Erstens kommt es anders…

Und die Artikel bei SPON, die ich interessant finde, die sind auch noch geklaut. Wie das Interview mit Chaosforscher Peitgen aus dem “Technology Review”.

Meine Lieblingszitate daraus:

Frage: Lässt sich denn das Klima modellieren?

Peitgen: Jetzt reden wir von Glaubenssachen. Es gibt Leute, die glauben - und viele von denen sitzen in hoch bezahlten Positionen in sehr bedeutenden Forschungszentren -, dass man das Klima modellieren kann. Ich zähle zu denen, die das nicht glauben. Ich halte es für möglich, dass sich die mittlere Erwärmung der Ozeane in 50 Jahren mit einem bestimmten Fehler vorausberechnen lässt. Aber welche Wirkungen das auf das Klima hat, das ist eine ganz andere Geschichte.

Wenn man fragt, was unterscheidet uns von anderen Lebewesen, dann würde ich sagen, eines der wichtigsten Dinge ist, dass wir Pläne machen. Das heißt, wir können uns in abstrakter Weise einen Vorgang, eine Situation vorstellen. Das ist eine unglaubliche menschliche Leistung. Aber wir wissen, dass dies nicht allein die Natur ausmacht. Natur hat ganz notwendig den anderen Teil - den Teil, wo der Zufall ganz stark wirkt, wo die Instabilität notwendig ist, und das nicht etwas ist, was mit Angst behaftet sein muss. Die Instabilität ist die Voraussetzung für Selbstorganisation. Und in der planbaren Welt ist natürlich der Todfeind die Instabilität. Eben dies müsste man einbeziehen in so etwas wie technische Entwurfsprozesse. Das hieße aber auch, dass wir lernen müssten, mit mehr Unsicherheit zu leben: nicht von vornherein im Entwurf alles steuern zu können und dann die Selbstorganisation machen lassen.

Dass der Mann noch nicht in die USA abgeschoben wurde…

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4 Kommentare zu “Erstens kommt es anders…”

  1. 21.06.2006 | 12:44

    Mit Unsicherheit zu leben heißt aber nicht, alles Unsichere zu ignorieren. Das würde sicher auch Chaos-Peitgen so nicht sagen. Auch wenn man das Klima nicht gut modellieren kann, bedeutet das nicht, dass man die Möglichkeit eines vom Menschen verursachten Klimawandels ausschließen darf. Mit Unsicherheit leben heißt, dass man versucht, die Größe eines hypothetischen Schadens und seine Eintrittswahrscheinlichkeit abzuschätzen und dann entscheidet, ob und wie man handelt. Das ganze heißt im Nachhaltigkeitsjargon “Vorsorgeprinzip” und zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es Unsicherheiten nicht verschleiert oder wegrechnet, sondern bewusst mit ihnen umgeht.

  2. Boche
    21.06.2006 | 12:50

    Das stimmt.

    Was bleibt, ist eben die schwierige Frage nach der Abwägung zwischen Vorsorgeaufwand und angenommenem Risiko.

  3. 21.06.2006 | 12:57

    Zwischen “Ignorieren” und “Handeln, als ob man weiß” klafft aber eine riesige Lücke. Das “Vorsorgeprinzip” ins Extrem getrieben - ich sehe deutliche Tendenzen dahin - und staatlich umgesetzt bedeutet, nur auf Basis einer Befürchtung auf das Handeln der Wirtschaftssubjekte Zwang auszuüben, der große Unwirtschaftlichkeit billigend in Kauf nimmt.

    Nichts gegen Paranoia als Handlungsanweisung: Wenn einzelne Unternehmen oder Menschen sich dafür entscheiden, ist das völlig in Ordnung, für staatliche Zwangsmaßnahmen aber reicht mir die nicht aus. Erst recht nicht, so lange das Wirtschaftlichkeitsgebot nicht beachtet wird. Die Frage ist doch, wie man knappe Ressourcen am besten einsetzt. Da konkurriert der Versuch, mit Hilfe des Vorsorgeprinzips etwas minimal zu beeinflussen, dessen Ursache-Wirkungs-Mechanismen man nicht beherrscht, mit weniger aufwendigen defensiven Gegenmaßnahmen und der Verwendung der eingesparten Mittel beispielsweise zur Bekämpfung der extremen Armut.

  4. googlehupf
    22.06.2006 | 1:11

    Apropos Ressourcen einsetzen: Lomborg hat wieder einen Copenhagen Consensus organisiert. Diesmal ist er zumindest etwas mehr auf Beschwerden von Kritikern eingegangen und hat anscheinend ein paar Leute von der UN mit eingeladen. Richtig interessant würde es noch werden wenn er schaffen könnte z.B ein paar Leute von Umweltbewegungen mit einzuladen.

    Nichtsdestrotz findet sich hier die neue Liste der drängendsten Prioriäten die die Beteiligten ermittelt haben:

    http://www.copenhagenconsensus.com/Default.aspx?ID=675

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