31. Mai 2006
Drei Links für MomoRules
Im Verlauf einer der Diskussionen mit MomoRules habe ich auf die Schnelle drei Links ausgegraben, um seinem geäußerten Bedarf nach Quellen meiner Behauptungen nachzukommen, dass
- Kinderarbeit nichts mit Kapitalismus, sondern etwas mit Armut zu tun hat und generell auf dem Rückzug ist
- Armut weltweit zurückgeht
Zum Thema Kinderarbeit war dies die relativ aktuelle Meldung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die vom Rückgang der Kinderarbeit berichtet. Nun sollte man vielleicht wissen, dass diese Organisation sich aus Vertretern von Regierungen sowie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden zusammensetzt und man dort schon daher mit einer gewissen Staatsnähe zu rechnen hat. Deshalb sind Äußerungen von Funktionären der ILO, wie sie MomoRules in seiner Kommentierung aus dem Link heraus zitiert, auch alles andere als überraschend. Aber man kann in den beiden von mir gelieferten Links zu dieser Meldung (einer von der Basler Zeitung, einer von n-tv) auch Anderes lesen (im Folgenden zitiert aus der Basler Zeitung):
Besonders prekär ist die Situation im südlichen Afrika, wo Kinderarbeit sogar gestiegen ist. Ein hohes Bevölkerungswachstum, HIV/Aids und Armut haben dort den Fortschritt verhindert.
Besondere Erfolge erzielte Brasilien. Von 1992 bis 2004 ging dort die Arbeit von Kindern um etwa zwei Drittel zurück. Gründe dafür sind nach Einschätzung von Günther ein hohes Bewusstsein in der Regierung. So seien beispielsweise soziale Transferprogramme für die Ärmsten an den Schulbesuch ihre Kinder geknüpft.
Grosse Herausforderungen liegen nach Einschätzung der Organisation auch im Landwirtschaftssektor, denn dort sind sieben von zehn arbeitenden Kindern beschäftigt. (Hervorhebung von mir)
Halten wir fest: Kinderarbeit ist ein Symptom von Armut und tritt insbesondere in den Ländern auf, an denen die Globalisierung weitgehend vorbeigelaufen ist. Um Kinderarbeit zu bekämpfen, muss man zuerst das Problem der Armut ihrer Eltern lösen (wie es Brasilien anscheinend ansatzweise vorgemacht hat). Das war meine These, und ich sehe keinen Widerspruch zur ILO-Meldung.
Wo MomoRules anhand eines anderen Zitats feststellt, dass Politik und starke Wirtschaft ergänzend gewirkt hätten, muss ich dann doch die Nachfrage stellen: Wer ergänzt da wen? Denn das war meine zweite These: Demokratische Institutionen können dafür sorgen, dass Wohlstand in grundlegende Infrastruktur investiert wird, aber dazu muss dieser Wohlstand erst geschaffen werden. Wie MomoRules anhand dieser These dazu kommt, über einen “Verzicht auf Politik” zu sinnieren, ist mir nicht ganz verständlich. Aber gegen eine ganz bestimmte Politik wende ich mich schon, nämlich die, unter Verweis auf “Sozialstandards” den armen Ländern ihre Wettbewerbsfähigkeit zu nehmen und somit die Entwicklungschancen zu verbauen. Die besten “Standards”, die die reichen Ländern den armen nahelegen können, sind die eines demokratischen Rechtsstaats (der ohne Handlungsfreiheit übrigens nicht denkbar ist).
Zur Entwicklung der weltweiten Armut gibt es einige Quellen, und ich fand damals schon die animierte Darstellung der Weltbank ganz instruktiv. MomoRules nimmt das nicht als Beleg meiner Behauptung, sondern moniert gleich, dass dort nicht klar werde, woher die Zunahme des Wohlstands komme. Außerdem sage das nichts zur Einkommensverteilung innerhalb der einzelnen Gruppen (OECD-Länder, Lateinamerika, Asien, Afrika) selbst. Beides ist richtig, und über beides kann man reden, aber MomoRules möge mir verzeihen, dass ich diesen nicht ungeschickten Versuch, die Bestätigung meiner zweiten These durch das Aufmachen neuer Fässer zu relativieren, nicht ganz widerspruchsfrei hinzunehmen bereit bin.
Verfasst von Rayson um 17:29 Uhr in der Kategorie International, Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)