Es wächst zusammen…

… was zusammen gehört. Die Mitglieder der Regierung, also auch der sozialdemokratische Arbeitsminister, die noch auf solch lästiges Zeuchs wie Realitäten Rücksicht nehmen müssen, wurden kräftig ausgebuht, der politische Geisterfahrer Lafontaine hingegen gefeiert.

Dessen Rede enthielt einige Schmankerl. Den rhetorischen Anlauf zum Ausruf der Revolution hatte er ja schon genommen, aber irgendwas schien ihn letztlich doch zurückzuhalten. Originell seine Forderung:

“Die Fehlentwicklung, dass heute 40 Prozent des Volkseinkommens aus Zins- und Kapitalerträgen stammen und nur noch 60 Prozent aus Arbeit, muss gestoppt werden.”

Natürlich, es gibt solche Länder, wo fast das gesamte Volkseinkommen aus Arbeit stammt. Man nennt sie “Dritte Welt”.

Aber dann war Bescherung: Er forderte höhere Steuern, höhere Löhne, die Abschaffung von Hartz IV, die Beibehaltung der Höhe der Lohnnebenkosten, kurze Arbeitszeiten, Atomwaffen für den Iran, Mindestlöhne, die Wiedereinführung des alten § 116 Arbeitsförderungsgesetz (Streikgeld aus der Arbeitslosenversicherung), das Recht auf Generalstreik, eine Vermögensteuer von 5% für die Reichen, eine Börsenumsatzsteuer, einen höheren Spitzensteuersatz und eine weltweite Einkommensbesteuerung deutscher Staatsbürger.

Wer ihm wohl das “Freibier für alle” wieder rausgestrichen hat?

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28 Kommentare zu “Es wächst zusammen…”

  1. 25.05.2006 | 20:32

    “Freibier für alle” hat er sich selbst rausgestrichen. An dieser Stelle seiner Rede hat er sich nämlich erstmals überlegt, wer das bezahlen soll. Freibier ist eben doch ein praxisnahes Beispiel ;-)

    Wenn er gleichzeitig höhere Löhne (er meint doch Nettolöhne?) und höhere Steuern fordert, dann steigen die Arbeitskosten rapide an, was zwangsläufig zum Abbau vieler Arbeitsplätze führen wird. Das gibt dann nicht mal freies Selterwasser, dafür auch ohne Alkohol einen schlimmen Kater.

    Aber im Ernst: Ein Oskar Lafontaine darf in userer Politik nie wieder eine Rolle in einer Regierung oder Regierungspartei spielen. Diese populistische Demagogie passt noch nicht mal in die Opposition. Ich hoffe, dass das auch die Jusos kapieren, für die Rot/Dunkelrot/Grün ja dem Vernehmen nach ein Ziel für 2009 ist.

  2. Parker8
    25.05.2006 | 21:14

    Lafontaine hat ja da durchaus einen Punkt. Der Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Nationaleinkommen sinkt in Deutschland tatsächlich rapide. Zwar geht er
    in der gesamten EU zurück, und zwar um einen Prozentpunkt in den vergangen 10 Jahren. Aber in Deutschland sind es dreieinhalb Prozentpunkte (und damit anteilsmäßig 7 Prozent gegenüber 1995).

    Es ist klar, dass die Globalisierung das Kapital in eine verbesserte Position bringt. Das gilt selbst für die USA. Auch dort nehmen die Arbeitnehmereinkommen nicht proportional am - an sich starken - Wirtschaftswachstum teil. Aber in Deutschland hat man’s in preußischer Pflichterfüllung eben übertrieben. Folge ist die gruselige Konsumentwicklung und das schwache Wirtschaftswachstum.

    Das zeigt, dass die Gewerkschaften auf dem Sektor Lohnentwicklung eher wenig zu melden haben. (Was übrigens durchaus ein Argument gegen Flächentarifverträge sein kann, die gute Ertragslagen tendenziell unterpflügt.)

    Jedenfalls wird uns Lafontaine und seine Maßlosigkeit erhalten bleiben, solange diese Entwicklung sich fortsetzt.

  3. Patentizität
    26.05.2006 | 15:54

    Die Mitglieder der Regierung, also auch der sozialdemokratische Arbeitsminister, die noch auf solch lästiges Zeuchs wie Realitäten Rücksicht nehmen müssen,

    Es freut mich, dass du anerkennst, dass der sozialdemokratische Arbeitsminister immerhin auf Realitäten Rücksicht nimmt.

