Weibliche Priester

Die Unkenntnis dessen, was unter “apostolischer Sukzession” zu verstehen ist, veranlasst katholische Feministinnen immer wieder dazu, “Priesterinnenweihen” durchzuführen.

Das mag ja ein nettes Instrument des Protestes sein, es bringt aber sonst nichts. Auch die sogenannten “Vagantenbischöfe” können daran nichts ändern. Solche Weihen sind dort, wo sie angeblich etwas bewirken sollen, einfach nur ungültig, und wer diesen Weg geht, stellt sich bewusst außerhalb seiner Glaubensgemeinschaft.

Nichtsdestotrotz ist die Frage, wer Priester und wer Bischof sein darf, für christliche Kirchen, die sich in der Tradition der Urkirche sehen, zu Recht ein Dauerbrenner. Die weltweite anglikanische Kirche droht gerade daran zu zerbrechen. Showeinlagen sind bei solchen Debatten, die wirklich ernsthaft geführt werden müssen, wenig hilfreich. Es geht hier nicht um Feminismus, sondern um komplexere Glaubensfragen. Es gibt Kirchen wie die meine, die sich dieser Diskussion gestellt und letztendlich trotz aller Bauchschmerzen, die Ökumene betreffend, sich dazu entschlossen haben, Frauen den Weg frei zu machen. Aber es bleibt bzw. wurde dadurch ein sensibles Thema. Die Showeinlagen à la Schweiz sind dabei wenig hilfreich.

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15 Kommentare zu “Weibliche Priester”

  1. 24.06.2006 | 23:23

    Die “apostolischer Sukzession” ist ein Mythos, keine historische Tatsache. (Man mag mich Heiden korrigieren, aber nach meiner Kenntniss der Evangelien bedarf es schon einiger interpretatorischer Anstrengung, um auch nur die Gründung der christlichen Kirche durch Jesus dort hineinzulesen. Geschweige denn die Weitergabe der einer auf Jesus zurückgehenden Priesterweihe.)
    Allerdings ein Mythos, der für die katholische Kirche von zentraler Bedeutung ist. Die katholische Kirche kann ihn nicht so einfach fallen lassen, wie irgendwelche überholte Details der Messe. (Priesterinnen, die regulär geweiht wären, würden den Mythos meines Erachtens nicht zerstören, aber das müssen die katholischen Christen selbst entscheiden.)
    Der Mythos der “apostolischen Sukzession” ist Kernelement des katholischen Glaubensauffassung, so wie das gemeinsame Priestertum der Gemeinde Kernelement der postestantische Glaubenausfassung ist.
    Der lange Rede kurzer Sinn: die Priesterinnen machen im Grunde ihre eigene Kirche auf. Was aus meiner Sicht, der des Außenstehenden, gar nicht so abwegig ist.

  2. Martin
    25.06.2006 | 0:30

    Finde den alten Artikel leider nichtmehr: aber zum Thema Rauchverbot hier mal ein erklärender Artikel aus der WAMS:

    “Was ein Rauchverbot mit Liberalität zu tun hat”, Wams, 25.6.06, Alan Posener
    http://www.wams.de/data/2006/06/25/931428.html

  3. 25.06.2006 | 0:45

    Äh, was hat ein Rauchverbot mit Priesterinnen zu tun?

  4. Hardy
    25.06.2006 | 1:49

    @MartinM
    Das mit der eigenen Kirche ist gar keine schlechte Idee, dann können die noch auf Steuervorteile setzen.
    Was das allerdings mit rauchen zu tun haben soll, ist mir auch schleierhaft.
    Kleiner Scherz: Soll es eventuell eine Kirche der Raucher sein?

  5. Marian Wirth
    25.06.2006 | 1:59

    MartinM & Hardy,

    ich denke, Martin wollte seinen Kommentar eigentlich unter diesem Eintrag platzieren: Rauchzeichen vom Obrigkeitsstaat

    Das meint er wohl mit “Finde den alten Artikel leider nicht mehr”.

  6. 25.06.2006 | 10:58

    Um wieder zum Artikel zurückzukommen:

    Es geht natürlich um komplexe Glaubensfragen. Aber es geht doch auch um ein geändertes Menschenbild und um viel umfassendere Menschenrechte als zur Zeit der ersten Christen. Es ist erklärbar, warum die ersten Christen keine weiblichen Amtsträger hatten. Es gibt aber heute keine rationale Begründung mehr, einer Frau das Theologiestudium, das Predigen und die Seelsorge nur aus dem Grunde zu verwehren, weil sie eine Frau ist.

