23. Juni 2006
Kurzsichtigkeit
Es gibt viele gute Gründe, gegen eine Steuererhöhung zur Entlastung der einkommensbezogenen Prämien der Gesetzlichen Krankenversicherung zu sein.
Es gibt aber auch hundsmiserable. Zum Beispiel die des gesundheitspolitischen Sprechers der Linksfraktion, Frank Spieth:
“Profiteure wären die Konzerne und die Privatversicherten, die künftig keine Beiträge mehr für ihre Kinder entrichten müssten.”
Lassen wir mal die Privatversicherten beiseite. Wenn die schon als zu bestrafende Besserverdiener entlarvt sind, sollte auch klar sein, dass sich unter ihnen diejenigen finden werden, die die erhöhte Steuerlast erstmal vor allen anderen zu spüren bekommen.
Wichtiger ist mir der Hinweis auf “die Konzerne”. Was ist ein Konzern und wie kann er von geringeren Kassenbeiträgen profitieren? Ein Konzern ist eine rechtliche Person. Er kann nicht konsumieren, er kann kein Glück empfinden, er ist nur Mittel zum Zweck. Konzerne gegen Menschen auszuspielen wäre so sinnvoll wie das Arrangement einer Beerdigung auf dem städtischen Friedhof bei einer GmbH-Insolvenz. Wichtig allein ist, welche Menschen profitieren. Blenden wir mal wieder die Manager, die öffentlich in der Regel im Fokus stehen, wegen Geringfügigkeit aus - was die kassieren, mag dem normalen Menschen zwar als extrem viel erscheinen, es ist aber im Vergleich zum Wertzuwachs einer Kapitalgesellschaft in der Regel ein verschwindend geringer Anteil, und der Wertzuwachs gehört den Aktionären. Das Dumme ist nur, dass die in der Regel keiner kennt. Vielleicht wird das Eigenkapital eines Konzerns ja mehrheitlich von US-Pensionsfonds gehalten, die für stinknormale Ex-Arbeitnehmer das Beste versuchen herauszuholen? Wo ist da ein Ansatz für Verteilungskritik?
Aber ok, fallen wir mal auf die Klassenkampfrhetorik herein und stellen wir uns als Eigenkapitalgeber von großen Konzernen dickbäuchige, zigarrenrauchende Herren mit Cut und Bowlerhut vor. Profitieren die von niedrigeren Abgaben auf Arbeit? Die einfache Antwort: Keiner weiß, ob und wieviel. Es sei denn, er kennte Angebots- und Nachfragekurven sowohl auf dem Arbeits- als auch auf dem Absatzmarkt des Unternehmens. Erst die Wettbewerbs- und Nachfragesituation entscheidet, wer sich diese vom Himmel fallende “Rente” unter den Nagel reißen kann. Schönes Stichwort dazu, für den umgekehrten Fall übrigens: Steuerinzidenz. Googeln hilft.
Verfasst von Rayson um 00:07 Uhr in der Kategorie Gesundheitspolitik (Trackback)