Rauchzeichen vom Obrigkeitsstaat

Nun haben die Politiker also ein neues Thema gefunden, bei dem sie sich profilieren können: Das Rauchverbot.

Während es durchaus legitim erscheint, die Belästigung der Nichtraucher an den Orten gesetzlich zu begrenzen, die man als “öffentlich” bezeichnen könnte, geht die Diskussion mit der Einbeziehung der Gaststätten in eine aus liberaler Sicht problematische Richtung. Denn Gaststätten sind (zumindest meinem Verständnis nach; ein Jurist möge mich nötigenfalls korrigieren) keine öffentlichen Räume sondern Privatbesitz.
Ebenso verhält es sich mit dem Arbeitsplatz, sofern dieser nicht vom Staat gestellt wird.

Wenn wir es dem Staat im Falle von Gaststätten und Unternehmen erlauben, in den privaten Raum mit Rauchverboten hineinzuregieren - wetten, dass die Albrecht-Tochter morgen Gesetzesvorschläge bringt, die Eltern mit Strafe oder Sorgerechtsentzug bedrohen, wenn sie in Anwesenheit ihrer Kinder rauchen?

Das Ende vom Lied dieser staatlichen Zwangsbeglückung ist immer dasselbe: Bis ins Privateste hinein Zwang, Kontrolle und Gängelung.

PS: Ich bin übrigens Nichtraucher und meide ohne bürokratischen Beistand erfolgeich zu stark verqualmte Kneipen.

PPS: Rechtlich gesehen würde mich interessieren, ob der Staat überhaupt Vorgaben machen kann, wie in privaten Räumen mit dem Rauchen umgegangen wird? Was würde denn das Verfassungsgericht dazu sagen? Gibt es da Prognosen?

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43 Kommentare zu “Rauchzeichen vom Obrigkeitsstaat”

  1. Hardy
    13.06.2006 | 16:01

    Soviel ich weiß darf der Staat bezüglich Privaträumen keinerlei Einschränkungen machen. Es soll da auch ein Gerichtsurteil geben.
    Wer jedoch unsere Politiker kennt, kann sich sicherlich auch denken, dass man solche Gesetze auch aushebeln kann. Und irgendwann wird ein profilierungssüchtiger auf solche Idee kommen, dass ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
    In England ist übrigens auch das Rauchen in “Private Members Clubs” per Gesetz untersagt worden, ob einige Clubs deswegen jedoch geklagt haben, ist mir allerdings nicht bekannt.
    Es gibt allerdings auch in England noch Restaurants und Pubs wo man rauchen kann, nämlich im Parlament! Schließlich gängeln sich die hohen Herren nicht selbst- ist doch logisch, ODER?

  2. 13.06.2006 | 16:29

    Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Mit den vielen Toten, die das Passivrauchen jählich fordert, lässt sich doch jedes Sommerloch gut stopfen.

    Ich höre Raucher immer nach Toleranz schreien. Komisch, daß das immer bedeutet, daß ich mich von ihnen vollqualmen lassen muß…

  3. Boche
    13.06.2006 | 16:37

    @tboley

    Niemand zwingt dich, ein privates Lokal zu betreten, in dem geraucht wird.

    Wenn du allerdings vom Standpunkt ausgehen solltest, dass du das Anrecht hast, ein privates Lokal betreten zu dürfen und dieses deshalb deinen Vorstellungen entsprechen muss, bist du auf einem liberalen Blog evtl. sowieso in einer Minderheitenposition.

  4. Martin
    13.06.2006 | 16:54

    Tja, natürlich ist ein Lokal nicht öffentlich, aber es handelt sich selbstverständlich um Arbeitsplätze. Eine Bar ist Arbeitsplatz wie ein Büro auch, und selbstverständlich hat der Arbeitgeber dort gewissen Arbeitsschutz einzuhalten – im übrigen darf der Wirt in seinem “Privatbesitz” auch nicht frei entscheiden ob er seine Angestellten schlägt, Arsen ins Bier mischt, oder in die Küche uriniert.

    Das Rauchverbot am Arbeitsplatz ist also eine ganz grundlegende Liberale Frage, heißt Liberalität letztlich doch, das jeder selber entscheiden können soll, solange er andere nicht tangiert.

    Warum also sollen Raucher andere bevormunden und ihnen ihren Lebensstil und rauch aufzwingen? Ganz klar, ein Modell nach Italien-Art ist fair, gerecht und absolut liberal.

    Die einzige Gängelung ist die, das man, nur weil man nicht raucht (!) komplett aus Kneipen und Bars verbannt, und in Lokalen in extra Zonen sitzen muss. Und nur weil die Tabakindustrie interveniert und spendet was das Zeug hält, schützt der Staat die Freiheit der Bürger nicht.

