Krieg

Längst ist das Thema in den Blogs: Zarqawi ist tot. Sein Haus wurde von zwei amerikanischen Bomben getroffen. Aber das ist die halbe Wahrheit.

Bei dem Angriff starben SPON zufolge neben Zarqawi und drei weiteren Männern auch eine Frau und ein Kind. Eine Polizeiaktion sieht anders aus. Kein Zweifel, dass Zarqawi ein grausamer Terrorist war und dass die Amerikaner, aber mehr noch die Iraker gegen ihn jedes Recht der Notwehr hatten. Wenn dabei aber unschuldige Personen umkommen, und zumindest bei Kindern lasse ich mir nicht ausreden, dass sie das sind, dann verschwimmen bei der Wahl der Methoden die Grenzen. Dann droht man, sich als gleichberechtigte Kombattanten gegenüberzustehen, und zur Erklärung der Unterschiede rein auf Worte setzen zu müssen. Berechtigte und wahre Worte, sicher, aber kaum noch welche, die nicht mehr frei vom Verdacht der ideologischen Rechtfertigung sind.

Es gibt wirklich nur einen Zustand, in dem solche Fragen keine Rolle mehr spielen. Die USA meinen, was sie sagen: Der Kampf gegen den Terror ist ein Krieg.

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14 Kommentare zu “Krieg”

  1. 8.06.2006 | 22:28

    Steht dein richtiger Gedanke nicht diametral zu dem, was Boche bei S&W meint? Ich meine irgendwie?

    Ich warte gespannt auf die Frage, ob dieser Luftangriff völkerrechtlich legitimiert war.

    Hätte ich das geschrieben, hätte irgendjemand vermutlich eine Ansprache an den Gutmenschen gerichtet.

    Aber egal. Ich finde, du hast völlig Recht.

  2. 8.06.2006 | 22:35

    Wie wäre dies als gute Nachricht: “al-Sarkawi, tot unter den zufällig mitgetöteten Zivilisten, zum Glück nur Männer”

  3. 8.06.2006 | 23:06

    Wir sind hier inzwischen fünf liberale Blogger. Es ist doch verständlich, dass ein solches Ereignis unterschiedliche Gedanken und Gefühle hervorruft.

  4. 8.06.2006 | 23:20

    @apollon

    Steht dein richtiger Gedanke nicht diametral zu dem, was Boche bei S&W meint? Ich meine irgendwie?

    Das müsstest du Boche fragen. Ich meine, nein. Obwohl wir uns gerade auch zur Frage des Irak-Kriegs hier unterschiedliche Meinungen leisten (hallo Parker8!), will ich mit meinem Beitrag weniger kritisieren als einen anderen Blick anbieten. Ich enthalte mich bewusst einer moralischen Wertung der Zarqawi-Tötung und ihrer Begleitumstände, möchte aber trotzdem Dinge betonen, die sonst vielleicht unterzugehen drohen. Wer meine sonstigen Beiträge kennt, weiß, warum.

  5. 8.06.2006 | 23:22

    Wobei stefanolix mit der Betonung des Wortes “Gefühle” natürlich auch einen richtigen Hinweis gibt…

  6. Zodac
    8.06.2006 | 23:23

    Hätten die Alliierten ihre Luftangriffe auf die deutsche Rüstungsindustrie stoppen müssen, da auch Kinder dabei umkommen könnten?
    Oder sollte man vielleicht auch berücksichtigen, welche Opfer zu beklagen gewesen wären, wenn der Angriff nicht erfolgt wäre? Was wären die Alternativen gewesen?

    In der Realität müssen sich Prinzipen manchmal auch mit dem Utilitarismus verbünden.

  7. 8.06.2006 | 23:24

    @bitter_twisted

    Ich habe deinen Kommentar hier noch mal angenommen, um zu verdeutlichen, warum folgende Aussage gilt:

    Du bist hier unerwünscht. Braunes Zeuchs will ich höchstens in meiner Kloschüssel sehen, ok?

  8. 8.06.2006 | 23:25

    @Zodac

    Schön, dass du auf meine Kriegs-Analogie eingegangen bist.

  9. 9.06.2006 | 8:14

    Zarqawi war nicht nur ein Feind Amerikas, sondern auch ein Feind des irakischen Volkes. Zu den Opfern Zarqawis und seiner Mörderbanden zählten viele irakische Zivilisten. Eines ihrer Hauptziele war die Verhinderung der Demokratisierung und des Wiederaufbaus.

