Von Holland lernen…

… ist nicht nur im Fußball das Übelste nicht. 4-2-3-1 und Microsoft gegen 4-3-3 und Linux. So sieht’s aus.

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64 Kommentare zu “Von Holland lernen…”

  1. Loc
    22.07.2006 | 0:14

    Nur das der Fußball-Vergleich so frisch nach den WM-Leistungen von D & NL noch nicht recht passen will ;)

  2. 22.07.2006 | 0:19

    Einverstanden. Aber das deutsche 4-4-2 war dem holländischen 4-3-3 näher als alles andere im Turnier. Und es hat viel mehr Spaß gemacht. Lernen heißt schließlich nicht übernehmen.

  3. Loc
    23.07.2006 | 1:38

    Auch einverstanden :)

  4. SteffenH
    24.07.2006 | 13:17

    There is no free lunch, meine Herren. Zum einen bleibt Groningen bei Windows und wechselt nur zur Windows-Version von Open Office, zum anderen sollte man sich einmal in Erinnerung rufen, dass die Verwaltung Open Source Software schon lnge zumindest teilfinanziert. Schließlich kann man davon ausgehen, das ein Großteil der Programmierarbeiten an öffentlich finanzierten Universitäten geleistet wird, Open-Source-Software damit zwar Open, aber bei weitem nicht kostenlos ist. Wie sagte schon F. Bastiat in “What is Seen and What is not Seen”:

    There is only one difference between a bad economist and a good one: the bad economist confines himself to the visible effect; the good economist takes into account both the effect that can be seen and those effects that must be foreseen.

    Yet this difference is tremendous; for it almost always happens that when the immediate consequence is favorable, the later consequences are disastrous, and vice versa. Whence it follows that the bad economist pursues a small present good that will be followed by a great evil to come, while the good economist pursues a great good to come, at the risk of a small present evil.

  5. 24.07.2006 | 13:36

    @SteffenH

    Hat niemand bestritten.

    “Free software” is a matter of liberty, not price. To understand the concept, you should think of “free” as in “free speech,” not as in “free beer.”

    (aus: Free Software Definition des GNU-Projekts)

  6. 24.07.2006 | 13:37

    @SteffenH
    Ich muss Dir da, zumindest was OpenOffice betrifft, widersprechen. Du schreibst:

    Schließlich kann man davon ausgehen, das ein Großteil der Programmierarbeiten an öffentlich finanzierten Universitäten geleistet wird …

    Das stimmt in diesem Fall für OpenOffice.org sicher nicht. Lies mal die ganze Geschichte von StarOffice bis OpenOffice.

    Es stimmt aber auch sonst kaum. Wer an einer öffentlich finanzierten Universität arbeitet, der hat zuerst mal seine Lehr- und Promotionsverpflichtungen (vom bürokratischen Aufwand ganz zu schweigen). Dass er nebenbei die Infrastruktur der Hochschule auch für seine OpenSource-Arbeiten nutzt, ist sicher ein Kostenaspekt, dafür ist seine Arbeit aber i.d.R. auch gemeinnützig. Es gibt wirklich ganz wenige OpenSource-Programmierer, die an einer deutschen Hochschule für das Schreiben von OpenSource-Software bezahlt werden.

    Um noch mal auf Office zurückzukommen: Es mag ja jeder schreiben womit er will, aber Daten müssen nun mal ausgetauscht werden. Und wenn es Anstrengungen für offene Formate und Standards gegeben hat, dann kamen die immer von der OpenSource-Seite oder unabhängigen Organisationen. Wer da geblockt hat, muss ich wohl nicht näher erklären. Sollte das Microsoft-XML eines Tages wirklich kompatibel zum OpenDocument-Format sein, dann ist das sicher kein Verdienst von Microsoft, sondern das Verdienst der Ehrenamtlichen und Unabhängigen, die über viele Jahre für portable Dokumentformate gekämpft haben.

  7. 24.07.2006 | 13:42

    @stefanolix

    Danke für die Klarstellung. Aber ganz generell ist auch Open-Source-Software natürlich nicht “kostenlos” - weder zwingend von der Idee her (die verlangt im Wesentlichen nur das Recht, den Code beliebig verändern zu dürfen, was die Einsicht in ihn natürlich voraussetzt), noch realiter im ökonomischen Sinn.

  8. SteffenH
    24.07.2006 | 14:06

    @stefanolix

    Auch wenn jemand an der Uni für Lehr- und Promotionsverpflichtungen (Warum soll Letzteres eigentlich selbstverständlich sein? Da schafft jemand sein ganz privates Human- bzw. Renomierkapital. Aber das ist eine andere Frage.), so bindet die Programmiererei doch gewaltige Ressourcen. Hab mal gelesen, das ein guter Programmierer am Tag maximal 1000 Zeilen schafft und ein Betriebssystem wie Windows oder Linux aus 3o Mio. Zeilen Quellcode besteht. Und diese werden eben teilweise von der öffentlichen Hand getragen. Deshalb finde ich es problematisch, wenn immer wieder so getan wird, als wäre es der finanzielle Befreiungsschlag aus der Klammer gieriger Konzerne, wenn die Verwaltung auf Open Source Software umstellt.

  9. 24.07.2006 | 14:29

    Da sollten wir die Dinge aber auch mal in die richtige Perspektive rücken. Ich habe keine Ahnung, wieviele Leute an der Uni für Open-Source-Software programmieren, aber die maßgeblichen Köpfe arbeiten sehr viel für Unternehmen, sei es Sun (OpenOffice), IBM, RedHat (”Kernelhacker” Alan Cox), Trolltech (KDE-Entwickler) oder Ubuntu (Debian-Programmierer).

    Und wenn an einer Uni jemand sich statt anhand einer sinnfreien Fingerübung an einem realen Projekt fortbildet und die Gemeinschaft am Ergebnis seiner Arbeit teilhaben lässt, dann finde ich das hundertmal legitimer als die ganzen Profs, die sich als Berater oder Unternehmensgründer feiern lassen, obwohl sie nicht nur im gemachten Nest sitzen, sondern dieses auch für sich nutzen.

  10. 24.07.2006 | 14:50

    @ SteffenH
    1000 Zeilen Code am Tag schafft kein Mensch.

    Manche Projekte werden auch durch die Nutzer mittels Spenden unterstützt.

  11. 24.07.2006 | 14:51

    @Rayson: Ebenfalls danke für Deine Klarstellungen. Mir fallen spontan noch die OpenSource-Datenbanken ein, wo es auch jeweils ein kommerzielles und ein freies Produkt gibt. Und die Sponsoren von OSTG (früher Open Source Development Network). Und und und …

    @SteffenH: Aber es fließt doch unendlich viel mehr Software zu uns zurück, als wir in Deutschland jemals beitragen können. Es ist jeweils nur ein kleiner Teil von OpenOffice, MySQL oder KDE “deutsch”. Den gesamten Rest bekommen wir frei zu unserer Verfügung. Unsere öffentichen Einrichtungen können die gesamten Programme kostenfrei nutzen.

    Zu den Promotionsverpflichtungen: Natürlich werden die Doktoranden dabei zum Wohle ihres betreuenden Professors, ihres Dekans, ihrer Fakultät und ihrer Universität eingespannt. Ich wollte damit nur sagen, dass auch die Promotion eine Menge Zeit beansprucht und dass von Uni-finanzierter OpenSource-Programmierung i.d.R. nicht die Rede sein kann.

  12. 24.07.2006 | 14:53

    @Klaus: Das kommt darauf an, was es für Code ist (welche Sprache, welcher Zweck, welche Sicherheitsstufe …). Eine “Zeilenideologie” analog zur kommunistischen “Tonnenideologie” ist hier sicher fehl am Platze

    ;-)

  13. SteffenH
    24.07.2006 | 15:58

    @ stefanolix

    Ich dachte eigentlich, dass wir hier keine Diskussion darüber zu führen müssen, wie viele eigentlich private Güter mit Steuergeldern an der Uni finanziert werden. Vielleicht sollten wir sie aber ganz ernsthaft doch mal führen? Ich brauche nur 2 min. zu googeln und finde zum Beispiel soetwas:

    “Im Rahmen des Projekts Network-Integrated Multimedia Middleware (NMM) entsteht an der Universität Saarbrücken eine netzwerkfähige Multimedia-Infrastruktur für Linux, die ein einfaches und leicht nutzbares Interface für in Applikationen integrierte Multimedia-Funktionen darstellen soll. Mit der Multimedia-Box will man auf der CeBIT ein auf NMM basierendes System zeigen, das sowohl TV und Video-Rekorder als auch CD-, DVD- und MP3-Player vereint.” http://www.golem.de/0302/23995.html

    Das ist ja doch wirklich klassische Grundlagenforschung, Linux-Software zum Filmegucken und Musikhören. Für bissige Liberale scheint ihr ja doch etwas blind auf dem Auge der Sozialisierung privater Entwicklungskosten zu sein. Das ökonomische Argument der “positiven Externalitäten” geht mir hier etwas zu weit. Denn die These von Gütern ohne Preis, bloß weil die Grenzkosten der Nutzung wie bei Software null sind, grenzt in einer Wirtschaft die Fixkosten hat doch etwas an einen Nirvana-Ansatz. Aber wozu soll der Steuerzahler sein Einkommen auch behalten, wenn er sich doch Open Source Software aus dem Internet “kostenlos” herunterladen kann?

  14. 24.07.2006 | 16:13

    @SteffenH

    Gerade als Ökonom darf man sich auch eine andere Frage stellen, nämlich die nach der Alternative. Was hätten die Forscher an der Uni Saarbrücken denn sonst machen sollen? Wenn es darum geht, innovative Software zu erstellen, auf welcher Basis soll ich das - gerade als mit Steuermitteln bezahlter Forscher - tun? Irgendjemand profitiert davon doch immer. Es sei denn, ich mache als Forscher alles im stillen Kämmerlein und vernichte dann die Ergebnisse. Was ich mir als Steuerzahler eigentlich nicht wünschen würde.

    Also: Die Jungs aus Saarbrücken entwickeln eine tolle Software. Ist es jetzt aus welchen Gründen auch immer wünschenswerter, sie hielten den Code geheim und verlangten dafür Lizenzgebühren?

    Man kann kritisieren, was da entwickelt wird. Aber nicht, dass es auf Open-Source-Basis entwickelt wird. Eine Closed-Source-Lizenz des Ergebnisses änderte an der Beurteilung nichts.