    Niemand zwing einen Raucher, in einem Lokal zu rauchen. Die Argumention “niemand müsse in ein Lokal gehen” ist so kurz wie die Argumentation, wenn ein Bürger das Auto des anderen beschädigt mit der Begründung das Auto hätte man ja woanders hinstellen können, dann wäre nichts passiert.

    Da die Freiheit zu rauchen bei einem Rauchverbot erhalten bleiben, aber die Gefährdung und massive Einschränkung Unbeteiligter abgeschafft wird, ist eine Legislation zu befürworten.

    Es ist naiv zu glauben Nikotinabhängige wären so tolerant die freie Wahl andere zu akzeptieren.

    Und wenn man die liberalität in Form von Körperverletzung einfordert, dann fordere ich auch ab sofort die Freiheit Backpfeifen in Lokalen an alle anwsenden auszuteilen, und wenn sich jemand beschwert, die Tür anzubieten. Ist ja niemand gezwungen ins Lokal zu gehen…

    Ist ja auch niemand gezwungen Auto zu fahren, trotzdem ist das besoffene Autofahren untersagt.

    Also nochmal: Lokale sind nicht öffentlich, Arbeitnehmer aber kein Privatbesitz, oder legitimiert mich das eröffnen “meines” eigenen Gewerbes dazu meine Angestellten zu schädigen? Nein. Legitimiert mich die Lokalität meines “eigenen privaten Hauses” dazu meine Frau zu schlagen (nach dem Motto: ist ja Privatsache)? Nein!

    Es ist ein absoluter Irrtum das “liberale” meinen jeder sollte die Freiheit haben alles zu tun was er will incl. andere einzuschränken und zu schädigen.

    Die britischen Liberalen waren im übrigen die einzigen die in England ein vollständiges Rauvherbot (Arbeitsplätze incl. Kneipen und Clubs) forderten, die Schweizer Liberalen, bzw. deren Fraktionschef hat dasselbe eingebracht.

  5. Martin
    13.06.2006 | 16:58

    Zu dem Thema – ist ein Rauchverbot verhältnißmäßig – hier mal ein Artikel der NZZ:

    http://www.nzz.ch/2005/12/14/il/articleDDG5D.html

  6. 13.06.2006 | 17:56

    “Die einzige Gängelung ist die, das man, nur weil man nicht raucht (!) komplett aus Kneipen und Bars verbannt, und in Lokalen in extra Zonen sitzen muss. Und nur weil die Tabakindustrie interveniert und spendet was das Zeug hält, schützt der Staat die Freiheit der Bürger nicht.”

    Lieber Martin, ich bedau’re, daß Du Dich “komplett aus Kneipen und Bars verbannt” fühlst, weil Du nicht rauchst. Ich fühle mich z.B. auch komplett aus Disneyland verbannt, weil ich überdimensionierte Mickey-Mouse-Figuren auf den Tod nicht ausstehen kann. Leider scheint jedoch die Nachfrage nach einem Disneyland ohne Mickey Mouse sehr niedrig zu sein, und ich vermute, daß etwas ganz ähnliches für rauchfreie Kneipen gilt; denn sonst wäre sicherlich in jeder Stadt schon jemand auf die naheliegende Idee gekommen, eine Nichtraucherkneipe einzurichten und stinkreich zu werden.
    Aber “Politik” bedeutet wohl in zunehmendem Maße die Schaffung eines Angebotes, wo keine Nachfrage herrscht.

  7. R.A.
    13.06.2006 | 18:06

    @Martin:
    > Eine Bar ist
    > Arbeitsplatz
    > wie ein Büro
    > auch …
    Und wie bei jedem Arbeitsplatz kann es gewisse Belästigungen / Risiken geben, die dazu gehören und bei Arbeitsantritt bekannt sind.

    Das allgemeine Rauchverbot in privaten Räumen mit dem Arbeitnehmerschutz zu begründen ist Murks.

    Und Deine übrigen Tiraden sind blinder Geifer und nicht ernst zu nehmen.

    Es bleibt dabei, daß der Wirt das alleinige Sagen hat, was bei ihm zulässig sein soll und was nicht.
    Und da kannst Du als Gast nicht verlangen, daß er sich nach Dir richtet.

  8. 13.06.2006 | 18:21

    @R.A.

