7. Juni 2006
Das Scheißland hat Probleme
Manchmal ist das nebenbei Aufgeschnappte das Interessanteste.
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Vor einiger Zeit stand ich in einer Tankstellenkasse um zu bezahlen.
Im Fernseher über dem Würstchen-Verzehrtisch in der Ecke wurden Bilder eines Sturms gezeigt, der gerade eine (andere) Tankstelle verwüstete. Ein Mann kaute auf seiner Wurst und sah sich das televisionäre Treiben stumpfäugig an.
Ein zweiter Mann trat mit seinem Kaffeepott hinzu, sah auf den Bildschirm und fragte, wo das denn wäre. “In Amerika.” antwortete der Würstchenkauer lapidar.
“Richtig so. Scheißland.” war die Reaktion des Kaffeetrinkers. Der elfte September vor fünf Jahren muss für ihn ein Feiertag gewesen sein.
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Gestern lief im Zimmer nebenan der Fernseher. Die für meinen Geschmack etwas zu penetrant burschikose Frau Heidenreich moderierte die Sendung “Lesen”.
Sie stellte ein Buch vor, das von einem Iraner handelte, der in den USA lebt. Wohl um zu verdeutlichen, wie fremd sich der Mann fühlte, meinte Frau Heidenreich sinngemäß: “Er lebt in den USA. Einem Land, das mit seinem Heimatland gerade viele Probleme hat.”
Ich stelle mir gerade vor, man hätte Ähnliches gesagt, als mein Heimatland noch DDR hieß.
Dass etwa die USA (oder wer auch immer) “Probleme mit meinem Land hätten”.
Ich für meinen Teil hätte darauf bestanden, dass die USA vielleicht Probleme mit der SED-Herrscherclique hätten, nicht aber mit meinem Land.
Diese Gleichsetzung von Staatsgebilden mit Individuen, die untereinander Streit haben oder sich verstehen können, ist gerade dann unsinnig, wenn es sich um Diktaturen handelt, in denen Gewaltherrscher für ein Land und für die geknechteten Untertanen zu sprechen vorgeben.
Differenzierungsvermögen auch in den Nebensätzen stünde einer Literaturpäpstin vielleicht gut zu Gesicht. Oder bin ich wieder zu pingelig?
Verfasst von Boche um 11:42 Uhr in der Kategorie Allgemein, Steckenpferde der Autoren (Trackback)