DDT und ökologischer Pragmatismus

Zugegeben, mir ist bei solchen Meldungen nicht wohl: Pestizidrekord in Obst und Gemüse. Ein Unbehagen darüber, dass die Pestizidrückstände in Lebensmitteln den höchsten Stand seit dem Start des EU-Monitorings im Jahr 1996 erreicht haben, bleibt. Es bleibt auch dann, wenn man den typischen Greenpeace-Stil der Meldung in Rechnung stellt, und wenn man zumindest ungefähr weiß, wie stark belastet viele Lebensmittel z. B. in den heute von manchen verklärten 60er Jahren waren.

Anderseits: Pestizide können Leben retten. Die “Stockholm Convention on Persistent Organic Pollutants” verbietet die Anwendung des chemisch sehr beständigen und sich in der Nahrungskette anreichernden Kontaktgifts DDT - außer für Zwecke der Seuchenbekämpfung.
Auf internationalen Druck hin verbot Südafrika 1996 generell die Anwendung von DDT, auch für die Bekämpfung der Malaria-Mücken - in der Landwirtschaft wurde DDT schon lange nicht mehr angewendet. Allerdings zeigte sich schnell, dass andere Insektizide weniger wirksam waren, weil die Mücken sehr schnell resistent wurden. Deshalb hob Südafrika 2000 das allgemeine DDT-Verbot wieder auf - gezielte Sprühaktionen gegen die Anopheles-Mücke sind seitdem wieder möglich.
Vergangene Woche gab die südafrikanische Gesundheitsministerin bekannt, dass die Anzahl der Malariaerkrankungen seit dem Jahr 2000 um 88%, die Zahl der Todesfälle durch Malaria um 86% zurück gegangen seien.
Reuters: S.Africa says DDT helping to slash malaria rate

Via: die Achse des Guten

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5 Kommentare zu “DDT und ökologischer Pragmatismus”

  1. Boche
    21.06.2006 | 17:19

    Zur Pestizidbelastung wäre es interessant zu wissen, was dieser Anstieg eigentlich bedeutet.

    Ist die absolute Menge an Pestiziden je kg untersuchtem Material gestiegen?

    Ist die Menge der verschiedenen nachgewiesenen Pestizide gestiegen, die absolute Menge aber gleich geblieben oder gar (wegen feinerer Analyse-Methoden) gesunken?

    Liegt die Zunahme an einer Ausweitung der getesteten Produkte?

    PS: Guter Einstand! ;-)

  2. 21.06.2006 | 17:46

    Gemäß dem Bericht der EU-Kommision, der dem Greenpeace-Artikel zugrunde liegt, waren 2004 (auf dieses Jahr bezieht sich die Untersuchung) 47 Prozent der Obst- und Gemüseproben mit Pestiziden belastet - während 2003 44 Prozent der Proben belastet waren. Wobei “belastet” bedeutet, dass überhaupt Pestizide nachgewiesen wurden - unabhängig von der Dosis.

    Ein interessantes Detail im Artikel:
    “Die meisten Lebensmittellabore könnten lediglich 25 bis 150 der insgesamt 400 in der EU zugelassenen Pestizide nachweisen. Bei der Probennahme würden häufig Fehler gemacht und die Untersuchungen mit durchschnittlich vier Wochen viel zu lange dauern.”

    Aus eigener Anschauung weiß ich, dass die Fehlerrate in der chemischen Analytik mit wachsender Erfahrung des Laborpersonals deutlich abnimmt, und das neuere analystische Verfahren den Nachweis von Substanzen erlauben, die älteren Verfahren entgehen. Somit ist
    mit weiterem “dramatischen Anstiegen der Pestizitbelastung” selbst in dem Fall zu rechnen, dass faktisch weniger Pestizide angewendet werden. Zumal, wenn die tatsächlich gefundenen Mengen nicht erwähnt werden.

  3. googlehupf
    22.06.2006 | 1:01

    Ökologischer Pragmatismus, etwas mehr Wissenschaftlichkeit und unideologische Kosten/Risiken-Abwägungen - das wäre ein schöne Vision.
    Aber das darf man wohl von den beiden Polen dieser Debatten kaum erwarten.

  4. R.A.
    22.06.2006 | 14:05

    Wie ich mir schon angesichts der Schlagzeile dachte: Die typische Statistik-Lüge von Öko-Propagandisten.

    Die Zunahme von positiven Meßergebnissen sagt eigentlich nur etwas über die Verbesserung der Meßmethoden aus. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist aber die Konzentration selber zurückgegangen - sonst wäre das ja der Aufmacher gewesen.

  5. Boche
    22.06.2006 | 14:09

    Die Zunahme von positiven Meßergebnissen sagt eigentlich nur etwas über die Verbesserung der Meßmethoden aus.

    Falsch. Zumindest, wenn du das Wörtchen “wahrscheinlich” nicht im Satz einbaust.

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