schwerer schwarzer Mann mit stumpfer Nase

Den Leuten vom SpOn ist offenbar langweilig und es gibt ja auch von der Welt nichts Wichtiges zu berichten im Moment. Und immer, wenn den SpOntis langweilig ist, dann sinkt ihr Niveau irgendwo zwischen GMX-Startseite und BLÖD-Zeitung. Deshalb haben sie sich jetzt nochmal mit dieser uralten Verwechslungsgeschichte beschäftigt.

So weit, so belanglos. Aber wenn ich so etwas wie die folgende Charakterisierung der Hauptperson lese, dann wird mir übel (via antibürokratieteam):

… winkend stapft er bis zu der roten Bühnenmarkierung, genau wie der Regisseur es ihm erklärt hat, blinzelt in die Scheinwerfer, grient, ein schwerer schwarzer Mann, Schweißtröpfchen auf der stumpfen Nase, zwischen den Schneidezähnen eine Lücke.

Ist es wirklich berichtenswert, dass der Mann schwarz ist, dass er eine “stumpfe” Nase und eine Zahnlücke hat? Nein, ist es nicht. Interessant ist allenfalls, dass er aus dem Kongo stammt und seine Muttersprache offenkundig Französisch und nicht Englisch ist, was seinen unvorbereiteten TV-Auftritt nur noch beeindruckender macht.

Und “grienen” und “stapfen” sind nun auch nicht gerade neutrale Verben. Eine ganz tolle Leistung, diese Personenbeschreibung. Aber gleichzeitig pro Tag mehrere Artikel über den Rassismus, vor allem ”im Osten”, auf die Homepage heben - weil das Thema gerade groß in Mode ist.

Der Unterschied zwischen SpOn und BLÖD ist für mich wirklich nur noch der, dass SpOn weiter in der Blogosphäre fleißig verlinkt wird, während sich über die BLÖD alle lustig machen. In Bezug auf Doppelmoral und Niveau vermag ich keinen entscheidenden Unterschied zwischen diesen beiden Medienauswürfen zu erkennen.

Die inmitten des SpOn-Artikels platzierte Tele2-Werbung mit dem Stromberg-Darsteller passt übrigens hervorragend. 

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8 Kommentare zu “schwerer schwarzer Mann mit stumpfer Nase”

  1. 4.06.2006 | 0:05

    Der Unterschied zwischen Bild- und Sponleser ist der: Bildleser sind zu dumm um Vorurteile überhaupt zu begreifen. Sponleser kleiden ihre Vorurteile lieber in den Deckmantel eines vermeintlichen Bildungsvorsprungs.

    Vorurteile mit Vorurteilen erklärt :-)

  2. 4.06.2006 | 0:22

    Der Unterschied zwischen Bild und Spiegel ist, dass Springer Redakteure einem Kodex verpflichtet sind und über die USA und Israel viel ausgewogener berichten.

  3. 4.06.2006 | 15:49

    @Dirk: SPIEGEL oder SpOn? (SpOn-Bashing ist begründet, beim SPIEGEL-Bashing fällt mir oft eine mangelnde Fundiertheit auf.) Falls du SPIEGEL meinst, dann wäre ich froh um Beispiele unausgewogener Berichterstattung über USA und Israel. Ich kenne nämlich ausser dem SPIEGEL nur DIE ZEIT, in der unterschiedlichere Positionen zu der Politik dieser beiden Länder dargelegt werden. Aber viel mehr als ich lesen kann, kann mir eben auch entgehen.

    Danke sehr.

  4. 4.06.2006 | 20:07

    @Tanja

    Beispiele? Weil der Spiegel das weiss, macht er so etwas.

  5. 4.06.2006 | 22:06

    Ich oute mich hier einmal als langjähriger Abonnent des SPIEGEL und verrate, dass ich bei der ersten Fahrt nach Westberlin gleich nach der Ankunft einen SPIEGEL und eine ZEIT gekauft habe. Inzwischen lese ich den SPIEGEL eher mangels Alternative (nein, mit Focus und Stern könnte ich mich nie anfreunden) und wegen einiger guter Autoren.

    Ich denke nicht, dass alle Titelbilder aus Deiner verlinkten Kollektion anti-amerikanisch sind. So ist zum Beispiel nicht der Bericht über Folter anti-amerikanisch, sondern die Folter selbst war es.

    Der Qualitätsunterschied zwischen SpOn und SPIEGEL ist sehr groß. SpOn habe ich neulich wieder einmal aufgerufen, als ich nach dem Prozess um die toten Babys einen Bericht von Gisela Friedrichsen erhoffte. Aber sie zählt für mich zur Printausgabe … Sonst vermeide ich SpOn, wo es nur geht.

    Der Bericht über den Taxifahrer, der bei der BBC als Experte zum Interview begrüßt wurde, ist sehr plump und ungeschickt geschrieben. Ich glaube, Augstein hätte ihn nicht zu Gesicht bekommen dürfen.

  6. 4.06.2006 | 22:12

    Und du meinst nicht, stefanolix, dass der in der Printausgabe steht? Die haben da eine Rubrik, “Geschichte einer Nachricht” oder so, woraus mir das zu stammen scheint.

  7. 4.06.2006 | 23:51

    Oh, ich hatte noch keine Zeit, in die aktuelle Ausgabe zu schauen und das zählt sowieso zu den Rubriken, die ich überblättere. Tatsächlich, der Artikel steht auf Seite 62 in 23/2006. Möge Rudolf Augstein von oben einen Blitz in die Redaktion werfen ;-)

  8. 6.06.2006 | 0:47

    Entschuldige, Dirk, aber ich kann nicht folgen. Wenn Gruner + Jahr-Titelbilder - in der Tat ziemlich unterschiedlichen Niveaus - der Beweis für die “viel ausgewogenere Berichterstattung” der Springerpresse sind, sehe ich mich nur in meiner ursprünglichen Beobachtung bestätigt. SPIEGEL-Bashing von Nicht-SPIEGEL-Lesern. Mag lustig sein aber wenig ergiebig.

    @stefanolix: Ich sehe das - als langjährige SPIEGEL-Abonnentin - allgemein auch so. Aber die Berichterstattung Amerika & Israel ist eben wirklich besonders ausgewogen, allein schon die Interviews zu den Themen kann man also europaweit suchen.

    Allerdings gibt es ganz sicher auch Fehlgriffe, die Augstein im Grab rotieren lassen.

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