Von der Freiheit eines Künstlers

für das gute Gewissen der Spießbürger am Hungertuch zu nagen.
Einige sehr bittere, sehr zutreffende Gedanken über das Thema “arme Künstler, Ideologie und angebliche Kommerzialisierung” fand ich auf Karans Blog: Was ist Kunst wert?
(Bitte auch die Kommentare lesen -D)

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14 Kommentare zu “Von der Freiheit eines Künstlers”

  1. der gute don
    20.07.2006 | 18:42

    Ich sehe keinen Grund, warum sich Kunst nicht den Regeln von Angebot und Nachfrage stellen sollte. Ich konnte auch kein Gegenargument in der genannten Diskussion finden.

    Es mutet mir schon etwas lächerlich an, sich über “Spießbürger” aufzuregen, die einem doch den Lebensunterhalt finanzieren sollen. Jedes “Ding” hat seinen Wert, welchen - das entscheidet Gott sei Dank in den meisten Fällen der Nachfrager und nicht der Anbieter.

  2. 20.07.2006 | 19:24

    Stimme deiner generellen Aussage wieder mal zu, guter don, aber einen Kunst”markt” in dem Sinn gibt es wohl nicht bzw. wenn es einen gibt, hat der so ziemlich alles, was man sich von einem unvollkommenen Markt wünschen kann. Bei Popmusik ist das anders, aber da handelt es sich ja auch nicht um Kunst.

    Insofern würde ich den Markt aus der Diskussion völlig herausnehmen und einfach nur sagen: Ein Kunstwerk ist das wert, was dafür gezahlt wird.

  3. 20.07.2006 | 23:38

    “Insofern würde ich den Markt aus der Diskussion völlig herausnehmen und einfach nur sagen: Ein Kunstwerk ist das wert, was dafür gezahlt wird.”

    Funktioniert dieses Wertkriterium nicht nur dann, wenn auch der Markt funktioniert?

  4. 20.07.2006 | 23:49

    Ich würde ein System mit einem Anbieter und einer Handvoll Nachfrager nicht unbedingt als Markt bezeichnen. Aber wenn jemand meint, eine bestimmte Summe Geldes für ein bestimmtes Werk zahlen zu müssen, dann ist es ihm wohl soviel wert. Und da alle Werte subjektive Werte sind, würde mir das reichen.

  5. R.A.
    21.07.2006 | 10:56

    @Rayson:
    > aber einen
    > Kunst”markt” in
    > dem Sinn gibt
    > es wohl nicht
    Warum nicht?
    Es gibt haufenweise Anbieter und Käufer, und sehr variable Preise.

  6. R.A.
    21.07.2006 | 11:38

    Zum Artikel selber: Im Grunde klagt Karan sich selber an.
    Seine typisch linke Verunglimpfung der Kunst als “Merkantilware” ist doch genau die Wurzel der ebenfalls linken Kritik an “Kommerzialisierung” von Kunst.

    Wenn jemand die Widersprüche im eigenen Weltbild nicht erträgt, sollte er halt dazulernen und dieses korrigieren - ich habe da wenig Mitleid mit seinen Problemen.

    Interessant ist eigentlich nur der Kommentar mit der “Tyrannophilie” der deutschen Kunsttradition.
    Da ist viel dran.

  7. 21.07.2006 | 14:59

    R.A. , ich habe nicht den Eindruck, dass Karan sich selbst anklagt.
    Da gehen m. E. zwei Ebenen durcheiander.
    Mal rein auf der kommerziellen Ebene: Das Hauptproblem für “freischaffende Künstler” ist es, einen Preis für ihre Dienstleistungen und Waren zu erzielen, von dem sie auch leben können. Das mag im Einzelfall an der Qualität des Angebots liegen, oder an der fehlender Nachfrage. Aber die “spießbürgerliche” Ideologie, dass “wahre Kunst” nicht nach “schnöden Mammon” fragt, schwächt die Position der seine Kunst anbietenden Künstlers erheblich.
    Das Problem der “Merkantilware” ist m. E. eines der Mentalität, des mangelndes Respekt für kulturelle Werte.
    Es ist nun mal eine Tatsache, dass selbst gut funktionierende Märkte (die es auf dem Kunstsektor nicht gibt) allein der monetäre Wert der Kunst interessiert. Der Sinn für den Wert der Kultur muß “mitgebracht” werden - und er wird offensichtlich immer weniger “mitgebracht”. Das ist allerdings kein Problem des “Marktes” an sich und läßt sich auch mit den “Instrumenten des Marktes” nicht beheben.

