10. Juni 2006
Die Kanzlerin und “neue technische Möglichkeiten”
Heute wende ich mich zum ersten Mal auf einem ganz neuen Weg an Sie: mit einem Video-Podcast. Neue technische Möglichkeiten faszinieren nicht nur junge Menschen. Auch ich habe Freude daran.
Sagt die Bundeskanzlerin. Von dieser Freude war im ersten “Video-Podcast” nicht viel zu spüren. Alles Weitere, was mir nach dem Konsum dieses neumodischen Videodingens durch den Kopf ging, hat dankenswerterweise Omar schon aufgeschrieben. Er bescheinigt der Bundeskanzlerin immerhin eine gelungene Ausrichtung auf die Zielgruppe, wenn er trocken feststellt:
sie wurde von Windows-Nutzern gewählt
Dass diese Nutzung der neuen technischen Möglichkeiten in der Merkel-Administration* nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt, ergibt sich aus dem Protokoll der Bundespressekonferenz, auf dem der erste Video-Podcast vorgestellt wurde. Im Blog der Grünen Jugend kann man eine Mitschrift des Auftritts des stellvertretenden Regierungssprechers Thomas Steg finden. Ein winziger Ausschnitt:
Eine technische Frage: Sie sprachen eingangs von Video-Podcasts. Wie habe ich mir das technisch vorzustellen? Ist das ein einfaches Windows Media-Fenster, das ich dann anklicken kann? Oder lade ich das auf meinen MP-3-Player, der dann videotauglich ist, herunter und kann mir das irgendwann ansehen, in der U-Bahn oder so?
Ich war mit dem bisherigen Verlauf der Fragestunde sehr zufrieden. Aber ich habe immer Sorge gehabt, dass es in technische Details geht. Jetzt kann ich Ihnen nur sagen: Wir geben dazu eine schriftliche Meldung heraus. Von Windows Media Playern ist hier die Rede; von MP3 nicht, sondern von MPEG-4-Playern. Ich bin da völlig überfordert. Ich muss einräumen, dass ich dieses Informationsangebot selbst nicht nutzen könnte. Insofern wäre ich dann auf Ihre Mithilfe angewiesen. Schauen Sie sich das bitte in der Pressemitteilung an. Ich kann es nicht erklären.
Meine Frage wäre auch eher technisch gewesen. Gibt es das auch als reinen Ton? Denn es gibt ja wesentlich mehr Menschen, die Podcasts nutzen können – auch weil das einfacher ist -, z. B. auf dem Handy.
Also hier stand “Video- und Audiobotschaft”. Jetzt schlussfolgere ich einmal: Ja.
Mario Sixtus, bei dem ich auf diese Mitschrift gestoßen bin, meint:
Immerhin ist er ehrlich
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Das stimmt in diesem Fall. Aber das Letzte, was diese Bundesregierung gebrauchen kann, ist ein ehrlicher Regierungssprecher.
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*) da die Pressesprecher nicht Mitglieder der Bundesregierung sind, ist mir kein besseres Wort eingefallen
Verfasst von Marian Wirth um 09:16 Uhr in der Kategorie Politik, Sprache (Trackback)
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