    Auch sehr richtig. Mit der gleichen Logik könnte man sich nämlich auch für ein Verbot von Giebeldächern aussprechen, weil deren Aufbau sicherlich mit einem höheren Risiko für die Handwerker verbunden ist, als es bei einem Flachdach der Fall wäre.
    Das Argument halte ich ohnehin für vorgeschoben. Ich glaube, daß es Martin weniger um den Arbeitnehmerschutz zu tun ist, als um seinen Ärger, daß “Kneipen und Bars” immer so verraucht sind, und es ihm dort deshalb nicht gefällt. Ich kann diesen Ärger sogar verstehen. Wenn es in jeder Stadt ein oder zwei Nichtraucherkneipen gäbe, dann wäre ich als Raucher auch damit einverstanden, z.B. abwechslend diese und normale Kneipen zu besuchen, wenn ich mit Nichtrauchern unterwegs bin. Aber daß es solche Kneipen nunmal nicht gibt, ist sicherlich nicht die Schuld der Raucher. Ich würde ihre Existenz sogar außerordentlich begrüßen. Nur aufsuchen würde ich sie nicht, es sei denn aus Rücksichtnahme - und damit scheine ich dann zum absoluten Mainstream zu gehören.

  9. Martin
    13.06.2006 | 18:41

    œRA:
    “Das allgemeine Rauchverbot in privaten Räumen mit dem Arbeitnehmerschutz zu begründen ist Murks.” Na sicher,
    und den “Murks” haben genau deswegen Norwegen, Schweden, Italien, Malta, Großbritannien etc. umgesetzt. Es ging dort ja nicht um den Wunsch einiger Nichtraucher, sondern ganz einfach um den rauchfreien Arbeitsplatz. Mehr nicht.

    Und Nochmal: Lokale sind keine “privaten Räume” – private Räume sind vielleicht Schlafzimmer. Deswegen wurde in Großbritannien ja auch das rauchen in Clubs untersagt - weil es ganz einfach Arbeitsplätze sind, und nicht begründbar gewesen wäre und ist, warum man z.B. am Arbeitsplatz in Kneipen das rauchen rauchen untersagen, im Arbeitsplat des privaten Sportclubs aber das rauchen erlauben sollte.

    Natürlich gibt es unterschiedliche Gefahren an verschiedenen Arbeitsplätzen, mit dem Unterschied das der Beruf eines Kellners oder Barkeepers keinen Rauch zur Ausführung bedarf. Oder ist rauchen für ein Lokal grundlegend notwendig, und gehört zum Berufsbild? Nein – es geht nicht zum Berufsbild in Italien, Irland und sonstewo.

    Richtig, noch kann unverständlichverweise ein Wirt über die Angestellten in seinem Lokal entscheiden, glücklicherweise nichtmehr lang.

    Ich seh das ähnlich wie David: Würden Raucher etwas toleranter sein und die Entscheidung anderer nicht zu rauchen akzeptieren, hätten wir gar keine Probleme, und bräuchten kein Gesetz, da es aber nun, nach zahlreichen Apellen, gescheiterter Freiwilligkeit und fehlender Toleranz nicht geht, muss ein Gesetz her. Ganz einfach.

    Ja, David, da ich die Argumente der Raucher kenne – Nichtraucher haben kein Recht irgendwo ausserhalb ihre eigenen Wohnung ihre Persönlichkeit zu entfalten, bzw. in irgendein Lokal, Kneipe der Bar zu gehen – ist die Begründung durch den Arbeitnehmerschutz ja legitim, und deswegen gabs ja auch in Italien ein Rauchverbot. In einer freien Gesellschaft sollte es auch Bürgern die für sich die Entscheidung getroffen haben, nicht rauchen zu wollen, möglich sein ohne Verbannung und Diskriminierung zu leben. Das ist ein Grundsatz in einem demokratischen und sonst so liberalen Land.

    Hier ein Aktueller Artikel aus der Zeit:
    (freie Luft)
    http://www.zeit.de/2006/25/Glosse_1_S_4

    Und da ich weiß das manche verbohrte Zeitgenossen Nichtraucher einfach nicht akzeptieren wollen und meinen das Körperverletzung mittels Passivrauchs ok sei, bzw. die Suchtbefriedigung einiger weniger wichtiger sei als die Freiheit und Gesundheit der Mehrheit schließe ich auch hiermit. Toleranz kann man hier wohl nicht erwarten – und genau deswegen braucht es eine Legislation.

    P.S.:
    genauso die gleiche Argumentation gabs damals vor 10 Jahren: Stewardessen wollen Rauchfreiheit am Arbeitsplatz? Wieso, die wußten doch das da geraucht wird, und das rauchen gehört nunmal zum fliegen dazu, und wers nich mag, flieg halt nicht oder wechselt den Job; Redakteure wollen Rauchfreiheit am Arbeitsplatz? Wieso, die wußten doch das da geraucht wird, und irgendwie gehört das rauchen doch zu einem Zeitungsverlag, und wer das nicht mag, kann ja kündigen!

    Fakt ist einfach dass das rauchen am Arbeitsplatz (Büros, Kneipen, etc.) auch für andere gefährlich ist, und zudem absolut unnötig, da jeder, der rauchen will, kurz rausgehen kann.

