11. Juni 2006
Gesundheits-Unpolitik
Eine “große” Koalition bringt “große” Reformvorhaben zustande? Mitnichten. Was würden wir wohl sagen, was das Ziel einer Gesundheitsreform sein sollte? Die Einführung von mehr Wettbewerbselementen zur Aufdeckung der Effizienzreserven? Die Entkopplung der Beiträge von den Arbeitskosten? Die Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Krankenversicherung?
Den Gesundheitsfonds betrachten beide als sinnvollen Weg, um die unterschiedlichen Reformvorstellungen von Union und SPD unter einen Hut zu bringen.
Wettbewerb hingegen wurde mit geübtem Blick als Bedrohung für Funktionäre, Lobbyisten und Politiker ausgemacht, die stattdessen dem theoretisch überlegenen und historisch erfolgreichen Modell der staatlichen Zentralverwaltung den Weg frei machen: Endlich soll es einheitliche Beiträge geben, die - da lacht das Herz des Etatisten - jetzt auch für Privatversicherte mit staatlichem Zwang festgesetzt werden.
Und die Kopplung an die Arbeitskosten ist - zum Glück kam man nach sekundenlangem Nachdenken noch auf die Idee - doch eigentlich eine tolle Sache, weil so gerecht, und muss daher auf die Beiträge der Privaten ausgedehnt werden. Da mangelnder Anstand als die Ursache aller wirtschaftlichen Probleme identifiziert wurde, kann man sich vom Terror der Ökonomie endlich verabschieden und wieder auf die Gängelung und Beschimpfung der Bürger konzentrieren.
Von den alten Köchen neue Rezepte zu verlangen, war wohl ein wenig zu viel verlangt. Also weiter wie gehabt. Hier wieder ein wenig gekürzt, da wieder etwas herausgenommen, dort hinten mal zusätzlich kassiert, alles kräftig durchgerührt, geschüttelt und möglichst bürokratisch auf die Teller verteilt - fertig ist die deutsche Jahrhundertreform.
Wie durchdacht das alles ist:
Der “Spiegel” berichtete über ein neues Reformmodell aus dem Bundesgesundheitsministerium, nach dem die Beitragssätze zur Krankenversicherung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf dem heutigen Niveau eingefroren werden sollen. Künftige Ausgabensteigerungen sollten demnach über eine pauschale Gesundheitsprämie für alle Versicherten finanziert werden. Allerdings solle diese Prämie nicht grenzenlos steigen.
Übersteige die Prämie einen bestimmten Anteil am gesamten Beitragsaufkommen, sollten auch wieder die einkommensabhängigen Kassenbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern angehoben werden. Im Gespräch für die Obergrenze der Prämie seien fünf bis zehn Prozent des gesamten Beitragsaufkommens.
Jetzt machen wir mal alle ganz schrecklich viel systemverändernde Reform, aber nur ein bisschen im Mittelteil. Um im aktuellen Bild zu bleiben: Da drischt einer den Ball ohne echtes Ziel nach vorne und hofft, dass er nicht ganz so schnell wieder zurück kommt.
Ganz ehrlich: Wer auch immer in maximal zwei Jahren, wenn es zur nächsten Bundestagswahl kommt, noch eine dieser beiden Parteien wählt, dessen Esel kann man auch mit reifen Feigen totwerfen, ohne dass er was merkt…
Verfasst von Rayson um 21:46 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)