  15. SteffenH
    24.07.2006 | 16:46

    Die Forscher an der Uni-Saarbrücken sind in erster Linie Lehrer, dafür werden sie bezahlt, leider noch vom Staat und nicht von ihren Studenten. Wenn es so wäre, dann bin ich mir nicht sicher, ob das Ergebnis dieser Forschung zur Lehre ein Programm entstehen würde, dass es schon einige Male im Netz gibt und das nichts mit Grundlagenforschung zu tun hat. Kann sein, kann nichtsein. Ich kritisiere auch nicht, dass auf Open Source Basis entwickelt wird, sondern dass man hier offenbar an den “Free Lunch” glaubt und deshalb so tut, als würde jeder, der kommerzielle Software kauft Geld verschwenden. In einer Welt in der nichts für Software gezahlt wird, gibt es keine Software.

  16. 24.07.2006 | 17:48

    @SteffenH

    Ach, das kommt darauf an. Schon das Wort “gezahlt” hat es in sich. Gerade als liberaler Mensch sollte man sich nicht anmaßen, die Art und Weise vorzuschreiben, in der individuelle Menschen sich ihre Gegenleistung vorstellen. Wir müssen “Markt” natürlich weiter verstehen denn als rein kommerzielle Institution mit Geld als einzigem Tauschmittel. Wenn FLOSS-Programmierer Ruhm, Anerkennung und Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft besonders hoch einschätzen, ist das ihr Recht und ihre Entscheidung.

    Auch die Bereitstellung von Open-Source-Software richtet sich nach marktwirtschaftlichen Kriterien. Vielleicht weit mehr als die von proprietärer Software eines Monopolisten. Wenn wir uns anschauen, was aus dem Internet Explorer mit Version 7 geworden ist, einer Software, die der Monopolist eigentlich nicht mehr weiterentwickeln wollte, angesichts der Firefox-Konkurrenz aber musste, dann kann man nur sagen: Danke, FLOSS-Bewegung, für dieses nötige Mehr an Wettbewerb.

    Die Idee von FLOSS ist nicht, zu verhindern, dass man mit Software Geld verdient. Die Idee von FLOSS ist, zu verhindern, dass der Anwender einer Software auf ewig dem Anbieter ausgeliefert ist, wenn es um Anpassungen an veränderte Umweltbedingungen geht.

  17. SteffenH
    24.07.2006 | 20:50

    Meine Argumente richten sich nicht gegen die Open-Source-Bewegung, sondern gegen die implizite Ausspielung von Open Source gegen kommerzielle Software. Auch die Open-Source-Programmierung kommerzieller Unternehmen ist gewinnwirtschaaftlich ausgerichtet, weil in aller Regel mit komplementären Gütern Geld verdient wird. Das setzt jedoch voraus, dass die komplementären Güter auch gekauft werden.
    Mikrosoft hat im Übrigen bislang auf keinem Gebiet ein Monopol besessen. Die leichtfertige benutzung des Begriffs Monopol verbietet sich daher hier. Der Wettbewerb hat das Unternehmen dazu gezwungen seine Produkte in der Vergangenheit immer weiter zu verbessern, ohne das diese “Monopolpreise” erzielen konnten. Ein guter Start für eine ernsthafte ökonomische Auseinandersetzung mit diesem Thema ist zum Shugart II/McKenzie: Is Microsoft a Monopoly? (http://www.independent.org/pdf/tir/tir_03_2_mckenzie.pdf)

  18. der gute don
    24.07.2006 | 21:41

    implizite Ausspielung von Open Source gegen kommerzielle Software.

    es geht wohl weniger um “implizite Ausspielung” als um Mitbewerberschaft. Die Mittel die Microssoft in diesem “Wettbewerb” einsetzt, beschränken sich leider weniger auf Qualitätssteigerung zur Abgenzung der Produkte untereinander, als monopolistische Maßnahmen, z.B. in Form von Lobbyismus gegen Open Source und Engagement für Innovationszerstörendes europäisches Patentrecht.

    Die Koppelung von System- und Anwendungssoftware schafft zudem monopolgleiche Verhältnisse, ein fairer Wettbewerb kann nicht mehr stattfinden. Das kann man der Firma Winzigweich allerdings weniger zum Vorwurf machen, sondern ist historisch gewachsen.

  19. 24.07.2006 | 22:25

    @SteffenH

    Was für ein Wettbewerb? Microsoft ist im Soge des IBM-PCs groß geworden, als Anbieter des Betriebssystems für diesen PC. Kompatible Systeme wie DR-DOS wurden von Microsoft nicht durch bessere Produkte, sondern durch Exklusivverträge mit den PC-Produzenten weggebissen.

    Und eben dadurch, dass auf jedem ausgelieferten Rechner meist schon ein MS-DOS vorinstalliert war, entstand der monopolistische Vorteil: Wer nicht das Rad selbst immer wieder neu erfinden wollte oder bereit war, sich für teures Geld exotische Software zu besorgen, musste auf MS-Betriebssystemen arbeiten.

    Gut, das allein erklärt nicht den Erfolg der Office Suite. Und sicher hat Lotus etwas gepennt, als es um Windows ging. Allerdings gab es damals nach Meinung von Experten und Benutzern zu allen MS-Office-Produkten mindestens gleichwertige, wenn nicht bessere Konkurrenzprodukte, aber diese wurden wieder durch geschicktes Bundling aus dem Markt getrieben. Alles auf Basis des Quasi-Monopols beim Betriebssystem. Und wahrscheinlich hat Microsoft hier auch von einer besseren Anpassung an Windows profitiert, die der Konkurrenz verwehrt war.

    Als das Geschäftsmodell mit dem Internet etwas in Gefahr geriet, griff man wieder zur altbewährten Methode: Kein besseres Produkt, aber eins, an dem man kaum vorbeikommmt, weil es schon da ist. So verschwand Netscape, wo die Eigentümer noch das freche Ansinnen hatten, neben Microsoft Geld verdienen zu wollen. Da bot Winzigweich doch lieber das Konkurrenzprodukt zum Grenzpreis Null an. Man nennt sowas auch Dumping.

    Erst mit Open Source erschien der Wettbewerber, der durch diese Strategien des Monopolisten nicht mehr zu halten war, weil das Produkt ebenfalls zum Grenzpreis Null angeboten wurde. Bundling und Dumping sind keine Argumente gegen freie Software mehr. Erst jetzt ist Microsoft gezwungen, sich auf Qualitätswettbewerb einzulassen. Willkommen!

    Darüber freue ich mich auch dann, wenn ich es bevorzuge, die Abhängigkeit meiner wichtigsten Software von einem Hersteller zu reduzieren. Immerhin tut es allen Anwendern gut.

  20. SteffenH
    25.07.2006 | 9:46

    @der gute ton:
    Soweit ich mich erinnere sind es seltener Microsoft, als andere Softwareunternehmen gewesen, die mit dem Mittel rechtlicher Schritte versuchten ihre nicht vorhandene Wettbewerbsfähigkeit zu kompensieren. kein Nachfrager wird physisch gezwungen gebündelte Hard- bzw. Softwareprodukte zu kaufen. Wettbewerber haben es in der Vergangenheit immer wieder versucht, Alternativen zu Microsofts Betriebssystem bzw. seinen Endanwendungen zu schaffen, sind aber bis auf Nischenprodukte daran gescheitert. Man kann dies als Verschwörung großer Konzerne interpretieren oder als normale Marktrealität. Als Interpretationshilfe hatte ich ja den o.g. Aufsatz empfohlen. Die hier geführte Debatte um das Problem Marktkonzentration im Softwaremarkt erinnert mich doch sehr an diesen kindischen Streit in diversen Internet-Foren um das bessere Betriebssystem. Bspw. ist es keineswegs klar, ob die Bündelung von Software tatsächlich den konsumenten schädigt. Hier kann ich nur die Lektüre von Steven Landsburg “Monopoly Shopping” (http://www.slate.com/id/2049) empfehlen. Hier zeigt er, dass die Bündelung von Softwareprodukten zu niedrigeren Endkundenpreisen führt, als ein getrenntes Angebot. Im Übrigen sollte man sich immer fragen, warum man sich im gleichen Atemzug nicht darüber beschwert, warum man ein VW Golf nicht ohne Sitze, Motor oder Autoradio kaufen kann und ob VW mit dieser Strategie eine marktbeherrschende Stellung bekommt. Um hier nicht missverstanden zu werden. Wettbewerb im Softwaremarkt ist eine feine Sache, Open Source auch, aber niemand braucht Verschwörungstheorien, die eine Atmosphäre für wenig hilfreiche Marktinterventionen schaffen.

  21. SteffenH
    25.07.2006 | 9:57

    @rayson:

    Dumping ist ein Mythos. Ein Unternehmen mit marktbeherrschender Position kann sich langfristig keine Preise leisten, die unterhalb der Grenzkosten der Produktion liegen, weil seine Verluste dadurch größer sind, als die des Markteindringlings. Um mit Dumping seine Position zu stabilisieren müsste das Unternehmen diese Strategie dauerhaft glaubhaft machen können, also dauerhaft unter Grenzkostenpreisen anbieten und dauerhaft Verluste machen (http://www.daviddfriedman.com/Academic/Price_Theory/PThy_Chapter_11/PThy_Chapter_11.html). Was du hier beschreibst ist die Güterbündelung, eine allseits bekannte Preisdifferenzierungsstrategie. Ich kann hier nur die Seiten 532-544 in Pindyck, Rubinfeld “Mikroökonomie” empfehlen. Wirklich erhellend.

  22. 25.07.2006 | 10:58

    …4-2-3-1 und Microsoft gegen 4-3-3 und Linux…

    Gerade erlebte ich einen echten Fall von Realsatire: genau 5 (fünf!) Sekunden nach Lesen Deines Teasers stürzte mein Windows ab, und es erschien die berühmte “Blue Screen”.

    Ist im neuen XP etwa eine Form von KI am Werk? Oder vielleicht eine Art “Racheengel ex machina”? ;-)

  23. 25.07.2006 | 12:43

    @SteffenH

    Dein “Mythos Dumping” hat Netscape vom Markt gefegt.

    Zunächst wurde der Explorer zu einem Preis von Null abgegeben, vom nächsten Betriebssystem-Produkt dann in Windows integriert. Da die Grenzkosten der Produktion bei Software - wir reden ja nicht zufällig über diesen Markt - bei nahe Null liegen, dürfte deine These hier nicht zutreffen. Wenn es darum geht, Wettbewerber klein zu halten oder gar auszuschalten, kann sich Microsoft gar keinen günstigeren Weg aussuchen - jede Werbekampagne wäre teurer.

    Nicht alles, was nach außen gleich aussieht, ist auch dasselbe: Güterbündelung kann eine Preisdifferenzierungsstragie sein, aber eben auch ein Instrument zur Ausschaltung von Konkurrenz. Das betrifft sowohl das Bundling von Rechnern mit Software als auch die Office-Suite. Differenziert wird da nämlich gar nichts: Vielleicht kriegst du von den großen Anbietern einen Rechner ohne Windows, aber versuch mal, dafür einen auch noch so bescheidenen Nachlass herauszuholen. Und auch die Einzelprodukte der Office-Suite sind auf dem Markt praktisch nicht existent: Differenzierung findet hier nur noch zwischen verschiedenen Ausgestaltungen des Pakets statt, aber Excel und Word, die Bürostandardprodukte, sind immer dabei. Wodurch ganz nebenbei auch Powerpoint zur Standardpräsentation wurde - das bekommt man sozusagen immer “gratis” dazu. Konkurrenzprodukte haben damit keine Chance, es sei denn, sie werden ebenfalls frei angeboten.