  10. Martin
    13.06.2006 | 18:47

    Also dann liebe “bissige”, dann “kämpft” mal verbissen weiter für die Freiheitseinschränkung und Bevormundung vieler Millionen Bürger durch Raucher.

    Viel Spaß, falls ihr sonst nix zu tun habt!

    Und, vielleicht hilft es ja doch, guckt euch mal die Definitiv von “Toleranz” und Liberalität bei Wikipedia an – vielleicht verwechselt ihr dann beides nichtmehr mit Zwang und Diskriminerung!

  11. 13.06.2006 | 18:50

    “Ich seh das ähnlich wie David: Würden Raucher etwas toleranter sein und die Entscheidung anderer nicht zu rauchen akzeptieren, hätten wir gar keine Probleme, und bräuchten kein Gesetz, da es aber nun, nach zahlreichen Apellen, gescheiterter Freiwilligkeit und fehlender Toleranz nicht geht, muss ein Gesetz her. Ganz einfach.”

    Da eine Ähnlichkeit der Ansichten zu unterstellen grenzt dann aber schon an Verleumdung.

  12. Dodo
    13.06.2006 | 19:09

    Bleibt immer noch die Frage: Warum gibt es keine Nichtraucherbars, Discos oder Kneipen? Und heißt liberal nicht, das auch verschiedene Ansichten nebeneinander existieren dürfen?

    Aber vielleicht sind Raucher ja einfach die Menschen, mit denen man mehr Spaß hat und deshalb will bisher niemand wirklich von ihnen weg.

  13. 13.06.2006 | 19:13

    @Martin

    Als Nichtraucher spüre ich bislang weder Freiheitseinschränkungen noch Bevormundung durch Raucher. Ich wundere mich allerdings über die Emotionen, die vor allem auf Nichtraucherseite bei diesem Thema hochschlagen - das heißt, im Grunde wundert es mich nicht, da es auch viele Menschen gibt, die den Kampf gegen das Rauchen zu einem Kreuzzug umgestalten. Das lehren mich die Leserbriefseiten vieler Publikationen, das Verhalten mancher Menschen in der echten Welt da draußen und eben auch so mancher Blogkommentar.

    Liberal sein heißt, für die Freiheit des Einzelnen einzutreten - allerdings unter der Bedingung, dass dieser dadurch nicht die anderer einschränkt. Nehmen wir jetzt einfach mal an, dass Passivrauchen schädlich für die Gesundheit ist. Dann sollten Nichtraucher ihr Leben leben können, ohne davon belästigt zu werden. Soweit klar.

    Aber heißt das “ihr Leben leben” auch automatisch, das Recht darauf zu haben, dass einem eine konkrete Dienstleistung angeboten wird? Da ich zu den liberalen Grundüberzeugungen auch das Recht auf Diskriminierung zähle, sehe ich das skeptisch. In meinen Augen hat z.B. ein Wirt das Recht, nur Raucher in seiner Gaststätte zu dulden. Wie er auch das Recht hätte, nur Raucher einzustellen. Dann kann es erst recht kein Verstoß gegen liberale Grundsätze sein, wenn er diese Rechte nicht beansprucht, sondern es den Nichtrauchern selbst überlässt, ob sie mit ihm in eine Geschäftsbeziehung treten wollen.

    Daran per staatlichem Zwang etwas ändern zu wollen, entspricht dem sehr unliberalen Gedanken, die Befolgung bestimmter moralischer Grundsätze jedem Einzelnen in möglichst vielen Lebenslagen aufzudrücken. Siehe auch “Anti-Diskriminierungsgesetz”.

    Anders würde ich die Dinge bei bestimmten Monopolsituationen sehen, also z.B. bei allen Dienstleistungen, die staatlich erbracht werden.

  14. 13.06.2006 | 19:22

    “Daran per staatlichem Zwang etwas ändern zu wollen, entspricht dem sehr unliberalen Gedanken, die Befolgung bestimmter moralischer Grundsätze jedem Einzelnen in möglichst vielen Lebenslagen aufzudrücken.”

    Danke. Ich nenne dieses Prinzip gerne “die Tyrannei des guten Willens”.

  15. 13.06.2006 | 19:43

    Als Nichtraucher, ganz ohne Emotionen:
    Es gibt deshalb wenige Nichtrauchergaststätten, weil die Wirte es sich schlichtweg aus wirtschaftlichen Gründen nicht erlauben können, die Raucher vor der Tür stehen zu lassen. Hier in Dresden haben wir nun schon das Glück, viele Touristen in der Stadt begrüßen zu dürfen. Trotzdem geht es “der Gastronomie” nicht wirklich gut, wie man an der schlechten Bezahlung und an den häufigen Schließungen von Gaststätten sehen kann. Es ist einfach ein Überangebot an Gaststätten vorhanden und den Leuten sitzt das Geld halt nicht mehr so locker. Ich wundere mich allerdings trotzdem, warum man beispielsweise keine Feinschmecker-Restaurants mit separatem Rauchsalon findet — gerade wenn man an die gute badische Küche bei Rayson oder die gute sächsische Küche hierzulande denkt. Denn Genuss und Rauchen verträgt sich wirklich nicht.