    Natürlich ist das für die Katholische Kirche ein langer Prozess, der sich über Jahrzehnte hinziehen muss. Und in diesem Zusammenhang sind solche Amtseinsetzungen eher eine Demonstration oder Aktion, die auf den Konflikt hinweisen soll. Aber das Anliegen als solches finde ich richtig.

  7. 25.06.2006 | 16:01

    @MartinM

    Der lange Rede kurzer Sinn: die Priesterinnen machen im Grunde ihre eigene Kirche auf. Was aus meiner Sicht, der des Außenstehenden, gar nicht so abwegig ist.

    Naja, es konterkariert schon den Sinn von “Kirche” an sich. Zumal es genug existierende andere Kirchen mit Frauenordination und echten Gemeinden gibt, die, was die sonstigen Glaubensinhalte betrifft, von der römisch-katholischen gar nicht so weit entfernt sind. Aber dort würden diese Selbstdarstellerinnen ja auch nicht die besondere Rolle spielen, die sie für sich vorgesehen haben.

    @stefanolix

    Kirche ist doch nicht Politik. Wir sehen gerade bei den Anglikanern, welche Folgen es haben kann, wenn die einen tun, was ihnen ihre liberale Grundhaltung aufdrängt (z.B. Frauen und bekennende Schwule zu Bischöfen zu machen), und sich damit direkt gegen ihre Glaubensbrüder nicht nur im eigenen Land, sondern vor allem auch in anderen Teilen der Welt stellen.

    Auch die römisch-katholische Kirche würde eine wesentliche Änderung an ihren Regeln nicht ohne Spaltung(en) überleben, und das ist es auch denen nicht wert, die solche Änderungen im Prinzip begrüßen würden.

    Gerade dieses Festhalten an alten Regeln über Hunderte von Jahren hinweg macht ja einen wesentlichen Teil des “USP” der römisch-katholischen Kirche aus - für alle, denen andere Dinge wichtiger sind, gibt es auf dem Markt der christlichen Bekenntnisse noch genug Auswahl.

  8. 25.06.2006 | 16:50

    Nein, ich möchte auf keinen Fall Kirche und Politik gleichsetzen. Ich meine, dass das Bekenntnis zur möglichen Ordination von Frauen und von homosexuellen Männern über eine “liberale Grundhaltung” weit hinausgeht: für mich ist das einfach eine zutiefst menschliche Grundhaltung. Wenn Menschen aus ihrer Persönlichkeit und Kompetenz heraus für die Seelsorge in Frage kommen, dann darf das Geschlecht oder das Bekenntnis zu einer homosexuellen Beziehung nicht zum Hinderungsgrund werden.

    Natürlich gibt es viele christliche Bekenntnisse, aber ich würde in diesem speziellen Fall nicht von einem Markt sprechen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen in einer Kirche oder in ihrer Gemeinde sehr stark verwurzelt sind und genau dort etwas ändern wollen. In dieser Situation eine andere Kirche zu wählen, ist sicher eine der schwierigsten Entscheidungen [dass man sich das nicht einfach macht, kann ich aus eigener Erfahrung sagen].

  9. 25.06.2006 | 17:33

    Wenn Menschen aus ihrer Persönlichkeit und Kompetenz heraus für die Seelsorge in Frage kommen, dann darf das Geschlecht oder das Bekenntnis zu einer homosexuellen Beziehung nicht zum Hinderungsgrund werden.

    Dann nenn es eben “menschlich” - das ändert am Konflikt mit einer Kirchentradition, die zudem noch theologisch begründet wird, auch nichts. Es ist mein altes Reden: Du kannst ein System von innen nur verändern, wenn du es nach dessen Regeln veränderst.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen in einer Kirche oder in ihrer Gemeinde sehr stark verwurzelt sind und genau dort etwas ändern wollen.

    Das kann ich mir auch vorstellen, nur grenzt dieser Versuch bei einer weltumspannenden Organisation eben an massive Grenzen. Du kannst in deiner Gemeinde nur das ändern, was auch in deiner Gemeinde zu ändern ist, aber du kannst nicht erwarten, deine Meinung dem Rest der Welt quasi aufstülpen zu können. Das mag für dich selbst dann zwar der einfachere und sympathischere Weg sein, bei genauerer Betrachtung ist es aber ein egozentrischer. Da ist es konsequenter und ehrlicher, sich selbst als den eigentlichen “Abweichler” zu erkennen und auch so zu handeln.