    “Open Source” die einzige denkbare Bedrohung von Microsofts Vorherrschaft, weil die gängigen Strategien dieses Monopolisten dort nicht wirken. Stattdessen versucht man es über das Patentrecht und die Beeinflussung der Politik. Ich erkenne eine unbekömmliche Machtballung, wenn ich sie sehe. Schon allein dass der Aufsatz, den du verlinkt hast, als Argument ins Feld führt, es sei nicht erstrebenswert, “ein großes amerikanisches Unternehmen” als Monopolisten zu verfolgen, zeigt eine gewisse Verquickung von wirtschaftpolitischer Realitätsferne, Lobbyismus und Nationalismus.

    P.S.: Nachtrag zu VW usw. Nicht ohne Grund verlangt man bei der Privatisierung der Bahn, Netz und Betrieb zu trennen…

  24. 25.07.2006 | 12:45

    @Biènne Majá

    Wenn du die Betaversion von Vista verwendet oder der jüngsten Softwareaktualisierung zugestimmt hast (die mit der Echtheitsüberprüfung deines XP), würde ich nichts ausschließen ;-)

  25. SteffenH
    25.07.2006 | 14:44

    @rayson:

    Für bissige Liberale herrschen hier eigenartige Vorstellungen vom Marktmechanismus. Es steht doch wohl jedem Unternehmen frei anzubieten was es will, zu welchen Kosten auch immer. Wir sind uns sicherlich darin einig, das Rent Seeking durch politische Manipulation nicht dazu gehört. Solange also Microsoft mit normalen Mitteln der Produktgestaltung und Preisbildung seine Produkte am Markt durchsetzt sehe ich aus liberaler Perspektive kein Problem. Jeder andere Anbieter hat diese Möglichkeiten auch. Gerade weil die Kostenstruktur im Softwaremarkt so ist, ist Bündelung die vorherrschende Marktstrategie. Bündelung findet immer statt, wenn die Nachfragen nach den beiden gebündelten Gütern negativ miteinander korreliert sind, d.h. die Nutzer von Windows für das Betriebssystem bereit sind viel zu zahlen, für den Browser aber nicht. Sicherlich versucht der Anbieter damit die Konsumentenrente abzuschöpfen, was aber ein normales Marktphänomen ist und erst dann zur Sorge Anlass gibt, wenn künstliche Markteintrittsbarrieren vorhanden sind, die nicht durch legale Mittel von allen Wettbewerbern zu überwinden sind. Güterbündelung findet nahezu überall statt, wo Produkte in verschiedenen Modifikationen gekauft werden können. Autos mit und ohne Radio oder elektrischen Fensterhebern, Kabelfernsehen und Programme, i-Pod und i-tunes, ja selbst Pauschalreisen oder Individualreisen u.v.m. Wo ziehst du die Grenze zwischen wettbewerbsschädigendem Verhalten und normalen Angeboten?
    Zum Paper: Rayson, ich würde es begrüßen, mit dir über den Inhalt des Aufsatzes und nicht über Statements am Rande, die von dir als abzulehnende Motivation gewertet werden, zu diskutieren. Die Debatte von Motiven ist im allgemeinen fruchtlos. Also ran an die inhaltlichen Fragen.
    Trennung von Netz und Betrieb: Das hat nichts mit der o.g. Angebotsbündelung zu tun, weil hier an dieselben Kunden nicht zwei unterschiedliche Güter angeboten werden, sondern Transportdienstleistungen und Infrastruktur an die Nachfrager von Transportdienstleistungen und Infrastruktur getrennt. Der Vergleich passt hier nicht. Die Netzregulierung ist ein praktisch und wettbewerbstheoretisch außerordentlich kompliziertes Unterfangen, bei dem keineswegs klar ist, ob die momentan so favorisierte Trennung tatsächlich langfristig zur perfekten Lösung führt. Das Netz ist ein natürliches Monopol und wird daher immer so betrieben werden, egal, ob der Besitzer auch noch im Betrieb agiert. Preisregulierung in diesem Bereich ist immer eine Gradwanderung zwischen staatlich manifestierter Monopolisierung und künstlicher Reduzierung der Rentabilität in die Netzinfrastruktur.

  26. SteffenH
    25.07.2006 | 15:15

    @rayson:

    Sich über Sätze wie “From our perspective, it appears that once again the Justice Department is using the antitrust laws to thwart competition by a highly successful American firm. To protect
    unsuccessful competitors, it is squelching competition.” in der Zusammenfassung zu beschweren und den Autoren Realitätsferne, Lobbyismus und Nationalismus vorzuwerfen, zeugt nicht nur von der Unfähigkeit im richtigen Kontext zu zitieren, sondern auch von der Faulheit, sich mit den Argumenten anderer auseinanderzusetzen. Soetwas ist wirklich bissig und gnadenlos, aber auch nicht viel mehr.

  27. 25.07.2006 | 15:38

    Wenn Monopolisten z.B. dadurch, dass sie ein komplementäres Produkt eines Wettbewerbers mit Dumping vom Markt fegen, ihre Macht gegenüber anderen Anbietern, Kunden und Verbrauchern festigen, halte ich das für nichts, zu dem Liberale Beifall klatschen sollten. Das bisschen Grenzkosten nimmt der Monopolist gerne in Kauf, kann er doch durch die Hintertür so auch versuchen, neue Standards einzuführen, über die er selbst bestimmt und die dann den Absatz anderer eigener Produkte fördern. Wenn er damit nicht weiterkommt, müssen eben Verträge her, die den Kunden das Angebot von Konkurrenzprodukten verbieten. All dieses und vieles andere, wie auch die Beeinflussung von Politikern, sind wir von Microsoft gewohnt.

    Theoretisch stehen diese Schritte jedem offen, natürlich. Praktisch aber bekommt Microsoft, das nach einer Akquisition in Dänemark eine wichtige Rolle spielt, bei dem dortigen Ministerpräsidenten Aufmerksamkeit, der kleine Softwareanbieter um die Ecke aber nur höhnisches Gelächter. Logisch: Mit dem politikwirksamen Abzug von Arbeitsplätzen und Steuerzahlungen drohen kann da nur einer, und zwar der, der sich über eine Monopolrente vorher so fett gefressen hat, dass er sich fast jeden Markt kaufen kann, den er will. Auch die Iren wissen es durch politische Gegenleistungen zu schätzen, dass Microsoft dort die Gewinne seiner europäischen Töchter bündelt.

    Es ist ja falsch, dass die Kunden nicht bereit waren, für einen Browser zu bezahlen. Netscape wurde mit so einem Modell erst zur Bedrohung. Nur sind die Kunden natürlich nicht bereit, für ein Produkt zu bezahlen, wenn sie ein vergleichbares automatisch (und daher für den Betriebssystemnutzer kostenlos) vorinstalliert bereits auf dem Rechner haben. So würde deine These in diesem Fall nur zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung.

    Autos mit und ohne Radio oder elektrischen Fensterhebern, Kabelfernsehen und Programme, i-Pod und i-tunes, ja selbst Pauschalreisen oder Individualreisen u.v.m. Wo ziehst du die Grenze zwischen wettbewerbsschädigendem Verhalten und normalen Angeboten?

    Es gibt viele Anbieter von Autos, die in ihre Produkte die Produkte von vielen Anbietern von Radios und Fensterhebern einbauen. Es gibt nicht einen Autoanbieter, der sich eine Radio- und eine Fensterheberfabrik kauft, fortan in sein Produkt einbaut und somit alle anderen Anbieter von Radios und Fensterhebern einfach aus dem Markt drängt. Außerdem kann ich als Verbraucher auf das Radio und den elektrischen Fensterheber verzichten und bekomme das Fahrzeug dann günstiger. Auch in den anderen Beispielen gibt es die Möglichkeit der Konkurrenz und/oder der Preisanpassung. Der Unterschied ist ganz einfach die Ausnutzung des Betriebssystemmonopols.

    Die Debatte von Motiven ist alles andere als fruchtlos, wenn wir von Macht reden. In den meisten ökonomischen Modellen kommt Macht natürlich nicht vor, man diskutiert eine Welt ohne Voraussetzungen und ohne Politik. Aber Wettbewerb fällt nicht vom Himmel, er ist eine staatliche Veranstaltung und muss vom Staat aufrechterhalten werden.

    Der Autor des von dir zitierten Textes weiß das. Deswegen hat er sich entschlossen, alle Wege zu nutzen, um Microsoft nicht nur zu verteidigen, sondern auch in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Er wusste, dass “großes amerikanisches Unternehmen” bei seiner Zielgruppe zieht.

    Bitte sieh mir nach, wenn ich mich nicht auf eine En-Detail-Diskussion des Textes einlassen möchte. Dazu ist er zu lang, und um Argument für Argument zu behandeln. müsste ich wahrscheinlich ebenso lange Texte schreiben und käme sonst zu nichts mehr. Einen Link zu posten ist eben einfacher ;-)

    Mir fiel nur auf, dass es eine sehr juristische Argumentation ist, die im Wesentlichen darauf abzielt, den nötigen Zweifel aufzubauen, der eine Verurteilung unmöglich machen würde. Und die in ihrem Bemühen der Verteidigung dabei, wie wir das aus den Gerichtssendungen kennen, auch übers Ziel hinausschießt, wenn es konkret wird (z.B. die lustige Auflistung der angeblichen Wettbewerber im Betriebssystem-Markt).

    Natürlich war Microsoft nicht immer Monopolist. Es konnte im Wesentlichen nur durch die Dummheit und Trägheit von Wettbewerbern (Apple. CP/M, IBM) und Kunden (IBM) dazu werden. Auch Microsoft war mal lean and mean. Das ändert alles nichts daran, dass Microsoft die Rolle der Dunkelen Seite der Macht inzwischen dankbar eingenommen hat. Dass mit Linux und OpenOffice endlich der notwendige Wettbewerb Einzug gehalten hat, erkennen wir schon daran, dass Microsoft jetzt zum ersten Mal seit über zehn Jahren maßgebliche und immer wieder geforderte Verbesserungen an Betriebssystem (Rechteverwaltung), Browser (Sicherheit, Komfort) und Office-Suite (”Usability”) vorgenommen hat.

    Nochwas zum Thema “Liberale”: Ich lasse mir ungern vorschreiben, was man als Liberaler zu meinen hat. Also will ich das auch bei anderen nicht tun. Aber verstehen kann ich es trotzdem nicht, dass ausgerechnet Liberale sich nicht auf allen Ebenen für “Freie Software” einsetzen.