  16. 13.06.2006 | 19:58

    “Es gibt deshalb wenige Nichtrauchergaststätten, weil die Wirte es sich schlichtweg aus wirtschaftlichen Gründen nicht erlauben können, die Raucher vor der Tür stehen zu lassen.”

    Das ist doch genau mein Punkt - daß die Proteste gegen verrauchte Kneipen zwar teilweise lautstark, die Aussichten für eine Nichtraucherkneipe aber offenbar gleichzeitig lausig sind. Wenn wirklich viele Nichtraucher - so wie anscheinend Martin - zwar den Wunsch hätten, in Kneipen und Bars zu gehen und nur durch den Rauch davon abgehalten würden, dann müßte die Situation doch ganz anders aussehen.

    Im Übrigen spreche ich bewußt nur von den “Kneipen und Bars”, auf die Martin verwiesen hat, weil ich mir durchaus vorstellen könnte, in Gaststätten mit kulinarischem Schwerpunkt auf das Rauchen prinzipiell zu verzichten, nicht jedoch in Kneipen. Aus grundsätzlichen Gründen stünde ich einem Verbot auch in solchen Fällen sehr skeptisch gegenüber, seine Auswirkungen würde ich allerdings als durchaus im erträglichen Rahmen empfinden.

  17. 13.06.2006 | 20:04

    @stefanolix

    Gebe dir völlig Recht. Ich bevorzuge tatsächlich Nichtraucherrestaurants. Second best: Da, wo Raucher und Nichtraucher hinreichend getrennt sind.

    @David

    Was die “Tyrannei des guten Willens” angeht, sollten Kneipen und Bars schlechthin verboten sein - zumindest, wenn sie länger als bis 22 Uhr geöffnet haben und Alkohol ausschenken. Aber das kommt dann wohl als Nächstes…

  18. 13.06.2006 | 20:15

    @Boche

    Natürlich kann der Staat, wenn er denn möchte, das Rauchen auch in privatem Bereich untersagen, so wie er das mit Cannabis auch tut. Er muss sich nur eine andere Begründung einfallen lassen, den Paragraphen nicht in das Arbeitsrecht, sondern in das Betäubungsmittelgesetz schreiben und schon sagt das BVerfG: “Ob Rauchen so gesundheitsgefärdend ist, dass ein Verbot gerechtfertigt ist, ist eine Abwägungsentscheidung, die nicht uns, sondern dem Gesetzgeber obliegt.”

    Ich halte das für empörend und enttäuschend. Enttäuschend, weil in einer Demokratie offenbar noch nicht einmal die Mehrheit entscheidet, sondern eine aus Minderheiten kumulierte Mehrheit. Milton Friedman hat das mal in der “Tyrannei des Status Quo” sehr schön beschrieben.

    Immer mehr komme ich zu dem Ergebnis, dass der klassische Kunde von FDP Politik eigentlich der “Proletarier” ist, derjenige, der nicht vom Staat durch Rauchverbote, unnötige Fahrverbote, Dosenpfand und ähnlichem gegängelt werden möchte, sondern -wie die FDP- von der Politik einfach nichts erwartet. Das jämmerliche daran ist, dass es eine (destruktive) politische Kraft benötigt, das Ausmass an Politik zu reduzieren.

  19. 13.06.2006 | 20:16

    “Was die “Tyrannei des guten Willens” angeht, sollten Kneipen und Bars schlechthin verboten sein - zumindest, wenn sie länger als bis 22 Uhr geöffnet haben und Alkohol ausschenken. Aber das kommt dann wohl als Nächstes…”

    Auch wieder wahr. Schließlich ist sowas nicht kindgerecht.

  20. Hardy
    14.06.2006 | 5:11

    @Rayson
    Ich würde es zu mindestens einigen unser “Weltbeglückenden”(in Wirklichkeit diktatorischen) Politikern durchaus zutrauen. Dann wird auch in Deutschland das bereits in den USA missglückte Experiment der Prohibition durchgeführt.
    Und zu Martin: Du hast anscheinend vergessen, dass im englischen Parlament weiter geraucht werden darf, gelten dort etwa, weil nur Politiker hineinkönnen, andere Arbeitsschutzbestimmungen? Besonders im Hinblick auf die Private Members Clubs, wo man um eine Anstellung zu bekommen Empfehlungen braucht, ganz zu schweigen von der Mitgliedschaft, welche noch schwerer zu erhalten ist, ist die staatliche Bevormundung in keinster weise akzeptabel.
    Wenn Du eine absolute Nichtraucherkneipe haben willst, hindert Dich übrigens niemand daran selbst eine zu eröffnen. Aber wahrscheinlich traust Du Dich nicht, derweil Du weist, dass es ein Reinfall wäre.

