Nach dem WM-Aus

Ganz ehrlich: Ich glaube, dass am Freitag der Siegeszug der deutschen Mannschaft ein Ende finden wird. Und zwar, weil sie gegen die zweitbeste Mannschaft dieses Turniers verlieren wird.

Aber das wird für mich nichts ändern. Ich werde Jürgen Klinsmann nach wie vor dafür dankbar sein, dass er eine deutsche Mannschaft aufs Feld geschickt hat, für die man sich nicht mehr zu schämen braucht. Ich werde weiterhin hohen Respekt vor Leuten wie Miroslav Klose haben, die einfach deshalb mehr Erfolg vorweisen, weil sie mehr tun als andere, sozusagen mehr als tariflich gefordert. Und ich werde es schön finden, wie Leute zur Unterstützung der Nationalelf Fahnen geschwenkt haben, die sie für den Rest des Jahres vermutlich einmotten werden. Alles zusammen beweist: An unserem Wesen muss nichts genesen, wir sind wie alle anderen, und alle anderen sind wie wir. Wir mögen guten Fußball mehr als schlechten, halten im Zweifel zu unserer Elf und finden es völlig egal, woher die Spieler stammen, die uns Freude bereiten. Ich glaube ja auch, dass die Begeisterung für die Nationalmannschaft insgeheim ein Unbehagen am Söldnertum der Profiligen ist - die Fans bringen nämlich ihr Herz mit ins Spiel, und sie wollen dann keine Millionarios sehen, die es nur für Geld tun.

Die Hoffnung der Politik, der Erfolg eines echten Teams würde von ihrem Versagen ablenken, wird sich nicht erfüllen. Das Verdienst dieser Koalition, nämlich den heimlichen Willen der Deutschen nach einer Großen Koalition endgültig bedient zu haben, wird ihr allerdings niemand mehr nehmen können.

Aber inzwischen, Jungs, verkauft euch so teuer wie möglich. Und: Habt Spaß!

P.S.: Wer die beste Mannschaft ist? Brasilien natürlich. Die spielen zwar leider immer nur minimal besser als ihr jeweiliger Gegner, dafür könenn sie das auch mit jedem Gegner machen.

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12 Kommentare zu “Nach dem WM-Aus”

  1. artur
    29.06.2006 | 20:07

    Das ist ein Beitrag, dem ich zu 80% absolut (:-) zustimme! Nur das Postskriptum und den Einstieg finde ich nicht so gelungen: Ich glaube, die Deutschen haben eine realistische Chance gegen Argentinien und die Brasilianer sind wirklich nicht so stark wie sie sich selber reden. Zu statisch das Spiel, zu phlegmatisch die Spieler. Der Mittelteil: sehr schön!

  2. 29.06.2006 | 20:14

    @artur ( ;-) )

    Dein Glaube ist natürlich auch meine Hoffnung.

  3. 29.06.2006 | 20:20

    Wenn man nicht enttäuscht werden will, redet man sich die schlimmstmögliche Zukunft ganz doll ein. ;-)

    Nein, nein: Deutschland gewinnt gegen Argentinien.

    Und Frankreich gegen Brasilien. Allez les bleus!

  4. 29.06.2006 | 20:26

    @Boche

    Also wenn eine Truppe je arrogant aufgetreten ist (eine Eigenschaft, die man landläufig eher unseren linksrheinischen Nachbarn zuspricht), dann die Brasilianer in diesem Jahr. Und Zizou hat es verdient, mit einem Endspiel seine Karriere zu beenden. Ein weiterer Titel wäre allerdings zu viel des Guten…

  5. artur
    29.06.2006 | 21:01

    Ich kann die Vorbehalte gegenüber den Franzosen gar nicht verstehen. Ist doch ein tolles Land mit wunderbaren Menschen.

    Ich wünsche mir nichts sehnlicher als einen Sieg der Equipe Tricolore gegen die siegessicheren, überheblichen Brasilianer.

  6. 29.06.2006 | 21:29

    Ich drücke Klinsmann und seiner Mannschaft auch die Daumen und wünsche mir ein spannendes Spiel mit vielen Toren. May the best win.

    Für Zidane reicht auch das Halbfinale, irgendwann muss Schluss sein ;-)

  7. 29.06.2006 | 21:51

    Du könntest natürlich ganz auf Nummer Sicher gehen:

    Du hoffst auf ein deutsches Weiterkommen und wettest (z.B. den Wettbonus, den diverse Anbieter einem gewähren) parallel auf Argentinien.

    Dann freust Du Dich auf alle Fälle! ;)

  8. 30.06.2006 | 10:14

    Ausgerechnet jetzt, wo mit jedem deutschen Tor Steuern und Abgaben steigen und die Verfassung zwischen Achtel- und Viertelfinale in einen Haufen unzusammenhängender, unlogischer und sich widersprechender Einzelregelungen zerlegt wird, ausgerechnet jetzt spielt die deutsche Mannschaft einen wunderbaren Fußball. Hätte Schröder doch bloß ein bisschen länger ausgehalten, dann könnten wir uns jezt voll auf die WM konzentrieren …

  9. Boche
    30.06.2006 | 10:34

    Ach, ein WM-Titel als Abschied für Zizou sollte es doch eigentlich schon sein, oder?

    Aber ich bin nicht so: Wenn Deutschland heute weiterkommt, reicht auch ein Vize. ;-)

  10. 30.06.2006 | 19:44

    Was heißt hier: “wenn”? ;-)

  11. 30.06.2006 | 20:49

    Deutschland gegen Frankreich im Finale - das scheint ja nun zu klappen… ;-)

  12. 1.07.2006 | 11:30

    [...] Um da mal gleich keine Zweifel aufkommen zu lassen: Natürlich hatte ich Recht. Die Argentinier waren die bessere Mannschaft. Jedenfalls so weit es um Dinge wie Ballfertigkeit, Taktik, Beherrschung des Gegners, Standardsituationen und Abwehrsicherheit ging. Nicht viel besser, aber etwas. Das war eben das, was realistisch zu erwarten war. Die deutsche Mannschaft hat dieses Manko aber wettmachen können durch ein Element, das sie zwangsläufig allen anderen Mannschaften dieses Turniers voraus hat: eine positiv rückgekoppelte Verbindung von Wille und Fanunterstützung. Das hat zum Remis gereicht. Den Unterschied im Elfmeterschießen machte dann eine bekannte deutsche Tugend aus: gründliche Vorbereitung. Bei den Argentiniern hatte sich offensichtlich keiner Gedanken über deutsche Elfmeterschützen gemacht, aber Lehmann hatte einen Zettel und sprang vier Mal in die richtige Ecke. [...]

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