  28. 25.07.2006 | 15:58

    @SteffenH

    Ich bezog mich auf den Satz

    “We do not wish to join the chorus of criticism of a major American firm and its leadership now under way in the courts and the press.”

    Zugegeben, beide Sätze, der von dir zitierte aus der Zusammenfassung und dieser hier, formulieren keine schlimmen Positionen. Aber die Betonung von “American” ist hier zu offensichtlich, um übersehen werden zu können.

    Und auch bei der restlichen Einschätzung bleibe ich. Nicht aus Unwillen, mich mit dem Text zu befassen, sondern als Ergebnis seiner Lektüre. Vielleicht bin ich ungerecht, aber Microsoft hat von Erpressung bis zur Fälschung von Protokollen schon zu viele kriminelle Tricks angewendet, dass ich bei feinen Signalen wie z.B. einer lachhaften Wettbewerber-Auflistung nicht misstrauisch werde.

    Übrigens:

    Ich schätze deine Beiträge auf deinem Blog und auch hier. Du kannst auch gerne meine Meinungen vernichtend kritisieren, mir Fehlschlüsse und subjektiv gefärbte Sicht vorwerfen, aber wenn du persönlich werden musst, würde mich das sehr enttäuschen. Ich habe keinen Bock, dass wir uns hier auf Sandkastenniveau gegenseitig Charakter- und Intelligenzdefizite um die Ohren hauen. Fanatismus überlasse ich gerne anderen.

  29. SteffenH
    25.07.2006 | 16:11

    @rayson:

    Verstehe mich bitte nicht falsch, ich hab nichts gegen Open Source Software. Und Lobbyismus seitens Microsoft lehne ich ebenso ab, wie den Lobbyismus anderer Software-Unternehmen gegen Microsoft. Hier hat die Politik nichts zu suchen. Da sind wir uns einig.
    Was den Text betrifft, ist es schade, dass du hier kapitulierst, denn er beinhaltet sehr viele ökonomische Argumente und kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Staat in dieser Sache gefälligst raushalten soll. Mangels Zeit kann ich dir den Text auch nicht vorlesen. Dich scheint das Thema zu interessieren, also betrachte die Sache mal aus einer anderen Perspektive. Soviel Zeit muß sein.
    Ich denke Softwareunternehmen sollten sich selbst zu helfen wissen, was sie mit der Open Source Strategie ja inzwischen recht erfolgreich machen. Wettbewerb ist keineswegs eine staatliche Veranstaltung, die mit staatlichen Mitteln eingehalten werden muß. Hier verkennst du die Rolle des Staates in der Wettbewerbspolitik. Der Staat hat sich um die rechtliche Absicherung von Verträgen und den Schutz von Eigentumsrechten zu kümmern, aber sicherlich Wettbewerber nicht vor ihrer eigenen Dummheit und Trägheit auf Marktsignale zu reagieren. Wenn dann das Kind in den Brunnen gefallen ist, den Staat zu bemühen, trägt nicht gerade zur Sicherung der Rahmenbedingungen eines funktionierenden Marktes bei. Schließlich kann der Staat stets nur durch eine Verletzung von Eigentums- und Verfügungsrechten agieren und riskiert damit erhebliche zunächst nicht zu erwartende Konsequenzen.

  30. SteffenH
    25.07.2006 | 16:17

    Ich wollte nicht persönlich werden, aber ich denke die von dir genannten kriminellen Machenschaften von Microsoft (damit kenne ich mich wenig aus)haben nichts zu tun, mit der Logik der Angebots- und Preisbildung an Softwaremärkten. Ich bin zuallererst daran interessiert, dass wir beide Facetten der Debatte, das Politische und das Ökonomische sauber trennen. Dann kommt auch wieder eine sachliche Diskussionsatmosphäre zustande ;-).

  31. der gute don
    25.07.2006 | 19:10

    wenn ich freien Wettbewerb wünsche, denke ich an kompetitiven Streit um besseren Nutzen für den Konsumenten.

    Ich denke weniger an politische Einflußnahme zur Verdrängung (Softwarepatente) noch an andere Formen der Diskreditierung der Mitbewerber. Darüber hinaus versucht MS offensichtlich mit enormen finanziellen Anstrengungen jede Form von Wettbewerb abzutöten, schon lange stehen hier nicht mehr Produkte gegen Produkte. Zum Schaden des Nutzens der Endkonsumenten. Diese -sicherlich subjektive - Schlußfolgerung ziehe ich aus meinem systemübergreifenden beruflichen IT Kenntnissen und Erfahrungen.

    Zu Deinem Link: Aufgrund der seit Erstellung im Jahre 1998 geschehenen Ereignisse erübrigt sich jeder Kommentar zu diesem Link, er ist schlichtweg veraltet.

  32. 25.07.2006 | 19:12

    @SteffenH

    Nochmal: Ich habe keine Lust und keine Zeit, einen so langen Text im Detail argumentativ anzugehen. Das als Kapitulation zu bezeichnen, ist ziemlich unfair, schließlich ist so ein Link schnell gepostet und auch das Vorlesen, das du ablehnst, wäre weit weniger zeitintensiv als eine überlegte Entgegnung. Wäre ich so böswillig, wie du mir hier rüberkommst, würde ich dir vorwerfen, dich hinter einem fremden Text zu verstecken. Wenn du die drei deiner Meinung nach schlagendsten Argumente daraus hier referierst, werde ich dir gerne antworten. Dass ich den Text gelesen habe, davon darfst du ausgehen. Die im Raum schwebende Unterstellung, ich würde keine Gegenpositionen zu der meinen lesen wollen, nehme ich daher eher amüsiert zur Kenntnis.

    Aber selbstverständlich ist Wettbewerb etwas vom Staat Generiertes und Aufrechterhaltenes. Wer sorgt denn für Eigentums- und Verfügungsrechte wenn nicht (im deutschen Fall) das Grundgesetz und konkretisierend das BGB? Von daher halte ich es auch für falsch, wenn der Staat ein Monopol, das sich nach Meinung von Libertären oder ihnen nahestehenden Liberalen mit legitimen Mitteln ergeben hat, einfach akzeptiert. Es ist im Gegensatz zur Auffassung dieser Richtung nicht das Privateigentum, das Wohlstand erzeugt, sondern der Wettbewerb (der selbst natürlich Privateigentum als Grundlage hat). Wo er, aus welchen Gründen auch immer, ausgeschaltet wird oder ausgeschaltet werden soll, muss der Staat im Interesse der Verbrauchermehrheit einschreiten. Ob dieses Einschreiten dergestalt erfolgen soll, dass man unfähige Wettbewerber stärkt, ist eine zweite Frage, die ich natürlich mit \”Nein\” beantworten würde. Mir reicht es, wenn potenzielle Wettbewerber nicht mit Mitteln behindert werden, die keinem anderen Wettbewerber außer dem Monopolisten offen stehen. Realiter, nicht in der \”ceteris paribus\”-Welt einer ökonomischen Theoriebildung.

    Ich halte es für keine Marktdeformation, wenn die Teilnehmer von vornherin Bescheid wissen, dass ein sich herauskristallisierendes Monopol einer besonderen Aufsicht unterliegen würde. Im Gegenteil. Ich will gar nicht wissen, wieviele Innovationen alleine dadurch verhindert wurden, dass der potenzielle Innovator sich nicht mit Microsoft anzulegen wagte bzw. keine Geldgeber dafür gefunden hat. Weiteres Beispiel: Durch die Meldungen der Antivirensoftware-Hersteller wurden jedermann Schwächen des Windows-Betriebssystems vor Augen geführt. Microsoft reagiert darauf im Stile eines seiner Macht bewussten Duodez-Fürsten: Es integriert Antiviren-Software in sein neues Betriebssystem. Der angenehme Nebeneffekt besteht dann letztlich in der Ausschaltung externer kritischer Stimmen, was ich vor dem Hintergrund, in wievielen kritischen öffentlichen Bereichen mittlerweile Microsoft-Software eingesetzt wird, als äußerst bedenklich empfinde.

    Auch wenn Ökonomen dazu neigen: Du kannst Ökonomie und Politik nicht trennen. Nicht nur bei Monopolen, sondern auch bei der nicht unerheblichen Frage der Definition von Eigentumsrechten fließt beides zusammen, und wenn man sich als Liberaler, was eine politische und keine ökonomische Einstufung ist, die Freiheit des Einzelnen auf die Fahne geschrieben hat, darf man mächtige Organisationen nicht nur dann kritisieren, wenn sie über das staatliche Gewaltmonopol verfügen (obwohl das die schlimmsten sind).

    Ich glaube wegen der zahlreichen vom Staat zu schaffenden Voraussetzungen und wegen der drastischen Skaleneffekte nicht, dass sich überhaupt unpolitische Debatten über die Preisbildung auf Softwaremärkten führen lassen.

    Insofern kann ich dir nicht damit dienen, Politik und Ökonomie \”sauber\” zu trennen. Wäre ich - wieder mal - böswillig, würde ich schon den Versuch dazu als interessengeleitete Manipulation ablehnen. Wenn du dich deswegen (also wegen der nicht-böswilligen Interpretation, die aber deiner Forderung auch nicht nachkommt) nicht in der Lage sehen solltest, eine sachliche Diskussionsatmosphäre herzustellen, wäre das schade.

  33. der gute don
    25.07.2006 | 20:05

    @rayson:
    wie gesagt, dem Text fehlen die Entwicklungen der vergangenen 8 Jahre, ich bin mir sicher die gleichen Autoren würden heute anders urteilen. Insbesondere das Technology Center der University of Missisippi (akademisches Heim eines der Autoren) habe ich vor einigen Wochen besucht, dort setzt man neuerdings sehr stark auf Linuxcluster.

  34. 25.07.2006 | 20:09

    @der gute don

    Du hast Recht, aber ich habe gedanklich versucht, einen Zeitsprung zu machen, um dem Text nicht mit der Gewissheit desjenigen zu begegnen, der hinterher schlauer ist.

    Aber der Dissenz zwischen SteffenH und mir ist ein etwas grundsätzlicherer.

