Die dunkle Seite der Macht

Das Spiel hatte alle Zutaten, dem von mir hochverehrten Zinedine Zidane den diesem großen Fußballer zustehenden Abtritt zu verschaffen. Aber ausgerechnet er selbst versaut sich, seinem Team und seinem Land den verdienten Lohn. Dieses war das einzige Spiel der WM, in dem die eindeutig schwächere Mannschaft triumphierte. Und es wird Zizou ewig verfolgen, dass er dazu beigetragen hat.

So ist das eben mit Genies, die von der Inspiration des Augenblicks leben. Sie heben sich aus der Masse durch die Fähigkeit hervor, zuvor Ungedachtes plötzlich zu verwirklichen. Aber wie wir schon seit George Lucas wissen: Es gibt auch eine dunkle Seite der Macht. Und von dieser wurde Zidane offensichtlich verführt, als er sich zum Angriff hinreißen ließ, der Frankreich wohl letztlich den Titel gekostet hat.

Aber so wie die Kinobesucher letztlich Anakin Skywalker verziehen haben, so hoffe ich, werden die Fußballfans Zinedine Zidane verzeihen. Für all die magischen Momente, die er den Liebhabern dieses Sportes über viele Jahre hinweg geschenkt hat. Gönnen wir dem italienischen Fußball noch ein wenig Freude, bevor die Justiz seine Scherben einsammelt.

Es war eine sehr, sehr schöne WM, und ich freue mich schon auf die in Südafrika. Wir Deutschen werden hoffentlich alles dazu tun, dass diese stattfinden kann, ohne durch ein sich abzeichnendes Versagen der dortigen Organisation auf eine Wiederholung zu hoffen. Afrika hat die WM verdient, und das einzige Land, das sie wirklich stemmen kann, ist tatsächlich Südafrika. Wenn wir wahre Fans sind, helfen wir dabei!

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12 Kommentare zu “Die dunkle Seite der Macht”

  1. 10.07.2006 | 9:32

    Zidane hat seine menschliche Seite gezeigt. Das macht ihn mir noch sympathischer.

    Und ich will auch nicht wissen, was der Italiener ihm gesagt hat.

  2. 10.07.2006 | 10:35

    Schade - ich hatte mit den Franzosen mitgefiebert… “Tapfere Gallier bringen sterbenden Schwan zur Strecke” oder so ähnlich hätte ich mir heute die Schlagzeile gewünscht.

    Sehr schade, die Sache mit Zidane. Aber ich bin mir recht sicher, dass er zumindest noch bekanntgeben wird, was Materazzi zu ihm sagte. Ansonsten Glückwunsch zur Vize-Weltmeisterschaft. Ich freu’ mich auf Südafrika!

  3. R.A.
    10.07.2006 | 12:03

    Ach je - was haben wir Frankreich gestern angefeuert (wie offenbar die Mehrheit der Deutschen, auch im Stadion).

    Und sie waren auch die meiste Zeit deutlich überlegen, aber die italienische Abwehr stand halt wieder fest wie Beton.

    Ich glaube übrigens nicht, daß es in den letzten paar Minuten nach Zidanes Abgang noch ein Tor gegeben hätte, wenn er weitergespielt hätte.

    Die WM ist also so knapp wie noch nie durch einen unglücklichen Latten-Abpraller und einige Zentimeter entschieden worden.

  4. 10.07.2006 | 13:04

    Zidane mag eine menschliche Seite gezeigt haben, aber deswegen müssem mir solche erfolgsverwöhnte Menschen nicht unbedingt sympathisch sein. Unsportlich bleibt unsportlich.

  5. Boche
    10.07.2006 | 13:09

    Hier muss niemand nichts so oder so finden.

    Und die Reaktion Zidanes fand ich auch unsportlich.
    Allerdings vermute ich, dass sie eine unsportliche Antwort auf einen unsportlichen Italiener war.

  6. 10.07.2006 | 13:21

    Hier muss niemand nichts so oder so finden.

    Habe ich mir gerade ausgedruckt und eingerahmt ;-)

    P.S.
    Ich erspare uns jetzt eine genauere Analyse des Zusammenhangs von “sympathischer Unsportlichkeit” und liberalen/libertären Denkens

  7. Boche
    10.07.2006 | 14:12

    Ach, analysier ruhig, Klaus.

  8. Francois
    10.07.2006 | 14:37

    hmm… dieser zusammenhang, der zwischen zidanes platzverweis und dem verschossenen elfmeter von trezeguet konstruiert wird, ist mir ehrlich gesagt zu abenteuerlich.
    ob frankreich nach 110 min. mit zidane in den letzten 10 min. mit zidane ohne rotsperre ein tor geschossen hätte, ist zu bezweifeln.

  9. Boche
    10.07.2006 | 14:45

    @Francois

    Zumindest die Chance wäre da gewesen. Ohne Zidane war das Elfmeterschießen praktisch unvermeidlich.

  10. 10.07.2006 | 14:48

    Och, so abenteuerlich finde ich das gar nicht. Dazu muss man natürlich die Bedeutung Zidanes für die gesamte Mannschaft kennen. Frankreich mit Zidane ist doppelt so stark wie ohne ihn. Das hatte sich in der Zeit während seines “Ruhestandes” gezeigt. Natürlich ist nicht garantiert, dass in der Verlängerung noch das Tor gefallen wäre, aber Frankreich hatte zu diesem Zeitpunkt zwei Spitzen im Spiel und war drückend überlegen. Und Zidane ja durchaus selbst torgefährlich. Also, da war noch was drin.

    Elfmeterschießen ist immer Glückssache und wahrscheinlich ein schönes Forschungsgebiet für Chaostheoretiker. Schon wenn vor Trezeguet noch Zidane geschossen hätte, wäre sein Elfmeter ganz sicher woanders gelandet. Natürlich auch nicht notwendigerweise drinnen.

  11. R.A.
    10.07.2006 | 16:04

    Bei aller Wichtigkeit Zidanes: Es ist kaum wahrscheinlich, daß die Franzosen in den letzten paar Minuten das geschafft hätten (ein echtes Feldtor), was sie über eine Stunde lang mit deutlicher Überlegenheit spielend nicht geschafft haben.

    Und beim Elfmeterschießen zeigten sie sich nervenstark (man vergleiche da mal die Engländer), die Schüsse waren ok, der Torwart hatte keine Chance - es war halt knapp und unglücklich, wie der Ball absprang.

  12. 10.07.2006 | 16:15

    @R.A.

    In der 110. Minute des Spiels Deutschland-Italien hättest du wohl dasselbe gesagt. Auch dann ohne die veränderte Taktik mit frischem Personal zu bedenken. Gerade in einer Verlängerung zählt jede Minute doppelt, wenn beim offensichtlich erschöpften Gegner die Beine schwerer werden und sich die Konzentration verflüchtigt. Für einen solch genialen Moment, wie ihn Pirlo im Halbfinale hatte, ist ein Zidane allemal gut.

    Ich hätte die Wahrscheinlichkeit eines Treffers für Frankreich in der Schlussphase auf über 50% eingeschätzt.

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