    Bislang war er mir in diesem Blog fast ausschließlich als Heuschreckenverschrecker aufgefallen.

    Ich hoffe, dass das auch die Jusos kapieren, für die Rot/Dunkelrot/Grün ja dem Vernehmen nach ein Ziel für 2009 ist.

    Ich fürchte nein; die Vertreter der für Juso-Verhältnisse liberalen Landesverbände sind, so viel ich weiß, nicht mehr im Juso-Bundesvorstand vertreten.

  4. Patentizität
    26.05.2006 | 16:23

    Wer ihm wohl das “Freibier für alle” wieder rausgestrichen hat?

    Wobei dies, nüchtern und isoliert betrachtet, als eine vergleichsweise finanzierbare Forderung hätte gelten können.

  5. 26.05.2006 | 17:37

    Es freut mich, dass du anerkennst, dass der sozialdemokratische Arbeitsminister immerhin auf Realitäten Rücksicht nimmt.

    So steht das da nicht ;-)

  6. 26.05.2006 | 18:11

    Wenn wir alle von heute auf morgen bur 35 Stunden die Woche arbeiteten, geht der Arbeitnehmeranteil am BIP zurück, ohne dass jemand ausgebeutet wird. Wenn wir ALLE reicher werden/würden, so dass wir ALLE mehr Kapitaleinkommen beziehen, sinkt die Lohnquote, auch wenn in absoluten Zahlen das Arbeitnehmerentgelt konstant bleibt. So viel zu diesem Massstab.

    Zudem ist Deutschland bekanntlich eine alternde Gesellschaft. Die Zahl der Arbeitnehmer geht aufgrund von Verrentungen zurück. Damit sinkt das Arbeitnehmerentgelt. Als Rentner ist man aber durchaus noch Empfänger von Kapitaleinkommen. Das Kapitalentgelt sinkt also nicht - oder nicht so stark.

  7. Parker8
    26.05.2006 | 22:13

    @Dirk

    Leider können die Kapitaleinkommen die Arbeitseinkommen nicht ersetzen, da sie eine noch ungleichere Verteilung aufweisen (doppelt so stark nach dem gängigen Ungleichheitsheitsmaß, dem Gini-Koeffizienten). Ich behaupte im übrigen auch nicht, dass negative Lohndrift und Lohnspreizung als solche in der gegebenen institutionellen Landschaft aufzuhalten wären. Zumal die deutsche Wirtschaft im Gefolge der Euro-Union nach einem Ausgleich für den verlorenen gegangenen Zinsvorteil suchen musste.

    Aber dass Politik und Publizistik (durch die Hans-Wernerisierung) darüberhinaus unnötigen Druck erzeugten, das war der Fehler. Damit ist die Entwicklung über die Maßen beschleunigt worden, und die Menschen sind nun verschreckt und trauen sich nichts mehr zu. Lafontaine ist die Strafe dafür.

  8. 27.05.2006 | 1:34

    Die Verunsicherung ist natürlich da. Vor allem schadet die mangelnde Flexibilität am Arbeitsmarkt auch denjenigen, die eine Arbeit haben, da sie das Druckpotenzial erhöht. Um so höher die Eintrittsbarrieren, umso wertvoller der Arbeitsplatz und umso eher nimmt man Einschränkungen an.

    Die Sache mit der Binnennachfrage ist mir zu kurz und müsste m.E. sehr viel genauer untersucht werden. Beispielsweise könnte ich sagen die Ersparnis in einer VWS ist die Summe aus Investitionen und Konsum S =I + NX. Aus rein bilanztechnischen Gründen geht also ein hoher Aussenhandelsüberschuss mit einer hohen Ersparnis einher. Ein höherer Konsum würde bei gleichem BIP entweder die Investitionen oder den Aussenhandelsüberschuss senken. Umgekehrt ist der Aussenhandelsüberschuss eine Art Substitut für Investitionen. Das Problem ist, dass all diese makroökonomischen Identitäten keinen Aufschluss über mögliche Kausalitäten geben, sondern letztlich Tautologien sind. Es fehlt ein Gleichgewichtsmodell oder prägnanter: Es fehlt die Mikroökonomie.