  35. SteffenH
    25.07.2006 | 20:29

    @rayson:

    Machen wir uns gegenseitig das Leben nicht so schwer. Wenn ich etwas gereizt reagiert habe, dann deshalb, weil ich den Eindruck hatte du würdest die Motivation statt die Argumente der Autoren des Papers kritisieren. Damit kann ich leider nicht viel anfangen. Ich kann es verstehen, dass du aus Zeitmangel nicht auf Einzelheiten des Papers eingehst, aber wenn du es doch gelesen hast, dann wundert mich die Distanz mit der du die Argumente behandelst.
    Du argumentierst permanent mit einem Monopol von Microsoft. Der relevante Markt um den es hier geht ist seit etwa 25 Jahren der Personalcomputermarkt. Hier hat es von Anfang an, wenn auch nur wenige Wettbewerber gegeben. Die Geschichte hast du ja in dem Paper gelesen. Also kann man hier von marktbeherrschender Stellung aber nicht von einem Monopol sprechen. Soviel zur Begrifflichkeit. Warum sollte der Staat hier eingreifen? Besitzer eines PCs können sich recht einfach einen Mac kaufen, genauso wie ein unzufriedener Golffahrer das nächste Mal zum Opel Astra oder weiß ich was greift. Dabei sind die Konsequenzen der Unzufriedenheit im PC-bereich nicht einmal so hoch wie bei anderen hochwertigen Gütern, weil stets zu jedem Microsoftprodukt auch ein Wettbewerbsprodukt am Markt ist, auch wenn es nachinstalliert werden muß. Es ist nicht einzusehen, warum Microsoft kein Recht haben sollte den Wert seines Produktes durch eine Bündelung von Anwendungssoftware zu vergrößern. Hier zeigt die Firma sogar höhere Flexibilität wie etwa die Anbieter anderer Produkte, die durch technische Tricks die Nachrüstung von Teilen von Fremdanbietern verhindern. Man kann den eingebauten Virenschutz als Versuch sehen, kritische Stimmen zu unterdrücken. Berücksichtigt man jedoch, dass der Wert des Produkts und damit die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten steigt, wenn diese ohnehin gewünschte Software nicht erst nachgerüstet werden muß, dann erscheint dies als ganz normale Angebotsstrategie. Im Übrigen ist die empirische Evidenz von Monopolen, die ohne Zutun des Staates existieren äußerst dürftig. Die meisten Monopole haben ihr Exklusivrecht hierfür vom Staat erhalten, wenn nicht, dann waren sie nur temporärer Natur. Wenn der Staat die Aufgabe hat Eigentums- und Verfügungsrechte zu schützen, dann kann er nicht in einem beliebigen Moment damit aufhören, weil die andere Marktseite mit den normalen Tricks der Innovation und des Marketing nicht zurecht kommt. Wenn du meinst, eine marktdominierende Stellung würde Innovationen verhindern, dann ist die Sichtweise einseitig, denn erst die Aussicht auf Gewinne schafft den Anreiz für Investitionen und Innovationen. Ein Markt wie der Softwaremarkt mit hohen Fix- und nahezu nicht existenten variablen Kosten macht aber Gewinne kaum möglich, wenn durch staatliche Interventionen keine positiven Deckungsbeiträge erwirtschaftet werden können. Es ist also nicht klar, welche Betrachtung der Marktdynamik hier mehr Innovationen verspricht. Ich bin hier eher auf der Seite derjenigen, die im schumpeterschen Sinne temporäre Monopolgewinne für innovationsfördernd halten. Für mich ist die Wettbewerbspolitik in diesem Bereich eine klare Rent-Seeking-Strategie, die nichts mit ökonomisch effizienter Wettbewerbsförderung zu tun hat. Ich hoffe auf eine weitere fruchtbare Diskussion.

    Schöne Grüße

    Steffen

  36. SteffenH
    25.07.2006 | 20:52

    @derguteton:

    Wenn ich schon den Text hier permanent um die Ohren gehauen bekomme, was konkret ist hier veraltet. Sind die Vorgänge auf dem Softwaremarkt so kompliziert, dass der nicht eingeweihte Leser nur Statements statt Argumente verdient. Wenn ich die Situation recht verstehe geht es nach wie vor um die Bündelung des Betriebssystems Windows mit Zusatzprogrammen und die Offenlegung von Quellcode, also Dinge die in dem “veralteten Paper” angesprochen werden. Die Verbindung von Prof. Shugart und den Linux-Clustern an der University of Missipi kann ich nicht nachvollziehen…

  37. SteffenH
    25.07.2006 | 21:10

    Ist der Ruf erst ruiniert, zitiert es sich ganz ungeniert (aus dem Paper “A Theory of Commodity Bundling” von McCormick, Shugart II und Tollison (2003!)):

    In an older way of thinking, pure commodity bundling was seen as a way for a firm enjoying a
    monopoly of one product to extend that monopoly to the market for another. But that explanation
    failed the test of simple economic logic Stigler [1963] 1968). Any attempt to extract additional
    profits by raising the price of a second good bundled with – or tied to – the monopolized good would shatter on the first law of demand. The seller could not continue to sell the same quantity of the latter without lowering its price: if the second good includes an overcharge, the monopolized good must be priced below the simple monopoly price (Kenney and Klein 1983, p. 498).

    Schooled in extension-of-monopoly’s fatal logical flaw, the modern economic literature on
    commodity bundling – if not necessarily, as this paper’s epigraph suggests, its application within the realm of antitrust – initially shifted the analytical focus toward theories of price discrimination.
    Metering was offered as a theory (Director and Levi 1956).3 If the elasticity of demand for the
    services of a durable good, such as a photocopier, is inversely correlated with the user’s consumption of complementary inputs, such as paper, toner cartridges, replacement parts and maintenance services, then by bundling some or all of these inputs with the sale or lease of the photocopier, a durable-goods monopolist can extract more surplus from consumers than could be extracted under alternative pricing policies.4 Such price-discriminatory metering requires the monopolist to lower the price of the durable good (below the simple monopoly profit-maximizing price) and to raise the prices of the complementary inputs over what would be charged for them if sold separately. That strategy enables the monopolist to charge higher effective prices to consumers who use the durable good more intensely and, hence, purchase larger quantities of complementary inputs than their counterparts whose demands are more elastic.5 In effect, bundling offers the firm
    a transparent way of separating its customers into high and low elasticity demanders, with the
    demanders themselves segmenting the market.

  38. SteffenH
    25.07.2006 | 21:10
  39. 25.07.2006 | 21:14

    @SteffenH

    Wollen wir mal von vornherein ein paar Missverständnisse ausschließen. Ich sehe das staatliche Eingreifen auch eher restriktiv und will temporäre Monopole keinesfalls als Ausrede für staatlichen Aktionismus durchgehen lassen. Entscheidend sind für mich die Methoden, mit denen man Monopolist wird oder versucht, es zu bleiben. So halte ich eine Fusionskontrolle für zwingend notwendig. Am Rande sei vermerkt, dass ich in deren mangelhafter Ausübung und dem Nachbeten betriebswirtschaftlicher Leerformeln durch die Politik das größte Versagen der Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre sehe. Gut, MS ist nicht durch Fusionen groß geworden, sondern durch geschickte Zukaufs- und Vertragspolitik. Wenn man so will, ist die Rolle von MS in der Softwarewelt eher die eines dominierenden Großhändlers denn eines innovativen Entwicklers.

    Einen Mac zu kaufen, ist eine denkbare Alternative, wenn ich am PC Bildbearbeitung und Layout machen will. Verlange ich von meinem Rechner, dass er mir nebenbei noch die Buchhaltung macht, meine Bankgeschäfte abwickelt und die neuesten Spiele zulässt, schaue ich zumindest als deutscher Benutzer etwas in die Röhre, was weder an Apple noch an Microsoft, sondern allein an einer Monopolstellung liegt, die den Softwareentwicklern das Angebot für andere Betriebssysteme unwirtschaftlich erscheinen lässt. Das ist übrigens ein positiver Regelkreis, der zur Monopolstellung beiträgt. Und wenn ich, was unzweifelbar den Aufstieg von MS mit befördert hat, die Büroprogramme auf meinen Rechner zu Hause kopieren möchte, sehe ich ebenfalls sehr alt aus.

    Die reine Bündelung von Anwendungssoftware ist auch für mich kein Grund zu staatlichem Einschreiten, verstehen wir uns nicht falsch. Aber sie ist Teil der Erklärung, warum man eben nicht nur erfolgreich sein kann, wenn man sich Kundenwünschen anpasst, sondern auch, wenn man Marktmacht und Größe spielen lässt. Wordperfect war damals besser als Word, und Lotus zumindest gleichwertig mit Excel, aber beide Programme stammten von verschiedenen Anbietern, so dass MS durch das Bundling einen Vorteil ausspielte, den die anderen nicht hatten. Und da die Treiber für den Kauf eines Office-Pakets meiner Einschätzung nach zu 90% Textverarbeitung und Tabellenkalkulation sind, konnte MS auf diese Weise den Nutzern auch andere Anwendungsprogramme “unterjubeln”, da diese ja schließlich aus Sicht der Käufer einer Excel/Word-Kombination “kostenlos” beilagen. Konkurrenz, gar die kleinerer Anbieter, hatte so keine Chance.

    Das Problem von MS ist ja, dass man dort beim besten Willen keine oder nur geringe Innovationen erkennen kann, jedenfalls, wenn man sie produktbezogen und verbrauchernutzenorientiert sieht. Mag sein, dass Monopolgewinne Voraussetzung für Schumpetersche Innovationen sind, aber offensichtlich kann man die auch ohne einfahren. Es ist vielleicht aber gar nicht schwierig, das eine vom anderen zu unterscheiden: Sobald sich das Streben des Monopolisten danach richtet, mit seinen Aktionen Konkurrenz auszuschalten, liegen keine Schumperterschen Renten mehr vor. Sobald sich der Monopolist nicht durch Leistung seines Produkts, sondern durch plötzliche Dumpingaktionen und Beziehungen zu anderen Mächtigen versucht, dem Wettbewerb zu entziehen, ist der Staat gefragt.

    Zu dem frühesten Zeitpunkt, an dem ich ein Eingreifen in die Politik Microsofts geboten gesehen hätte, war MS vom Problem zu geringer Deckungsbeiträge bereits meilenweit entfernt. Ein Innovationshemmnis ist aus einer so verstandenen Wettbewerbspolitik m.E. kaum zu basteln.

    Und was die “Rent-Seeking-Strategie” betrifft: Von wessen Rente redest du, wenn der Staat einen Monopolisten dazu zwingt, sich seiner Konkurrenz zu gleichen Bedingungen zu stellen? Wenn also z.B. nur verlangt wird, dass ein Betriebssystem zu einem günstigeren Preis ohne bestimmte Zusatzpakete erhältlich sein soll?

  40. 25.07.2006 | 21:19

    Einen Text zu zitieren, ist das eine. Zu zeigen, dass er auf den konkreten Fall zutrifft, das andere.

    Ich setze dem die Logik eines Monopolisten entgegen, der sich seine Monopolstellung gerne auch etwas kosten lässt, weil sie für ihn strategisch wichtig ist. Der Nutzen der Beherrschung des Browsermarkts z.B. geht weit über den Gewinn aus dem Verkauf von Browsern hinaus.

