Die CDU gibt sich Mühe

Und zwar damit, die lieben Kollegen von der Freiheitsfabrik in ihrer doch recht dezidiert formulierten Haltung täglich neu zu bestätigen.

Scheint auf die “begrenzte Steuererhöhung” schon im Bemühen, ein krankes Gesundheitssystem im Kern zu erhalten oder sogar auszudehnen, bereits die nächste, dann vielleicht auch unbegrenzte, zu folgen, so begeistern sich führende CDU-Politiker jetzt offenbar für einen neuen Steuertrick: Wenn man den Steuersatz auf Gewinne senken, aber trotzdem weiter so viel kassieren will wie vorher, was macht man dann? Richtig, man besteuert Ausgaben!

Zum Beispiel, in dem man Zinszahlungen (bei Bedarf auch gerne Mieten, Pachten und Leasinggebühren) in die Bemessungsgrundlage einbaut. Das hat was: Durch die bekannt schleppende Zahlungsweise zwingt der Staat seine Lieferanten zur Kreditaufnahme, deren Folgen er dann wieder besteuern kann. Und der Frechheit einiger Unternehmen, sich ihrer Pflicht als Finanzier staatlicher Wohltaten durch Verluste zu entziehen, wäre endlich wenigstens teilweise ein Riegel vorgeschoben.

Ich muss eine Einschätzung zurücknehmen: Zuerst dachte ich nur, der Union sei es vor lauter Geilheit auf Pöstchen und Klientelversorgung egal, was die SPD für Politik gestaltet, aber mittlerweile wird die Ausrede, man müsse auf den Koalitionspartner Rücksicht nehmen, dort mit solcher Begeisterung vorgebracht, dass man den Eindruck bekommen muss, hier erfüllten sich in Wirklichkeit endlich langgehegte, geheime Wünsche.

Hier wie dort: Es bleibt die Politik unseres Sozial-, Steuer- und Verschuldungsstaates, seinen Untertanen mit großer Geste genau die Möhre vor die Nase zu halten, die er ihnen vorher unter Anwendung unmittelbaren Zwanges aus der Tasche gezogen hat. Ich fürchte nur, dass Unternehmen, die, um überhaupt existieren zu können, genau rechnen müssen, trotzdem in der Lage sein werden, die effektive Steuerbelastung durch die einfache Rechnung Steuer/Gewinn zu ermitteln und somit die staatlichen Taschenspielertricks zu durchschauen. Aber die wählen ja auch nicht.

Wenn immer mehr Arbeitsplätze wegfallen, kann man zur Not die Unternehmen für betriebswirtschaftliches Handeln beschimpfen oder sich neuen populistischen Unsinn ausdenken. Letzterer hätte zudem noch den Vorteil, unter dem Deckmantel der Lösung die Probleme zu vergrößern, so dass man später immer noch einen draufsetzen könnte. Wo ist eigentlich der Staat, dem wir beitreten können, wenn die sozialistische Nationale den Karren wieder endgültig in den Dreck gefahren hat?

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9 Kommentare zu “Die CDU gibt sich Mühe”

  1. 23.06.2006 | 13:51

    Ich finde die Kollegen zwar nicht besonders lieb, aber in der Tat liefern die Politiker-Seilschaften konzeptionell fast nur noch Vorlagen, anhand derer die Freiheitsfabrikanten das Scheitern der Demokratie belegen können.

    Für meinen Geschmack ist es schon etwas heftig, wie sie ihre niemals erfolgreich realisierte anarchistische Utopie gewissermaßen als Naturzustand darstellen und Staaten, allen voran die demokratischen, als gescheiterte Utopie. Einen Sympathiepunkt bekommen sie aber auf jeden Fall, weil sie darauf hinweisen, dass die Entscheidungen der Mehrheit weder immer richtig sein müssen, noch ein positives Resultat liefern müssen und schon gar nicht das optimalste Resultat von allen.

  2. 23.06.2006 | 14:07

    Sehe ich ähnlich. Und wenn irgendwelche Entwicklungen den Freiheitsfabrikanten Anlass zu einem “hab ich doch schon immer gesagt” geben können, dann bricht mir kein Zacken aus der Krone, wenn ich ihnen diesen Punkt lasse.

