3. Juni 2006
schwerer schwarzer Mann mit stumpfer Nase
Den Leuten vom SpOn ist offenbar langweilig und es gibt ja auch von der Welt nichts Wichtiges zu berichten im Moment. Und immer, wenn den SpOntis langweilig ist, dann sinkt ihr Niveau irgendwo zwischen GMX-Startseite und BLÖD-Zeitung. Deshalb haben sie sich jetzt nochmal mit dieser uralten Verwechslungsgeschichte beschäftigt.
So weit, so belanglos. Aber wenn ich so etwas wie die folgende Charakterisierung der Hauptperson lese, dann wird mir übel (via antibürokratieteam):
… winkend stapft er bis zu der roten Bühnenmarkierung, genau wie der Regisseur es ihm erklärt hat, blinzelt in die Scheinwerfer, grient, ein schwerer schwarzer Mann, Schweißtröpfchen auf der stumpfen Nase, zwischen den Schneidezähnen eine Lücke.
Ist es wirklich berichtenswert, dass der Mann schwarz ist, dass er eine “stumpfe” Nase und eine Zahnlücke hat? Nein, ist es nicht. Interessant ist allenfalls, dass er aus dem Kongo stammt und seine Muttersprache offenkundig Französisch und nicht Englisch ist, was seinen unvorbereiteten TV-Auftritt nur noch beeindruckender macht.
Und “grienen” und “stapfen” sind nun auch nicht gerade neutrale Verben. Eine ganz tolle Leistung, diese Personenbeschreibung. Aber gleichzeitig pro Tag mehrere Artikel über den Rassismus, vor allem ”im Osten”, auf die Homepage heben - weil das Thema gerade groß in Mode ist.
Der Unterschied zwischen SpOn und BLÖD ist für mich wirklich nur noch der, dass SpOn weiter in der Blogosphäre fleißig verlinkt wird, während sich über die BLÖD alle lustig machen. In Bezug auf Doppelmoral und Niveau vermag ich keinen entscheidenden Unterschied zwischen diesen beiden Medienauswürfen zu erkennen.
Die inmitten des SpOn-Artikels platzierte Tele2-Werbung mit dem Stromberg-Darsteller passt übrigens hervorragend.
Verfasst von Marian Wirth um 23:12 Uhr in der Kategorie Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)