  41. 25.07.2006 | 21:33

    Weil’s gerade so gut passt:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/75915

  42. der gute don
    25.07.2006 | 21:59

    was konkret ist hier veraltet.

    zwischenzeitlich hat MS versucht den Wettbewerb am Browsermarkt über die interne Quersubventionierung von Office durch automatische Integration von IE zu manipulieren. Mit Sicherheit keine betriebwirtschaftliche Entscheidung. Seit 98 liegen 3 Windowsversionen und ca. 8 Service Packs mit jeder Version neue Versuche die Monopolstellung weiter auszubauen. Seit 98 wurde der Versuch von MS in das europäische Patentrecht 4 mal versucht, nach jeder Ablehnung über neue difussere Wege. (Irland nach der ersten Ablehnung gekauft => neuer Vorstoß mit der neuen irischen Ratspräsidentschaft, zuletzt über die den Agrarministerrat unter dem Deckmantel des Konsumschutzes) Trotz mehrfacher Rechtsprechung die MS zur Offenlegung der Schnittstellen zwang, ständige Manipulationen, gestohlene Sourcecodes die deren Offenlegung verhinderten, (wers glaubt) die Liste der versuchten Marktmanipulationen von MS ist seit 98 lang. Und öffentlich.

  43. Parker8
    25.07.2006 | 22:54

    Interessante Diskussion hier, zu der ich gerade nicht viel beizutragen habe (geht ja nicht um Verteilung, wird Rayson sagen), außer dass Bundling/Tying in Pindyck/Rubinfeld pp404-23 steht (ch 11.5), und Microsoft vs. US pp376-7 im rechtlichen Kontext dargestellt ist. Natürlich steht nirgendwo, ob durch Tying Ressourcen verballert werden. Wenn ich mir das Theater bei Druckertinte angucke, will mir das manchmal so scheinen.

  44. SteffenH
    25.07.2006 | 23:08

    Jedes Marktagieren dient dem Zweck sich gegen Konkurrenz durchzusetzen. Das streite ich nicht ab. Mir ist allerdings nicht klar, welchen Vorteil der Konsument von einer Windows-Version ohne Zusatzpakete hat. Die Bündelung erlaubt Microsoft zwar einen höheren Preis für das Software-Paket, der Konsument zahlt aber weniger, als würde er die Produkte getrennt kaufen müssen und zwar deshalb, weil ein zu hoher Preisaufschlag für den Browser nicht nur potentielle Browserkunden, sondern auch Betriebsystemkäufer abschreckt. Wird der Browser allein verkauft, hat das keine Konsequenzen für den Absatz des Betriebsystems, wodurch sich die Preissetzungsmacht des Browseranbieters erhöht. Es ist dieselbe betriebswirtschaftliche Logik, nach der durch vertikale Produktintegration normalerweise die Preise für konsumenten sinken.Das wollte ich mit dem letzten Link eigentlich nur verdeutlichen.

  45. SteffenH
    25.07.2006 | 23:13

    @der gute ton:

    Genau darum geht es in dem Paper. Ich sehe im Übrigen nicht ein, weshalb es volkswirtschaftlich sinnvoll sein sollte MS zur weiteren Offenlegung seiner Schnittstellen zu zwingen. Aber auch das wird in dem “veralteten” Paper diskutiert.

  46. SteffenH
    25.07.2006 | 23:44

    @rayson:

    Auf Seite 12 - 14 des o.g.Papers (http://www.olemiss.edu/depts/economics/Theory%20of%20Commodity%20Bundling.pdf) geht es exakt um unser Problem. Wem schadet/nutzt Bundling im Microsoft-Fall?

  47. Parker8
    26.07.2006 | 0:54

    Auf Seite 12 - 14 des o.g.Papers [...] geht es exakt um unser Problem.
    Die Argumentation dort geht aber am Punkt vorbei.

  48. SteffenH
    26.07.2006 | 8:49

    @parker8:

    Nein, denn rayson meinte: “Und was die “Rent-Seeking-Strategie” betrifft: Von wessen Rente redest du, wenn der Staat einen Monopolisten dazu zwingt, sich seiner Konkurrenz zu gleichen Bedingungen zu stellen? Wenn also z.B. nur verlangt wird, dass ein Betriebssystem zu einem günstigeren Preis ohne bestimmte Zusatzpakete erhältlich sein soll?” Und das ist genau der Disput: Sollte der Staat in die Produkt- und Preisbildung derartig eingreifen, dass er die Verkaufsbedingungen und das Produktdesign bestimmt. In dem Text wird der Frage nachgegangen, ob Bündelung dem Konsumenten schadet.

  49. der gute don
    26.07.2006 | 13:42

    Genau darum geht es in dem Paper.

    Um die politischen Bemühungen kann es ebensowenig gehen, wie um die Behinderung der Justiz seit 1998.

    Die Bündelung erlaubt Microsoft zwar einen höheren Preis für das Software-Paket, der Konsument zahlt aber weniger, als würde er die Produkte getrennt kaufen müssen

    und wenn ich keinen Paketaufschlag zahlen möchte und lieber einen kostenfreien Browser installieren möchte?

  50. SteffenH
    26.07.2006 | 14:03

    @der gute don:

    Man kann vieles “möchten”. (Ich wollte letzte Woche auch gern Karotteneis kaufen, musste aber leider mit Schokoeis vorlieb werden.) Es scheint bei manchen offenbar die Meinung vorzuherrschen, man müsse jedem Unternehmen vorschreiben können, wie sein Angebot auszusehen hat. Man versuche diese Logik mal in die Realität zu übertragen. Es gibt kein Auto ohne Scheibenwaschanlage oder Frontscheibe, die man dann selbst mit einem Fremdfabrikat nachrüstet.

    Die politischen Bemühungen Microsofts, sich seine Konkurrenten vom Hals zu halten sind ein ganz anderes Thema. Dass dieses Verhalten abzulehnen ist, darüber besteht kein Dissenz. Inzwischen dreht sich die Debatte um die Frage, ob es wettbewerbspolitischen Gründe für eine Ent-Bündelung von Softwareprodukten gibt. Wenn genügend Konsumenten wie du das wünschen, dann ist es auch für einen Monopolisten nicht rational diesem Wunsch nicht nachzukommen. Aber vom individuellen Wunsch eine wirtschaftspolitische Forderung abzuleiten halte ich doch für etwas weit hergeholt. Im Übrigen ist davon auszugehen, dass das Paketangebot nie mehr kostet, als die Summe der Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für alle Einzelkomponenten, inklusive der Opportunitätskosten der Selbstinstalation (Zeit, Ärger etc.). Du sparst also mit dem Erwerb des nackten Betriebssystems und dem Zukauf bzw. der Nachinstallation der Zusatzprogramme keinen müden Euro. Weshalb das so ist, kannst du auch in dem Paper nachlesen.

  51. der gute don
    26.07.2006 | 17:45

    (Ich wollte letzte Woche auch gern Karotteneis kaufen, musste aber leider mit Schokoeis vorlieb werden.)

    Produktdifferenzierung gehört weniger zu der Problematik monopolistischer Zustände. Wenn der Gelati-Verkäufer Deines Vertrauens allerdings gleichzeitig der einzige ist, der die Eiswaffeln herstellt und die richtige Passgröße für Eiskugeln geheimhält, gleichzeitig mit dem beliebten Erdbeereis sein Schokoladeneis so quersubventiniert (und den Markt verzerrt), daß der auf Schokoladeneis begrenzte Eisverkäufer um die Ecke sein Schokoladeneis nicht mehr verkaufen kann, besteht in meinen Augen klarer Handlungsbedarf vom italienischen Eisverband. Zumindest bei den Waffeln!

    Wer einen Witz findet darf ihn behalten.

  52. SteffenH
    26.07.2006 | 22:36

    @der gute don:

    Wie definierst du eigentlich Marktverzerrung? Ein Produzent kann mit seinem Produkt tun und lassen was er möchte. Ein Markt ist verzerrt, wenn die Marktbedingungen nicht für alle Marktteilnehmer gleich sind. Der Markt ist aber nicht der Zugang zu den Windows-Programmierschnittstellen, sondern das Umfeld in dem Software angeboten und nachgefragt wird. Jeder hat die Freiheit ein Betriebssystem und entsprechende Anwendungssoftware zu programmieren und zu vermarkten. Aber warum soll jeder das Recht auf den Quellcode eine kommerziell produzierten Betriebssystem haben. Das illegale Decompilieren von privatem Quellcode ist Diebstahl, der staatliche Zwang zur Offenlegung von Quellcode ist staatlich sanktionierter Diebstahl. Genau das Gegenteil von Eigentumsrechtsschutz, der eigentlichen Staatsaufgabe. Du nagelst ja auch nicht die Pin deines Bankkontos zusammen mit der EC-Karte an einen Baum, um bloß nicht als Monopolist über dein eigenes Bankkonto zu erscheinen. Würde ich ihn von dir mit gesetzlicher Gewalt verlangen, wärst du wohl auch nicht erfreut, dabei würde ich - wie jeder Microsoftkonkurrent sich mit dem per Zwang offengelegten Quellcode eine Menge Kosten sparrt - mit deinem Geld ganz feine Sachen anstellen können.

  53. 26.07.2006 | 23:11

    @SteffenH

    Wenn du alles, was sich allein aus der Wahrung des Eigentumsrechts ergibt, als zwingend hinzunehmen betrachtest, werden wir in dieser Diskussion nicht viel weiterkommen. Das Eigentumsrecht ist vom Staat gewährt und wird von ihm verteidigt, weil er sich daraus einen Vorteil für die Allgemeinheit verspricht. In den meisten Staaten handelt es sich um ein vielfach begrenztes und alles andere als absolutes Recht (siehe GG). Es muss sich z.B. auch da, wo es dazu verwendet wird, Wettbewerb und Konkurrenz auf unfaire Weise zu verhindern, also z.B. durch Ausnutzen von Monopolstellungen, Begrenzungen gefallen lassen.

    Schnittstellen sind etwas anderes als “der Quellcode”. Es sei denn natürlich, du sähest es als Eigentumsrecht Microsofts an, aus seiner Monopolstellung beim Betriebssystem Vorteile für seine Anwendungsprogramme zu ziehen. Oder vielleicht gar als besondere Leistung. Du sagst praktisch denen, die mit Microsoft in Konkurrenz bei Anwendungsprogrammen treten wollen: “Warum entwickelt ihr nicht euer eigenes Betriebssystem und setzt es am Markt durch?” Oder einfacher: “Pech gehabt, liebe Kunden und liebe Wettbewerber! Ihr müsst eben, wenn ihr volle Funktionalität wollt, mit dem leben, was Microsoft euch vor die Füße wirft”. Wettbewerb geopfert auf dem Altar eines Geheimhaltungsrechts mit fragwürdiger Begründung.

    Auch die Offenlegung des Quellcodes wäre übrigens kein “Diebstahl” - das Urheberrecht bleibt davon unberührt.

