7. Juli 2006
Fußballwahrheiten
Nicht, dass ich hier wieder irgendwelchen geschätzten Bloggern vors Schienbein treten möchte, aber als FAZ-Feuilleton-Leser bin ich es einfach gewohnt, dass mich Geisteswissenschaftler zu allen möglichen Themen in Wortwolken einhüllen. Akzeptiert, wenn es meinen Kriterien von Schönheit und Eleganz genügt.
Aber dieser Versuch eines gewissen Stefan Osterhaus bei SPON, den kann ich nur als peinlich empfinden. Ein Bahners oder gar, wenn es um Fußball geht, Schümer hätten sich diese Blößen nie gegeben. Wie kann man nur die ungemein praktischen Hinweise eines Jürgen Klopp mit dem Attribut “uneigentliches Sprechen” versehen und ihm die Absicht unterstellen, selbst Bundestrainer zu werden. Nee, da sprach einfach ein Trainer von vielfach selbst Beschworenem und Erlebtem. Ganz ohne philosophischen Hintergrund, aber ganz im Sinn des Spiels.
Osterhaus versucht sich danach in der Disziplin des “Extreme Name Dropping”, scheitert aber am ersten ernstzunehmenden Gegner: Günter Netzer. Der bringt die Dinge einfach nur auf den Punkt, und damit wird ein Relativist wohl nicht fertig. Wie dem auch sei: Das Niveau der Kommentatoren hat sich dem der Spiele seit der Vorrunde angepasst. Oder besser: die Spiele sich dem der Kommentatoren. Nach dem Erlebnis der dritten Art beim Spiel Deutschland-Polen sollte sich ein Herr Simon eigentlich ernsthaft nach beruflichen Alternativen umsehen, zumal er die großartige kämpferische Leistung Zidanes in der zweiten Hälfte des Halbfinales nicht vermitteln, geschweige denn erkennen konnte.
Was ist Fußball wirklich, fragt Osterhaus etwas aufgesetzt. Ich sag’s dir, Alter: Das Runde muss ins Eckige. Der Rest sollte Schweigen sein, auch wenn man nicht Wittgenstein zitieren kann.
Verfasst von Rayson um 19:45 Uhr in der Kategorie Steckenpferde der Autoren (Trackback)