Die wirtschaftliche Zukunft Chinas

Es gibt in Bezug auf Chinas Zukunft drei Fragen, die immer wieder gestellt werden und die sich m.E. nicht eindeutig und abschließend beantworten lassen:

Wird Wirtschaftswachstum mittel- oder langfristig zu einer Demokratisierung führen?

Ist bzw. wird China eine militärische Bedrohung für “den Westen”?

Wie wird sich die chinesische Wirtschaft weiter entwickeln?

Zu einer Beantwortung der dritten Frage möchte ich auf eine Analyse von George Friedman von Stratfor (der Wikipedia-Eintrag klingt recht skeptisch) hinweisen, die Simon in voller Länge veröffentlicht und zur Lektüre empfohlen hat (ohne eine Bewertung abzugeben):

China: Crisis and Implications

Friedmans Kernthese lautet:

The end of the Chinese boom was inevitable. The issue now is how all of this will play out in China and in the world.

Es ist zwar etwas unfair, einen kurzen Leitartikel einer fünfseitigen Analyse gegenüber zu stellen, aber ich möchte trotzdem die Gegenthese von Stefan Baron nicht unerwähnt lassen:

Totgesagte leben bekanntlich länger. So wird es auch mit dem Wachstum in China sein. In der Wirtschaft des Landes steckt noch reichlich unausgeschöpftes Potenzial zur Effizienzsteigerung. Die Erfolgsstory der vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte lässt sich daher um viele weitere Kapitel verlängern.

Wer nun Recht hat? Ich weiß es nicht. Aber angesichts der enormen Spannungen innerhalb der chinesischen Gesellschaft und der sonstigen Probleme Chinas ist für mich relativ klar, dass Wirtschaftswachstum allein jedenfalls nicht der geeignete Gradmesser für Zukunftsprognosen sein kann.

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3 Kommentare zu “Die wirtschaftliche Zukunft Chinas”

  1. 21.06.2006 | 20:27

    Die Entwicklung der Wirtschaft, und damit vor allem die Zunahme der Mittelschicht und ihrer Rolle in der Gesellschaft, ist für mich nur ein Faktor unter vielen, wenn es gilt, die politische Zukunft zu betrachten. Taiwan und Singapur, beides Staaten mit einer metakonfuzianisch geprägten Gesellschaft, haben in der Vergangenheit ein hohes Wirtschaftswachstum erzielt, jedoch nicht die gleiche politische Entwicklung genommen.

    Interessant ist auch die Frage, ob ein Demokratisierungsprozeß, hin zu einer Demokratie westlicher Prägung, in China überhaupt wünschenswert ist: sowohl für die Chinesen selber als auch für Ausländer.

    China stand auch in den letzten 20 Jahren vor enormen Herausforderungen und hat ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum erzielt. Probleme für China sind ja nicht neu, warum sollten sie nicht auch in Zukunft so angegangen wie bisher und den Wachstumsprozeß fortsetzen.

  2. 21.06.2006 | 20:48

    @Florian

    Interessant ist auch die Frage, ob ein Demokratisierungsprozeß, hin zu einer Demokratie westlicher Prägung, in China überhaupt wünschenswert ist

    Wie ist das gemeint? Was wäre ein “Demokratisierungsprozess östlicher Prägung”? Oder heißt die Alternative “besser keine Demokratie”?

  3. 24.06.2006 | 4:04

    Ich würde nicht sagen oder mich zum Fürsprecher machen wollen, dass keine Demokratie für China in absehbarer Zeit die bessere Alternative ist. Als Option bei einer Betrachtung über die politische Zukunft sollte sie aber berücksichtigt werden. Würden wir eine durch freie Wahlen legitimierte Partei, die die Wiedereingliederung Taiwans mit militärischen Mitteln anstrebt, als die bessere politische Alternative im Vergleich zu Heute ansehen.

    Oskar Weggel argumentiert in ‘Das nachrevolutionäre China’, dass die konfuzianische Auffassung von einer Einheit zwischen Obrigkeit und Volk ausgeht. Wohingegen in modernen westlichen Demokratievorstellungen a priori von einem Dualismus zwischen diesen ausgegangen wird. Diesem dadurch bedingten Dauerkonflikt wurde in China eine Identitätsphilosophie gegenübergestellt. Daraus folgt, dass es nicht um eine Partizipationsmaximierung des Volkes gehen kann, sondern um eine Willkürminimierung des Staates durch den Staat. Demokratie als Herrschaft durch das Volk im Westen ist in China eher: Alles für das Volk, nichts durch das Volk.

    Pan Wei bringt in die moderne Diskussion die Idee des ‘Consultative Rule of Law’ ein, welches an die Systeme Singapurs und Hongkongs angelehnt ist. Er vertritt die Meinung, dass Demokratie auch ohne das Merkmal von regelmäßigen politischen Wahlen mit konkurrierenden Parteien eine Demokratie ist. An die Stelle der Herrschaft von Personen setzt er die Herrschaft des Rechts. Das Recht tut alles für das Volk und bringt ihm ebenfalls die Rechte liberaler Systeme, z.B. Recht auf Pressefreiheit, Religionsfreiheit etc.

    Zwei weitere Stichpunkte im chinesischen Kontext sind:

    - demokratische Diktatur und
    - sozialistische Demokratie mit chinesischen Charakteristiken.

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