    Sollte der Staat in die Produkt- und Preisbildung derartig eingreifen, dass er die Verkaufsbedingungen und das Produktdesign bestimmt.

    Ja, wenn dabei das Ausnutzen von Monopolstellungen eine Rolle spielt. Wobei natürlich die Untersagung einzelner Parktiken etwas ganz anderes als eine “Bestimmung von Verkaufsbedingungen und Prduktdesign” - sonst könntest du mit gleichem Recht behaupten, der Staat bestimme, wie du dein Einkommen erzielst, nur weil er dir Rauschgifthandel und Erpressung untersagt.

  54. SteffenH
    27.07.2006 | 9:08

    @rayson:

    Bevor du diese vage Gemeinwohldefinition als begründung für Markteingriffe einführst, mußt du ersteinmal belegen können, durch welches Innovationshemmnis der Gemeinwohlverlust am größten ist. Hier steht nähmlich der langfristig reduzierte Anreiz zur Innovation des “Monopolisten” (der Begriff gilt hier nach wie vor nicht, aber seien wir nicht kleinlich), gegen die Förderung eher kurzfristiger der Innovation der Trittbrettfahrer des Betriebssystems. Eine Teiloffenlegung seiner Schnittstellen wird ein Monopolist ohne Widerstand selbst vornehmen, weil er dadurch bestimmte Programmierleistungen an Fremdanbieter outsourct, die er selbst nicht hätte besser machen können. Außerdem promotet er netzwerkeffekte und gewinnt dadurch an Marktanteil. Andere Wettberber, wie zB. Apple sind hieran zB. gescheitert. Sicherlich wird er versuchen die Bereiche zu schützen, die seine Marktposition gefährden, also dort wo er glaubt mehr durch eigene Softwareentwicklung als durch die Promotion seines Betriebssystems zu verdienen. Es ist aber nicht so klar, ab wann in einem von Netzwerkeffekten dominierten Markt eine marktbeherrschende Stellung schlecht für den Konsumenten ist. Hierüber wird viel diskutiert in Fachkreisen und das Internet ist voll von akademischen Aufsätzen. Ich darf auch bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass ein Monopol nicht zwangsläufig ineffizient sein muß. Je stärker der Monopolist in der Lage ist Preisdifferenzierung zu betreiben (was hier auf verschiedenste Weise geschieht, man muß es nur sehen), umso geringer ist das sog. Harbergersche Dreieck, also der Wohlfahrtsverlust durch Preise die über den Grenzkosten liegen. In dieser Situation maximiert der Monopolist seinen Profit, weil er die Nachfrager nach ihrer Zahlungsbereitschaft sortieren kann und damit Konsumentenrente abschöpft. Das Ergebnis ist dann bestenfalls ein Verteilungsproblem. Die gesamte Diskussion zu dem Thema ist in der Industrieökonomik bei weitem noch nicht beendet. Die hier abgegebenen Statements sind ebenfalls kein Wohlfahrtsbeleg für die hier geforderten Markteingriffe. Leider sehe ich mich überfordert hier die jahrelange Debatte der Industrie- und Wettbewerbsökonomik nachzulegen. Die Arbeit muß der interessierte Leser schon selbst leisten. Ich kann da leider nur mit Links helfen, etwa mit dieser m.A. umfangreichsten Sammlung von Aufsätzen zum Für und Wider der Regulierung von Microsoft: http://www.swlearning.com/economics/policy_debates/microsoft.html Nur unwiedersprochen werden wenig überzeugende Argumente wohl weiterhin nicht bleiben. Schöne Grüße Steffen

  55. der gute don
    27.07.2006 | 10:56

    Wie definierst du eigentlich Marktverzerrung?
    wie stehst Du in diesen Zusammenhang zu Preisdumping?

    Der Markt ist aber nicht der Zugang zu den Windows-Programmierschnittstellen, sondern das Umfeld in dem Software angeboten und nachgefragt wird.

    Das ist nicht richtig, durch seinen enormen Erfolg hat MS einen neuen Markt geschaffen.

    Inwiefern hälts Du eigentlich die Forderung der amerikanischen Regulierungsbehörde für legitim, den verkauf der Anwendungssoftware vom Verkauf des Betriebssystems zu trennen?

  56. 27.07.2006 | 17:05

    @SteffenH

    Ich weiß, dass der Konflikt zwischen Theorie und Wirklichkeit immer zugunsten der Theorie entschieden werden muss…

    Die Offenlegung der Schnittstellen bezieht sich natürlich - nur am das mal festzuhalten - auf Konkurrenten bei Anwendungsprogrammen und nicht auf etwaige Zulieferer (die von MS sowieso meist gleich gekauft werden). Welches Interesse MS da auch nur an einer Teiloffenlegung hat, sehen wir am Widerstand des Konzerns. Marktanteile kann MS im Grunde bei Betriebssystemen nicht mehr gewinnen - der Markt gehört MS schon, jedenfalls was die Desktop-Welt betrifft, wo Windows ja eingesetzt wird. Aus historischen Gründen gibt es weltweit noch ein paar Mac-Cluster bei Künstlern und Layoutern, und in den USA auch noch im Bildungsbereich. Der Rest gehört Bill Gates (und sei es über Raubkopien).

    Mir geht es in dieser Diskussion nicht darum, Wohlfahrtsökonomie zu betreiben, sondern den Blick auf die Urfunktion des Marktes als Entdeckungsverfahren zu lenken. Diese wurde durch die monopolistischen Praktiken Microsofts nachweisbar gefährdet - nur die grenzkostenfreie Verfügbarkeit von Alternativen konnte diesen Zustand beenden. Oder eben Eingriffe des Staates, wobei ich der Kritik zustimmen würde, dass diese gerade in der Software-Welt zu schwerfällig, zu spät und völlig unzureichend erfolgen. Man kann sich auch darüber unterhalten, wie die Eingriffe am Zewckmäßigsten erfolgen sollten. Meines Erachtens ist die Diskussion von 1998 deswegen auch ein wenig veraltet. Es gibt heute ein wesentlich sinnvolleres Mittel: die Bevorzugung von Open Source bei staatlichen Ausschreibungen.

    Nur unwiedersprochen werden wenig überzeugende Argumente wohl weiterhin nicht bleiben.

    Wenn das grundsätzlich als direkte Entgegnung geschieht, gerne. Linkverweise auf umfangreiche Literatur sind zwar vielleicht für den einen oder anderen hilfreich und daher auch gerne gesehen, ersetzen aber auch dann nicht die eigene Argumentation, wenn sie zur Umschreibung des Klassikers “du hast keine Ahnung” dienen sollen.

  57. SteffenH
    28.07.2006 | 9:34

    Wassoll eine Debatte um die Funktion des Marktes als Entdeckungsverfahren ohne eine Wohlfahrtstheoretische Perspektive. Es fehlt der Beleg a) für die Nachteile der Konsumenten durch einen stark konzentrierten Softwaremarkt und den Bedingungen von Netzwerkeffekten und vertikaler Integration und der Beleg für eine positive Nettoinnovationswirkung einer erzwungenen Offenlegung von Schnittstellen in einer privaten Software. Dies ist notwendig bei gegenläufig wirkenden Innovationseffekten. Die Diskussion von 1998 bis 2002 ist nicht veraltet, weil sie sich mit grundsätzlichen Fragen der Netzwerkökonomik und deren Konsequenzen für die Marktregulierung im Softwarebereich auseinandersetzt. Gerade dieser Hinweis auf “veraltet” ließ in mir den Verdacht aufkommen, dass meine Lesetipps eben nicht wirklich mit in die Debatte einbezogen wurden. Genau die Diskussion, die wir hier führen wurde damals um das Microsoft verfahren in den USA geführt. Ich halte es nach wie vor für legitim mit Literaturtips den Diskussionsstand auf eine gemeinsame Ebene zu heben. Wer dies als Schulmeistern interpretiert, hat eine eigenartige Auffassung von Wissensvermittlung und glaubt evtl. an einen schon erreichten optimalen Endstand des eigenen Wissens.

  58. 28.07.2006 | 11:57

    Du kannst ja gerne weiter kräftig Kurven diskutieren und Integrale bilden. Ich kann damit in einer politischen Diskussion so gut wie nichts anfangen. Das Entdeckungsverfahren ist die Begründung, warum der Markt als Prozess überlegen ist. Es geht da um Wissen, nicht um Wohlfahrt.

    Die Nachteile im konkreten Fall, also Micorosoft, hatte ich bereits aufgezählt. Man muss nur hinschauen, was Microsoft jetzt, also nach dem Auftreten der Open-Source-Konkurrenz, mit seinen Produkten (und Preisen!) macht und vorher lange Jahre eben nicht. Diese Vorgehensweise würde ich jedenfalls einer modelltheoretischen Betrachtung vorziehen, denn ansonsten müssten wir hier die Modelle und ihre Annahmen selbst diskutieren, was ich für wenig sinnvoll hielte.

    Schulmeistern? Man könnte es auch Diskussionsverweigerung nennen. Statt einem wie ein Professor eine Liste mit abzuarbeitenden Literaturhinweisen hinzuknallen und gönnerhaft verlauten zu lassen “Bring dich erst mal auf meinen Wissensstand”, könntest du z.B., ich habe das schon einmal angedeutet, einfach die drei wichtigsten (wenn es denn insgesamt so viele sind) Argumente aus deiner Sicht zusammenfassen. Wenn ich daran dann etwas nicht verstehe, kann ich immer noch nachlesen.

    Das “veraltet” betrifft übrigens z.B. die Marktsituation. Dabei setze ich nach wie vor voraus, dass wir uns über real existierende unterhalten.

  59. SteffenH
    28.07.2006 | 14:19

    Was du forderst ist aber eben nicht das Entdeckungsverfahren Markt, sondern die Konstruktion eines Wunschmarkts über das “Entdeckungsverfahren” staatlicher Regulierung. Produktdesign und Preisbildung sind eben Marktreaktionen der Anbieter, also ein Entdeckungsverfahren, in dessem Ergebnis eine hohe Marktkonzentration aufgrund marktspezifischer Netzwerkeffekte stehen kann. Deren bloße Existenz rechtfertig noch keine Regulierung und läßt diese schon gar nicht in der hier vorgeschlagenen Form offensichtlich erscheinen. Eingriffe in diesen Markt sind planwirtschaftliche Allüren, vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der einen oder anderen Seite des Konkurrentenspektrums die Ergebnisse des “Entdeckungsverfahrens” nicht in den Kram passen. Stattdessen wird dann die Marktreaktion mit Produkt- und Vermarktungsinnovationen teilweise über den Versuch politischer Interventionen, wiederum unter dem Verweis auf ein selbstdefiniertes Marktversagen, ersetzt.
    Was die Argumente betrifft, werde ich versuchen, auf deinen Wunsch über das Wochenende in Vorleistung zu gehen, denn was ich bislang von deiner Seite gehört habe war auch kein Musterbeispiel einer schlüssigen Argumentation.

