15. Juni 2006
Reizworte (3): “Unternehmensethik”
Als ich hier anfing zu bloggen, war ich ein “Traffic Snob”, immer auf der Suche nach Themen, die möglichst nur mich interessieren. Aber die Zugriffs- und Kommentarzahlen zu den ersten beiden Reizwörtern (linksliberal und neoliberal) haben mich korrumpiert. Deshalb hier Folge 3, für das verlängerte Wochenende:
Will the market make corporations “ethical” on its own, or are governments needed to force them into social responsible positions?
fragt Mark Thoma von Economist’s View. Für mich ist die Frage schon falsch gestellt, denn unabhängig davon, ob “der Markt” Unternehmen von selbst zu ethischem Handeln zwingt, können Regierungen ganz sicher nicht die Alternative sein, sondern m.E. allenfalls eine aktive Bürgergesellschaft im Rahmen eines Rechtsstaats. Und “erzwingen” könnte eines solche (utopische?) Bürgergesellschaft auch nichts.
Aber diese Frage ist auch nur der Einstieg zu einem langen Zitat aus einer (Abonnenten vorbehaltenen) FT-Kolumne von Jonathan Guthrie: Ethics, enterprise and expediency. Guthrie musste leider an einer Tagung in Monaco teilnehmen, auf der es darum ging, wie die Wirtschaft den Armen helfen und die Erde retten kann.
Guthrie schreibt zwar
Debates on corporate social responsibility thrill me as little as talks on diesel locomotives by bobble-hatted trainspotters
, hat aber pflichtbewusst ausgeharrt und mitgeschrieben, z.B.
John Hilary of War on Want, a traditional lefty, thundered: “We cannot accept unbridled free market capitalism.” Richard D. North of the rightwing Institute of Economic Affairs, countered: “Capitalist firms do well for the world when they are selfish and honest about it.”…
Zu corporate social responsibility (CSR) in Asien gibt es übrigens ein m.E. hervorragendes (Nicht-Nur-)Blog. Es ist schon teilweise haarsträubend, was in den boomenden Ländern dieses Kontinents so abgeht.
Verfasst von Marian Wirth um 10:05 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik (Trackback)