12. Juli 2006
Zwischenruf vom neoliberalen Stammtisch
Auch wenn ich hin und wieder den einen oder anderen Philosophen lese, so bleibt davon nicht mehr als der eine oder andere anregende Gedanke, der mich bestätigt, zum Widerspruch oder zum Weitergrübeln reizt. Deswegen ist es, wie ich vielleicht schon mal erwähnt habe, nicht meine Art, mich wie Tarzan von Liane zu Liane von Philosoph zu Philosoph zu hangeln und zwischendurch die Beschaffenheit des Materials zu bewerten.
Gehen wir doch wieder ein Stück ins Konkrete, das nebenbei auch den Vorteil hat, real existierende Menschen emotional aufzuwühlen. Jeder Verdacht, ich sei harmoniesüchtig, sollte jetzt also mit meinem Versuch zerstreut sein, noch einmal in Frage zu stellen, wofür heutzutage wie selbstverständlich das Eintreiben von Zwangsgeldern verlangt wird.
Nehmen wir den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ignorieren wir dabei sogar die viel zu leicht zu attackierenden skandalösen Bedingungen von dessen konkreter Finanzierung in Deutschland. Abstrahieren wir ein kleines Stück und fragen wir uns ganz generell, mit welchem Recht eigentlich von Menschen Geld für ein Angebot eingetrieben wird, das sie selbst nicht interessiert.
Gehört habe ich das Argument der “Pluralität” (abstrakt mögen wir alle dieses Wort, keine Frage), verbunden natürlich (Liberalen und Rechten muss schließlich auch immer wieder die grundsätzliche moralische Minderwertigkeit ihrer Position vor Augen geführt werden) mit dem Vorwurf, wer nicht dafür sei, sei für die “Nivellierung”. Darf man da vielleicht auch mal fragen, wer denn bestimmt, was zu dieser “Pluralität” gehört? Wen diese “Pluralität” überhaupt erreicht? Und warum die Verwendung von Zwangsgeldern für eine zusätzliche Einheit einer so definierten “Pluralität” (eine Sendung, ein Sender) anderen Verwendungen, z.B. Ausgaben für das Gesundheitswesen, vorzuziehen ist?
Gehen wir in unseren defätistischen Gedanken einen Schritt weiter. Warum wird an Universitäten für etwas ausgebildet, woran auf Märkten kein Interesse besteht? Sollten nicht die knappen Ressourcen nur für die Studiengänge verwendet werden, die helfen, eine Nachfrage zu befriedigen?
Wie ist es mit staatlich finanzierten Opernhäusern oder Orchestern? Warum sind die Bedürfnisse derer, die so etwas mögen, so wichtig, dass sie mit Zwangsgeldern subventioniert werden, während sich der gemeine Pöbel, der nur Rock und Pop hört, den letzten Euro für seine bevorzugte Musik aus der Tasche leiern muss? Warum wird auch dieses Geld nicht lieber in, sagen wir mal, die Integration von Migranten gesteckt?
Wer jetzt nicht gemerkt hat, dass es sich hier um Fragen und nicht um ein Programm für den liberal-libertären Umsturz handelt, der möge bitte weiter in seinem eigenen Saft köcheln. Die Antworten aller anderen aber würden mich interessieren. Meine These ist, dass all die oben aufgeführten Ausgabenbereiche nicht ohne Rückgriff auf elitäre Herrschaft begründbar sind.
Verfasst von Rayson um 19:10 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Politik (Trackback)