  60. 28.07.2006 | 15:09

    @SteffenH

    Ich wiederhole mich nur ungern: Die Realität hat gezeigt, dass im konkreten Fall das Entdeckungsverfahren eben nicht mehr funktioniert hat, weil der Platzhirsch keinen Grund zur Innovation hatte, so lange er sein Monopol durch Verknüpfungen auch für seine Anwendungsprogramme ausnutzen und damit den nötigen Wettbewerb vom Markt fern halten konnte. Das kann man, wie gesagt, konkret zeigen bei Browsern und bei der Office Suite.

    Wenn Microsoft in sein quasi-monopolistisches Betriebssystem nach und nach diverse Anwendungsprogramme als angeblich integralen Teil einbaut und dadurch vorher bereits existierende Märkte, auf denen Wettbewerb herrschte, zum Erliegen bringt, dann ist das ganz klar Machtmissbrauch, letztlich zu Lasten der Verbraucher.

    Es mag ja sein, dass die Monopolsituation Microsofts mal Ergebnis eines Marktprozesses und einer tatsächlichen Überlegenheit seiner Produkte aus Verbrauchersicht war. Nur darf man als Staat, der Microsoft durch eine geeignete rechtliche Umwelt die Möglichkeiten dazu nicht grundlos verschafft hat (was das wert ist, sieht man an den schlechten Beispielen Russland oder China), sich damit nicht für die nächsten Jahrzehnte schulterzuckend zufrieden geben, sondern hat in Verfolgung des eigentlichen Ziels, nämlich Wettbewerb zu gewährleisten, darauf zu achten, dass diese Position nicht unfair ausgenutzt wird.

    Wenn für dich Wettbewerbspolitik, Kartell- und Fusionskontrolle “planwirtschaftliche Allüren” sind, haben wir übrigens fundamentale Unterschiede in der Auffassung von einer Wirtschaftsordnung.

    Dass dir meine Argumente als wenig schlüssig erscheinen, kann ich leider nicht ändern. Dass du es bei der Behauptung belässt und nicht auf sie eingehst, auch nicht. Und ebensowenig, dass du es als Vorleistung betrachtest, wenn man dich bittet, deine eigene Argumentation selbst zu führen. Also warte ich erst einmal ab.

  61. der gute don
    28.07.2006 | 20:17

    Produktdesign und Preisbildung sind eben Marktreaktionen der Anbieter, also ein Entdeckungsverfahren, in dessem Ergebnis eine hohe Marktkonzentration aufgrund marktspezifischer Netzwerkeffekte stehen kann.

    Ich sehe aufgrund der hohen Marktkonzentration (auch) aufgrund marktspezifischer Netzwerkeffekte in diesem Fall eben Handlungsbedarf, Du nicht. Das mag wohl mit unseren verschiedenen Vorstellungen einer Wirtschaftsordnung zusammenhängen.

    Deren bloße Existenz rechtfertig noch keine Regulierung und läßt diese schon gar nicht in der hier vorgeschlagenen Form offensichtlich erscheinen.

    ja, die bloße Existenz rechtfertigt sie nicht - und nein, nicht offensichtlich.

  62. SteffenH
    29.07.2006 | 20:05

    @rayson:

    Bitte fordere keine Argumente ein, wenn du sie nicht selbst lieferst. Du scheinst nicht zu merken, dass du dich selbst auf dünnem Eis bewegst. Seit dem Microsoft seine heutige Marktposition erreicht hat, gab es mehrere neue Versionen von Betriebssystem, Browser und Office-Paket, ohne das die Preise dafür in den Himmel gewachsen wären. Auch versucht die Firma, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg, immer wieder Sicherheitslücken im System zu stopfen. Als langjährriger Windows-Nutzer registriere ich ein Anstieg der Softwarequalität und schätze es im Vergleich zu dir, dass mir gleich ein Bündel nützlicher Anwendungen angeboten wird, die ich dann je nach Bedarf, auch gegen ein Entgelt ergänzen kann. Als Privatanwender von Internet-Explorer und Firefox kann ich auch keine fundamentalen Qualitätsunterschiede entdecken und daher auch keine eindeutige Präferenz für das eine oder andere Programm abgeben. Auf jeden Fall ziehe ich MS-Office dem trägen Open-Office-Paket vor. Aber das sind persönliche Präferenzen. Was meine allgemeinen Einwendungen betrifft, muß ich noch um etwas Geduld bitten, da ich mich argumentativ noch etwas belesen muß. Mir fehlt tatsächlich dieser Absolutheitsanspruch an meine ordnungspolitische Grundposition. ;-)

  63. 29.07.2006 | 22:34

    Oh - die Halbwertzeit meiner Argumente ist ja enorm niedrig. Eben waren sie noch wenig schlüssig, jetzt ist schon deren komplette Abwesenheit zu beklagen. Um das mal klarzustellen: Ich behaupte nicht, du hättest bisher keine gebracht. Ich sehe nur das Posten einer Literaturliste nicht als Ersatz für selbst vorgebrachte Argumente.

    Seit dem Microsoft seine heutige Marktposition erreicht hat, gab es mehrere neue Versionen von Betriebssystem, Browser und Office-Paket, ohne das die Preise dafür in den Himmel gewachsen wären.

    Neue Browserversionen? Nach der Veröffentlichung des Internet Explorer 6 wurde das Entwicklerteam aufgelöst. Das war im Jahr 2001! Erst Mitte 2004 begann Microsoft, die Weiterentwicklung wieder in Angriff zu nehmen. Wenn du schon keinen Unterschied zwischen dem IE 6 und dem Firefox erkennen kannst, scheint es doch genug Leute zu geben, denen es anders geht. Das Ergebnis ist der Internet Explorer 7, den ich hier in einer virtuellen Maschine unter einer Vista-Betaversion zu laufen habe und der endlich vieles hat, was Firefox und davor Opera schon sehr lange hatten.

    Neue Office-Versionen? Seit Office 97 hat sich da auch nichts Grundsätzliches mehr getan. Die “neuen” Versionen waren eher “Facelifts”, wie man in der Automobilsprache sagen würde. Wenn du wissen willst, was eine “neue” Version ist, schau dir das neue Office-Beta an. Es mag ja sein, dass dir MS Office besser gefällt. Aber um so etwas überhaupt sagen zu können, braucht man erst mal eine Alternative.

    Ist es Zufall, dass diese Neuerungen mit dem Erstarken von Firefox, OpenOffice und der strategisch vielleicht noch eher als Bedrohung empfundenen “Web 2.0″-Software zusammentreffen? Die Monopolstellung hat uns anscheinend viele Jahre Stillstand gekostet. Softwaretechnisch gesprochen ist das eine Ewigkeit.

    Und bevor du, vielleicht auch, weil ich mich nicht klar ausgedrückt habe, gegen Strohmänner argumentierst:

    Ich sehe die Berechtigung für staatliches Eingreifen bei der Kopplung von Anwendungsprogrammen mit dem Betriebssystem (Beispiel Browser). Ich sehe die Berechtigung für staatliches Eingreifen nicht in der Kopplung von Excel und Word mit Powerpoint oder Access, wohl aber in der Offenlegung von Schnittstellen zum Betriebssystem für vergleichbare Konkurrenzprodukte (ist alles andere als “Trittbrettfahrerei”).

    Und ich sehe bei der Festlegung der Präferenzen des Staates als Einkäufer eine Notwendigkeit der hohen Priorität für offene Standards und Open Source.

  64. 30.07.2006 | 8:37

    @SteffenH
    Ich kann die Auswirkungen leider nicht nur theoretisch betrachten, sondern ich muss mir zuerst darüber Gedanken machen, welche Auswirkungen Microsofts Produktpolitik auf meine eigene Arbeit hat.

    Die Geschichte der Microsoft-Office-Versionen zeigt, dass Programme oder Programmteile mit eklatanten Schwächen nach dem Erreichen einer marktbeherrschenden Stellung immer weiter mitgeführt wurden. Ich beschränke mich mal auf Word, weil es hier am deutlichsten sichtbar wird.

    In den Word-Versionen von ‘95 bis 2000 wurde die physische Formatierung von Texten (im Benutzerinterface) gegenüber der logischen Formatierung so favorisiert, dass heute ein großer Teil der Nutzer überhaupt nicht weiß, was logische Formatierung überhaupt ist. In den späteren Versionen wurde es ein klein wenig besser. Heute kann man die Nutzer wenigstens auf ein verwendbares Werkzeug hinweisen. Aber auch heute ist für den einfachen Nutzer scheinbar offensichtlich: Wenn ich eine Überschrift setzen will, dann nehme ich die Einstellungen ‘linksbündig, 18pt, Arial’ und schaffe mir den notwendigen Abstand durch einen gewaltsam eingefügten leeren Absatz …

    Microsoft hat sich immer für proprietäre Formate und gegen standardisierte Formate ausgesprochen. Das hat den Datenaustausch behindert und bei den Anwendern unnötige Kosten hervorgerufen. Als es endlich ein anerkanntes XML-Format (ODF) für den Datenaustausch gab, haben sie ein eigenes XML-Format vorgestellt. Nun müssen sich die OpenSource-Entwickler ein weiteres Mal damit befassen, ein Microsoft-Format in ein standardisiertes Format zu übersetzen. Wenigstens ist es diesmal gleich lesbar …

    Aber diese Blockade hatte viele Jahre Zeitverlust und kaum schätzbare Kosten zur Folge.

    Zu den Browsern hat Rayson schon etwas gesagt. Viele Nutzer sind aber noch aus einem anderen Grund auf Firefox und Thunderbird umgestiegen. Dieser Grund heißt “Sicherheit”. Der IE ist eben kein normales Anwendungsprogramm, sondern er ist sehr tief in das Windows-System integriert. Und nur durch die enge Verquickung von Outlook-Express, Internet-Exporer und Windows gab es sehr viele unnötige Sicherheitsprobleme.

    Die Schnittstellen zum Betriebssystem sind meiner Meinung nach heute offen genug. OpenOffice oder die Programme aus der Mozilla-Gruppe haben (soweit ich das sehen kann) keine Probleme mit Windows. Der Staat, die Behörden und andere Großkunden müssen aber Druck auf Microsoft ausüben, damit endlich auch mit M$-Software offene und standardisierte Formate verwendet werden können. Das Ziel: Ein Standarddokument mit logischer Struktur, Text, Tabellen, Abbildungen und den üblichen Listenumgebungen soll unter OpenOffice.Writer genauso bearbeitbar sein wie unter Word oder unter StarOffice oder in anderen Programmen. Dass in Microsoft Word dann noch einige Dutzend schöne Textrahmen und ein paar tausend Cliparts mehr möglich sind, muss niemanden stören: diese Elemente sind eben dann in den anderen Programmen nicht sichtbar.