deutschland einfach meiden?
Heye: Jedenfalls sollten sie sich da keinem Experiment aussetzten. Ich glaube, es gibt kleinere und mittlere Städte in Brandenburg und auch anderswo, wo ich keinem raten würde, der eine andere Hautfarbe hat, hinzugehen. Er würde es möglicherweise lebend nicht wieder verlassen.
ist der Abschluß des Interviews (Wortlaut, Original als mp3), nachdem Herr Heye darauf hingewiesen hat, dass die lokalen Bündnisse in Brandenburg durchaus Erfolge verzeichnen können, dass z.B. die Gewalt an Schulen zurückgegangen ist.
Vor diesem Hintergrund kann ich Einlassungen wie die von Bischof Huber
Es tut denjenigen Unrecht, die sich in Brandenburg nachhaltig darum bemühen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Menschen auch mit anderer Hautfarbe sich bewegen können. Dass es Situationen nachts um drei gibt, in denen man ein gewisses Risiko läuft, das ist nicht nur in Brandenburg, sondern in Berlin so. Das ist nicht nur für Menschen mit schwarzer Hautfarbe so, sondern auch für Frauen. Insofern ist das weit übers Ziel hinausgeschossen.
nicht nachvollziehen. Heye hat weder pauschal Ostdeutsche diffamiert, noch hat er behauptet, dass es in den alten Bundesländern das Problem von Angriffen auf Menschen anderer Hautfarbe nicht gäbe. Und den Vergleich mit Frauen in Berlin finde ich noch viel “unglücklicher”, als das, was Heye gesagt hat. Zum einen gibt es in Berlin mehr Frauen als Menschen anderer Hautfarbe in Brandenburg und zum anderen bestreite ich, dass sich Frauen, die nachts in Berlin unterwegs sind, einer ähnlichen Gefahr aussetzen, wie WM-Gäste aus Afrika, die selbiges in Brandenburg beabsichtigen.
Insofern halte ich die “Reisewarnung” für völlig berechtigt und schließe mich Joachim vom Antibürokratieteam und dem Kommentar von statler dort an.
Nicht derjenige ist ein Nestbeschmutzer, der auf den Schmutz im Nest hinweist, sondern derjenige, der durch Verharmlosung und Leugnung des Schmutzes dafür sorgt, dass dieser bleibt, wo er ist, nämlich im Nest:
Abwiegeln, verdrängen, kleinreden - manche erwecken in der Debatte gar den Eindruck, als hätten wir es mit einer Art Linkskampagne zu tun, die das (ost-)deutsche Image in den Dreck ziehen will.
So ist es nicht. Im Bericht des Brandenburger Verfassungsschutzes von 2005 werden 17 Orte aufgezählt, an denen rechtsextreme Subkulturen aktiv sind, die spontan auf alles losgehen, was anders aussieht als sie selbst. Vorgestellt hat den Bericht übrigens Jörg Schönbohm. (Quelle)
Und unser Bundesinnenminister? Der klopft lieber Sprüche (”Niemand, der versucht, Ausländer und Menschen anderer Hautfarbe anzugreifen, wird Erfolg haben”, Die Welt oder “Während der WM kann sich jeder sicher fühlen, egal, wo in Deutschland er sich aufhält”, Kölner Stadtanzeiger) und bereitet sich auf polnische Hooligans vor. Superduper, Herr Schäuble.
Verfasst von Marian Wirth um 10:07 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Politik, Sprache (Trackback)