22. Juni 2006
Keine Experimente
Auf die Westlinken kann man sich als Ex-DDR-Bürger sogar noch heute verlassen. Sie brauchen nur Rückschau zu betreiben und prompt offenbaren sie mehr von ihrem Geist, als ihnen lieb sein sollte.
Da wird der SED-Staat zum Experiment verklärt. Und das war er wohl letztlich auch. Zumindest für die, sich nach Bevormundung und Zwangsbeglückung sehnenden, Freunde der sozialistischen Utopie:
Ein Experiment. Mal gucken, was geht.
Dass dieses Experiment am lebenden Objekt durchgeführt wurde, stört sie, anders als bei Tierversuchen, nicht. Denn wichtig ist nicht das ob, sondern wer mit welcher Begründung einsperrt, foltert und mordet.
Aber was wunderts: Hat es sie gestört, dass die Grundlagen ihrer Experimentieranordnung von Putschisten wie Lenin und Massenmördern wie Stalin gelegt wurden?
Hat es sie gestört, mit Mao-Bibeln und -Sprüchen herumzulaufen, als dieser sein Volk massakrierte?
Es ist nur die SPONBlog-Kritik, die sich hier meldet.
Aber hinter der üblichen SPON-Niveaulosigkeit und Missachtung der DDR-Vergangenheit offenbart sich meines Erachtens eine west-linker Mainstream, der lieber mit Totalitarismus liebäugelt als ideologische Bahnen zu verlassen. Nicht ohne Grund hat in der heutigen SED schließlich zusammengefunden, was zusammengehört (wenn auch noch nicht alle den Mut Lafontaines haben, sich dazu zu bekennen).
Die DDR - ein Experiment? Endlich verstehe ich Helmut Kohls Wahlkampfparole aus dem Jahre 1990:
“Keine Experimente!” war die richtige Parole am falschen Ort.
Denn sie gehörte damals nicht auf den Marktplatz von Dresden oder Leipzig, sie gehörte den Möchtergern-Weltverbesserern westdeutscher Herkunft ins Gesicht geschlagen. Denjenigen, denen die Montagsdemonstranten keine Diktatur sondern eine Spielwiese kaputtgemacht hatten.
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SPON-Link gefunden beim antibürokratieteam
Verfasst von Boche um 13:43 Uhr in der Kategorie Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)