    Ich denke, es besteht Einigkeit darüber, dass Zarqawi als Terrorist ausgeschaltet werden musste. Dazu gab es zwei Möglichkeiten: den Luftangriff oder eine (durch die Amerikaner unterstützte) Aktion der irakischen Sicherheitskräfte. Ich bin kein Sicherheitsexperte und weiß daher nicht sicher, ob diese Alternative durchführbar gewesen wäre. Es scheint mir aber zumindest mit amerikanischer Unterstützung nicht unmöglich.

    Die Amerikaner haben sich für eine Aktion aus der Luft entschieden. Das primäre Ziel wurde erreicht: dieser Terrorist wird keine Verbrechen mehr begehen. Aber es bleibt doch nun der Eindruck zurück: Die Iraker können es nicht selbst. Wenn im Irak ein Terrorist bekämpft werden soll, muss ein amerikanisches Flugzeug mit Präzisionsbomben eingesetzt werden.

    Es ist vielleicht ein kleiner Erfolg, aber wie man an anderen Orten der Welt sieht, reicht es nicht, nur die Hassprediger und Top-Terroristen zu töten. Ich setze meine Hoffnung darauf, dass jetzt weniger Iraker dem islamistischen Terror zum Opfer fallen werden und dass sich die Lage im Irak vielleicht dadurch bessert. Meine Hoffnung wäre aber größer, wenn die Iraker es selbst geschafft hätten.

    PS: Dank an Rayson für den Denkanstoß.

    PPS: Die Diskussion zu diesem Thema bei S & W ist auch interessant.

  10. spruance
    9.06.2006 | 8:40

    Polizeiaktionen gegen bis an die Zähne mit Maschinenwaffen ausgestattete Gangster? Für die eine Bazooka zu den Sachen gehört, die man gewohnheitsmäßig auf alles feuert, was sich bewegt? Nana, da träumt wohl jemand! Und, von wegen moralischer Äquidistanz, diese Type bringen Landsleute jeden Alters *gezielt* in möglichst großen Massn um!
    Lächerlich!

  11. 9.06.2006 | 8:50

    Zwei Anmerkungen: “Sicherheitskräfte” muss nicht “Polizei” bedeuten, für solche Einsätze gibt es Anti-Terror-Einheiten. Und die militärische Unterstützung durch die Amerikaner habe ich ja schon erwähnt.
    Moralische Äquidistanz lese ich weder aus dem Artikel noch aus meinem Kommentar heraus.

  12. Boche
    9.06.2006 | 9:02

    @spruance

    Lächerlich finde ich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit nie, wenn es um Menschenleben geht.
    Ich bin ebenfalls kein Sicherheitsexperte, vermute aber auch, dass eine normale Polizeiaktion schlicht nicht möglich gewesen ist. Ich könnte mir vorstellen, dass man die Wahl zwischen einer militärischen “Boden”aktion und diesem Luftangriff hatte. Und ich vermute, dass ersteres keine Chance auf weniger Opfer geboten hätte. Vor ähnlichen Problemen stehen übrigens die Israelis. Die Mörder unter den Palästinensern nehmen auch Zivilisten als Geisel und menschliches Schutzschild.

    Es ist - wie Rayson richtig schlussfolgert - ein Krieg, der da gegen Terroristen wie Zarquawi geführt wird.
    Und ich - möchte niemals in die Situation kommen, solche Entscheidungen treffen zu müssen.

    @apollon

    Erstens hatte ich - als ich den Kommentar bei S&W schrieb, noch nichts von zivilen Opfern oder gar einem getöteten Kind gelesen.
    Und zweitens hat das, was ich schrieb, aber auch nicht unbedingt etwas mit der hier aufgeworfenen Frage der Verhältnismäßigkeit der Mittel zu tun.

  13. Boche
    9.06.2006 | 11:27

    Für SPON ist die Tötung Zarquawis übrigens “Mord“.

  14. Boche
    9.06.2006 | 14:19

    Es scheint dieses Mal eher die Nachrichtenagentur zu sein, von der SPON seinen Text abgeschrieben hat, die das als “Mord” qualifiziert. Denn auch im Handelsblatt ist der Artikel praktisch wortgleich zu finden.

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