  9. der gute don
    27.05.2006 | 10:49

    Einfach nur grotesk der Rattenfänger Lafontaine, nach einigen Hasstiraden gegen den Kapitalismus und der Feststellung das Erspartes nicht in Form von Investitionen auf dem Markt auftaucht (wenn wunderts?) die einfache Lösung: noch mehr Umverteilung. Erhöhung der Steuern, Verstärkung keynesianischer Programme. Es lebe die Staatsquote! Mir wird schlecht.

  10. 27.05.2006 | 13:41

    Natürlich taucht Erspartes auf dem Markt wieder auf. Das Geld wird doch von den Banken nicht weggeschmissen, sondern weiter verliehen. An solche die es im Euroraum investieren und an soclhe, die damit im Euroraum shoppen gehen.

  11. 28.05.2006 | 11:16

    Freibier für alle hätte er nachher selber zahlen müssen (als der Größtverdiener im Saal) - das wollte er lieber nicht… ;)

  12. Parker8
    29.05.2006 | 11:58

    @Dirk

    Ihre Gleichung ist sicherlich diskussionswürdig. Davon ab, der Außenbeitrag kann den Konsum sicherlich nicht ersetzen. Er hat ja auch eine andere Warenstruktur.

    Solange wir weiterhin die mit weitem Abstand schlechteste Konsumenwicklung in der OECD haben - in den letzten fünf Jahren um den Faktor 8 schlechter als im OECD-Durchschnitt -, solange kann es keine grundlegende Besserung geben. Das wird von mikroökonomischen Szenarien nur in geringem - und furchtbar überschätztem - Maße beeinflusst.

  13. 29.05.2006 | 14:37

    @Parker8

    Es ist nicht meine Gleichung, sondern genau so eine Bilanz-Identität, wie sie in der Binnenkonjunkturdiskussion verwendet wird.

    THEORETISCH kann ein geringerer Konsum sowohl durch höhere Investitionen, als auch durch einen höheren Aussenbeitrag kompensiert werden. Und umgekehrt kann - wieder theoretisch- ein höherer Aussenbeitrag sogar geringere Investitionen und einen geringeren Konsum zur Folge haben. Ob dies tatsächlich so ist, geht aus den makroökonomischen Identitäten nicht hervor, dazu braucht es ein Modell, und damit die Mikroökonomie. (In einem Makroökonomischen Modell müssen zu Mindest die Annahmen mikroökonomisch begründet sein).

    Im Hypothetischen Falle der Existenz der DM würde ich die These hoher Aussenbeitrag führt zu geringeren Investitionen und geringerem Konsum sofort vertreten. Durch den Internationalität wäre der deutsche Zinssatz einfach höher, als er es in einer abgeschlossenen deutschen VWS wäre. Damit sind Investitionen und Konsum geringer. Diese überschüssige Sparleistung fliesst in die ausländischen Kapitalmärkte und schliesslich in den Aussenhandel.

    Durch den Euro ist es etwas komplizierter, er vernebelt da sehr viel, aber im Grunde laufen die gleichen Prozesse ab.

  14. Parker8
    29.05.2006 | 22:00

    Es ist nicht meine Gleichung, sondern genau so eine Bilanz-Identität, wie sie in der Binnenkonjunkturdiskussion verwendet wird.
    Aber nur, insoweit NX nicht Konsum, sondern Außenhandelsbeitrag (Nettoexport) bedeutet.

    THEORETISCH kann ein geringerer Konsum sowohl durch höhere Investitionen, als auch durch einen höheren Aussenbeitrag kompensiert werden.
    Sollen Konsum bzw. Investitionen und Außenbeitrag eine Konstante bilden?

    Im Hypothetischen Falle der Existenz der DM würde ich die These hoher Aussenbeitrag führt zu geringeren Investitionen und geringerem Konsum sofort vertreten. Durch den Internationalität wäre der deutsche Zinssatz einfach höher …
    Das ist theoretisch unklar und angesichts der deutschen Zinsverhältnisse nicht gerade suggestiv.
    Falls Sie meinen: Der Wachstumsbeitrag des Exports ist bei uns demjenigen der Endnachfrage weit unterlegen - das stimmt! Unter den OECD-Ländern gibt es nicht einmal in Korea oder Tschechien ein so merkwürdiges Verhältnis zwischen beiden Faktoren. Wir sind da einzigartig.

