5. Juli 2006
Dramaturgisch nicht schlecht
Da haben diese korrupten Schauspieler also doch gewonnen. Ich leiste mir den Luxus, ihnen das nicht zu gönnen, und hoffe, dass wer auch immer heute abend gewinnt (am Besten natürlich die französischen Altmeister), ihnen am Sonntag kräftig einschenkt. Wegen des Elfmeters gegen die Socceroos, und wegen der Sache mit Frings.
Vom Spiel her geht das Ergebnis in Ordnung. Es hätte auch andersherum laufen können, hat es aber nicht. Insgesamt wirkten die Italiener etwas spritziger bzw. die Deutschen etwas müder.
Die Dramaturgie des Gesamtkunstwerks WM gefällt mir aus deutscher Sicht jetzt ganz gut. Die Mannschaft ist im Halbfinale ausgeschieden, das dämpft manchen Größenwahn, der teilweise schon wieder sichtbar wurde. Sie darf bzw. muss am Samstag aber nochmal zum Schaulaufen der Halbfinalverlierer ran, und so könnte die schwarz-rot-goldene Party bis zum Ende des Turniers weitergehen, nachdem man sich den Rausch ausgeschlafen hat. Einfach nochmal zusammen mit dieser Truppe Spaß haben, das wär doch was.
Jetzt setzt natürlich die Spekulation um Klinsmanns Zukunft ein. Ich wage die Prognose, dass er nicht weitermachen wird. Die WM im eigenen Land war das große Projekt, ohne das niemand bereit gewesen wäre, seine Analyse der deutschen Schwächen zu teilen und so viel Aufwand bei der Vorbereitung zu treiben. Schon die nächste WM, geschweige denn EM, wird wieder etwas tiefer hängen, und sowohl im DFB als auch in der Bundesliga gibt es genug Leute, die Klinsmann mit Vergnügen Knüppel zwischen die Beine werfen werden. Die Diskussion um den Wohnort wird wieder losgehen, um die amerikanischen Fitnesstrainer und den Psychologen. Gerne auch mit dem Kostenargument. Und als Höchststrafe wird irgendein ein Halbidiot auch wieder Loddarmaddäus ins Spiel bringen…
Zu glauben, in dieser Bundesliga, die lieber noch irgendwo einen drittklassigen Brasilianer oder Serben “einkauft”, sei so etwas wie langfristige Aufbauarbeit mit jungen Spielern möglich, wäre ein Zeichen von Realitätsverlust. Auch die Fans, die das heute noch befürworten, fordern im Einklang mit der Medienmeute doch nach dem fünften Spiel ohne Sieg den Kopf des mutigen Trainers. Und die jungen Spieler selbst können selbst mit international nicht konkurrenzfähigen Auftritten genug Kohle und Ruhm ernten, um sich nicht noch nach dem Mannschaftstraining eine Extraeinheit anzutun.
Der alte Trott kommt wieder. Genießen wir also noch diese Woche.
Verfasst von Rayson um 10:49 Uhr in der Kategorie Steckenpferde der Autoren (Trackback)