Nicht füttern!

Der Anfang eines informativen Wikipedia-Artikels:

Trolle bewegen sich vor allem in Diskussionsforen und Newsgroups, aber auch in Wikis, auf Mailinglisten und in Weblogs. Ursprünglich bezog sich der Begriff Troll lediglich auf die vom User geschriebene Nachricht, der Verfasser selbst wurde Elch genannt. Ihr Ziel ist es, Diskussionen um ihrer selbst Willen auszulösen oder zu betreiben ohne wirklich am Thema interessiert zu sein, wütende Antworten zu provozieren, Menschen mit anderer Meinung zu diskreditieren oder eine Diskussion zu sabotieren, indem eine unangenehme Atmosphäre geschaffen wird. Hierbei werden gerne die Diskussionsmethoden der Rabulistik und der Eristik angewandt.

Viele derartige User „trollen“ aus purer Lust am Destruktiven. Trolle selbst sehen sich dagegen oft als Warner, die auf gekonnt subtil bis provokante Art auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und Internet-Foren vor dem Überhandnehmen eines bestimmten Meinungs-Einheitsbreis bewahren wollen.

Diese Spezies ist natürlich auch, oder besser: erst recht, in der Welt der politischen Blogs anzutreffen. Man erkennt sie meist daran, dass sie in ihren Kommentaren ohne Umweg über eine Argumentation direkt auf die Person zielen. Einigen macht es wahrscheinlich einfach nur Spaß, im Schutze einer angeblichen Anonymität nach Herzenslust beleidigen zu dürfen, andere erwecken den Eindruck, als habe jeder mit einer anderen Meinung das Recht auf einen zivilisierten Umgang verloren, und bei wieder anderen kann der Hobby-Psychologe nicht anders als krankhafte Hintergründe zu vermuten.

Der richtige Umgang mit solchen Zeitgenossen ist ebenso tausendfach bewährt wie deren Klimavergiftungsstrategien:

Ein oft rezitierter Spruch im Umgang mit Internet-Trollen lautet: “Don’t feed the trolls!” (”Trolle bitte nicht füttern!”, Ursprung vom englischsprachigen: Don’t feed the baboons = Paviane bitte nicht füttern!).

Damit ist ausgedrückt, dass keine Antwort auf Troll-Posts gegeben werden soll, um den dahinter stehenden Usern die Aufmerksamkeit, nach der sie sich sehnen, nicht zu verschaffen.

Auch wenn ich individuelle Aufregung durchaus verstehen kann, und auch wenn ich der Tatsache Rechnung trage, dass gerade bei dem derzeitigen Wetter Emotionen schnell mal hochkochen, ändert das nichts an der Wirksamkeit dieser Strategie. Ich empfehle daher, Trolle und diejenigen, die ihnen Raum geben, möglichst geflissentlich zu ignorieren. Selbst wenn diese ab und zu unter Beweis stellen, eine Suchmaschine bedienen zu können, spricht so gut wie alles dafür, dass es sich bei ihnen vor allem um Maulhelden handelt. Darüber einen veritablen Sturm im Wasserglas zu entfachen, nutzt nur einer ganz bestimmten Gruppe: den Trollen selbst. Einige werden durch das Gepolter auf der Brücke auch noch zusätzlich geweckt. Zur Not kann man sich immer noch einen Fischvorrat anlegen. Es müssen ja nicht Bismarck-Heringe sein…

Lebenszeit ist kostbar. Verschwenden wir sie nicht an diese Typen. Deswegen, bei aller Sympathie für den Betroffenen und seine Gefühlslage, und bei aller Abneigung gegen billiges Gepöbel von Anonymen: Bitte nicht füttern!

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3 Kommentare zu “Nicht füttern!”

  1. googlehupf
    21.07.2006 | 20:55

    Ist tatsächlich eine der wichtigsten Regeln für das Internet - aber eben auch sehr effektiv. Aber selbst wenn man sie kennt ist man häufig geneigt sie zu ignorieren - aber da muss man stark sein. Man kennt ja den Spruch mit dem Niveau und warum da nicht gewinnen kann.

  2. 22.07.2006 | 1:10

    Trolle sind wie Terroristen: man verhandelt nicht mit ihnen.

  3. 22.07.2006 | 19:30

    Stimmt auffällig, Schlens. Leider kann die Ergebnisse der Tätigkeit eines Terroristen im Gegensatz zu einem Troll-Kommentar nicht mittels Löschfunktion ungeschehen machen.

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