    Doch, doch, wir haben hier schon einen Markt vor uns. Zwar sind die Anbieterpräferenzen sehr stark und wenigstens zum Teil ist viel staatliche Regulierung im Spiel, aber im Prinzip kann sich jeder frei entscheiden, welches spirituelle oder sonstige Angebot den eigenen Vorstellungen am besten entspricht.

  10. 25.06.2006 | 17:51

    Wir sind uns absolut einig, dass die katholische Kirche nur nach ihren eigenen Regeln reformiert werden könnte (im Prinzip müsste ein Papst einen entsprechenden Prozess einleiten). Mir ist auch klar, dass so eine Änderung wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte lang dauern würde. Bei der anglikanischen Kirche könnte es vielleicht etwas anders aussehen.
    Nein, für mich persönlich steht die Frage ja überhaupt nicht. Von welchen Motiven sich die “Abtrünnigen” leiten lassen, können wir nur vermuten. Ihr Weg ist nicht der richtige, aber ihr Anliegen finde ich nicht falsch.

  11. 25.06.2006 | 18:02

    Selbst wenn das ein Papst initiieren würde, stieße der schnell an seine Grenzen. Wir müssen uns nur mal vor Augen halten, dass es Kräfte in der rk Kirche gibt, denen selbst die Ergebnisse des II. Vatikanischen Konzils zu weit gehen, und ich habe den Eindruck, diese Kräfte werden immer stärker. Also ersetze mal “Jahrzehnte” durch “Jahrhunderte”.

    Das “du” im Kommentar vorher war übrigens ein verallgemeinerndes und nicht auf dich persönlich bezogen.

    Ihr Weg ist nicht der richtige, aber ihr Anliegen finde ich nicht falsch.

    Ich wollte es eben so formulieren: Ihr Anliegen mag nicht falsch sein, aber der Weg ist auf jeden Fall nicht der richtige. Die neuere “Weihe” ist ja sozusagen ein Spin-Off einer Vorgängerin, die in Deutschland mal durch die Medien ging. Die “Priesterinnen” von damals, die sich von einem Vagantenbischof “weihen” ließen, sind inzwischen selbst zu “Bischöfinnen” mutiert. In ihrem Streben nach dem ganzen Amtszinnober sind sie durchaus sehr römisch, das muss man ihnen lassen…

  12. 25.06.2006 | 18:02

    Ist es sehr ignorant, wenn ich der ganz schlichten Meinung bin, dass sich jeder Verein seine eigenen Regeln geben kann?
    Ohne mich mit den Gründen für ein solches Regelwerk beschäftigen zu müssen - so lange die Regeln nur intern angewandt werden und keine Freiheit einschränken - lassen wir sie doch rothaarige Menschen vom Posten des Schriftführers ausschließen. Ein Rothaariger wird vielleicht auch ohne dies glücklich.

    So, Boche, jetzt aber schnell zurück in den Garten und weiter Unkraut gejätet…!

  13. 25.06.2006 | 18:11

    Aber natürlich, Boche, diskutieren wir hier sozusagen “vereinsintern”. Ich fände es auch seltsam, wenn Nichtchristen und insbesondere Menschen, denen die römisch-katholische Kirche ziemlich egal ist, in dieser Frage als Eiferer auftreten würden.

    Ist aber bisher nicht der Fall - womöglich fehlt dazu auch der entsprechende eifernde römische Konterpart. Über nüchterne kirchenexterne Einschätzungen der Sachlage wie von MartinM freue ich mich aber natürlich auch.

  14. 25.06.2006 | 20:29

    Ja, ich denke nur, Rayson, dass einiges an vereinsinternem Unfrieden vielleicht daran liegen könnte, dass vom Verein mehr verlangt wird, als von einem Verein geleistet werden muss.
    Aber das ist nur eine Vermutung.

  15. 25.06.2006 | 21:02

    Die Katholische Kirche ist IMHO nicht mit irgendeinem beliebigen “Verein” vergleichbar, aber im Prinzip habt Ihr aus liberaler Sicht natürlich recht: es sollte jeder erwachsene Mensch selbst entscheiden können, ob er dazugehören will oder nicht.

    Nachdem ich noch einmal etwas über diese Weihen nachgelesen habe, finde ich die Aktion doch noch etwas merkwürdiger als vorher. Vielleicht wählen sie ja demnächst bei einer Fahrt auf dem See eine eigene Päpstin ;-)

    Aber ich persönlich kann mir nicht vorstellen, zu einer Kirche zu gehören, die heute noch solche Restriktionen vertritt …

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