  15. 29.05.2006 | 22:24

    >>Aber nur, insoweit NX nicht Konsum, sondern >>Außenhandelsbeitrag (Nettoexport) bedeutet.

    Ja sicher. NX ist doch DIE übliche Bezeichnung dafür, jedenfalls ist mir in meinem Studium keine andere begegnet

    >>Sollen Konsum bzw. Investitionen und >>Außenbeitrag eine Konstante bilden?

    Naja C+I+NX=Y. Und das BIP Y kann - wieder theoretisch- durch andere Faktoren festgelegt oder beschränkt sein, so dass sich nur eine Verschiebung unter den Komponenten ergibt.

    Nehmen wir an, die deutschen sparen mehr und investieren weniger als der durchschnittliche Weltbürger. Dann wäre in einer abgeschlossenen VWS Deutschland der Zinssatz niedriger als in einer abgeschlossen VWS Restwelt. Aber in beiden VWS gilt Ersparnis gleich Investition S=I. Durch die Öffnung der Märkte gleichen sich die Zinssatze an. Der Zinssatz in Deutschlanf steigt etwas an, die Investitionen gehen zurück, die Sparleistung steigt. Die Differenz aus S und I wird ins Ausland verliehen. Die schmeissen das Geld aber nicht weg, sondern benutzen es um in D einzukaufen S-I=NX. All das kann selbstverständlich stattfinden, ohne dass das BIP davon berührt wird, also Y konstant ist.

    Wo liegt denn die theoretische Unklarheit?

  16. Parker8
    30.05.2006 | 0:40

    Einiges ist unklar. Logisches Problem durch die Aussagen: SD > SWelt & ID < I > Welt & SD = ID & SWelt = IWelt. Konzeptuelles Problem: Inwiefern Angleichung der Zinssätze? Argumentatives Problem: Wieso konstantes Einkommen?

  17. Parker8
    30.05.2006 | 12:23

    Oh ha, das ging in die Hose. Im Preview sahen die Superskripte noch gut aus. Sorry.

  18. 30.05.2006 | 12:32

    So ungefähr?

  19. Parker8
    30.05.2006 | 12:45

    Vielen Dank für Ihre Mühen, Rayson. Ich verbalisiere das mal:

    S_D größer S_Welt
    I_D kleiner I_Welt
    S_D = I_D
    S_Welt = I_Welt

    So war das gemeint. Ich hatte da noch mit dem Tag ’sup’ operiert, aber der ist geschluckt worden.

  20. 30.05.2006 | 14:11

    @Parker8

    ich konnte es schon lesen:

    >>Argumentatives Problem: Wieso konstantes >>Einkommen?

    Die Frage ist erst einmal “Wieso nicht?”. Mir geht es hier nur um die theoretische Möglichkeit. Dennoch eine Begründung: Y=F(K,L), eine Produktionsfunktion mit Kapitalstock und Arbeitsangebot als Input.

    >>Logisches Problem durch die Aussagen…

    Da ist keines: Zwei getrennte Märkte (D und Welt), zwei verschiedene Gleichgewichtszinssätze. Die Aussage “Die deutschen sparen mehr” wollte ich so verstanden wissen: “Bei gleichem Zinssatz würden die deutschen mehr sparen, als der Weltbürger.” (Also S_D >S_W ist quatsch)

    >>Konzeptuelles Problem: Inwiefern Angleichung >>der Zinssätze?

    Öffnung zweier getrennter Märkte mit unterschiedlichem Gleichgewichtspreis (Zins) führt zur Angleichung der Preise.

    Man kann das ganze umgekehrt aufrollen. Der globalen Kapitalmarkt muss geräumt sein, nicht alle lokalen, also nicht unbedingt der deutsche. Dadurch werden wir eventuell zum Kapitalexporteuer und erhalten somit ein Aussenhandelsplus.

    Mir geht es darum, dass ein ein Aussenhandelsüberschuss nicht unbedingt wohlstandssteigernd ist. Er kann ein Substitut und somit die Kehrseite für geringeren Konsum oder geringeren Investitionen, kurz geringerer Binnennachfrage, sein.

