Fußballwahrheiten

Nicht, dass ich hier wieder irgendwelchen geschätzten Bloggern vors Schienbein treten möchte, aber als FAZ-Feuilleton-Leser bin ich es einfach gewohnt, dass mich Geisteswissenschaftler zu allen möglichen Themen in Wortwolken einhüllen. Akzeptiert, wenn es meinen Kriterien von Schönheit und Eleganz genügt.

Aber dieser Versuch eines gewissen Stefan Osterhaus bei SPON, den kann ich nur als peinlich empfinden. Ein Bahners oder gar, wenn es um Fußball geht, Schümer hätten sich diese Blößen nie gegeben. Wie kann man nur die ungemein praktischen Hinweise eines Jürgen Klopp mit dem Attribut “uneigentliches Sprechen” versehen und ihm die Absicht unterstellen, selbst Bundestrainer zu werden. Nee, da sprach einfach ein Trainer von vielfach selbst Beschworenem und Erlebtem. Ganz ohne philosophischen Hintergrund, aber ganz im Sinn des Spiels.

Osterhaus versucht sich danach in der Disziplin des “Extreme Name Dropping”, scheitert aber am ersten ernstzunehmenden Gegner: Günter Netzer. Der bringt die Dinge einfach nur auf den Punkt, und damit wird ein Relativist wohl nicht fertig. Wie dem auch sei: Das Niveau der Kommentatoren hat sich dem der Spiele seit der Vorrunde angepasst. Oder besser: die Spiele sich dem der Kommentatoren. Nach dem Erlebnis der dritten Art beim Spiel Deutschland-Polen sollte sich ein Herr Simon eigentlich ernsthaft nach beruflichen Alternativen umsehen, zumal er die großartige kämpferische Leistung Zidanes in der zweiten Hälfte des Halbfinales nicht vermitteln, geschweige denn erkennen konnte.

Was ist Fußball wirklich, fragt Osterhaus etwas aufgesetzt. Ich sag’s dir, Alter: Das Runde muss ins Eckige. Der Rest sollte Schweigen sein, auch wenn man nicht Wittgenstein zitieren kann.

Ähnliche Beiträge


2 Kommentare zu “Fußballwahrheiten”

  1. 7.07.2006 | 22:52

    Klopp war richtig super. Üblicherweise hört man von Fussballern und Fussballtrainer immer die üblichen Floskeln (”Haben Topspieler, die jederzeit das Spiel entscheiden können; so ist Fusball…”) die kein Mensch mehr hören kann. Jürgen Klopp ist dagegen ist ein intelligenter Mensch, der mit seinen fachkundigen Kommentaren und Analysen sowohl zu informieren als auch zu unterhalten weiss.

  2. 7.07.2006 | 23:01

    Zu grandiosen Kommentatorenleistungen sage ich nur: Bela Rethy.

    Beim Spiel Ukraine Schweiz sagte tatsächlich: “Zuberbühler geht jetzt bewusst langsam in seine Ecke, um den Schützen Streller zu irritieren.”

    Alles klar? Wenn ich bedenke, dass ich gerade mal zehn Prozent der Kommentare wahrnehme und den ausgesprochenen Unsinn hochrechne, überlege ich mir, ob ich mir nicht doch Premiere anschaffen soll. Da moderiert Marcel Reif und wenn nicht kann man den Kommentar abstellen.

Bad Behavior has blocked 852 access attempts in the last 7 days.