Und nochmal SPON: “Ungewöhnliche Ratschläge”

SPON findet es anscheinend (ein anderer Zusammenhang wird nicht klar) “ungewöhnlich”, dass sich der DGB gegen Zinserhöhungen ausspricht. Gut, man sollte es vielleicht wirklich “ungewöhnlich” finden, wenn sich heute noch Ökonomen als Anhänger der Phillips-Kurve bekennen, aber überraschend ist es eigentlich nicht.

Und es tut mir wirklich Leid, einer Verblüffung derart in die Parade fahren zu müssen: Dass ein “Wirtschaftsweiser”, der auf Empfehlung der Gewerkschaften in das Gremium gekommen ist, den Ratschlägen des DGB sekundiert, würden auch nicht allzu viele unter uns “ungewöhnlich” finden. Überraschend schon gar nicht.

Ähnliche Beiträge


7 Kommentare zu “Und nochmal SPON: “Ungewöhnliche Ratschläge””

  1. 9.06.2006 | 11:31

    Das merkwürdige ist, dass Experten, die in irgendeiner Beziehung zur “Wirtschaft” stehen und stets mit dem Adjektiv “wirtschaftsnah” abdisqualifiziert und ihre Aussagen relativiert werden. Bei Gewerkschaften, Umweltverbänden und sonstigen ist es nicht so.

    Das pikante an der Phillips-Kurve ist ja die Begründung (oder ein Teil ihrer Begründung): Inflation eröffnet auch bei wenig flexiblen Gewerkschaften einen Spielraum für Reallohnsenkungen.

  2. Parker8
    9.06.2006 | 16:51

    Inflation eröffnet auch bei wenig flexiblen Gewerkschaften einen Spielraum für Reallohnsenkungen.

    Wie man angesichts der Europa-weit einzigartigen Reallohnsenkungen jubeln kann, ist mir völlig schleierhaft. Und jetzt wird diese Faktor-Abwertung in der größten europäischen Volkswirtschaft auch noch mit Zinserhöhungen bestraft, scheußlich.

  3. 9.06.2006 | 17:34

    Ich juble nicht. Aber es besteht kein Zweifel, dass sich die Welt permanent verändert und Löhne angepasst werden müssen. Manche nach oben, einige nach unten. So war es immer und so wird es immer bleiben. Mit Inflation wird die Anpassung nach unten erleichtert, sie schafft Flexibilität, wo aus anderen Gründen, z.B. auch Verlustaversion, Starrheit herrscht. Das ist eine Tatsache, die ich feststelle, aber nicht bewerte.

    Und jetzt wird diese Faktor-Abwertung in der größten europäischen Volkswirtschaft auch noch mit Zinserhöhungen bestraft, scheußlich.

    Das verstehe ich nun gar nicht. Gäbe es die Zinserhöhung nicht, würden die Reallöhne durch Inflation weiter gesenkt.

  4. Parker8
    9.06.2006 | 17:52

    Es hat eben alles seine zwei Seiten. Die Arbeitnehmer sollten für ihre Preissenkung ja theoretisch größere Investitionen erwarten (und also eine Steigerung der nachgefragten Arbeitsmenge). Und da wird dann auch noch durch Zinserhöhungen auf die Bremse getreten.

  5. 9.06.2006 | 20:27

    @Parker8

    Die EZB hat bei ihrer Leitzinssenkung die Interessend der Bürger im Blick. Mehr Inflation hiesse Reallohnsenkung und indirekt, erst über diese Lohnsenkung, wirkt sie stimulierend. Wenn Gewerkschaften an die Phillipskurve glauben, dann widersprechen sie ihrer eigenen Politik.

    Die Arbeitnehmer sollten für ihre Preissenkung ja theoretisch größere Investitionen erwarten

    Solange der Zinssatz nicht kleiner ist als Gleichgewichtspreis des Geldmarktes ja. Alles andere ist überschüssige Liquidität, die Blasen verursacht. Als Keynesianer ist Herr Bofinger doch sicherlich mit dem Begriff der Liquiditätsfalle vertraut.

  6. Parker8
    10.06.2006 | 0:43

    Die EZB deutet die Indikatoren merkwürdig. Weder gibt es außer der Energie Preistreiber - am allerwenigsten beim Faktor Arbeit -, noch ist eine aufgedrehte Kreditvergabe zu verzeichnen.

    Zu Bofinger: Er ist Geldtheoretiker.

  7. 10.06.2006 | 15:29

    Der FTD Artikel ist allgemeines Blabla ohne Substanz. Die Inflationsrate lag im Euroraum zuletzt bei 2.5 % und damit oberhalb der Zielmarke von 2%. Aufgrund ihrer Festlegung ist die EZB damit sogar gezwungen die Geldmenge zu verknappen, wenn sie keinen Vertrauensverlust erleiden möchte.

    Ob und in wieweit dies auf Kosten der Investitionen geht ist umstreitbar. Man könnte sogar die Auffassung haben, dass eine leichte zinserhöhung verbunden mit dem Signal in Zukunft restriktiver zu sein, die Verteilungskämpfe um das zusätzliche Geld anheizt und damit Investitionen beflügelt. Nach dem Motto: Investiere jetzt bei 2.75% oder Du musst morgen 3.5% zahlen.

    Ich gebe Dir aber recht, dass die EZB höhere Ölpreise auf das Preisniveau durchschlagen lassen muss. Ein exogener Schock kann nicht durch einen weiteren endogenen aufgefangen werden. Im Gegenteil: Höhere Ölpreise MÜSSEN die Reallöhne senken, alles andere wäre eine künstliche Lohnerhöhung durch die EZB mit enstprechenden Folgen.

    Ein Geldtheoretiker muss kein Monetarist sein. Keyenesiaist ist für Bofinger glaube ich eine ziemlich passende Beschreibung.

Bad Behavior has blocked 702 access attempts in the last 7 days.