  8. R.A.
    21.07.2006 | 16:15

    @MartinM:
    > ich habe
    > nicht den
    > Eindruck,
    > dass Karan
    > sich selbst
    > anklagt.
    Hat er nicht vor - aber sein Logik zu denken läuft darauf hinaus.

    > Das
    > Hauptproblem
    Das ist keine Besonderheit von Künstlern.
    Jeder Mensch muß es schaffen, seine Leistungen so vergütet zu bekommen, daß er davon leben kann.

    Ob er das schafft, hängt alleine von Angebot und Nachfrage ab.

    > Aber die
    > “spießbürgerliche”
    > Ideologie, … > schwächt die
    > Position …
    Das sehe ich überhaupt nicht.
    Wenn irgendein “Spießbürger” sich entschließt, irgendein Angebot eines Künstlers nicht anzunehmen, dann bestimmt nicht, weil er arme Künstler glaubt.
    Im Gegenteil - das wird manchmal eher ein Grund sein, doch mal etwas zu kaufen. Üblicherweise macht der Kunde sich aber überhaupt keine Gedanken darüber, wie es dem Künstler materiell geht oder gehen sollte.

    Sondern er sagt sich angesichts des Preises einfach: “So nötig brauche ich das nicht”.
    Wie bei jedem anderen Produkt.

    > des mangelndes
    > Respekt für
    > kulturelle
    > Werte.
    Sehe ich überhaupt nicht.
    Es ist wohl eher so, daß sich viel, viel mehr Leute künstlerisch berufen fühlen, als Nachfrage besteht.

    > dass selbst
    > gut
    > funktionierende > Märkte (die
    > es auf dem
    > Kunstsektor
    > nicht gibt)
    Ich wiederhole meine Frage: Wieso soll es den nicht geben?
    Ich behaupte im Gegenteil, daß da ein sehr funktionierender Markt besteht.

    > und er wird
    > offensichtlich
    > immer weniger
    > “mitgebracht”.
    Dafür gibt es m. E. keinen Beleg außer dem üblichen Gefühl, früher wäre alles besser gewesen.
    Ich denke eher, daß mit allgemein steigendem Wohlstand und Bildung viel mehr Kunst nachgefragt wird als früher.

  9. 21.07.2006 | 17:01

    Ich denke eher, daß mit allgemein steigendem Wohlstand und Bildung viel mehr Kunst nachgefragt wird als früher.

    Das wäre zu erwarten - zumindest quantitativ.
    Leichte Abschweifung:
    Ich erinnere mich (ungern) an einen Chef in einer IT-Firma (inzwischen Pleite), der bestrebt war, alles und jedes im Betrieb unter dem Gesichtspunkt der Produktivitätssteigerung zu sehen. Eine der Schote, die er sich geleistet hatte, war, die von den Mitarbeitern durchaus geschätzten Gemälde örtlicher Nachwuchskünstler abhängen zu lassen und durch großplächige Druckgraphiken in grellbunter Farbegebung zu ersetzen, von denen ihm ein “Experte” weisgemacht hatte, sie würden die Produktivität steigern. Die Graphiken kosteten damals rund 500 DM das Stück, wobei vor allem der Name der Gallerie, die die Dinger verkaufte, bezahlt wurde. Die “handgemalten” Bilder hatten maximal 200 DM gekostet, und wurden sozusagen zum Sperrmüll gestellt. (Wenn sie keine Liebhaber unter den Mitarbeitern gefunden hätten, wären sie tatsächlich weggeworfen worden.)
    Dieses kleine Beispiel eines betriebswirtschaftlichen Schmalspurdenkers ist nach meinen Beobachtungen nur ein Extremfall eines allgemeinen Trends.

