22. Mai 2006
Diät und Fiktion
Jetzt, wo Boche und Marian sich über anstrengende Diäten und schmerzhaftes Sparen ausgelassen haben, kann ich meine Klappe für heute auch nicht mehr halten.
Die Worte “Diät” und “sparen” sind natürlich Unfug. Der Staat nimmt nicht weniger ein. Aber - und hier folgt mein Widerspruch - die Bürger doch auch nicht. Jedenfalls streng wirtschaftlich gesehen. Man halte sich immer an den guten alten Spruch “Ihr Geld ist nicht weg, es hat jetzt nur jemand anderes.”
Nehmen wir an, die Summe der Ausgaben sei fix, dann ist die Umschichtung von Schulden auf Steuern nur eine zeitliche Änderung. Und höchstens noch eine ein wenig geringere Umverteilung von den Steuerzahlern zu den Zinsempfängern.
Nehmen wir an, mit den höheren Steuern würden Mehrausgaben finanziert, dann wandert das Geld eben von den Taschen der Steuerzahler in die Taschen der Begünstigten - und genau das ist doch das Wesen des Wohlfahrtsstaates: Jeder versucht, das Maximum an Begünstigungen für sich herauszuholen, aber gleichzeitig die Belastungen auf ein Minimum zu reduzieren. Oder nach Bastiat (Boche zuliebe ;-)): “L’État, c’est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s’efforce de vivre aux dépens de tout le monde.” Was das auf Deutsch heißt, kriegt man raus, wenn man nach Bastiat, Staat und Fiktion googelt. Nur, damit keiner behauptet, bei den Bissigen Liberalen, da hätte er nichts gelernt…
Das Idealbild dahinter ist der Staat, der von einem einzigen Superreichen finanziert wird, der selbst keine Leistungen in Anspruch nimmt, aber brav seiner Zahlpflicht nachkommt. Man könnte es auch den Wunsch nach “Manna” nennen. Da die Bedürfnisse unendlich sind, ist das Bild natürlich unrealistisch, und deswegen gibt es auch Schulden.
Die für Liberale entscheidende und zugleich rhetorische Frage ist doch, ob der zusätzliche Eingriff in die Freiheit des Einzelnen durch ein höheres Wissen des Staates, wo Ressourcen am besten einzusetzen wären, gerechtfertigt ist.
Verfasst von Rayson um 20:13 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)