  21. 14.06.2006 | 8:25

    @Hardy: Du hast meine volle Zustimmung, nur würde ich die Ausnahmen im Englischen Parlament nicht als Argument heranziehen. Ebenso wie man (wie es Martin getan hat) die Rauchverbote in England, Irland, Italien und sonstwo nicht als schlagende Argumente dafür anführen kann, daß man sowas auch in Deutschland brauche, ist die Heuchelei englischer Politiker kein besonders gutes Argument dagegen.
    Interessant ist die Geschichte allerdings trotzdem - hast Du eine Quelle?

  22. 14.06.2006 | 13:06

    Immer wieder schön, diese Heuchelei von der Toleranz. Für Raucher besteht diese darin, daß ich mich in Toleranz üben soll wenn

    - sich neben mir auf dem Bahnsteig (trotz Rauchverbots) eine Zigarette ansteckt
    - ich Fenster in der Wohnung nicht öffnen kann, weil der Qualm meines rauchenden Nachbarn sonst in meine Wohnung zieht (ich könnte ja auch so tolerant sein und umziehen)
    - ich mich einschränken muss, damit andere ihrer Sucht frönen können.

    Um mal ganz deutlich Worte zu finden: Das kotzt mich an! Angesicht tausenden Toter ist eine solche Toleranz-Diskussion einfach nur lächerlich.

    Und falls es noch niemanden aufgefallen ist: Die gleiche Rhetorik, die gleichen Argumente, die hier Pro-Rauchen abgegeben werden, werden auch von der National Rifle Association of America verwendet …

  23. 14.06.2006 | 13:26

    “Um mal ganz deutlich Worte zu finden: Das kotzt mich an! Angesicht tausenden Toter ist eine solche Toleranz-Diskussion einfach nur lächerlich.”

    Das hat mich überzeugt, in Kürze erstatte ich Selbstanzeige.

    Die schockierende Parallele zur NRA mußt Du mir aber dennoch näher erklären, mein vom Rauch benebelter Verstand kann die nämlich nicht auf Anhieb erfassen.

  24. 14.06.2006 | 14:01

    Ich habe die Kommentare gezählt, bis endlich einer mit dem Leichentuch gewedelt hat. “Tausende Tote” dadurch, dass der “Qualm” des Nachbarn durchs geöffnete Fenster hereinkommt (stehen die Häuser bei dir nur 10 cm auseinander oder meinst du statt Qualm nicht vielleicht eher Geruch?) oder auf dem Bahnsteig nebenan einer raucht. Das erinnert mich an diese Untersuchung, nach der der die Toten, die durch bekannte oder weniger bekannte Übel den jeweiligen Kreuzrittern zufolge verursacht werden, wenn man sie addiert, die Zahl der Bevölkerung jeweils übersteigt.

    Aber immerhin danke, tboley, für die Ehrlichkeit, dass es dir gar nicht um öffentliche Plätze oder Arbeitsschutz geht, sondern ganz simpel um ein allgemeines Verbot.

  25. 14.06.2006 | 15:40

    Zusätzlich zum Rauchverbot muss ein Hupkonzertverbot her. Oder alternativ ein Gesetz, dass die Mannschaft zum Gewinner kürt, die lokal die wenigsten Anhänger hat.

  26. Hardy
    14.06.2006 | 18:15

    @David
    Artikel von Oliver M.H. bei http://www.antibuerokratieteam.de/?p=667
    In den Kommentaren sind außerdem zwei Pingbacks zu anderen, dazugehörenden Artikeln welche auf sehr amüsante Weise auf die Denkweise gewisser englischer Politiker hinweist.
    @tboley
    Stell Dir vor, obwohl ich ein in Deutschland lebender Deutscher bin, bin ich ein Befürworter des Article II der Bill of Rights. Aber gewisse Menschen können dieses natürlich nicht verstehen, meisten solche welche über die verschiedenen Landesgesetze der USA nicht Bescheid wissen oder nicht Bescheid wissen wollen. Selbige wundern sich meist auch wie schnell und einfach es geht sich hier scharfe Schußwaffen zu besorgen.