  21. 30.05.2006 | 14:16

    Man kommt sich ja vor wie in Makro III/IV hier ;-)

  22. Parker8
    30.05.2006 | 20:52

    @Dirk

    Hinsichtlich Zinsen (über Währungsgrenzen) zeichnen Sie natürlich keine ganz realistische Entwicklung, denn da sind die Zentralbanken vor. Die Kausalität sehe ich - wie heute die OECD - eher zwischen Lohnabwertung zur Exportsteigerung und schwacher Binnennachfrage. In sektoraler Hinsicht sind Konsum und Export aber Nachfragetypen sui generis. Das gilt auch für die Verteilungsseite, weil die Erträge des Außenhandels eher bei Wohlhabenden landen als diejenigen des Konsums.

  23. 30.05.2006 | 21:52

    Wenn ich mich mal in die Makro-III/IV-Vorlesung einschalten darf: Wir müssen “Binnennachfrage” zwingend aufspalten. Der normale deutsche Aufschwung läuft über den Export zu den Investitionen zum Konsum. Kennzeichnend für die Situation der letzten Jahre ist, dass der Sprung von Export zu Investitionen nicht funktioniert hat. Das deutet m.E. auf Dirks (und, by the way, Sinns) Analyse hin, dass der deutsche Exportboom ein “pathologischer” ist, weil es sich - saldentechnisch gesprochen - hier mehr um eine zwingende Folge des Kapitalexports handelt.

  24. 31.05.2006 | 14:36

    @Rayson

    Die Binnennachfrage wird ja genauso wie das BIP augespalten, wenn immer von der Konsumflaute die Rede ist. Das Problem,das ich damit habe ist, dass so getan wird, als seien die einzelnen Komponenten unabhängig von einander. Vielleicht sind sie dies ja i großen und ganzen, vielleicht aber auch nicht. Um das zu klären braucht man theoretisches Modell, und mehr als nur Bilanzidentitäten, wie die Verwendungs- oder Entstehungsrechnung des BIP. Letzere führen immer zu Tautologien.

    De Facto macht der Makroökonom eine Modellannahme, wenn er die einzelnen Komponenten als unabhängig ansieht. Er weiss es nur nicht und rechtfertigt es nicht.

    Nehmen wir an aus irgendeinem Grund sei die Gesamtersparnis S in Deutschland konstant und hängt nicht vom Zinssatz ab. Die Bank wird es nun verleihen. Entweder an heimische Investoren, die dann die Menge I investieren, oder ins Ausland, das davon entweder Konsum- oder Investitionsgüter in D einkauft (Was sollen die sonst mit der DM, als bei uns einkaufen). Egal, was das Ausland mit dem Geld macht, es landet bei uns in der Aussenhandelsstatistik NX. Umgekehrt ist jeder Netto-Güterexport, eine Ersparnis. (Ich erhalte Dollar und bringe sie zur Bank). Kurz S=I+NX. Somit wären Exportweltmeisterschaft und geringe heimische Investitionen zwei Seiten der selben Medallie.

    Auch Parker8 scheint ja zu Mindest von der Plausibilität dieser Erklärung auszugehen, denn seine letzte Antwort lässt sich ja so zusammen fassen: “Ich glaube nicht, dass dies in der Realität zutrifft.”

    Ich sage mag sein, aber dazu braucht es ein erklärendes Modell.

  25. Parker8
    31.05.2006 | 17:48

    Nehmen wir an aus irgendeinem Grund sei die Gesamtersparnis S in Deutschland konstant und hängt nicht vom Zinssatz ab. Die Bank wird es nun verleihen. Entweder an heimische Investoren, die dann die Menge I investieren, oder ins Ausland, das davon entweder Konsum- oder Investitionsgüter in D einkauft (Was sollen die sonst mit der DM, als bei uns einkaufen).
    Und unter Einbeziehung der Kreditverkehrsbilanz ist das Geld doch draußen (sodass die Ausländer keine Güter hier kaufen).

    Egal, was das Ausland mit dem Geld macht, es landet bei uns in der Aussenhandelsstatistik NX.
    Und was ist mit Kapitalexport ohne Einbeziehung der Handelsbilanz (Direktinvestitionen)?

    Umgekehrt ist jeder Netto-Güterexport, eine Ersparnis. (Ich erhalte Dollar und bringe sie zur Bank). Kurz S=I+NX. Somit wären Exportweltmeisterschaft und geringe heimische Investitionen zwei Seiten der selben Medallie.
    Das gilt trivialerweise unter ihrer Prämisse, dass S (absolut) konstant sei. Nur dann sind I und NX invers aufeinander bezogen.

