Schlechter Tausch

Ich dachte lange Zeit voller Überzeugung, die Potsdamer Gewalttat gegen Ermyas M. sei rassistisch motiviert gewesen. Aber offensichtlich gab es - zumindest juristisch gesehen - zwischen dem Telefonmitschnitt mit den eindeutig rassistischen Äußerungen und der Tat selbst keinen unmittelbaren Zusammenhang, denn die Konfliktparteien schienen sich danach bereits getrennt zu haben, als Ermyas M. nach Aussage des Taxifahrer-Zeugen mit einem Fußtritt nochmal aktiv wurde. Wenigstens ist die Aufklärung jetzt endlich da angekommen, wo sie meiner Ansicht nach schon immer hingehört hat: zur örtlichen Staatsanwaltschaft.

Erleichterung über diese Entwicklung kann ich aber nicht empfinden, denn die Ostdeutschland gibt man sich reichlich Mühe, noch ein paar Schippen draufzulegen.

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7 Kommentare zu “Schlechter Tausch”

  1. Patentizität
    26.05.2006 | 19:52

    als Ermyas M. nach Aussage des Taxifahrer-Zeugen mit einem Fußtritt nochmal aktiv wurde.

    Ein Verteidiger eines Tatverdächtigen sagte, dass ein/der Taxifahrer ausgesagt habe, dass Ermyas M….

    Daraufhin habe Ermyas M. - so laut Bartel die Aussage eines Taxifahrers - einer der bereits weggehenden Personen einen Fußtritt in den Rücken versetzt, woraufhin eine der Personen den Deutsch-Äthiopier niederschlug. Sein Mandant streite nach wie vor jegliche Tatbeteiligung ab, betonte Bartel.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,418180,00.html

  2. 26.05.2006 | 19:57

    Auch der Anwalt von Ermyas M. bestätigt also die Aussage des Zeugen als solche und stellt diesem nur die seines Mandanten gegenüber. Ich kann bislang aber nicht erkennen, warum der Taxifahrer, der schließlich dem Opfer auch zu Hilfe geeilt ist, unglaubwürdig sein sollte.

    Scheint die Bundesanwaltschaft momentan ähnlich zu sehen.

  3. 26.05.2006 | 19:59

    Hmm, jeder Kommenar mit “Ermyas M.” scheint von Akismet erstmal kassiert zu werden…

  4. 26.05.2006 | 20:00

    Andere nicht.

  5. 26.05.2006 | 21:11

    Die Hühner haben auch ein Talent immer an den falschen Stellen von der Stange zu fallen. Nationalbefreite Zonen? Egal, Widerstand wäre ja Arbeit. Sebnitz oder Potsdam - schnell mal ein Empörungsritual abgehalten und die Sache ist erledigt. Ist es wirklich Zufall, dass Schäuble recht hatte und Claudia Roth falsch lag?

  6. 26.05.2006 | 23:20

    Ich weiß auch nicht, ob ich nun froh über die Entwicklung bezüglich Potsdam sein soll oder ob das am Ende nicht sogar ziemlich leichtfertig wäre. Viele Leute in Deutschland sind ausländerfeindlich. Ich beobachte das seit Jahren und ich meine auch, dass es mehr werden durch die Zunahme von sozialen Spannungen im Land. Gerade Jugendarbeitslosigkeit ist ein wichtiges Stichwort in dieser Hinsicht. Perspektivlosigkeit bringt nichts Gutes im Menschen hervor. Wenn ich jetzt wieder lese, dass in diesem Jahr noch 40.000 Ausbildungsstellen fehlen (der Osten ist davon wiederum am stärksten betroffen), kann ich mir ausmalen, in welche Richtung sich das weiterentwickeln wird.

    Das wirklich Schlimme an diesem Fall ist die Tatsache, dass die Publicity, die er auch durch die vielleicht leichtfertige Handlungsweise des Generalbundesanwalts, erhalten hat, scheinbar wirklich ein Fanal darstellt.

  7. R.A.
    29.05.2006 | 10:41

    Was ich nun gar nicht verstehe: Im Fall Ermyas M. gab es - obwohl die Fakten von Anfang an eher in Richtung “Schlägerei unter Betrunkenen” deuteten” - sofort eine große politische Reaktion mit Demos und Eingreifen des Bundesanwalts.

    Was sich nun als recht blamabel herausstellt und der Glatzen -Propaganda tolles Material liefert.

    Wenn nun aber in Weimar ganz offen organisierte rassistische Gewalt tobt, und Schlägertrupps auf offener Bühne Farbige verprügeln - dann macht Nehm nichts.

    Wo leben wir hier eigentlich!

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