  27. 15.06.2006 | 5:25

    Danke, Hardy. Aber diese Ausnahme vom Rauchverbot besteht ja nur im “Palace of Westminster, which classes as a royal palace”. Der Königin und den Irren in ihren Palästen kann man ja auch wirklich keine ungebührlichen Verbote auflegen, nur dem gemeinen Fußvolk. Die Demokratisierung einer Monarchie ist eben ein umkehrbarer Prozeß. Geht mich aber eigentlich nichts an; tut mir nur leid um die netten Kneipen in Hastings, in denen, als ich vor 2 1/2 Monaten dort war, sich praktisch kein Nichtraucher fand, in denen sich das nach Aufhebung der ‘Verbannung’ aber auch sicherlich nicht merklich ändern wird.

  28. Hardy
    15.06.2006 | 14:13

    Nur das in den dortigen Pub nur die Herren Politiker des Parlaments hineindürfen(siehe auch die Pingbacks, sie sind wichtig, besonders der mit den Biersorten). Die Queen und deren Angehörige wirst Du dort nicht finden.
    Aber was soll’s, ich bin jedenfalls gespannt darauf was uns gewisse Leute noch einbrocken. Zapfanlagen habe ich sowieso schon hier, nur leider keinen Flipper mehr. Den dann wird halt wieder hier gefeiert.

  29. 16.06.2006 | 3:35

    “Der Königin und den Irren in ihren Palästen” - mit den ‘Irren’ waren die Parlamentarier gemeint. Und die Irren genießen ihre Narrenfreiheit ja auch nur, weil es sich beim PoW um einen königlichen Palast handelt. Und wenn man in den ihr unterstellten Häusern Unstimmigkeiten, Merkwürdigkeiten und Alltagskorruption vorfindet, dann fällt das eben auf die Königin zurück.

  30. 17.06.2006 | 18:59

    Mit staunen lese ich heute zum ersten Mal, daß in deutschen Kneipen nicht geraucht werden darf.

    Lobenswert wäre freilich, wenn auch kein diabolisches Narrengeschrei, das sich fälschlicherweise Musik nennt, zu hören wär. Ideal wär auch noch wenn die Wirtin keinen Ausschnitt hätte, so daß auch anständige Männer nicht bedrängt wären und man guten Gewissens auch gleich die Kinder mitbringen könnte. Auf diesem Weg der Besserung sollte freilich fluchen u.ä. völlig untersagt werden. Wer weiß ob ich dann mal einen heben ginge?

  31. 17.06.2006 | 21:07

    Sie machen mich traurig Ben.
    Ich sehe kaum eine Chance, dass ihre Träume Wirklichkeit werden. Zumindest nicht in Deutschland, nicht in Europa.
    Wie wäre es mit einem Umzug in den Iran? Da sorgt man noch ernsthaft für Sittlichkeit.

  32. 17.06.2006 | 22:32

    Guten Tag Herr Boche

    Es ermuntert mich ja, daß sich sich um mich sorgen, aber ob ich mehr als drei Tage leben würde im Iran ist sehr fraglich.

  33. FAB.
    18.06.2006 | 12:07

    Arbeitnehmerschutz? Alle Leute, die ich kenne, die in Kneipen arbeiten oder gearbeitet haben, sind selbst Raucher, und würden am lautesten fluchen, wenn jemand auf die Idee käme, sie sollten gefälligst vor die Tür gehen - um sich dort mit der Mehrzahl der Gäste zu treffen. Und drinnen sitzen drei fanatische Nichtraucher in glasklarer Atmosphäre und wundern sich, warum das Bier nicht kommt. Doch, eine hervorragende Idee.
    Abgesehen davon: was ist mit Kneipen, in denen, wie hier umme Ecke, die beiden Wirtinnen selbst hinter´m Tresen stehen? Ich vermute, aufgrund des eklatanten Wettbewerbsvorteils wäre deren Lokal jeden Abend überfüllt, während alle anderen Kneipen mangels Kundschaft dichtmachen. Großartiges Konzept.

  34. 20.06.2006 | 9:19

    Sehr Interessant wie wenig liberal die Liberalen werden können.
    Warum Die Aufregung?
    Warum so gerne was verbieten?
    Wo bleibt das vertrauen in den Markt?
    Leute sagt Euren Wirten sie sollen Nichtraucherzonen oder Lokale einrichten und seht was passiert.
    Ein kluger Wirt machts wenn er sich was(= mehr Gäste = mehr Umsatz) verspricht. Ich habe z.B. ein nichtrauchertaxi. Nicht weils mich stört wenn gelegentlich in meinem Auto geraucht wird, sondern weil ich mir mehr Geschäft verspreche wenns Auto rauchfrei ist.
    Wenn mir ein Raucher einen Großauftrag verspricht sind die Nichtraucherzeichen aber ruck zuck weg.
    Und ich finde es verdammt schön, daß ich selbst entscheiden kann was ich will. Das nennt man Freiheit und um die gehts uns doch.