    Auch Parker8 scheint ja zu Mindest von der Plausibilität dieser Erklärung auszugehen
    Wenn ich verstanden hätte, was Sie meinen, vielleicht.

    Aber als originären Beitrag, das Offensichtliche wegzudiskutieren, lasse ich es gerne gelten. Diese Haltung zur Nachfrage (Sinn und Gefolge) erinnert an die Starrsinnigkeit der Linken, die Demographie als ausschlaggebenden Faktor anzuerkennen.

  26. 31.05.2006 | 18:48

    Und unter Einbeziehung der Kreditverkehrsbilanz ist das Geld doch draußen (sodass die Ausländer keine Güter hier kaufen).

    Was macht der Ausländer mit der DM, die er sich zuvor bei einer deutschen Bank geliehen hat? Er gibt sie aus. (Bringt er das Geld dennoch zur Bank, wird auch sie es weiter verleihen.)

    Und unter Einbeziehung der Kreditverkehrsbilanz ist das Geld doch draußen (sodass die Ausländer keine Güter hier kaufen).

    Der Trivialfall: Ich leihe die Menge S von einer deutschen Bank und kaufe Maschinen in D ein, die ich dann über die Grenze trage und somit als NX verbucht werden. S=NX.

    Der Allgemeinfall: Ich leihe mir S in Deutschland und erwebe Firmenanteile in den USA davon. Irgendein Ami hat jetzt S DMark und kauft sich einen Mercedes oder bringt es zur Bank, die es weiter verleiht. Falls dies ein Ausländer ist gilt S=NX, falls dies ein deutscher ist S=I.

    Aber als originären Beitrag, das Offensichtliche wegzudiskutieren, lasse ich es gerne gelten.

    Was ist denn das Offensichtliche? Bilanzidentitäten sind Tautologien, aus Ihnen erfährt man keine kausalen Zusammenhänge. Ohne Modelle (und Modellannahmen) ist nichts klar, schon gar nicht offensichtlich.

    Wenn ich verstanden hätte, was Sie meinen, vielleicht.

    In einem Satz: Die Verwendungsrechnung des BIP (i.e. das Binnennachfrageargument) gibt keinen Aufschluss darüber, ob das BIP steigen würde, wenn es gelänge die deutschen zu mehr Konsum zu bewegen, oder mehr zu investieren.

  27. Parker8
    31.05.2006 | 22:29

    Sie befinden sich da in einem Devisenzirkel. NX bezieht sich ja auf die Leistungsbilanz. Sie hätten diese Schwierigkeiten nicht, wenn Sie sich das Ganze im Euroraum vorstellten. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir – kompensatorisch zum Konsum - unsere Exporte subventionieren. Und dass das Anziehen des Konsum BIP-steigernd ist, das zeigen ja die historischen Daten der Verwendungsaggregate. Es ergibt sich aber sicher nicht einfach - wenn es das ist, was Sie umtreibt - aus dem Schnappschuss der Verwendungsrechnung 2005.

  28. 1.06.2006 | 10:13

    Sie hätten diese Schwierigkeiten nicht, wenn Sie sich das Ganze im Euroraum vorstellten.

    Doch, dann wäre es nur etwas komplizierter, da man die Geldmengenveränderung in D einbeziehen müsste.

    Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir – kompensatorisch zum Konsum - unsere Exporte subventionieren.

    Geringerer Konsum => geringerer Zinssatz => mehr Gesamtinvestitionen im Euroraum => insbesondere mehr Investitionen im Ausland => eventuell mehr Exporte ins Ausland, da dortige Märkte eventuell geräumt.

    Und dass das Anziehen des Konsum BIP-steigernd ist, das zeigen ja die historischen Daten der Verwendungsaggregate.

    Oder umgekehrt. Die Korrelation erstaunt nicht weiter, da in der Verwendungsrechnung das BIP im wesentlichen die Binnennachfrage C+I ist, (genauer Y=C+I+NX). Nur: die Komponenten sind nicht unabhängig. Wenn ein “sozialer Planer” den gesamten Konsum erhöhen würde, hätte das Auswirkungen auf NX und I.

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