Die wahren Abzocker

Während lautstark gegen den (angeblichen) massenhaften Leistungsmißbrauch durch ALG II-Empfänger lamentiert wird, finden die echten “Harz IV-Abzocker” bemerkenswert wenig Beachtung.

“Ulysses”, der im “wirklichen Leben” bei der Arbeitsagentur arbeitet, schildert, wie die “Abzocke” tatsächlich funktioniert:

Die Masche: Einen Arbeitslosen einstellen, Lohn für ein halbes Jahr von der Arbeitsagentur bezahlen lassen, den Arbeitslosen nach 5 Monaten und 29 Tagen wieder auf die Straße setzen, nächsten Arbeitslosen einstellen.

Der Effekt: Null Lohnkosten - für die Firma. Die daraus resultierenden Erfolge und Gewinne werden vom Staat - also von UNS bezahlt. Und wenn der Staat dann keine “Kohle” mehr hat, kann man wunderschön über den “Sanierungsfall Deutschland” referieren und den Volks-Reformwillen weiter zu ungeahnten Höhenflügen anspornen.

Ganzer Text (bitte lesen): Neues aus Abzockistan

Im Klartext: Subventionsbetrug mit Arbeitslosen. Kommt aber im
Paralleluniversum der Großen Koalition (im dem leider auch die Mehrheit der Journalisten und der zahlreichen “Berater” und “Wirtschafts-Experten” zu leben scheint) nicht vor. Auch wenn man durch die Bekämpfung dieser Abzocke noch so viel einsparen könnte.

Korrektur:
Ich habe “Ulysses” mißverstanden: Er und die Arbeitsagentur haben nur die gleichen “Kunden”. Und einer von denen hat die Abzock-Info von seinem Kundenberater/Arbeitsvermittler.
(Siehe auch Ulysses Kommentar.)

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14 Kommentare zu “Die wahren Abzocker”

  1. 30.06.2006 | 12:09

    Vielen Dank für den Link auf meinen Beitrag.

    In meiner dortigen Einleitung habe ich mich vielleicht etwas mißverständlich ausgedrückt, was die Informationsquelle betrifft. Im “wirklichen Leben” haben die Arbeitsagentur und ich nur die gleichen “Kunden”. Und einer von denen hat die Abzock-Info von seinem Kundenberater/Arbeitsvermittler.

  2. 30.06.2006 | 12:49

    Das eine ist Abzocke, das andere ist “raffinierte Geschäftspolitik” … *würg*

    Im Ernst: Das zeigt einmal mehr, das der Arbeitsmarkt in seiner Überregulierung nicht funktionieren kann. Es wäre an der Zeit sämtliche Regelungen möglichs abzuschaffen und eine allgemeine Sozialpauschale einzuführen (oder Bürgergeld oder wie man es nennen will).

  3. 30.06.2006 | 12:51

    Ist solches Verhalten des Arbeitgebers illegal?

  4. Boche
    30.06.2006 | 12:58

    @Gregor

    Wahrscheinlich nicht.
    Aber - anders als beim Hartz4-Empfänger - hat man weniger Verständnis dafür, dass er die Schlamperei der Bürokraten auszunutzen versteht.

  5. 30.06.2006 | 13:11

    Warum? Er tut das doch für das Geld. Das verstehe ich.

  6. 30.06.2006 | 13:12

    Das auch - und gerade - Unternehmer sehr kreativ in Bezug auf Subventionen sind ist ja nichts neues. Aber das es sich so zugetragen hat wie geschildert bezweifele ich ein wenig. Siehe auch hier

  7. Boche
    30.06.2006 | 13:56

    Gregor, mit “man” meinte ich nicht mich.

  8. C.Lapide
    30.06.2006 | 14:18

    Sowas gab es doch schonmal im Tatort ;)

  9. 30.06.2006 | 15:20

    Subventionsempfänger handeln wie jeder Mensch (meist ;))zu ihrem Vorteil, gleichgültig ob das ALGII-Bezieher oder Unternehmer sind.
    Ich kann darin nichts moralisch Verwerfliches entdecken.
    Die Subventionen sind das Problem.

  10. 1.07.2006 | 2:31

    Sagen wir mal so:
    Es gibt Politiker die wissen davon (habs zumindestens der einen oder anderen nicht-Hinterbänklerin mal gesagt; es gibt da noch ähnlich gelagerte Fälle von manchen Firmen), aber was sich geändert hat? Bisher leider nichts. :(

  11. 1.07.2006 | 2:31

    PS: Das sollte jetzt nicht “großkotzig” nach dem Motto “Ich sag was, es sollte sich dann daher was ändern!” daherkommen…

  12. 1.07.2006 | 10:11

    Schön, dass Martin das gerade hier thematisiert. Diese Art des Betruges ist ganz sicher weit verbreitet. Schlägt man einen Bogen zum Mißbrauch von Uni- oder Schulabgängern, Stichwort Praktikantenmißbrauch, wird eine “runde” Sache daraus, über die insbesondere für Sozis ein gefundenes Fressen sind. Die andere Seite lobt solchen Irrsinn als Früchte der freien Marktwirtschaft. Dort wird alles durch Angebot und Nachfrage geregelt.

  13. 1.07.2006 | 10:27

    Apollon, liest du die Kommentare hier eigentlich mit oder nur den eigentlichen Beitrag? Reine Interessensfrage, denn wie hier schon festgestellt wurde und ja eigentlich auch mehr als offensichtlich ist, handelt es sich um Folgen staatlichen Steuerungswahns.

    Dass Sozis sich darüber empören, dass Menschen danach streben, unter gegebenen Bedingungen für sich das Beste herauszuholen, kann ich mir nur damit erklären, dass sie selbst eben nicht so handeln. Das verdient meine volle Bewunderung. Wenn doch nur mehr Menschen so selbstlos handeln würden…

  14. 1.07.2006 | 15:00

    @apollon: Ich stimme Dir darin zu, dass sich mühelos ein Bogen zum Praktikantenmißbrauch, der auf ähnlichen Mechanismen des Regellungsmißbrauchs beruht, schlagen läßt.
    Allerdings wäre mir neu, dass hier irgendjemand diesen, wie Du so richtig schreibst, Irrsinn als “Früchte der freien Marktwirtschaft” lobt - ungeachtet dessen, dasss es z. B. zwischen meinen und z. B. Raysons politischen Vorstellungen durchaus spürbare Unterschiede gibt. Wobei ich mich mit Rayson darin einig bin, dass der Mißbauch eine Folge von zu vielen und zu realitätsfernen Regelungen ist. Mit “freier Marktwirtschaft” oder gar “sozialer Markwirtschaft” hat das nichts, aber auch gar nichts zu tun.

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