    (Übrigens ist Karan ein weiblicher Name.)

  10. der gute don
    21.07.2006 | 18:29

    Der Sinn für den Wert der Kultur muß “mitgebracht” werden - und er wird offensichtlich immer weniger “mitgebracht”.

    Du willst doch jetzt nicht l´etat-gleich bestimmen was Kultur ist und was nicht? *hehe*

    Kunst (& Kultur) ist doch wohl eher was den Menschen gefällt und was Ihre Sinne, Gedanken & Gefühle anregt, was Ihnen ein anderes Bild auf die Welt eröffnet in der sie leben. Aber das definiert vermutlich jeder anders. Ich würde es trotzdem als etwas bezeichnen was einem be-wert-bar ist. Was einen individuellen Nutzen für mich bringt, den es für einen anderen evtl. nicht hat.

    Und bestimmt ist es keine Frage der Quantität.

    So, jetzt muss ich aber loß, Open-Air Vorstellung Camina Burana im Schloßpark ;-)

  11. der gute don
    21.07.2006 | 18:30

    streiche “loß”, sezte “los”

  12. 21.07.2006 | 19:35

    Ohje, ihr redet hier über “Kultur” wie über Produkte. Kultur ist aber etwas anderes. Kultur ist ein Spiegelbild. Wenn ich hier lese, z.B. (ohne es zu bewerten, wohlgemerkt) zeigt die Wortwahl und auch die dahinter stehenden Überzeugungen mehr über die herrschende Kultur als das, was konkret argumentiert wird. “Kultur” als “dem Prinzip von Angebot und Nachfrage unterworfen” zu sehen, also als einen Teil von etwas anderem, ist ein Zeichen unserer derzeitigen Kultur. Die - im Moment - eben jenes Prinzip A&N als Norm beinhaltet. Und auch den Rahmen zu einem Element zu machen und ein Element zu dessen Rahmen zu erhöhen ist ein Teil der heutigen Kultur.

    Vielleicht sogar auch, Begriffkategorien in ihren Über- und Unterordnungen zu verschieben, z.T. bis zu deren Unkenntlichkeit.

    Kultur, das ist nicht “Ein Gemälde” oder “ein Stück Musik”. Zur Kultur gehört der Umgang mit diesen Dingen. Wie auch der Umgang mit allen möglichen anderen Dingen. Bis hin zu “Nicht-Dingen” wie Menschen und Gesellschaften.

    Unter Umständen ist es gerade die Verdinglichung von “Nicht-Dingen” (wie am Extremsten in bürokratischen oder juristischen Zusammenhängen sichtbar), die derzeit “unsere Kultur” ausmachen….

  13. R.A.
    24.07.2006 | 11:49

    @Sven:
    > ihr redet hier
    > über “Kultur”
    > wie über
    > Produkte.
    Das liegt schlicht daran, daß das Lamento im Starttext über verkäufliche Kulturprodukte ging.

    Der weitergefaßte Kulturbegriff ist auch sinnvoll, da gibt es aber keine “Kommerzialisierungs”-Problematik.

  14. 31.07.2006 | 23:12

    Ja, aber das Lamento kritisierte ja gerade das - in den Antworten aber wurde eben das in weiten Strecken nicht mal angezweifelt, sondern als völlig selbstverständlich, fast gleich einem Naturgesetz, behandelt, ohne einen Zweifel zu zeigen, ob das denn überhaupt “der Realität” entspricht (das Naturgesetz, nicht die Konsequenzen dieses vermeintlichen Gesetzes). Diese Selbstverständlichkeit erschreckte mich da, denn ich fürchte, dass da Dinge schon gänzlich internalisiert sind, also garnicht mehr als “nur eine Möglichkeit von vielen” begriffen werden…

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