  3. 23.06.2006 | 14:19

    Wobei ich schon darauf hinweisen würde, dass die Entwicklung nicht sofort ein Argument gegen Demokratie an sich ist. Es gibt schließlich unterschiedliche Arten, Demokratie zu organisieren - z.B. auch mehr direkte Demokratie, Mehrheitswahlrecht etc. Eine Koalition aus Parteien, die mit z.T. entgegengesetzten Vorstellungen antraten, lässt wohl am Ende nie eine klare Linie erkennen, ein Konzept, das Hand und Fuß hat… Das ist mehr ein bisschen von der Idee, ein bisschen was vom Gegenteil, verrühren, fertig. Das macht es den Freiheitsfabrikanten natürlich besonders leicht…

  4. Parker8
    23.06.2006 | 14:38

    Lesen Sie sich mal den Paragraphen 8 des Gewerbessteuergesetzes durch. Da werden Ihnen die Augen übergehen.

  5. 23.06.2006 | 15:42

    Hatte ich den Eindruck gemacht, als kennte ich den nicht? Die aktuelle Gesetzeslage bei der Gewerbesteuer wird ja auch im SPON-Artikel erwähnt.

    Minus mal minus gibt aber nicht immer plus.

  6. Parker8
    23.06.2006 | 16:56

    Sie sind ja ein Fuchs! Sie können daraus erkennen, dass der Gesetzgeber schon immer die Linie verfolgt hat, Fremdkapital gegenüber Eigenkapital nicht zu bevorzugen. Wussten Sie wahrscheinlich auch.

  7. 23.06.2006 | 17:39

    Der Fuchs bist du, indem du Substanz- und Doppelbesteuerung auch noch als eigenkapitalfördernd hinstellen möchtest.

    Das mit dem “schon immer” würde ich allerdings zu bezweifeln wagen: Die Gewerbesteuer war ursprünglich eine Wertschöpfungssteuer, die (neben der Vermögensbesteuerung) auch eine Lohnsummensteuer enthielt. Daher gibt es dort auch noch Reste der alten Idee, allerdings wohl deutlich weniger steuersystematisch als viel eher (wie bei den aktuellen Vorschlägen) fiskalisch motiviert.

    Die Körperschaftsteuer hingegen war immer und ist immer noch eine Steuer auf Einkommen, ohne Besteuerung anderer Wertschöpfungselemente als der Eigenkapitalmehrung.

    Ich finde es auch großartig, wenn Eigenkapital und Fremdkapital gleich behandelt werden. Da gibt es sogar einen Vorschlag, wie man das erreichen kann, ohne dass Unternehmen auch in Verlustsituationen noch an den Fiskus abführen müssen: die Abszugsfähigkeit von Zinsen auf das Eigenkapital.

  8. 23.06.2006 | 18:22

    [...] Zur Arbeit der Großen Koalition siehe auch: B.L.O.G [...]

  9. 23.06.2006 | 20:24

    Na da wird sich die Wirtschaft aber freuen, wenn Zinserträge zu 50% versteuert werden und somit die Kapitalkosten um vielleicht 25% steigen: Die Investitionen werden geradezu in die Höhe schnellen.

    Hat was von: Jetzt haben wir jegliche Effizienz Arbeitsmarkt schon erfolgreich zerstört,nun machen wir uns an den Kapitalmarkt heran.

    Dadurch wird auch keine vermeintliche Bevorzugung von Fremdkapital ausgegeglichen. Fremdkapital wird schliesslich schon jetzt besteuert: Durch die Kapitalertragssteuer. Dividenden unterliegen dieser zwar auch, aber erstens zu einem niedrigeren Satz (Stichwort: Halbeinkünfteverfahren) und zweitens MUSS Fremdkapital im Gegensatz zu Eigenkapital “ausgeschüttet” werden. Eine Bestrafung der Ausschüttung wie beim Eigenkapital durch eine Doppelbesteuerung (oder eineinhalbfache Besteuerung) macht also keinen Sinn. Eher sollte erstere abgeschafft werden, damit die Liquidität bei den Anteilseignern landet und anstatt sie gezwungenermassen im bestehenden Unternehmen zu halten, das dafür möglicherweise keine effiziente Verwendung hat.

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