  35. Boche
    20.06.2006 | 9:26

    Sehr Interessant wie wenig liberal die Liberalen werden können.

    Wen meinst du hier mit “die Liberalen”? So weit ich das sehen konnte, stammten die Verbotsforderungen aus den Reihen der roten und schwarzen Sozialisten.

  36. 23.06.2006 | 8:51

    3.Mose 10,1 Und die Söhne Aarons, Nadab und Abihu, nahmen jeder seine Räucherpfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten fremdes Feuer vor dem HERRN dar, das er ihnen nicht geboten hatte. 10,2 Da ging Feuer vom HERRN aus und verzehrte sie. Und sie starben vor dem HERRN.

  37. Boche
    23.06.2006 | 9:29

    Heißt das, dass man seine Zigarette nur mit TÜV-geprüften Feuerzeugen anzünden sollte?

    Oder wie ist der Gegensatz zwischen \”gebotenem\” und \”fremdem Feuer\” in der heutigen Zeit zu deuten?

  38. 23.06.2006 | 11:53

    Rauchen, räuchern… ist eine alte Krankheit. Israel, das seinem Gott Rauchopfer darbrachte, fiel von seinem Gott ab und räucherte anderen Göttern, sprich, den Dämonen. Auch die heidnischen Indianer benutzten Rauch für ihre Götter. Die Weisen haben zwar die Indianer besiegt, jedoch auf ihre Götter sind sie reingefallen. Heute räuchern die Weisen mit ihren Kippen. Diese Dinge sind nun mal nicht neutral!

    Näheres hier: http://fuentepalmera.com/benkalenol/rauch.html

  39. Boche
    23.06.2006 | 11:56

    Vielen Dank für die Erläuterungen! Jetzt weiß ich das heidnische Herumweihräuchern der Katholiken zu deuten.

    Vielen Dank auch für das scharfe s, das ich bisher noch nicht kannte.

  40. 23.06.2006 | 12:13

    Ich habe die Hautfarbe der Europäer offensichtlich verwechselt mit Weisheit. Natürlich nur als Schreibfehler nicht die Sache selbst. Darüber möge man hinwegsehen.

    Daß sie das Geweihräuchere zu den Dämonen hien der kath. Kirche nun durchschauen, ist ermunternt. So dürfen wir uns doch immern mal wieder gegenseitig auf die Sprünge helfen.

  41. Filti
    26.09.2006 | 22:35

    Es gibt nicht überall die Wahl zwischen Raucher und Nichtraucher-Kneipen, ich kenne jedenfalls keine einzige in der näheren Umgebung (ca. 20km Umkreis).

    Ist auch verständlich: Wenn ich als Wirt die Wahl habe, ob ich 4/4 Nichtraucher und Raucher als Gäste akzeptieren möchte oder halt “nur” 3/4 Nichtraucher, dann nehme ich doch eher erstere Variante. Die Zielgruppe ist größer und da Rauchen in Deutschland weitgehend akzeptiert wird, besuchen eben auch viele Nichtraucher Raucherkneipen.

    Ich halte mich für liberal, würde in diesem Punkt aber gewisse staatliche Eingriffe in Form von Verboten auf jeden Fall gutheißen., weil

    - verqualmte Kneipen zu mehr Rauchern führen, was unnötig Kosten für die Allgemeinheit verursacht
    - Nichtraucher zum - nachweisliche gefährlichen, auf jeden Fall extrem unangenehmen - passivrauchen gezwungen werden, nur weil sie abends losgehen wollen
    - es nicht meinen liberalen Grundsätzen entspricht, dass ich Anderen durch Ausnutzung meiner eigenen Freiheit gesundheitliche Schäden zufügen darf

    Es wäre schön, wenn sich auch ohne ein Verbot die Auffassung unter Rauchern verbreiten würde, dass man auch vor der Tür rauchen könnte, statt IN einer Kneipe/Bar/Disko (im Restaurant sollte es eigentlich sowieso selbstverständlich sein). Soviel Rücksichtnahme ist aber offensichtlich zuviel verlangt, wir kommen daher aus meiner Sicht um ein Verbot nicht drumherum.

  42. 26.09.2006 | 22:53

    Offenbar entspricht es also Deinen “liberalen Grundsätzen”, Wirten vorzuschreiben, was sie in ihren Kneipen zu dulden haben und was nicht. Das finde ich merkwürdig. Du meinst wirklich, einen gleichsam naturrechtlichen Anspruch auf rauchfreie Kneipen zu haben? Warum forderst Du dann nicht, daß der Staat in jeder Stadt mindestens eine Nichtraucherkneipe betreiben sollte, wenn die Nachfrage auf dem freien Markt nicht da ist, anstatt daß er andere in ihrer Freiheit beschränkt sollte?

  43. 26.09.2006 | 22:53

    beschränken

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